Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
Teil I Stereotyp und Vorurteil
1. Das Vorurteil 3
1.1 Das Vorurteil im Allgemein 3
1.2 Das Vorurteil als Einstellung 4
1.2.1 Definition des Begriffs „Einstellung“ 4
1.2.1.1 Drei Komponenten der Einstellung 5
1.2.1.2 Veränderbarkeit von Einstellungen 6
1.2.1.3 Merkmale zur Klassifizierung von Einstellungen 7
1.2.2 Vorurteilshafte Einstellungen 8
1.3 Das Vorurteil als Folge kognitiver Prozesse 8
1.3.1 Urteilsbildung und Kategorisierung 8
1.3.2 Wahre Urteile, Vorurteile und Vorausurteile 9
1.4 Soziale und Individuelle Vorurteile 11
1.5 Ursachen für die Entstehung von Voruteilen 12
1.5.1 Ansätze in der Vorurteilsforschung 12
1.5.2 Persönlichkeitsbezogene Ursachen 13
1.5.3 Soziale Ursachen 15
1.5.3.1 Gruppenabgrenzung als Ursache von Vorurteilen 15
1.5.3.1.1 Entwicklung der Gruppenzugehörigkeit und das Erlernen
von Vorurteilen 15
1.5.3.1.2 In-group versus Out-group 16
1.5.3.2 Vorurteile als Folge von Unsicherheit und Anomie 16
1.5.3.3 Die Frustrations-Aggressions-Hypothese 17
1.5.3.4 Die Sündenbock-Theorie 19
1.6 Die Funktionen des Vorurteils 20
1.6.1 Die Funktionen des Vorurteils in der klassischen Einteilung 20
1.6.2 Einteilung der Funktionen des Vorurteils nach Estel 21
1.7 Vorurteilslosigkeit als gesellschaftliche Norm - Ein Problem
f ür die Vorurteilsforschung 24
1.7.1 Neue oder „subtile“ Vorurteile 24
1.8 Zusammenfassung des Kapitels über Vorurteile 25
2. Das Stereotyp 26
2.1 Begriffsentwicklung 26
2.1.1 Lippmanns Die öffentliche Meinung 26
2.1.2 Von Katz Braly zur kognitiven Sozialpsychologie 27
2.2 Die theoretischen Ansätze in der Stereotypenforschung 28
2.3 Normative und nicht-normative Stereotype 29
2.4 Auto- und Heterostereotype 30
2.5 Ursachen und Funktionen des Stereotyps 30
2.5.1 Das Stereotyp - Ein Netz von Kategorien 30
2.5.1.1 Gruppen als kognitive Kategorien 31
2.5.1.2 Die Reizklassifikationstheorie 31
2.5.1.3 Stereotype und Distanz 32
2.5.2 Wahrnehmung und Stereotyp 33
2.5.2.1 Illusory correlations 33
2.5.2.2 Attribution 33
2.5.2.3 Der voreingenommene Blick(winkel) 34
2.5.3 Die Selbst-erfüllende-Prophezeihung-Eigenschaft des Stereotyps 34
2.5.3.1 Rekonstruktion 35
2.5.3.2 Konstruktion 35
2.6 Das stereotypisierte Individuum - Kongruenz der
Exemplare und Veränderbarkeit des Stereotyps 36
2.7 Zusammenfassung des Kapitels über Stereotype 37
3. Abgrenzung und Definition der Begriffe „Stereotyp“
und „Vorurteil“ 39
3.1 Gemeinsamkeiten von Stereotyp und Vorurteil 39
3.2 Unterschiede zwischen Stereotyp und Vorurteil 39
3.3 Kausalität und Zusammenhang 40
3.4 Abgrenzende Definition - Zwei Konzepte 40
4. Die sprachliche Realisierung von Stereotypen und Vorurteilen 41
4.1 Stereotype und Vorurteile auf der semantischen Ebene 41
4.1.1 Satzebene 42
4.1.2 Wortebene 43
4.2 Kriterien 44
Teil II Schweden und Deutschland: Selbst- und Fremdbild
5. Selbstbilder und Fremdbilder 45
5.1 Vorbemerkung 45
5.1.1 Zur Terminologie 45
5.1.2 Das Problem der objektiven Selbstbetrachtung 45
5.2 Die Idee vom Nationalcharakter 46
5.2.1 Staat, Nation und Nationalismus 46
5.2.2 Welche Rolle spielt der Nationalcharakter? 47
5.3 Wechselwirkung von Auto- und Heterostereotyp 48
5.3.1 Der Zusammenhang von Selbst- und Fremdbild 48
5.3.2 Die Rolle des „Fremden“ 49
5.3.3 „Erwartete“ Heterostereotype 49
6. Die Selbst- und Fremdbilder der Schweden und Deutschen 50
6.1 Die Schweden im Fremdbild 51
6.1.1 Schweden: Ein Idyll - ein Modell 51
6.1.2 Die „kalten Nordländer“ 51
6.1.3 Die Ursachen für das widersprüchliche Schwedenbild 52
6.1.4 Der „Touristenblick“ 53
6.1.5 Der schwedische Kommunikations- und Umgangsstil 54
6.2 Die Schweden im Selbstbild 54
6.2.1 Homogenität als geschichtliche Basis 54
6.2.2 Modernität: Schweden als Vorreiter 55
6.2.3 Sozialer Umgang und Konfliktvermeidung 55
6.2.4 Was ist das Beste an Schweden? 56
6.2.5 Schwedische Selbstkritik 56
6.3 Die Deutschen im Selbstbild 57
6.3.1 Die deutschen Tugenden 57
6.3.2 Das negative Selbstbild: Zweiter Weltkrieg und
Völkermord als Basis 57
6.3.3 Wer will schon deutsch sein? Oder: Verleugnung
des Deutschseins und der typisch deutsche Alltag 58
6.3.4 Das politische Selbstbild und die Angst vor Deutschland 58
6.3.5 Wirtschaft und Wohlstand 59
6.3.6 Eine neue Normalität? - Das Selbstbild im Wandel 59
6.4 Die Deutschen im Fremdbild 60
6.4.1 Die “hässlichen“ Deutschen 60
6.4.2 Die Deutschen aus schwedischer Sicht 61
6.4.2.1 Das historische Deutschlandbild 61
6.4.2.2 Angst vor Deutschlands Europa 62
6.4.2.3 Das heutige Deutschlandbild 62
7. Zusammenfassung des Kapitels Selbst- und Fremdbild 63
7.1 Das internationale Schwedenbild und Deutschenbild
im Vergleich 63
Teil III Das Deutschlandbild schwedischer Studenten
8. Aufbau der Untersuchung 65
8.1 Methode, Vorgehen und Ziel 65
8.2 Aufbau des Fragebogens 66
8.3 Aufbau der Interviews 67
8.4 Vorgehen bei der Auswertung der Untersuchung 67
9. Auswertung der Fragebögen 68
9.1 Allgemeine Daten 68
9.1.1 Gruppe T (Deutschtudenten) 68
9.1.2 Gruppe N (Studenten mit anderem Studienfach) 68
9.1.3 Die beiden Gruppen im Vergleich 69
9.2 Stichwörter 69
9.2.1 Vorgehen bei der Auswertung der Stichwörter 69
9.2.2 Stichwörter Gruppe T 69
9.2.3 Stichwörter Gruppe N 71
9.2.4 Oberkategorien der Stichwörter 72
9.2.5 Vergleich Stichwörter Gruppe T und Gruppe N 73
9.3 Eigenschaftslisten 74
9.3.1 Vorgehen bei der Auswertung der Eigenschaftslisten 74
9.3.2 Ergebnisse beider Gruppen im Vergleich 75
9.4 Kommentare zu den positivsten und negativsten Eigenschaften 77
9.4.1 Kommentare zu den positivsten Eigenschaften 77
9.4.2 Kommentare zu den negativsten Eigenschaften 81
9.4.3 Kommentare zu den Eigenschaften - Vergleich der
beiden Gruppen 84
9.5 Vergleich nach Aufenthaltsdauer und Herkunft des
Deutschlandbildes 85
9.5.1 Aufenthaltsdauer 85
9.5.2 Herkunft des Deutschlandbildes 86
9.6 Veränderbarkeit des Deutschlandbildes 88
9.7 Vergleich nach Altersgruppen 90
9.8 Interessantes und Auffälliges 90
9.9 Gesamtergebnis Fragebögen 92
9.10 Kritik an Fragebogen und Vorgehen 93
10. Auswertung Interviews 94
10.1 Inhalt der Interviews 95
10.2 Analyse und Ergebnis der Interviews 96
10.3 Ergebnisse der Auswertung von Interviews und Fragebögen
im Vergleich 97
11. Abschluss der Untersuchung 97
12. Versuch zur Unterscheidung von Stereotypen und Vorurteilen
in den Ergebnissen der Untersuchung 99
12.1 Kriterien für die Unterscheidung 100
12.2 Stereotyp 101
12.3 Vorurteil 102
12.4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung 103
Fazit und Forschungsausblick 104
Literaturverzeichnis 105
Anh änge 1 - 8
Einleitung
Diese Arbeit behandelt nationale Stereotype und Vorurteile. Sie ist daher in den Rahmen der interkulturellen Kommunikation einzuordnen.
