Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die DDR-Wirtschaft vor der Wende 4
3. Wirtschaftskrise in der DDR. 6
4. Nach der Wende 7
5. Der Umstellungskurs der D-Mark 11
6. Einbruch des DDR-Außenhandels. 14
7. Die Treuhandanstalt. 14
8. Fazit. 18
9. Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitung
Im Jahre 1989 kam alles ganz plötzlich. Die friedliche Revolution fand ihren Höhepunkt, als Günter Schabowski am 9.November verkündete, dass die Grenze zwischen Ost-und Westdeutschland offen steht. Die Sowjetunion stand kurz vor ihrem Untergang und mit ihr auch die anderen Staaten des Warschauer Pakts. Die Deutsche Wiedervereinigung, die für Politiker fast aller Couleur immer ein wichtiges Ziel gewesen war, doch unendlich weit weg schien,war plötzlich in greifbarer Nähe. Dem Rausch der neugewonnenen Freiheit der DDR-Bürger(innen) folgten aber bald nüchterne Überlegungen, wie die beiden deutschen Staaten am besten zusammen zu führen sein.
Nachdem ich mich mit der Währungs- und Wirtschaftsunion als Referatsthema befasst habe, möchte ich in der Hausarbeit das Thema vertiefen und dabei besonders die Frage des Umstellungssatzes der D-Mark und der Ostmark bei der Währungsunion beleuchten. Außerdem möchte ich die Arbeit der Treuhandanstalt nachzeichnen und der Frage nachgehen, ob bei der Umstrukturierung der DDR-Planwirtschaft und ihrer Eingliederung in die soziale Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland Fehler gemacht wurden.
Zu Beginn möchte ich kurz die DDR-Wirtschaft vor der Wende darstellen und somit aufzeigen, wo die Hauptprobleme für die folgende Privatisierung der „Volkseignen Betriebe“ lagen. Anschließend möchte ich die Zeit nach der Wende beleuchten, in der die Währungs- und Wirtschaftsunion geplant wurde. Ich möchte zeigen welche Art der Kritik damals an den Vorhaben der Bundesregierung geäußert wurde. Darauf folgend stelle ich das Ringen um den geeigneten Umstellungskurs dar und präsentiere Argumente die für und gegen den gewählten Umstellungskurs sprachen. Ein kurzes Kapitel beschäftigt sich mit dem Zusammenbruch des RGW-Handels, bevor ich die Treuhandanstalt und ihre Arbeit vorstelle. In meinem Fazit möchte ich dann meine Meinung zum Umstellungssatz der Währungsunion und zur Eingliederung der DDR-Betriebe in das marktwirtschaftliche System und die damit verbundenen Folgen kundtun, die ich mir durch die Lektüre gebildet habe.
3
2. Die DDR-Wirtschaft vor der Wende
Seit einer Enteignungswelle 1972 gab es in der DDR kaum noch private Unternehmen. Lediglich Firmen mit maximal 10 Mitarbeitern durften privat geführt werden. Industrielle Produktion spielte eine besonders große Rolle in der DDR, die Produktion fand vorwiegend in 220 Kombinaten statt, von denen 130 direkt den elf Industrieministerien unterstellt waren.1 Während die Bundesrepublik bereits mehr und mehr auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft war, setzte die DDR-Regierung immer weiter auf industrielle Produktion. So stiegen die Investitionen in die Metallerzeugung und Metallbearbeitung in den Jahren 1972 - 1983 in der DDR um 400 %, während sie in der Bundesrepublik um
60 % zurückgingen. Es sollte möglichst wenig Handel mit westlichen Staaten betrieben werden, daher wurden in der DDR auch Waren (z.B. Autos) produziert, die der internationalen Konkurrenz technisch nicht standhalten konnten.2 Da es für die Betriebe keinerlei Konkurrenzunternehmen gab, weder innerhalb der DDR noch im Ausland, war eine effiziente Nutzung der gegebenen Ressourcen nicht nötig. Die Betriebe hatten zudem mit häufigen Engpässen an Energie und Rohstoffen zu kämpfen. Nicht nur die DDR als Staat und als Teil der „sozialistischen Welt“ zeigte ein starkes Streben nach Autarkie, auch die einzelnen Kombinate versuchten sich, so weit es eben möglich war, selbst zu versorgen. Erhöhte volkswirtschaftliche Kosten wurden für einen höheren Selbstversorgungsgrad dementsprechend in Kauf genommen. Eine arbeitsteilige Wirtschaftsweise konnte so nicht erreicht werden, obwohl sie eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Volkswirtschaft in der kapitalistischen Welt ist.3
Der Außenhandel der DDR fand zum größten Teil mit den verbündeten Staaten des Warschauer Pakts, sowie einiger anderer sozialistischer Staaten wie Cuba, Vietnam und Albanien statt. Diese hatten den „Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW), im westlichen Europa und den USA auch unter dem Namen COMECOM (Council for Mutual Economic Assistance) geläufig, gegründet. Der Handel zwischen den sozialistischen Staaten glich jedoch eher einem Tauschhandel. Als Verrechnungseinheit fungierte der sogenannte „Transferrubel“, der als harte Währung nicht existierte und auch keinen Schwankungen unterlag, sondern einen
1 vgl. Schröder - Hohenwarth, S.23
