Auf ein Wort
„Deutsche Kurzwortbildung in der Jugendsprache“ als Titel für diese Hausarbeit zu wählen, erschien mir nach meinem Referat im Seminar zum Thema Kurzwortbildung logisch und gleichzeitig sehr interessant zu sein. Die Deutsche Kurzwortbildung ist ein bisher karg bearbeitetes Feld der Germanistischen Linguistik, obwohl sich daran in den letzten Jahren etwas zu ändern scheint. So wirkt die Fachliteratur in diesem Bereich der Wortbildung immer noch recht übersichtlich, obwohl viele Themen nicht deutlich genug differenziert erscheinen. Beispielsweise gibt es immer noch unterschiedliche Einschätzungen darüber, ob Kurzwörter zu den Abkürzungen zu zählen sind oder in der Wortbildung einen eigenen Gattungsbegriff beanspruchen dürfen. Entsprechend häufig sind sie unter den Abkürzungen in den verschiedensten Abkürzungslexika zu finden. Ich werde mich mit dieser Diskussion nur Eingangs befassen, da ich Kurzwortbildung als eigenen Gattungsbegriff innerhalb der Wortbildung voraussetze.
Angesichts der seit Mitte des 20. Jahrhundert epidemisch wirkenden Produktivität der Kurzwortbildung, sowohl in der Standardsprache, als auch in Regional- und Jugendsprachen scheint die sprachwissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema minimalistisch. Besonders unverständlich wirkt dies als Manko in Bezug auf die ohnehin produktive Jugendsprache, die auf den Entwicklungsprozess der deutschen Standardsprache durch alle Jahrhunderte hindurch immer wieder entwicklungsfördernd eingewirkt hat - und dies auch heute immer noch tut. 1 Die überwältigende Fülle der Fachliteratur zum Thema „Jugendsprache“ im Allgemeinen wird dem Thema Kurzwortbildung jedoch nicht gerecht.
In dieser Hausarbeit möchte ich mich deshalb mit der deutschen Kurzwortbildung in der Jugendsprache beschäftigen. Die Klagen über die Wortbildungen der Jugendsprache, speziell der Verdacht der
1 Neuland (2008, S. 89 ff)
Inhaltsverzeichnis III
grammatikalischen Unreinheit bzw. Verunglimpfung der Regeln der deutschen
Sprache , des „Sprachverfalls“, 2 auch der „Anglizismen“, bringt mich dazu
herauszuarbeiten , inwiefern die in den ausgewählten „Jugendsprachelexika“
genannten Kurzwörter nach den „Regeln“ der deutschen Kurzwortbildung
gebildet wurden. Zunächst aber das
Inhaltsverzeichnis
Auf ein Wort II
Inhaltsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis V
1 Einleitung 1
2 Das Problem: Was ist Kurzwortbildung (KW-Bildung)? 3
2.1 Definition der deutschen KW-Bildung nach Kobler-Trill (1992/93) 3
2.2 Abgrenzung zu Erben, Fleischer/Barz u.a. Autoren 5
2.3 Fazit 7
3 Was gehört zur KW-Bildung? 8
3.1 Typologie der KW-formen nach Kobler-Trill und Donalies 8
3.1.1 Unisegmentale Kurzwörter (KWus) 9
3.1.2 Partielle Kurzwörter (KWpart) 10
3.1.3 Multisegmentale Kurzwörter (KWms) 11
3.1.4 Abgrenzung zu anderen Reduktionsarten 13
4 KW in der Jugendsprache 14
4.1 Ausgewählte Beispiele aus dem „Pons. Wörterbuch der Jugendsprache.
Das Original“ 14
4.2 Ausgewählte Beispiele aus „Endgeil. Das voll korrekte Lexikon der
Jugendsprache “ 16
5 Gemeinsamkeiten oder Unterschiede zwischen deutscher Jugend- und
Standardsprache in der KW-Bildung? 19
2 Neuland (2008, S 3)
Inhaltsverzeichnis IV
6 Fazit 23
Literaturverzeichnis 25
Monographien , Zeitschriftenartikel, Bildquellen 25
Eidesstattliche Versicherung 26
Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. an dem schon angegebenen Ort ahd. althochdeutsch ABK Abkürzung BL Basislexem
1 Einleitung
Kurzwortbildung (KW-Bildung) ist kein Phänomen, das erst im 20. Jahrhundert aufgetreten ist. Zu allen Zeiten, aus denen schriftliche Überlieferungen auf uns gekommen sind, gibt es Nachweise für Kurzwortbildungen (siehe Bild). Allerdings hat sich seit der Mitte des letzten Jahrhunderts die Kurzwortbildung geradezu „seuchenartig“ verbreitet. 4 . Nicht nur aus sprachökonomischen Gründen werden häufig KW benutzt. Sie können auch Zugehörigkeiten klären, und sind in ihrer Kürze sehr nützlich, wenn alle Adressaten sie verstehen bzw. den gleichen Sprachcode besitzen. Sie können aber auch der Verschleierung und Uneindeutigkeit dienen. KW-Bildung nimmt teilweise inflationäre Züge an, so dass die Verständlichkeit eingeschränkt sein kann, da zu viele KW gebildet werden, die nicht allen Rezipienten bekannt sein können. Es kommt also darauf an, in welcher Art von Kommunikation man sich gerade „befindet“ und ob das Gemeinte wirklich deutlich wird oder werden soll. Speziell fachsprachliche Kurzformen leiden unter dieser, ursprünglich gesprächsentlastenden, heute oft Verständigung behindernden Problematik.