Interkulturelle Kommunikation ist interdisziplinär. So befassen sich u.a. Soziologie, Anthropologie und Psychologie, aber auch Linguistik mit diesem Bereich. In der Linguistik lassen sich die Themen der interkulturellen Kommunikation den linguistischen Disziplinen Psycholinguistik, Soziolinguistik und Pragmatik zuordnen.
Unter Pragmatik ist im weitesten Sinne sprachliches Handeln zu verstehen. Die Pragmatik fragt, wie auch die Semantik, nach der „Bedeutung“. Die Grenze zwischen beiden ist deswegen nicht eindeutig zu ziehen, da sie sich teilweise überschneiden und ineinandergreifen. In der Theorie lassen sie sich so voneinander abgrenzen, dass Semantik die „Satzbedeutung“ untersucht, während Pragmatik die „Aussagebedeutung“ untersucht. Das heißt, Pragmatik bezieht Sprecher, Hörer, Setting und Kontext in die Analyse der „Bedeutung“ ein.
Die „Bedeutung“ einer Aussage kann also, je nachdem in welchem „Kontext“ diese steht, variieren. Unter „Kontext“ ist ein gemeinsames Wissen der Kommunikationspartner zu verstehen, das als bekannt vorausgesetzt werden kann und auf das sich bezogen werden kann, ohne dass es einer weiteren Erklärung bedarf. „Kontexte“ können also u.a. sozial bestimmt sein. Ein oft nicht berücksichtigter „Kontext“ ist der „kulturelle Kontext“.
Die Kultur 1 stattet Individuen einer Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Kontext aus. Das heißt: Viele Aspekte, die den Kontext in Kommunikationssituationen ausmachen, sind kulturell bedingt, so z.B. Kenntnis der Welt, Wissen um Ereignisse und Wissen um Abläufe (action-chains), Situationen und Personen. Treffen Individuen aus verschiedenen Kulturen aufeinander, kommt es leicht zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen, da Sprecher und Hörer aus verschiedenen „Kontexten“ heraus agieren.
1 „Culture is an intriguing concept. Formally defined, culture is the deposit of knowledge, experiences, beliefs, values, attitudes, meanings, hierarchies, religion, timing, roles, spatial relations, concepts of the universe, and material
objects and posessions acquired by a large group of people in the course of generations through individual and group
striving. Culture manifests itself in patterns of language and in forms of activity and behavior that act as models for
both the common adaptive acts and the styles of communication that enable people to live in a society within a given
geographic environment at a given state of technical development at a particular moment in time.“ (Samovar & Porter
1985: 19)
1
Auch wenn es sich bei Deutschland und Schweden auf den ersten Blick um zwei sehr ähnliche Länder handelt, die geographisch nahe beieinander liegen und dem gleichen Kulturkreis angehören, so gibt es doch auch hier kulturelle Unterschiede. Und ebenso gibt es auch gegenseitige Vorstellungen und Bilder voneinander, die einer jeden Interaktionssituation zwischen Schweden und Deutschen vorausgehen und diese mit beeinflussen.
In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen die schwedische „Idee“ von den Deutschen zu erfassen: Dafür wird das Deutschlandbild schwedischer Studenten untersucht. Der in der Arbeit verwendete Begriff „Deutschlandbild“ bezieht sich, da es sich um die Untersuchung interkultureller Interaktion handelt, vor allem auf „die Deutschen“. Von besonderem Interesse ist das Deutschenstereotyp als Teil des Deutschlandbildes, da Stereotype interkulturelle Begegnungen beeinflussen und in der interkulturellen Kommunikation hinderlich sein können. Im alltagssprachlichen Gebrauch werden die Begriffe „Stereotyp“ und „Vorurteil“ oft gleichgesetzt. Dies ist jedoch wissenschaftlich nicht korrekt.
Ziel dieser Arbeit ist es …
… eine abgrenzende Definition der Begriffe Stereotyp und Vorurteil zu erarbeiten. … zu untersuchen, welche Merkmale das Deutschenstereotyp in Schweden ausmachen.
… anhand einer Umfrage zu ermitteln, wie stark das Deutschlandbild schwedischer Studenten wirklich von diesem Stereotyp bestimmt ist.
… zu überprüfen ob die in der Arbeit entwickelten abgrenzenden Definitionen sich praktisch zur Unterscheidung von „Stereotyp“ und „Vorurteil“ anwenden lassen.
In Teil I der Arbeit wird eine Definition und eine Abgrenzung der Begriffe „Stereotyp“ und „Vorurteil“ vorgenommen. Teil II der Arbeit behandelt schwedische und deutsche Auto- und Heterostereotype. In Teil III werden die Ergebnisse der Untersuchung zum Deutschlandbild der schwedischen Studenten ausgewertet.
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Teil I Stereotyp und Vorurteil
1. Das Vorurteil
Der Begriff Vorurteil kommt in der Forschung oft im Zusammenhang mit den artver-wandten Begriffen Stereotyp, Einstellung und Meinung vor. Diese Begriffe beziehen sich auf abstrakte Konstrukte zur Erklärung kognitiver Vorgänge, die nicht sichtbar sind. Somit sind sie nur anhand der Handlungen, die sie auslösen, überprüfbar, können aber niemals direkt untersucht werden. Diese Konstrukte sind rein theoretisch und überschneiden sich teilweise; dennoch sollte es möglich sein, sie voneinander abzugrenzen. Ein Versuch zur Abgrenzung von Stereotyp und Vorurteil soll im Teil I dieser Arbeit unternommen werden. Zuerst soll eine Definition des Vorurteilsbegriffs und dann eine für den Begriff des Stereotyps erarbeitet werden.
1.1 Das Vorurteil im Allgemeinen
Was also ist ein Vorurteil? Umgangssprachlich wird Vorurteil meist im Sinne einer negativen, abwertenden oder diskriminierenden Ansicht über Personen oder Personengruppen verwendet. Vorurteile basieren oft auf Rasse bzw. ethnischer Gruppe, Geschlecht, Klasse oder Religion. Obwohl der Begriff oft negativ verwendet wird, ist es nicht zwingendermaßen ein Merkmal von Vorurteilen, negativ zu sein. Es gibt auch positive Vorurteile, allerdings kommen diese seltener vor und fallen nicht so störend auf wie negative. Allport bezeichnet sie als „love-prejudice“ (Allport 1954: 25f) im Gegensatz zu „hate-prejudice“. Ein bestehendes „love-prejudice“ ist zunächst einmal unbedenklich, meist resultiert daraus jedoch ein „hate-prejudice“, wenn der Gegenstand des eigenen „love-prejudice“ vermeintlich bedroht wird. So kann aus überhöhter Liebe zum Vaterland Hass gegen andere Nationen werden, der sich in negativen Vorurteilen ihnen gegenüber zeigt. Hierbei fällt jedoch nicht das positive Vorurteil oder „love-prejudice“ gegenüber dem eigenen Land auf, sondern die negative Folge daraus: das „hateprejudice“. Vorurteile bestehen gegenüber Gruppen und werden auf Individuen angewendet, die diesen Gruppen - korrekter- oder fälschlicherweise - zugeordnet werden. Dabei wird im Rahmen eines Vorurteils immer eine Verallgemeinerung und Generali-
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sierung vorgenommen, d.h. allen Individuen einer über ein bestimmtes Merkmal definierten Gruppe werden Eigenschaften zugeordnet, unabhängig von ihrer individuellen Persönlichkeit. Also zum Beispiel ein anti-semitisches Vorurteil: Alle Juden (Merkmal Religionszugehörigkeit) sind machthungrig (der Gruppe zugeordnete Eigenschaft). Ein Vorurteil ist also „an avertive or hostile attitude toward a person who belongs to a group, simply because he belongs to that group, and is therefore persumed to have the objectionable qualities ascribed to the group“. (Allport 1954: 7) Ein weiteres Merkmal von Vorurteilen ist ihre Hartnäckigkeit. Sind sie erst einmal etabliert, sind sie nur schwer oder gar nicht zu überwinden. Auch lassen Personen, die Vorurteile haben, sich in der Regel nicht von anderen Meinungen überzeugen. Die Gründe hierfür werde ich in den folgenden Unterkapiteln näher erläutern, da hier sowohl die Persönlichkeit der vorurteilshaften Person als auch die Funktion, die das Vorurteil für diese hat, sowie die Eigenschaften des Vorurteils an sich eine Rolle spielen.
Um den Begriff Vorurteil genauer zu definieren, werde ich zunächst das Vorurteil als Form der Einstellung betrachten und dann auf die Schwierigkeit der Unterscheidung von Vorurteilen (prejudice) und Vorausurteilen (prejudgement) eingehen. Im zweiten und dritten Abschnitt dieses Kapitels werde ich mich den Ursachen und Funktionen von Vorurteilen zuwenden.
1.2 Das Vorurteil als Einstellung
Um zu erklären, in welchem Sinne ein Vorurteil eine Einstellung sein kann oder was eine vorurteilshafte Einstellung ausmacht, soll hier zunächst einmal kurz auf Einstellungen im Allgemeinen eingegangen werden.