2 vgl. Strothe, S.111f. 3 vgl. Strothe, S.110
4
festgelegten Kurs hatte (1Transferrubel entsprach 4,67 Ostmark).4 Am weltweiten Export und Import war die DDR nur mit 0,6 % beteiligt, im RGW-Bereich war sie mit einem Anteil von 11,6 % nach der Sowjetunion jedoch der zweitgrößte Außenhändler. Über 1,2 Millionen Arbeitskräfte waren direkt oder indirekt in die Exportproduktion für die RGW-Länder einbezogen, 75% der Exporte der DDR gingen in die RGW-Staaten und auch 67% der Importe stammten von dort.5
Der RGW-Wirtschaftsraum versuchte sich so weit wie möglich vom Handel mit anderen Staaten fern zu halten und war durch die eigene Währung auch von den Gesetzen und Bedingungen des Weltmarktes abgekoppelt. Es gab keine Preisschwankungen für Produkte, ebenso keine Währungsschwankungen. Während am Weltmarkt die Manager der kapitalistischen Unternehmen an den Schaltknüppeln saßen, waren es in der DDR und seinen Partnerstaaten Politiker, die die Pläne aufstellten und den Handel durchführten.6 Die Infrastruktur der DDR war ebenfalls nicht mit der in der Bundesrepublik vergleichbar. Das Straßennetz war weit weniger ausgebaut, 70% des Güterverkehrs wurden von der Bahn durchgeführt. Auch das Telefonnetz war sehr viel weniger ausgebaut als im Westen, zudem waren nur wenige Firmen mit Teletex und Telefaxgeräten ausgestattet.7 Trotz der hohen Investitionen der DDR-Regierung in die industrielle Produktion war die Produktivität gering, es gab wenig moderne Technologie und moderne Produktionsverfahren. Im Jahre 1985 erforderte der Bau eines Fernsehers 800 Arbeitsstunden, gegenüber 20 Arbeitsstunden in der Bundesrepublik.8
Auch die Ostmark, die in der Bevölkerung aufgrund der simplen Machart der Münzen aus Aluminium gerne „Aluchip“ oder „Spielgeld“ genannt wurde, war eine reine Binnenwährung. Ihr Export war verboten. Westdeutsche Touristen mussten bei der Einreise ihre D-Mark im Verhältnis von 1:1 gegen die Ostmark eintauschen und vor der Ausreise sämtliches Ostgeld ausgeben, da selbst die Ausfuhr von kleinen Summen verboten war.
Der 1:1 Umtauschkurs, der mit der Realität wenig zu tun hatte, diente ebenso der Devisenbeschaffung wie die „Intershops“, die in der DDR Feinkost und Luxusgüter gegen D-Mark zum Verkauf anboten.9
4 vgl. Pilz & Ortwein, S.32
5 vgl. Pilz & Ortwein, S.32 6 vgl. Pohl, S.58 ff 7 vgl. Strothe, S.113 8 vgl. Heine, S.95 9 vgl. Bickerich, S.271
5
Güterpreise und Mengen waren durch staatliche Planung vorgegeben, das Gesetz von Angebot und Nachfrage spielte hierbei keine Rolle.10
„Geld ist in einer Planwirtschaft im Bereich der zentralen Planung im wesentlichen auf seine Funktion als Recheneinheit beschränkt. Seine Funktion als Anspruchsgrundlage für den Bezug von Gütern und Diensten ist dagegen im Bereich der zentralen Planung stark und selbst im Bereich des privaten Verbrauchs immer noch deutlich eingeschränkt.“11
Das System der Planwirtschaft brachte auch mit sich, dass bei der Arbeitnehmerschaft eine andere Mentalität vorherrschte als im kapitalistischen Westen.
Ein wirklicher Anreiz für Firmenleiter mit dem Betrieb Gewinne zu erzielen bestand nicht, da nicht die Firmenleitung selbst, sondern die Politik über die Verwendung der Gewinne entschied. Da die Firmenleitung im Falle von Gewinnen damit rechnen musste für das kommende Jahr eine höhere Produktionsvorgabe zu erhalten, konnten Gewinne sogar eine abschreckende Wirkung haben. Eine Selbstständigkeit kam (außer für Unternehmen bis 10 Mitarbeiter ) wie erwähnt nicht in Frage. Dieser Anreiz zu besonderer Tüchtigkeit und Innovationsfreude fiel also ebenfalls weg. Die Bezahlung für höher qualifizierte Tätigkeiten lag außerdem nur relativ gering über dem Verdienst bei weniger hoher Qualifizierung, so dass sich die Motivation für ein langes Studium oder Fortbildungen für viele Menschen in Grenzen hielt.12 „Hinzu kam ein weiteres Handikap ostdeutscher Manager: die Planwirtschaft hatte vorrangig Planer und Organisatoren hervorgebracht und erzogen, es fehlte aber generell an Visionären und Strategen. Häufig waren Strategien zur Sache der Partei erklärt wurden, die nicht in die Betriebe gehörten.“ 13
3. Wirtschaftskrise in der DDR
Schon Jahre bevor es zur friedlichen Revolution in der DDR kam, herrschte dort eine Wirtschaftskrise. Sie war auch einer der Gründe für die Proteste der Bürger(innen), die den Zusammenbruch der DDR und die Deutsche Wiedervereinigung zur Folge hatten.
Ausschlaggebend für die Krise war insbesondere, dass die Sowjetunion in den 80er
10 vgl. Lau & Lau, S.110
11 Sarrazin, S.170 12 vgl. Strothe, S.110 13 Roesler , S.121
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Arbeit zitieren:
Hajo Kiel, 2009, Die Deutsche Währungs- und Wirtschaftsunion, München, GRIN Verlag GmbH
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