3 S.P.Q.R. ist die Abkürzung für das lateinische Senatus Populusque Romanus („Senat und
4 Rudolf Walter Leonhard (1982) „AKÜWÖs (Abkürzungswörter)“ seien eine Seuche, die sich rasend verbreite
Auch die Jugendsprache bedient sich dieser „fachsprachlichen Kürze“, will sich bewusst zur Standardsprache und deren Nutzern, den Erwachsenen, abgrenzen. Es wird also zu klären sein, ob Kurzwortbildungen in der Jugendsprache sich an Regeln der Standardsprache orientieren oder sich sogar dagegen abgrenzen und die Grammatik „auf den Kopf stellen“.
Zunächst möchte ich aber den Begriff der Kurzwortbildung differenziert herausarbeiten. Ich werde die unterschiedlichen Positionen von Kobler-Trill, Erben, Fleischer-Barz u.a. unterscheiden, um dann zu einer genauen Definition der Kurzwortbildung zu kommen. Danach werde ich eine Typologie der Kurzwortformen beschreiben und die Kurzwortbildung gegen andere Reduktionsarten abgrenzen. Schließlich werde ich auf ausgewählte Kurzwort-Beispiele aus den benutzten Quellen, („Pons- Lexikonder Jugendsprache“ und „Endgeil. Das voll korrekte Lexikon der Jugendsprache“) eingehen, um sie dann entsprechend der Definition und Typologie zu systematisieren und zu strukturieren. Danach überprüfe ich, ob Unterschiede bei der Bildung der Kurzwörter in der Jugendsprache in Bezug auf die Regeln der deutschen Kurzwortbildung in der Standardsprache zu erkennen sind. In einem Fazit werde ich die Ergebnisse zusammenfassen.
Als Arbeitshypothese gehe ich davon aus, dass die Kurzwortbildung in der Jugendsprache sich an den Regeln der Standardsprache orientiert und diese, wenn überhaupt, nur dann „überschreitet“, wenn ihr ein besonderer Stellenwert in Abgrenzung zur Standardsprache zukommt. Da nur ein kleiner Ausschnitt der „Jugendsprache“ in dieser Hausarbeit behandelt wird, können die Untersuchungs-Ergebnisse keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Vielleicht lässt sich jedoch eine Tendenz ablesen, die in größeren, empirischen Untersuchungen verifiziert werden kann.
.
2 Das Problem: Was ist Kurzwortbildung (KW-
Bildung)?
Im Seminar „Wortbildung“ habe ich im Referat am 06.07.2010 folgende Eingangsdefinition benutzt, um den Begriff Kurzwort zu beschreiben:
Definition Kurzwort (KW) :
Kurzwörter sind Wörter, die durch Kürzung von Wörtern oder längeren semantischen Einheiten gebildet werden. Sie sind das vollständige Synonym der Langform aus der sie gebildet wurden. Bei KW-Bildung wird aus der Langform ein Teil (Segment) entnommen und als Wort verwendet.
Es findet kein Wortartwechsel statt, alle grammatischen Eigenschaften der Langform und die Bedeutung der Voll-/Langform bleibt erhalten. KW sind graphisch und auch phonisch realisierbar.
Diese Definition war eine Zusammenstellung der von mir bis dahin rezipierten Literatur und diente dazu, ein gemeinsames Grundverständnis aller Seminarteilnehmer zu dem Begriff „Kurzwortbildung“ zu schaffen. Doch ganz so einfach ist dieses Thema offensichtlich nicht abzuhandeln. Es gibt sehr unterschiedliche, uneinheitliche Positionen und Begrifflichkeiten zu beachten.
„Es herrschen terminologische Konfusionen und Inkonsequenzen. Eine allgemein akzeptierte oder akzeptable Gliederung der verschiedenen Abkürzungstypen ist trotz des Vorliegens einzelner Versuche noch ein dringendes Desiderat.“ 5
Aus diesem Grund lohnt ein kurzer Überblick über ausgewählte Texte der Forschungsliteratur zu diesem Thema.
2.1 Definition der deutschen KW-Bildung nach Kobler-Trill (1992/93)
Dorothea Kobler-Trill versteht beispielsweise ein
„KW als eine Lexikoneinheit und außerdem als einen Sonderfall von Wortbildungsprodukten“ 6 Sie grenzt hier ganz klar ab zu Abkürzungen und anderen
5 Gebhardt (1979, S. 83) zitiert nach Kobler-Trill (1994, S. 4)
6 Kobler-Trill (1994, S. 4)
Arbeit zitieren:
Angela Lorenz-Ridderbecks, 2010, Deutsche Kurzwortbildung in der Jugendsprache, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
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