1.2.1 Definition des Begriffs „Einstellung“
Eine Einstellung besteht, wenn das Reaktionsmuster einer Person auf bestimmte Ge-genstandsklassen, Personen und Meinungsgegenstände (abstrakte Gedanken, soziale Geschehnisse) in sozialen Situationen, in denen sie mit diesen konfrontiert wird, immer ähnlich ausfällt. Eine Einstellung liegt also dann vor, wenn Personen im Laufe ihrer Lern- und Erfahrungsprozesse bestimmte Reaktionsbereitschaften entwickelt haben, d.h. eine Geneigtheit zeigen, auf diese Gegenstände, Personen oder Personengruppen oder
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Sachverhalte in bestimmter Weise sowohl affektiv-emotional wie auch in ihrem Verhalten (verbal, [...]; handlungsmäßig, [...]) über einen relativ langen Zeitraum hinweg relativ ähnlich zu reagieren. (Barres 1978: 25)
Oder wie Triandis es mit einem Zitat von Campbell ausdrückt: „Einstellungen stellen Reaktionskonsistenz gegenüber sozialen Sachverhalten dar.“ (Triandis 1975: 2) Über das simple Reagieren auf einen Sachverhalt hinaus ist allerdings die emotionale Komponente ein essentieller Bestandteil der Einstellung, wie es bereits im Zitat von Barres angedeutet ist. So kann sich eine Einstellung in Sympathie- oder Antipathiegefühlen zeigen.
1.2.1.1 Drei Komponenten der Einstellung
Triandis unterteilt Einstellungen in drei Komponenten: eine kognitive, eine affektive und eine Verhaltenskomponente. Er erläutert diese drei Komponenten anhand von Autos.
1) Kognitive Komponente: Die kognitive Komponente ist eine Vorstellung, die einer Kategorie des menschlichen Denkens entspricht, z.B. die Kategorie „Autos“. Der Prozess des Kategorisierens ist grundlegend im menschlichen Denken, auf ihn werde ich später ausführlicher eingehen. Er fasst Objekte, Sachverhalte etc. in übergeordnete und untergeordnete Kategorien zusammen. So gehören „Autos“ zu der übergeordneten Kategorie Fahrzeuge und lassen sich nach verschiedenen Aspekten in Unterkategorien einteilen, Audi, Mercedes, Porsche oder Sportwagen, Familienauto, Campingbus. Die Kategorie „Autos“ kann dadurch erschlossen werden, dass Leute ähnlich auf verschiedene Automarken oder Autotypen reagieren, und dadurch, dass Leuten benennen können, was „Autos haben...“ und was „Autos sind...“.
2) Affektive Komponente: Die affektive Komponente ist eine Emotion, die die Vorstellung begleitet. Die Gefühle, die jemand empfindet, wenn er an eine Kategorie denkt, zeigen, ob er eine positive oder negative affektive Komponente zu Elementen dieser Kategorie hat. Wenn also je-mand „sich wohlfühlt“ wenn er an Autos denkt, dann zeigt er einen positiven Affekt gegenüber der Kategorie Autos.
3) Verhaltenskomponente: Die Verhaltenskomponente ist die Prädisposition zu Handlungen wie das Lenken, Fahren, Kaufen oder Bewundern von Autos. (vgl. Triandis 1975: 4)
Meiner Meinung nach ist jedoch die kognitive Komponente, das Vorhandensein einer Kategorie, nur die Grundvoraussetzung für die Entwicklung von Einstellungen; ihre bloße Existenz heißt jedoch nicht automatisch, dass eine Einstellung besteht, obwohl es höchst wahrscheinlich ist, dass zu jeder Kategorie auch eine affektive und eine Verhal-
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tenskomponente bestehen und sich somit von einer Einstellung sprechen lässt. Selbst wenn man zum Beispiel auf ein unbekanntes Objekt stößt, dessen Funktionen und Eigenschaften man nicht kennt, so wird es im Denkprozess einer Kategorie zugeordnet werden. Vielleicht zunächst einmal zur Kategorie „Unbekanntes“ oder „Merkwürdiges“; dadurch wird dem Objekt die affektive Komponente, die mit dieser Kategorie verknüpft ist und sich z.B. aus früheren Erfahrungen mit unbekannten Objekten zusammensetzt - Angst, Vorsicht, Neugier oder Begeisterung - entgegengebracht. Die passende Verhaltenskomponente folgt. Es lässt sich also erstens schließen, dass Menschen zu jedem Objekt, Sachverhalt etc. eine Einstellung haben, die sich an der Einstellung zu ähnlichen Objekten, Sachverhalten in der gleichen Kategorie orientiert, und zweitens, dass diese Einstellungen in sich konsistent sind, also ihre drei Komponenten übereinstimmen. (Triandis 1975: 105f) Wenn jemand somit auf ein neues Objekt oder eine ihm unbekannte Person trifft, wird er oder sie versuchen, bekannte Merkmale zu erkennen um dieses Objekt oder diese Person einer Kategorie zuzuordnen. Auf den Prozess der kognitiven Kategorisierung wird noch ausführlicher in Kapitel 1.3.1 eingegangen.
1.2.1.2 Veränderbarkeit von Einstellungen
Einstellungen zeichnen sich durch eine relative Beständigkeit aus, d.h. wenn jemand eine Einstellung gegenüber einem Objekt (im Weiteren werde ich den Term Objekt stellvertretend für alle Einstellungsgegenstände inkl. Personen und Sachverhalte verwenden) hat, dann lässt sich erwarten, dass er in einer bestimmten Weise auf dieses Objekt reagiert. Manche Objekte lösen komplexere Reaktionen aus, wodurch die auf das Objekt bezogenen Handlungen nach außen hin widersprüchlich erscheinen können, obwohl sie es in Wirklichkeit nicht sind. Triandis formuliert es folgendermaßen „[...] Einstellungen sind weder notwendige noch hinreichende Gründe für das Verhalten. Es sind ‘entscheidungskanalisierende’ Gründe [...]“ (Triandis 1975: 22) Diese Beständigkeit bedeutet aber nicht, dass Einstellungen unveränderbar sind. Bem geht davon aus, dass Einstellungen Schlussfolgerungen aus Syllologismen sind (Bem 1974: 25), also sich durch Verknüpfungen von Werten und Meinungen auf verschiedenen Ebenen herleiten. Eine Veränderung an einem der Glieder der Herleitungskette kann zu einer Einstellungsänderung führen. Triandis hingegen sieht den Kernpunkt für die Bildung von Einstellungen in der Belohnung. Je wahrscheinlicher eine Belohnung für bestimmtes Handeln ist, desto wahrscheinlicher ist auch eine positive Einstellung dem Objekt der Handlung gegenüber. Wenn nun aber ein Verhalten, das der eigenen
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Einstellung widerspricht, eine Belohnung verspricht, so kann dies zu einer Einstellungsänderung führen, da sich dann die affektive Komponente der Verhaltenskomponente anpasst, um die unangenehme Inkonsistenz zu überwinden. Zum Beispiel ist es wahrscheinlich, dass jemand, der Computer verabscheut, aber gezwungen ist, mit ihnen zu arbeiten, da er dann effektiver und wettbewerbsfähiger ist, seine affektive Komponente gegenüber Computern im Laufe der Zeit zum positiven ändern wird, da so wieder Konsistenz zwischen seinem Verhalten und der affektiven Komponente hergestellt wird. Grundsätzlich ist es also wahrscheinlich, dass die affektive Komponente der Handlung folgt, jedoch ist es nicht zwingend notwendig. Es ist ebenso gut denkbar, dass die Person in obigem Beispiel Computer weiterhin verabscheut; in dem Fall handelt es sich dann allerdings vermutlich bereits um eine vorurteilshafte Einstellung.
1.2.1.3 Merkmale zur Klassifizierung von Einstellungen Barres nennt vier Merkmale von Einstellungen 1) ihre emotional-affektive Richtung (Qualität)
2) den Abstraktionsgrad des jeweiligen Einstellungsobjektes bzw. die Spezifität oder Generalität der Einstellung
3) die Bedeutsamkeit der Einstellung im Gesamtgefüge der Einstellungen einer Person
4) die Intensität der Einstellung bzw. den Grad der Überzeugtheit der Person von der Richtigkeit ihrer Einstellung gegenüber dem betreffenden Einstellungsobjekt (Barres 1978: 65)
Die emotional-affektive Richtung einer Einstellung zeigt sich in den Gefühlen einer Person gegenüber einem Einstellungsobjekt. Dies kann auf einer Skala von extrem negativ bis extrem positiv reichen. Der Abstraktionsgrad ist die Abhängigkeit einer Einstellung von einer Situation. So kann z.B. Krieg generell abgelehnt und dennoch ein bestimmter Krieg in einer speziellen Situation befürwortet werden. Bei der Bedeutsamkeit der Einstellung handelt es sich um den Rang oder Stellenwert der jeweiligen Einstellung im Verhältnis zu anderen Einstellungen dieser Person. Wenn zum Beispiel im Einstellungsgefüge einer Person Bequemlichkeit einen hohen Rang einnimmt und Umweltschutz einen niedrigen, so ist es wahrscheinlich, dass diese Person auch eine kurze Strecke mit dem Auto zur Arbeit fährt. Ist das Verhältnis umgekehrt, also nimmt Umweltschutz einen hohen Rang ein und Bequemlichkeit einen niedrigeren, so ist es nicht überraschend, wenn die betreffende Person auch eine längere Strecke mit dem Fahrrad
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zur Arbeit fährt. Die Intensität der Einstellung zeigt, zu welchem Grad eine Person ihre eigene Einstellung für richtig hält und wie stark sie diese nach außen hin vertritt.
