Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Textanalyse 3
2.1 Textbesonderheiten 3
a) Die Überschrift 3
b) Variationen im Text 4
c) Übersetzungsvariation. 4
2.2 Arbeitsübersetzung 5
2.3 Strukturanalyse 6
3. Kontextanalyse 9
3.1 Die JHWH-Psalmen 9
a) Identifizierung als JHWH-Psalm 9
b) Vergleich mit anderen JWHW-Psalmen 10
3.2 Universalisierung. 12
4. Theologie des Textes 14
a) Ein Dankpsalm 14
b) Königshuldigung der Völker 14
c) Erkennt, dass der HERR Gott ist 15
d) Tretet ein Kommt vor sein Angesicht 16
e) Der HERR ist gut. 16
5. Resumé: 18
Bibliographie : 20
2
1. Einleitung
Oft erscheint das Alte Testament als der Teil der Bibel, das einen zornigen und Krieg führenden Gott darstellt. Doch der nun betrachtete Psalm soll auch die Freude, die das Volk Israel hatte zum Ausdruck bringen. Wir werden im Verlauf der Arbeit sehen, was der Grund für diese Freude, auch im Alten Testament, war. Vor allem die Freude am Heiligtum, vor dem Angesicht Gottes, bewegte die Israeliten. Und auch in diesem Psalm merkt man die Freude der Anbetenden. Eigentlich sollte dieser Psalm von keinem Theologen, sondern wohl eher von Musikern untersucht werden. Jedenfalls ist es nicht verwunderlich, dass auch die Großen der Musikszene (Schütz, Reger, Distler, Mendelsohn) sich diesem Psalm nicht entziehen konnten. 1
2. Textanalyse
Hier sollen kurz mögliche Variationen, sowie Schwierigkeiten im Text besprochen werden. Auch soll am Ende dieses Teils eine eigene Arbeitsübersetzung gegeben werde. Bezüglich der Textgattung können wir sagen, dass der Psalm zu den „hymnischen Chorliedern“ 2 gehört. Um es noch genauer zu beschreiben, „folgt der Psalm […] dem Schema des imperativischen Hymnus“ 3 .
2.1 Textbesonderheiten
a) Die Überschrift
„ה ְָתוֹד ל ְמוֹר ז ִ “מ (Ein Psalm/Lied des Lobes/Dankes) ist durch die Anordnung im MT und im Vergleich zu anderen Psalmen 4 , bei denen dieselbe Anordnung besteht, deutlich, dass es hier um einen Hinweis bzw. eine Überschrift handelt, die uns den Psalm oder das Lied kurz vorstellen bzw. einleiten soll. Eine Frage die sich in Bezug auf ה ְָתוֹד ל noch stellt ist die Übersetzung. Handelt es sich hier um ein „Dankopfer“ oder vielleicht ein „Danklied“ bzw. um eine „Dankliturgie“ oder sollte durch diesen Psalm nur der „Dank“ ausgedrückt werden? Sicher ist, dass dieser Psalm Teil einer Prozession oder Liturgie am Heiligtum war. Wohl dürfen wir hier eher an ein „Danklied“ denken zu dem die eintretende Feiergemeinde (V.2 u.4) eingeladen und
1 Helmut Lamparter, Das Buch der Psalmen II. (Stuttgart Calwer-Verlag 1959) S. 162
2 Hans-Joachim Kraus, Psalmen 2. Teilband (Neukirchen Neukirchner Verlag 1966) S.686
3 Frank-Lothar Hossfeld, Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament (Freiburg im
Breisgau Herder-Verlag 2000) S.707
4 Diese Art der Anordnung findet sich auch bei anderen Psalmen z. Bsp. Psalm 72; 73; 74; 78; 82;103
usw.
~ 3 ~
ermutigt wird (V.1, 2 u. 4). 5 Wobei wir den Psalmentargum nicht übersehen dürfen der dort „ein Opfer des Dankes“ sieht (engl. the offering of thanksgiving). b) Variationen im Text
Wir haben nur eine Textvariation zu betrachten. In Vers 3 geht es um die erklärende Ergänzung zu der Aussage, dass Gott uns gemacht hat. Die KJV sieht in diesem Vers die Aussage, dass Gott uns gemacht hat und „nicht wir uns selbst“ („and not we ourselves“ - ְנוּ ַח ֲנ א ֹ .)לוא Diese Übersetzung findet Unterstützung durch die LXX und Manuskripte aus der Kairoer Genezia. Auf der anderen Seite haben wir aber die Variation „und wir sind sein“ (hebr. ְנוּ ַח ֲנ א ְלוֹ .)ו Diese Übersetzungsvariante findet Unterstützung durch hebräische Manuskripte. Aber selbst der MT gibt uns hier zwei Lesarten: Ketiv 6 („und nicht wir uns selbst“) und eben Qere 7 („wir gehören ihm/ sind sein“).