1.2.2 Vorurteilshafte Einstellungen
Vorurteilshafte Einstellungen unterscheiden sich in einigen der oben genannten Merkmale von anderen Einstellungen. Sie zeichnen sich durch eine starke emotionalaffektive Richtung aus, d.h. sie tendieren zu Extremwerten entweder im Positiven oder im Negativen. Eine Einstellung, bei der es sich um ein Vorurteil handelt, nimmt einen bedeutenderen Rang im Einstellungssystem der Person ein, als es durch die reale Lebensumwelt notwendig oder gerechtfertigt ist. Das heißt: jemand, der eine stark negative Einstellung Schwarzen gegenüber hat und dies bei jeder sich ihm bietenden Gelegenheit zur Sprache bringt, obwohl er keine Schwarzen in seiner Nachbarschaft, bei seiner Arbeit oder in anderen Bereichen seines Lebensumfeldes hat, der zeigt damit ein Vorurteil, da seine Einstellung gegenüber Schwarzen einen zentraleren Rang in seinem Einstellungsgefüge einnimmt als angebracht. Des Weiteren ist die Intensität der Einstellung bei Vorurteilen sehr bis extrem hoch, die Person ist also sehr stark davon überzeugt, dass ihre Einstellung gegenüber dem Einstellungsobjekt richtig und gerechtfertigt ist.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass manche Einstellungen Vorurteile sind. Ein Vorurteil ist eine Art der Einstellung einer Person, also einem Einstellungsobjekt, gegenüber mit den oben aufgezeigten Ausprägungen der Einstellungsmerkmale. Darüber hinaus ist ein Vorurteil auch ein Urteil über das Einstellungsobjekt. Auf die Unterschiede zwischen Vorurteilen und anderen Arten von Urteilen werde ich in Kapitel 1.3.2 eingehen.
1.3 Das Vorurteil als Folge kognitiver Prozesse
1.3.1 Urteilsbildung und Kategorisierung
Der Prozess der Urteilsbildung beruht auf der Zuordnung von neuen Informationen zu bereits bestehenden Kategorien oder auf der Bildung neuer Kategorien bzw. Unterkate-gorien. Die kognitiven Kategorien - wie Objekte (Autos, Hausfrauen) und Werte (Freiheit, Liebe, Selbstverwirklichung) - eines Menschen sind untereinander in verschiedener Weise verbunden. Außerdem bestehen Verbindungen zwischen einzelnen Katego-
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rien und Emotionen, die den jeweiligen Kategorien zugeordnet sind. Die Emotionen, die mit einer Kategorie zusammenhängen, beeinflussen die Einstellung zum einzelnen Objekt, das dieser Kategorie zugeordnet wird, ebenso wie die Einstellung zum Objekt die mit der Kategorie verbundenen Emotionen beeinflusst. Je nachdem mit welchen weiteren Kategorien eine bestimmte Kategorie verknüpft ist, beeinflusst dies auch, welche Emotionen mit hineinspielen bei der Beurteilung eines Objektes dieser Kategorie. Wenn zum Beispiel für jemanden die Kategorie „Auto“ mit dem Wert „Freiheit“ verbunden ist und dieser mit positiven Emotionen besetzt ist, so wird auch die Kategorie „Auto“ mit diesen positiven Emotionen in Verbindung gebracht. (Triandis 1975: 113) Der Prozess der Kategorisierung ist für das menschliche Handeln notwendig, da er die Identifizierung von Objekten erleichtert und Handlungsvorgaben liefert, die auf Erfahrung basieren. Er ermöglicht das Handlungsfähig-Bleiben in einer komplexen Umwelt. Ohne dieses Kategorisieren müsste jedes Objekt bei jeder Begegnung neu geprüft und dann eine Handlungsstrategie entwickelt werden, was unvermeidlich zu Handlungsunfähigkeit führen würde. Der Nachteil am Prozess der Kategorisierung ist, dass oft Fehl-kategorisierungen vorkommen, also Objekte vorschnell oder der Einfachheit halber einer Kategorie zugeordnet werden, zu der sie nicht gehören. Oder aufgrund von fälschlicherweise einem Objekt zugeordneten Attributen eine Zuordnung vorgenommen wird, die oft später nicht mehr überprüft wird. Auch führen Kategorien aufgrund ihres vereinfachenden Charakters zu einer ungenauen oder verzerrten Weltsicht.
1.3.2 Wahre Urteile, Vorurteile und Vorausurteile
Der Prozess der Kategorisierung läuft unbewusst ab. Durch ihn bilden Personen sich Urteile über Objekte und Sachverhalte. Urteile können allerdings nur dann als richtig oder wahr gelten, wenn die urteilende Person ausreichend Informationen hat und der beurteilte Sachverhalt als richtig bewiesen wurde, also eine Tatsache ist. In den meisten Fällen sind Urteile nicht „wahr“, da sie auf dem eingeschränkten Erfahrungsschatz der urteilenden Person basieren.
Es muss sich dann jedoch noch nicht gleich um Vorurteile handeln; meistens handelt es sich hier um Vorausurteile, nach Allport: „prejudgements“. Mit dem Begriff des Vorausurteils bezeichnet Allport voreilig gezogene Schlüsse im Kategorisierungsprozess. Diese sind unvermeidbar, da selbst Sachverhalte, die als wissenschaftlich bewiesen, gelten sich im späteren Verlauf als falsch herausstellen können, z.B. „Atomkraft ist ungefährlich“ oder „Die Sonne kreist um die Erde“ und dergleichen. Die meisten Urteile
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basieren aber, wie bereits erwähnt, nicht auf wissenschaftlichen Tatsachen, sondern auf persönlichen Eindrücken und Erfahrungen einer Person und können damit an sich keinen Generalitätsanspruch stellen. Das sie es dennoch tun, liegt an der Kategorisierung oder auch Überkategorisierung, „overcategorization“ (Allport 1954: 8) - der eigene Erfahrungsschatz wird als ausreichende Datengrundlage für Urteile betrachtet. Ebenso sind simple „misconceptions“ (Allport 1954: 9), also Fehlauffassungen oder Fehlverständnisse, noch keine Vorurteile; es handelt sich einfach um die fehlerhafte Organisation von Informationen oder die Organisation von fehlerhaften Informationen. Was also unterscheidet Vorausurteile von Vorurteilen? Bei einem Vorausurteil wird die betreffende Person ihr Urteil ggf. revidieren, wenn neue Informationen auftauchen, die das Vorausurteil widerlegen. Nicht so bei einem Vorurteil. Hier werden neue und dem Vorurteil widersprechende Informationen wenn möglich ignoriert oder so umgewandelt, dass sie das Vorurteil bestätigen, anstatt es zu entkräften. Diese „bestätigenden Informationen“ werden der Kategorie hinzugefügt und als Beweis für die Richtigkeit des Vorurteils gewertet. Des Weiteren wird die Reaktion auf eine Kritik eines Vorurteils emotionaler ausfallen als bei einem Vorausurteil. Im folgenden Dialog (entnommen aus All-port 1954: 13f) wird die Tendenz der vorurteilshaften Person zur Umdeutung von positiven, das negative Vorurteil über Juden widerlegenden Fakten in vorurteilsbestätigende Fakten deutlich.
Mr. X: The trouble with the Jews is that they only take care of their own group. Mr. Y: But the record of the Community Chest campaign shows that they give more generously, in proportion to their numbers, to the general charities of the community, than do non-Jews. Mr. X: That shows they are always trying to buy favor and intrude into Christian affairs. They think of nothing but money; that is why there are so many Jewish bankers. Mr. Y: But a recent study shows that the percentage of Jews in the banking business is negligible, far smaller than the percentage of non-Jews.
Mr. X: That’s just it; they don’t go in for respectable business; they are only in the movie business or run night clubs.
Falls die Gegenbeweise nicht ignoriert oder umgewandelt werden können, so wird die vorurteilshafte Person dies als eine Ausnahme werten. Wenn also jemand das Vorurteil gegen Schwarze hat, dass diese alle kriminell, schlechte Menschen usw. sind, so wird er Begegnungen mit freundlichen, ehrlichen Schwarzen als Ausnahmen werten. Zu der Kategorie „Schwarze“ mit all ihren negativen Attributen wird eine Unterkategorie „gute
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Schwarze“ entstehen. So bleibt die Kategorie „schlechte Schwarze“ intakt und damit auch sein Vorurteil.
Die semantisch-linguistische Struktur des Vorurteils entspricht der des Urteils. Da ein Urteil eine Behauptung formuliert, die 1. wahr ist und 2. empirisch bewiesen, leitet sich hieraus eine Verbindlichkeit des Urteils ab. Trifft dies nicht zu, ist das Urteil falsch. Das Vorurteil besitzt die gleiche Aussagestruktur: Y=X (Y ist X). (Hort 2002: 41) Dies verleiht dem Vorurteil - zu Unrecht - die Autorität und den Anschein der Verbindlichkeit eines wahren Urteils.
Die Schwierigkeit bei der Erkennung von Vorurteilen besteht darin, dass die Trennlinien zwischen Vorurteil, Vorausurteil und falschem Urteil manchmal nur schwer zu ziehen sind. Ein Vorausurteil kann sich zu einem Vorurteil entwickeln oder ein vermeintliches Vorurteil kann in Wirklichkeit ein falsches Urteil sein, weil aus vorhandenen Fakten falsche Schlüsse gezogen wurden. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Resistenz der Vorurteile gegenüber neuen Informationen, ihre Unveränderlichkeit und ihre emotionale Aufladung.
1.4 Soziale und Individuelle Vorurteile
Vorurteile sind Gruppenphänomene, sie bestehen gegenüber Gruppen und werden meist von Gruppen getragen. (dazu mehr in Kapitel 1.5.3.1) Von Gruppen getragene Vorurteile sind Soziale Vorurteile. Sie werden „[...] kulturell tradiert und sind abhängig von his-torischen und politisch-situationellen Gegebenheiten [...]“ (Quasthoff 1973 : 54) Hiervon abzugrenzen sind Individuelle Vorurteile, die auf individuellen Erfahrungen beruhen und die eine Person eigenständig bildet. Auch diese Vorurteile beziehen sich auf Gruppen, basierend auf den Erfahrungen, die die Person mit Mitgliedern der Gruppe gemacht hat. Das heißt, ein Vorurteil kann von einem Individuum beruhend auf persönlicher Erfahrung selbst entwickelt werden.
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1.5 Ursachen für die Entstehung von Vorurteilen
Wie entstehen nun Vorurteile? Die Frage nach der Entstehung von Vorurteilen ist fast noch schwieriger zu beantworten als die Frage, was Vorurteile sind. Ein Versuch soll hier dennoch unternommen werden.
Im Folgenden sollen verschiedene Ansätze zur Erklärung der Entstehung von Vorurteilen kurz benannt werden (1.5.1). Da keiner der Ansätze für sich genommen eine hinreichende Erklärung liefern kann, soll aber nicht weiter auf einzelne eingegangen werden. Vielmehr scheint eine Kombination von Elementen der verschiedenen Ansätze nötig, um sich dem Problem zu nähern. Anschließend werde ich zuerst auf die Ursachen, die mit der Persönlichkeit des vorurteilshaften Individuums zusammenhängen (1.5.2), und dann auf die sozialen Ursachen (1.5.3) von Vorurteilen eingehen.
1.5.1 Ansätze in der Vorurteilsforschung
1) Historischer Ansatz: Der historische Ansatz sieht die Entstehungsursache von Vorurteilen in der geschichtlichen Entwicklung. Er betrachtet die gesamte Geschichte eines Konflikts zwischen Gruppen, um die aus ihr resultierenden Vorurteile zu erklären.
2) Soziokultureller Ansatz: Der soziokulturelle Ansatz sieht das Vorurteil im gesamten sozialen Kontext, in dem es existiert. Das heißt, es werden Faktoren wie Bevölkerungsdichte, territoriale Verteilung, Verstädterung, Minoritäten, wirtschaftliche und andere Konkurrenzsituationen berücksichtigt. 3) Situationsbedingter Ansatz: Dieser Ansatz betrachtet eine aktuelle Situation als Auslöser, Träger oder Verstärker von Vorurteilen. So kann die Arbeitsmarktsituation oder der Faktor der sozialen Mobilität oder andere Situationen, die einen starken Druck auf Individuen und Gruppen auslösen, eine Ursache von Vorurteilen sein.
4) Psychodynamischer Ansatz: Der psychodynamische Ansatz sieht die Hauptursache von Vorurteilen in der Natur des Menschen bzw. seiner psychologischen Struktur. Das Machtstreben des Menschen und daraus resultierende Konflikte, Hass, der aus Frustration entsteht, oder die durch einen bestimmten Erziehungsstil geprägte autoritätsbefürwortende Persönlichkeit stehen im Mittelpunkt dieses Erklärungsansatzes.
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5) Phänomenologischer Ansatz: Der phänomenologische Ansatz konzentriert sich auf die direkte Reaktion eines Individuums auf Situationen, mit denen es konfrontiert ist. Wenn auch die Ursachen für die Reaktionsmuster im Kulturellen und Historischen liegen, liegt das Augenmerk hier auf den Merkmalen und Symbolen, auf die das Individuum reagiert. In diesem Ansatz spielt das Stereotyp eine wichtige Rolle.
6) Ansatz des Verdienten-Rufs: Dieser Ansatz, der heute nicht mehr als alleiniges Erklärungsinstrument auftritt, sieht die Ursache für die Entstehung von Vorurteilen beim Vorurteilsobjekt selbst. Er geht davon aus, dass dieses wirklich Eigenschaften besitzt, die es bedrohlich machen, und damit zu einem verdienten Rufdem Vorurteil - führen. (vgl. Allport 1954: 208ff)
Wie bereits oben erwähnt eignet sich keiner der Ansätze für sich genommen, um die Entstehung von Vorurteilen zufriedenstellend zu erklären. Eine Kombination der verschiedenen Ansätze allerdings sollte es ermöglichen, einen relativ umfassenden Überblick über die Entstehungsursachen von Vorurteilen zu erhalten.
1.5.2 Persönlichkeitsbezogene Ursachen
Vorurteilshaftigkeit ist oft Ausdruck einer spezifischen Persönlichkeitsstruktur, der „au-toritären Persönlichkeit“. Dieser Term wurde geprägt durch die so genannte Berkeley-Studie, die Theodor W. Adorno et. al. durchführten und 1950 unter dem Titel „The Authoritarian Personality“ veröffentlichten. (vgl. Adorno et. al. 1968) Diese Studie brachte Antisemitismus und Faschismus mit einem bestimmten Persönlichkeitstyp in Zusammenhang. Zur Untersuchung wurden die Werte der Versuchspersonen auf vier Skalen, der AS-Skala (Antisemitismus-Skala), F-Skala (Faschismus-Skala), E-Skala (Ethnozentrismus-Skala) und der PEC-Skala (politisch-ökonomischer-Konservativismus-Skala) gemessen. Versuchspersonen, die auf allen vier Skalen hohe Werte erreichten, zeichneten sich durch Persönlichkeitsmerkmale aus, die sie als autoritäre Persönlichkeiten kennzeichneten.
Die autoritäre Persönlichkeit leidet an einer „Ich-Schwäche“ (Quasthoff 1973: 106); diese Ich-Schwäche führt zu einer übertriebenen Bindung an die In-group (vgl. Kapitel 1.5.3.1), z.B. an die Nation als In-group, was sich in Form von überhöhtem Nationalstolz zeigt. Die Ursache für diese Ich-Schwäche liegt in der Erziehung. Ist die Erziehung belohnungs- und strafenorientiert und nicht durch Liebe und Zuneigung gekenn-
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zeichnet, sondern wird vielmehr bei Fehlverhalten dem Kind die Liebe der Eltern entzogen, so lernt das Kind nicht, sich selbst zu achten, sondern nur das Verhalten der Eltern zu imitieren; darüber hinaus leidet es unter einer ständigen Unsicherheit. Diese Unsicherheit setzt sich im weiteren Leben fort und führt zu einer „threat orientation“ (All-port 1954: 396), also einer Bedrohungsorientierung. Das bedeutet, dass Menschen mit einer autoritären Persönlichkeit sich ständig und oft von vielen Seiten bedroht fühlen -Neger, Juden, Kommunisten etc. stellen alle eine Bedrohung dar. Die Verdrängung der eigenen Schwächen spielt bei diesem Persönlichkeitstyp eine große Rolle: Es wird eine äußere Ideal-Persönlichkeit erschaffen, die moralisch, reinlich, tugendhaft etc. ist; die eigenen Schwächen und Triebe werden unterdrückt und externalisiert, sie werden den Mitgliedern der Out-goups zugeordnet. Rattner bezeichnet es als eine „Spaltung zwischen den bewussten und unbewussten Anteilen des Seelenlebens“ (Rattner 1971: 105). Diese Spaltung hat zur Folge, dass diesen Menschen die innere Stabilität fehlt. Daher brauchen sie äußere Stabilität durch geordnete Strukturen, klare Trennungen von z.B. „gut“ und „böse“, „richtig“ und „falsch“, „wir“ und „die“ usw. Sie neigen dazu, an „Vorherbestimmtheit“, z.B. Astrologie, zu glauben. Außerdem lehnen sie Veränderungen ab und neigen zu Konservativismus. Die Denkstruktur der autoritären Persönlichkeit ist gekennzeichnet durch mangelnde Flexibilität, Schwarz-Weiß-Denken und Vereinfachung. Sie hält sich an einmal vorgegebene Schemata und Strukturen. Rattner nennt als Merkmale der autoritären Persönlichkeit die folgenden: 1) Starke Betonung der Bindung an die jeweilige Majorität sowie die Überzeugung von deren Überwertigkeit;
2) Zwanghafte Konformität mit den Normen und Konventionen der Majorität; 3) Tendenz dazu, solche Konformität auch von anderen Personen zu fordern; 4) Konservative politische Sympathien;
5) Auffassung der Welt und des Lebens als schlechthin bedrohlich; 6) Neigung zu überspitzten Gegensätzen, vor allem zur kategorialen Unterscheidung zwischen „Starken“ und „Schwachen“ schlechthin;
7) Pharisäische Selbstgerechtigkeit in Fragen der Sittlichkeit, namentlich in geschlechtlicher Hinsicht;
8) Neigung dazu, eigene verdrängte Regungen auf andere zu projizieren und für deren Haupttriebfedern zu halten;
9) Ein Denken, das geringe produktive Einbildungskraft mit großer Anhänglichkeit an starre Formeln verbindet;
10) Kindheitserlebnisse mit Eltern, die wenig Gemütswärme zu bieten hatten, die dafür aber die Forderung unbedingten Gehorsams erhoben. (Rattner 1971: 95)
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Eine bestimmte, durch die Erziehung geprägte Persönlichkeitsstruktur - die autoritäre Persönlichkeit - kann also mit Ursache für Vorurteilshaftigkeit sein. Das heißt aber nicht, dass alle vorurteilshaften Menschen autoritäre Persönlichkeiten sind. Allport formuliert es folgendermaßen: „[...] for some prejudices are merely conformative, mildly ethnocentric, and essentially unrelated to the personality as a whole (Chapter 17). But often it is organic, inseperable from the life process.“ (Allport 1954: 395) Wenn Letzteres der Fall ist, handelt es sich um eine autoritäre und vorurteilshafte Persönlichkeit.