„Vom Variantentyp her kann jeder der beiden eine Verschreibung der
anderen sein, eine Richtung der Abhängigkeit läßt sich so nicht
feststellen. Man muß vom Inhalt her auf die vermutlich ursprüngliche
Lesart schließen … Mir scheint - mit vielen Vorgängern -, daß die
Entscheidung im Blick auf Ps. 95,6 fallen muß, und dann fällt sie für das
Qere. Das ist vor allem notwendig, wenn schon aus anderen Gründen
naheliegt, dass Ps. 100 überhaupt geschaffen worden ist, um die
vorausgehenden Jahwe-Königspsalmen abzuschließen. Doch selbst
unabhängig davon gibt es Gründe zur Annahme, hier werde
Wortmaterial aus Ps. 95,6 aufgenommen. Ist das der Fall, dann ist das
Qere ursprünglich, und wir haben einen Bezug zur bekannten
„Bundesformel“.“ 8
Der Meinung und der Beweisführung dieses Zitates wollen wir uns anschließen und für die Qere-Lesart plädieren und uns somit für „wir sind sein“ entscheiden.
c) Übersetzungsvariation
Wir müssen uns bevor wir uns über den Inhalt des Textes Gedanken machen, zu Erst eine Frage der Übersetzungsmöglichkeiten machen. Hier soll keine Auslegung geschehen, wenn gleich Übersetzung immer was mit dem Kontext und der Intension des Autors zu tun hat und dem Erkennen dessen.
5 Hans-Joachim Kraus, Psalmen 2. Teilband (Neukirchen Neukirchner Verlag 1966) S.686
6 „Wie geschrieben steht“
7 „lies!“
8 N. Lohfink, Universalisierung
~ 4 ~
ץ ֶָאָר ָל-ה כּ zu Deutsch „ganze Erde“ trägt dazu bei die Universalität des Psalms zu unterstützen 9 . Betrifft es hier die buchstäbliche „ganze Erde“ oder ist hier nur das „ganze Land“ gemeint. Das „ganze Land“ der Anhänger JHWH’s oder das ganze Umland des Tempels, also das Einzugsgebiet des Heiligtums. Die Universalität des Psalm, die später noch näher erläuter werden soll, stimmt einer weitläufigeren Deutung zu. Auch die LXX 10 und der Psalmentargum 11 sehen hier eine deutlich offenere Haltung als uns das eigentlich von den Israeliten und seinem Gott bekannt ist, soll heißen auch die „Fremden“ sind eingeladen an der Prozession teilzunehmen, wenn sie sich den Geboten des heiligen Gottes unterordnen.
2.2 Arbeitsübersetzung 1 Ein Psalm des Lobes.
ץ ֶָאָר ָל-ה כּ יעוּ ִָר ה ָה ַיהו ,ל ה ְָתוֹד ל ְמוֹר ז ִ :מ
ָה ָנ נ ְִר בּ ָיו ָנ ְפ ל ֹאוּ ;בּ ָה ח ְ
sein und wir sind sein Volk und die ִיתוֹ ע ְַר מ ֹאן ְצ ו ַמּוֹ ע ְנוּ ַח ֲנ א ולא ָנוּ ָשׂ הוּא-ע
Dankbarkeit und in seine Vorhöfe mit הוֹדוּ-לוֹ ;ָה ִלּ ה ְִת בּ יו ָֹת ֵר ֲצ ח ה ְָתוֹד בּ יו ָָר ְע שׁ ֹאוּ בּ
9 Später mehr zu dieser Thematik der Universalität des Psalms 100
10 τω κυριω πασα η γη (Der HERR über jedes Land)
11 Auf Englisch: all inhabitants of the earth (alle Bewohner der Erde)
~ 5 ~
5 Denn der HERR ist gut; Seine Gnade ָתוֹ מוּנ ֱ א ֹר ָד ו ֹר ַד-דּ ְע ו ְדּוֹ ַס ח ָם ְעוֹל ל ָה ְהו י ִי-טוֹב כּ besteht für immer und seine Treue halt von Generation zu Generation.
2.3 Strukturanalyse
Die Struktur des Textes stellt den wichtigen Inhalt und damit auch den Höhepunkt des Kapitels 100 in den Vordergrund.
Dorsey geht in seinem Buch bezüglich der Strukturen des Alten Testaments meiner Meinung nach nur sehr oberflächlich an den Text heran 12 : A Aufruf zum Lob: „Jauchzet dem HERRN“ (100,1-2)
B Grund für das Lob: „weil der HERR Gott ist, er hat uns gemacht“ (100,3) A´ Aufruf zum Lob: „Kommt herein durch die Tore mit Dank“ (100,4) B´ Grund für das Lob: „weil der HERR gut ist“ (100,5) Einen groben Überblick über diese Textpassage gibt er uns, aber den wirklichen Inhalt und die Kernaussage kann er durch diese Struktur nur bedingt erfassen. Der Psalm zeigt eine unverwechselbare Besonderheit, indem er Trikola nicht nur in einzelnen Versen verwendet sondern durchgehend dabei bleibt. Es bilden jeweils drei poetische Versglieder eine Sachaussage. Hier soll keine Auslegung geschehen, sondern der Versuch der Einteilung und der Strukturierung des Psalms.
Der erste „Dreizeiler“ beginnt in 1b, da 1a die Überschrift bzw. die Einleitung des Psalms
darstellt. Dieser Abschnitt fordert „alle Welt“ und damit eben alle Erdenbewohner auf sich dem Jubel und dem Dienst vor JHWH anzuschließen. Der zweite „Dreizeiler“ fordert alle
Anwesenden auf den Gott, ihren Schöpfer zu erkennen bzw. anzuerkennen. Dieser
12 David A. Dorsey „The literary structure of the Old Testament“ (Grand Rapids Baker Books 1999)
S.185
~ 6 ~
Arbeit zitieren:
Philipp Steinweber, 2009, Psalm 100, München, GRIN Verlag GmbH
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