1.5.3 Soziale Ursachen
Neben der gesellschaftlichen Strukturierung - insbesondere der Gruppenbildung - die eine entscheidende Rolle für die Entstehung von Vorurteilen spielt, sind zahlreiche wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche, historische und aktuelle Faktoren für die Entstehung von Vorurteilen (mit-)verantwortlich. In diesem Kapitel soll nun zunächst die Rolle der Gruppen erläutert werden und dann auf weitere soziale Ursachen eingegangen werden.
1.5.3.1 Gruppenabgrenzung als Ursache von Vorurteilen
Jeder Mensch gehört mehreren Gruppen an, diese sind für ihn die so genannten „Ingroups“, alle anderen Gruppen sind dementsprechend „Out-groups“. Die kleinste und meist wichtigste In-group ist die Familie. Darüber hinaus bilden Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion, Nationalität und soziale Schicht weitere unausweichliche, also nicht selbst gewählte, Gruppenzugehörigkeiten. Wobei bei der religiösen und ggf. auch der Schichtenzugehörigkeit die Möglichkeit zur Veränderung im Laufe des Lebens besteht. Das Individuum hat z.B. die Möglichkeit, ganz aus der katholischen Kirche auszutreten oder einer anderen Religion beizutreten. Bei der Zugehörigkeit zur sozialen Schicht als Gruppe ist der Wechsel zwar auch möglich, jedoch meist mit größeren Schwierigkeiten verbunden. Andere Gruppenzugehörigkeiten sind freier wählbar, obwohl auch sie sich oft aus der sozialen Biographie des Individuums ergeben; so z.B. die Zugehörigkeit zu einem Club oder Verein, einer Berufsgruppe oder Nachbarschaft.
1.5.3.1.1 Entwicklung der Gruppenzugehörigkeit und das Erlernen von Vorurteilen Wie oben bereits erwähnt kann Vorurteilshaftigkeit durch die Erziehung entstehen: Zum einen, indem sie eine Persönlichkeitsstruktur formt, die zur eigenen Stabilisierung auf Vorurteile im Rahmen ihres „protective adjustment“ (Allport 1954: 396) zurückgreift,
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zum anderen dadurch, dass Vorurteile innerhalb der Gruppe direkt übernommen werden.
Das Verständnis von Gruppenzugehörigkeit entwickelt sich bereits in den ersten Lebensjahren (vgl. hierzu Allport 1954: 29ff). Zuerst entwickelt sich ein Verständnis von In-group-Zugehörigkeit, dies wird vom direkten sozialen Umfeld übernommen. In Abgrenzung zu dieser In-group bildet sich dann ein Verständnis von Out-groups als denjenigen, die nicht zur In-group gehören. Wobei Meinungen und Vorurteile über die „feindlichen“ Out-groups ebenfalls unreflektiert vom Kind übernommen werden. „Jede soziale Gruppe hat für die dort diskutierten Meinungsgegenstände jeweils gruppenspezifische Vorurteilssysteme.“ (Bergler 1976: 136) Ein Verständnis von und eine Loyalität gegenüber der In-group ist bereits bei Kindern im Alter von fünf Jahren festzustellen. Obwohl sie nicht wissen, worauf die Unterschiede zu den Out-groups basieren, wissen sie bereits, dass diese „anders“ sind.
1.5.3.1.2 In-group versus Out-group
Out-groups werden meist negativere Eigenschaften zugesprochen als der eigenen Ingroup. Das liegt daran, dass die eigene Gruppe und deren Standards als „Maß aller Dinge“ gesehen und - da dies die vertrauten Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Einstellungen sind - diese als gut und richtig betrachtet werden. Die Verhaltensweisen etc. von Out-groups weichen von der eigenen Norm ab und werden damit als fremdartig oder sogar bedrohlich empfunden. Diese Auffassung über Gruppen und Gruppenbeziehungen, wobei die In-group generell positiv und die Out-groups generell negativ oder feindlich bewertet werden, wird als Ethnozentrismus bezeichnet. (Adorno et al. 1968: 92) Um den Unterschied zwischen der eigenen Gruppe und „den anderen“ zu verdeutlichen, werden die eventuell real oder auch nur imaginär bestehenden Unterschiede vergrößert, um auch den Abstand zwischen den Gruppen zu vergrößern. Je feindlicher die Gruppen zueinander eingestellt sind, desto mehr werden Unterschiede hervorgehoben und übertrieben: „Wir sind sehr fleißig, die sind sehr faul.“
1.5.3.2 Vorurteile als Folge von Unsicherheit und Anomie
Auch im späteren Leben kann sich Vorurteilshaftigkeit entwickeln. Vermutlich hängt auch dies von einer gewissen Disposition der Persönlichkeit der Personen ab; es lässt sich jedoch feststellen, dass unter gewissen Umständen, z.B. in Krisensituationen, die Vorurteilshaftigkeit in der Bevölkerung zunimmt. Ebenso verhält es sich mit Lebenssi-
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tuationen, die Vorurteilshaftigkeit bestärken können. So kann Vorurteilshaftigkeit als Folge von Unsicherheiten im Zuge sozialer Mobilität gedeutet werden. Ein sozialer Aufstieg ebenso wie ein sozialer Abstieg ist mit Unsicherheiten für das Individuum ver-bunden. Es muss sich bei sozialem Aufstieg gegenüber seiner ehemaligen In-group abgrenzen und sich in der neuen In-group beweisen. Ein sozialer Abstieg hingegen wirkt sich negativ auf das Selbstwertgefühl des Individuums aus, was ebenfalls zu Unsicherheit führt. Auf die Frustrations-Aggressions-Hypothese, die auch in diesem Zusammenhang genannt werden kann, werde ich weiter unten noch eingehen. Allgemein kann eine Situation der sozialen Unsicherheit oder auch der Konkurrenz zwischen verschiedenen Gruppen, wie sie z.B. in Zeiten wirtschaftlicher Rezession auftritt, zur Zunahme von Vorurteilshaftigkeit führen. Aus der Unsicherheit resultiert ein Bedürfnis nach klaren Strukturen, Verhaltensrichtlinien und Abgrenzungen, welches mit dem Versuch einhergeht, sich selbst und der eigenen Gruppe Vorteile gegenüber anderen zu verschaffen. Hort nennt die soziale und die subjektive Anomie als mögliche Ursachen von Vorurteilshaftigkeit. So kann die soziale Anomie, ein Zustand mangelnder sozialer Ordnung z.B. im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche, zu einer Orientierungs- und Identitätskrise führen. In deren Folge entsteht als Reaktion auf das Gefühl der Sinnlosigkeit „[...] ein tiefes Bedürfnis nach neuen, in sich dogmatisch-geschlossenen nomischen Wissensbeständen[...]“ (Hort 2002: 65), das durch das Zurückgreifen auf Vorurteile befriedigt wird. Ebenso kann die subjektive Anomie, die nicht aus gesamtgesellschaftlichen Phänomenen resultiert, sondern den Zustand eines Individuums in seiner spezifischen Lebensumwelt beschreibt, als Erklärungsansatz dienen. Hort nennt in diesem Zusammenhang das verstärkte Auftreten von neofaschistischen Ideologien bei Jugendlichen in einigen Regionen Deutschlands. Das Vorurteil gibt einen „Ersatz-Sinn“ in einer sonst unübersichtlichen und unsicheren Welt (soziale Anomie), es dient der Orientierung und Vereinfachung.
1.5.3.3 Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
Im Folgenden werde ich nun auf die bereits oben erwähnte Frustrations-Aggressions-Hypothese eingehen. Diese basiert auf einer 1939 von Forschern der Yale-Universität veröffentlichten Studie, die den Zusammenhang von Frustration und Aggression untersuchte. Die Forscher gingen bei ihrer Untersuchung davon aus, dass „Aggression immer die Folge einer Frustration sei“; außerdem gingen sie davon aus, dass „die Existenz einer Frustration immer zu einer Art von Aggression führe“ (Rattner 1971: 126). Die
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Verhinderung der Ausführung einer Handlung, deren Impuls durch einen Reiz ausgelöst wird, wird als Frustration bezeichnet. Der Grad der Frustration ist immer vom Reiz und von der Stärke des Impulses abhängig, daher kann er unterschiedlich schwerwiegend sein und unterschiedlich schwerwiegende Folgen haben. Wenn ein Ziel nicht erreicht werden kann, ist es möglich, dass auf ein Ersatz-Ziel ausgewichen wird, sozusagen eine Ersatzbefriedigung stattfindet. Unter Aggression ist ein auf eine Person gerichtetes Verhalten zu verstehen, dass die Schädigung dieser Person zum Ziel hat. Aggression muss sich nicht unbedingt in aggressivem oder gewalttätigen Verhalten zeigen, sie kann auch in Form einer Phantasie oder eines Racheplans oder verbal formuliert als Vorurteil auftreten. Auch muss sich Aggression nicht unbedingt gegen den Verursacher der Frustration richten, sie kann sich gegen ein anderes Objekt oder gegen die Person selbst richten. Wenn man die Frustrations-Aggressions-Hypothese nun mit der Abstufung von ablehnendem Verhalten gegenüber Out-groups, wie Allport es vornimmt, in Verbindung setzt, so lässt sich eine mögliche Erklärung für das vermehrte Auftreten von Vorurteilen in anomischen oder bedrohlichen gesellschaftlichen Situationen sowie Konkurrenzsituationen ableiten. Die Abstufung nach Allport (1954: 49) enthält 5 bzw. 3 Stufen.
1. Antilocution
2. Avoidance
3. Discrimination
4. Physical Attack
5. Extermination Oder zusammengefasst in 3 Stufen.
1. Verbal rejection
2. Discrimination
3. Physical attack (of all degrees of intensity)
Da in unsicheren oder bedrohlichen gesellschaftlichen Situationen die Frustration steigt, steigt auch die Aggression. Vorurteile sind eine, wenn auch vergleichbar schwache, Form der Aggression. Steigt nun bei vielen Mitgliedern einer Bevölkerung die Frustration und damit die Aggression, so entlasten sie ihre Aggressionsneigung durch verbale Aggressionen - nämlich Vorurteile - gegenüber einer schwächeren Minderheit. Der Vorteil dieser Aggressionsentlastung liegt darin, dass a) das Opfer sich nicht verteidigen kann und b) keine sanktionierenden Folgen auf die verbale Aggression zu fürchten sind. Dass bei einigen Teilen der Bevölkerung sich die Aggression auch um weitere Stufen nach oben auf der Ablehnungsskala verschieben kann, ist allgemein bekannt. So stieg im Süden der USA, der geprägt war durch Vorurteile und Diskriminierung gegenüber
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Schwarzen, mit schlechteren Baumwollpreisen die Anzahl der Lynchmorde. (Rattner 1971: 130) Frustration und Aggression sind also eine weitere schlüssige Erklärung für das Entstehen von Vorurteilen.
1.5.3.4 Die Sündenbock-Theorie
Die Verschiebung von Aggression ist auch Bestandteil der Sündenbock-Theorie. Diese besagt, dass Gesellschaften sich Minderheiten - wobei hier psychologische und nicht reale Minderheiten gemeint sind (vgl. hierzu Allport 1954: 243) - als Sündenböcke suchen. Die eigenen Schwächen und Triebe werden unterdrückt und auf den Südenbock projiziert, wie z.B. Unlust, sich an einen strengen Moralkodex zu halten. Je stärker sie unterdrückt werden müssen, desto stärker ist der Hass auf den Sündenbock und desto stärker äußert sich der Wunsch nach Bestrafung des selbigen. Weshalb manche Gruppierungen, wie z.B. Juden oder Schwarze, zu Sündenböcken werden und andere nicht, ist schwer zu erklären. Allport geht davon aus, dass für den Versuch einer Erklärung der Entwicklung einer Gruppe zum Sündenbock eine sowohl historische wie auch sozialpsychologische Betrachtung des gesamten Prozesses notwendig ist. Das heißt, man müsste beim ersten In-Erscheinung-Treten einer Gruppe beginnen. Allport skizziert dies am Beispiel der Juden und der Kommunisten in den USA. Eine wichtige Unterscheidung ist die zwischen permanenten und Ad-Hoc-Sündenböcken. Permanente Sündenböcke sind Gruppen, die über einen längeren geschichtlichen Zeitraum hinweg durchgehend als Sündenböcke fungieren, so z.B. Juden und Afroamerikaner. Ad-Hoc-Sündenböcke hingegen gehören nicht unbedingt zu diesen Gruppen, sie werden im Zusammenhang mit aktuellen Ereignissen benötigt, um einer akuten Aggression ein Ziel zu geben. Dennoch werden auch sie oft aus Gruppen gewählt, die als Sündenböcke „beliebt“ sind, so z.B. Intellektuelle oder Einwanderer. Die Umleitung von Aggressionen auf Sündenböcke ist eine von Demagogen oft und gezielt genutzte Methode. (Quasthoff 1973: 122) Obwohl die Sündenbock-Theorie auch teilweise umstritten ist, vermag sie doch, vor allem im Zusammenhang mit der Frustrations-Aggressions-Hypothese, einen Beitrag zur Erklärung von Vorurteilen zu leisten.
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1.6 Die Funktionen des Vorurteils
Das Vorurteil erfüllt verschiedene Funktionen, zum einen auf individuellpsychologischer und zum anderen auf gesellschaftlich-politischer Ebene. Diese Funktionen werden nach Bergler (1976: 104ff) klassisch in Wissens-, Anpassungs-, Selbstdarstellungs- und Selbstbehauptungsfunktion eingeteilt. Barres (1978: 120ff) fügt diesen vier Funktionen noch die utilitaristische Funktion hinzu.
1.6.1 Die Funktionen des Vorurteils in der klassische Einteilung
1. Wissensfunktion
Das Vorurteil erfüllt die Funktion, Lücken im Wissen auszufüllen. Diese Wissenslücken erzeugen einen Zustand des Unbehagens; das Vorurteil erlaubt es, diese Leere zu füllen, obwohl kein „wirkliches“ Wissen vorhanden ist. Aufgrund der Unüberschaubarkeit der Welt und aller Aspekte des Lebens als Ganzem dient das Vorurteil der Vereinfachung. Es fungiert als „Wissens-Ersatz“ (Bergler 1976: 105) und es entlastet von der Ungewissheit.
2. Anpassungsfunktion
Die Anpassung an die In-group erfolgt u.a. auch über die Anpassung an die herrschenden Meinungen, Einstellungen und Vorurteile. Das gemeinsame Vorurteil verstärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Gruppe. Es vermindert Konflikte in der Gruppe und dient der Abgrenzung von anderen Gruppen in dem Sinne, dass diese zu bestimmten Einstellungsgegenständen abweichende Einstellungen bzw. Vorurteile haben.
3. Selbstdarstellungsfunktion
Vorurteile stellen sich dem Individuum oft so dar, als seien sie das Resultat eigener Überlegungen und Einsichten. Dies funktioniert, indem das Individuum die von der Gruppe übernommenen Einstellungen in geringem Maße abändert, so dass sie zwar gruppenkompatibel bleiben, jedoch einen „individuellen Charakter“ erhalten. Bergler nennt dies den „Aspekt der individuellen Transformation gruppenspezifischer Einstellungssysteme“. (1976: 109) Das Individuum erhält das Gefühl, einen eigenen Standpunkt zu haben; es kann seine Identität wahren. Das Vorurteil dient in diesem Sinne der Selbstprofilierung.
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4. Selbstbehauptungsfunktion (ego-defensive function)
Der Begriff der Selbstbehauptungsfunktion ist, meiner Ansicht nach, nicht ganz zutreffend für die Funktion, die erfüllt wird. Daher bevorzuge ich hier den originalen Begriff der „ego-defensive function“. Zum einen dient die Starrheit oder Stabilität des Vorurteils dem Schutz der eigenen Weltsicht und zum anderen dem des Selbstbildes. Dies ist besonders im Zusammenhang mit der autoritären Persönlichkeit eine wertvolle Funktion, da hier die innere Stabilität fehlt und deswegen äußere Stabilität benötigt wird. Da diese durch Vorurteile gewährleistet wird, würde ein kritisches Auseinandersetzen mit den eigenen Vorurteilen auch ein kritisches Auseinandersetzen mit den im Sozialisations- und Erziehungsprozess entstandenen Problemen in der Persönlichkeitsstruktur er-fordern. Das wiederum würde das Selbstbild, ja die ganze Persönlichkeit, in Frage stellen. Daher erfüllt das Vorurteil in seiner Starrheit und Unveränderbarkeit die Funktion, das Selbstbild sowie das individuelle Weltbild zu schützen und zu verteidigen.
5. Utilitaristische Funktion (nach Barres 1978: 120ff)
Das Vorurteil dient der Schaffung von Vorteilen für die Majorität gegenüber der Minorität bzw. für die dominierenden Gruppen gegenüber den dominierten Gruppen. So verschaffen sich Erstere zum Beispiel Rechte oder wirtschaftliche Vorteile gegenüber infe-rioren Gruppen mit Hilfe von Vorurteilen. Die Vorurteile erfüllen den Zweck der Legitimation der ungleichen Verhältnisse. Sie dienen auch dazu, eine herrschende Ordnung zu stabilisieren und Machtstrukturen zu erhalten, indem Vorurteile es zum Beispiel der Elite erlauben, Aggressions- oder Unzufriedenheitstendenzen der „Masse“ von sich auf einen Sündenbock umzulenken.
1.6.2 Einteilung der Funktionen des Vorurteils nach Estel
Estel (1983: 173) hat folgende Tabellen zu den Funktionen des Vorurteils entwickelt.
1. Kognitive und Wissensfunktionen Personale Funktionen Soziale Funktionen Kognitive und Umweltbewältigung:
a) Kognitive Identifikation durch Struktu-rierung der Wahrnehmung (Akzentuierung
und Generalisierung mittels Kategorien)
b) Bedeutungs- und Wertbestimmung
(„object-appraisal-function“)
c) Reduktion bzw. Entlastung von
Unsicherheit
Die „Kognitive und Wissensfunktion“ (Estel) ist vergleichbar der „Wissensfunktion“ (siehe 1.6.1), jedoch ist sie um einige Aspekte erweitert. So wird zum Beispiel der Aspekt der Information über Positionen von Gruppen im gesellschaftlichen Gesamtgefüge mit einbezogen, ebenso wie die sich aus dem Wissen um die Position der Akteure ergebenden Erwartungshaltungen. „Die soziale Interaktion kann daher zu einem bestimmten Anteil über die Stereotype und Vorurteile gesellschaftlich strukturiert werden, so dass sich eine Ordnung der sozialen Handlungsmuster herauskristallisiert.“ (Hort 2002: 58)
2. Handlungs- und Ordnungsfunktionen Personale Funktionen Soziale Funktionen Handlungsfunktionen:
Erzeugung diffus-genereller Anpassungs-bereitschaft („adaptive“ oder „adjustment-
function“)
Ausbildung spezifischer Handlungsbereit-
schaften zu Maximierung von „rewards“
(„utilitarian function“) Bejahung und Verfolgung positional-
strukturell vorgegebener Interessen
Hier vereint Estel die „Anpassungsfunktion“ und die „utilitaristische Funktion“ (s. 1.6.1). Es erscheint jedoch sinnvoll, den Ordnungscharakter noch einmal explizit zu betonen.
3. Latenz- und Legitimationsfunktionen Personale Funktionen Soziale Funktionen
a) Personale Latenzfunktion (Erhaltung
der kognitiven Latenz „illegitimer“
Einsichten und Bedürfnisse
b) Ich-Abwehrfunktion (Verdrängung „ille-
gitimer“ Einsichten und Bedürfnisse)
c) Konfliktverarbeitungs- und lösungsfunk-
tion (Isolierung oder Umwandlung
„illegitimer“ Einsichten und Bedürfnisse)
Die „Selbstbehauptungsfunktion/ ego-defensive function“ (s. 1.6.1), als personale Funktion wird hier mit der Legitimation der gesellschaftlichen Verhältnisse durch das Vorurteil als soziale Funktion zusammengenommen. In der ursprünglichen Aufteilung ist die Legitimation der gesellschaftlichen Verhältnisse nicht als Sonderpunkt aufgeführt, sondern unter der „Utilitaristischen Funktion“ (s. 1.6.1) subsumiert.
4. Identitätsfunktion
Personale Funktionen Soziale Funktionen Werteexpressionsfunktion
Selbstdarstellungs- und Selbstverwirklichungs-
funktion
Erlangung oder Wahrung personaler Identität
bzw. Individualität (in Selbst- und Fremd-
deutung)
Estels „Identitätsfunktion“ vereint die personale Identitätsfunktion, die der „Selbstdarstellungsfunktion“ vergleichbar ist, und die Funktion, die Vorurteile für die gesellschaftliche bzw. Gruppenidentität haben.
Die von Estel vorgenommene Einteilung hat den Vorteil, dass sie eine deutliche Übersicht über die jeweils personalen und sozialen Aspekte der Funktionen gibt. Im Großen und Ganzen enthält sie die in der klassischen Einteilung vorkommenden Aspekte, die jedoch teilweise sinnvoll erweitert und ergänzt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Vorurteile zahlreiche Funktionen sowohl für das Individuum wie auch für die Gruppe und die Gesellschaft erfüllen. Sie sind auf diese Weise im sozialen Leben, wenn auch nicht immer offensichtlich, allgegenwärtig.
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1.7 Vorurteilslosigkeit als gesellschaftliche Norm - Ein Problem für die Vorurteils-forschung
Ein Problem, das sich der Vorurteilsforschung stellt, ist die Tatsache, dass Vorurteile heutzutage gesellschaftlich als unerwünscht gelten. Die soziale Norm erwartet von Individuen, vorurteilsfrei zu sein. Schon in der Berkeley-Studie stellte sich den Forschern das Problem, ihre Fragebögen so zu konzipieren, dass die Aussagen nicht „[...] die demokratischen Werte verletzen, die beizubehalten auch die vorurteilsvollsten Leute sich meist noch verpflichtet fühlen.“ (Adorno et al. 1968: 93) Diese Tendenz hat sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung und der Stärkung der „Norm der Vorurteilslosigkeit“ noch verstärkt. Dies bedeutet aber nicht, dass die real vorhandenen Vorurteile weniger geworden sind, also die Menschen wirklich weniger Vorurteile haben; es wird nur besser darauf geachtet, Vorurteile nicht öffentlich zu formulieren. So wird zum Beispiel bei der Beantwortung eines Fragebogens ein unbewusster innerer „Sicherheits-Scan“ ablaufen, der die Antworten mit der Konformität zur Norm abgleicht. Dies erschwert es, vorurteilsvolle Antworten zu erhalten.
1.7.1 Neue oder „subtile“ Vorurteile
Des Weiteren hat sich in diesem Zusammenhang eine neue Form von Vorurteilen entwickelt. Diese neuen oder „subtilen“ Vorurteile sind dem Individuum selber nicht bewusst. Und zwar nicht nur in dem Sinne, dass die Person nicht wahrnimmt, dass sie ein Vorurteil hat - denn das ist bei Vorurteilen immer der Fall - sondern in dem Sinne, dass ihr nicht einmal ihre Abneigung gegenüber einer bestimmten Gruppe bewusst wird. Die vorhandenen negativen Gefühle gegenüber dem Vorurteilsobjekt werden ausgeblendet. Sie äußern sich subtil und indirekt, z.B. in der Meidung einer Person, meistens unter der Vorschiebung anderer, gesellschaftlich akzeptierter Gründe. (Iser 2007: 46) Träger subtiler Vorurteile sehen die Gleichberechtigung der Gruppen als bereits verwirklicht an. Ein gutes Beispiel hierfür ist die von vielen Männern wie auch Frauen vertretene Ansicht, in Deutschland seien Männer und Frauen gleichberechtigt - die Gleichberechtigung also verwirklicht -, obwohl dies faktisch nicht der Fall ist, wie sich zum Beispiel am Lohnniveau oder dem Prozentsatz von Frauen in Führungspositionen ablesen lässt. Es hat also nicht nur eine Tabuisierung der Vorurteile gegen Frauen stattgefunden, sondern eine Tabuisierung der Wahrnehmung dieser.
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1.8 Zusammenfassung des Kapitels über Vorurteile
Unter Vorurteil ist also eine Form der Einstellung zu verstehen, mit der eine Bewertung einhergeht. Oft, aber nicht immer, ist diese negativ. Vorurteile sind nur schwer von Vorausurteilen und falschen Urteilen zu unterscheiden und bedienen sich der semantisch-linguistischen Struktur des (wahren) Urteils. Es handelt sich bei Vorurteilen oft um Gruppenphänomene, die einen Beitrag zur Strukturisierung der Gesellschaft leisten. Für das Individuum erfüllen sie wichtige Funktionen, u.a. die der Vereinfachung und der Selbstdarstellung und -verteidigung. Ihr vereinfachender und verabsolutierender Charakter führt allerdings zu Problemen, da Individuen nicht nach ihrer Persönlichkeit, sondern nach ihrer Gruppenzugehörigkeit beurteilt und verurteilt werden. Die charakteristischsten Merkmale von Vorurteilen sind die in ihnen enthaltene Verallgemeinerung, ihre starke Emotionalität und ihre Resistenz gegenüber Veränderung.
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Arbeit zitieren:
Alina Jurth, 2009, Stereotype und Vorurteile – Eine Untersuchung zum Deutschlandbild schwedischer Studenten, München, GRIN Verlag GmbH
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