Inhaltsverzeichnis
0. Einführung 2
1. Das Bauhaus-Erbe in der Deutschen Demokratischen Republik 3
1.1 An Kunsthochschulen 4
1.2 Im Design 7
1.3 In der Architektur 12
2. Zusammenfassung 15
3. Literaturverzeichnis 17
2
0. Einführung
Das Bauhaus ist in den vergangenen Jahren zu einem der populärsten Forschungsthemen der deutschen und internationalen Kunsthistoriker avanciert. Dementsprechend groß ist der Bestand an Literatur zur Geschichte der Schule, den Dozenten und Fachbereiche. Die Ideen des Bauhauses haben dessen Einrichtung bis heute überlebt und wurden von seinen Vertretern und Schülern in die Welt getragen. Auch in der DDR haben solche Auffassungen Karriere gemacht und deutliche Spuren hinterlassen. Die Konzepte von Gropius, van der Rohe, Meyers und anderen haben Architektur, Design und Pädagogik so wesentlich beeinflusst, dass man bereits über jedes dieser Themen mehrere Bücher verfassen könnte. Allein: solche Bücher wurden noch nicht geschrieben. Der Anteil der Bauhaus-Literatur, der sich mit der DDR beschäftigt, ist verschwindend gering und zum größten Teil provokant-spielerisch oder rein monografisch in der Form.
Wer sich dennoch auf dieses Sujet einlässt, bemerkt, wie eng verstrickt die beteiligten Personen, Institutionen und Ereignisse sind, auch Disziplin übergreifend. Personen aus dem ehemaligen Bauhaus tauchten an Kunsthochschulen und in politisch markanten Ämtern auf. Wohnungen, welche neu gebaut wurden, wurden Trendgerecht eingerichtet. Diese Wechselbeziehungen sind der Grund für etliche Dopplungen, die in dieser Arbeit vorkommen mögen; wenn sie vorkommen, sind sie notwendig, um Zusammenhänge besser zu beleuchten.
Die Bauhaus-Rezeption in der DDR lief auf weiten Strecken parallel zur politischen Entwicklung im Land und lässt sich in mehrere Phasen gliedern, die nahezu mit den einzelnen Jahrzehnten zusammen fallen und unübersehbar mit der jeweiligen wirtschaftlichen und kultur-politischen Situation im Land verquickt sind. 1 Um nicht zu verwirren habe ich meine Abhandlung daher chronologisch gegliedert. Da die Bauhaus- Einflüssein Ost-Deutschland wie bereits erwähnt umfassend waren, erhebt sie freilich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern kann höchstens einen kurzen Abriss oder eine Übersicht über ein facettenreiches, umfangreiches Phänomen darstellen.
1 Ergebnis dieses Konfliktes zwischen der Kontinuität eigener gestalterischer Überzeugungen und extremer Schwankungen der offiziellen Design-Politik führten zwangsläufig zu „Spannungen und Widersprüchen für das Design in der DDR (…)“ vgl. Eberle und Gronert 2004, S.7
3
1. Das Bauhaus-Erbe in der Deutschen Demokratischen Republik
Alle drei Wirkungsstätten des Bauhauses - Weimar, Dessau und letztlich Berlin -befanden sich auf Territorium der DDR. Betrachtet man nun die Bauhaus-Rezeption und Fortentwicklung in dieser Zeit, offenbart sich eine einzigartige Ausgangssituation, denn die architektonischen und ideellen Hinterlassenschaften der Bauhäusler bewirkten eine wesentlich unmittelbarere Rezeption ihrer Ideen, als in der BRD oder in den USA. Auch gab es sowohl in Weimar, als auch in Dessau Menschen, die sich an die Anregungen des Bauhauses erinnerten und sich persönlich für dessen Wiederaufbau einsetzten.
Viele ehemalige Bauhäusler lebten in der DDR oder kehrten aus dem Exil dorthin zurück, da sie sich vom Sozialismus eine humane, gegenüber Kultur aufgeschlossene Gesellschaft erhofften. 2 Vor allem im Bereich der industriellen Formgestaltung wurden bis in die Fünfziger Jahre noch Vorkriegs-Entwürfe ehemaliger Bauhäusler umgesetzt. 3 Viele von ihnen verließen das Land jedoch bereits nach wenigen Jahren wieder, als das kulturpolitische Klima im Staat aufgrund der fortschreitenden Formalismus-Debatte deutlich abkühlte. Verfechter der Bauhaus-Ideen wurden verfemt und von höchster Stelle abgelehnt und verurteilt. 4
Mitte der Fünfziger Jahre zeichnete sich dann vor dem Hintergrund der prekären wirtschaftlichen Situation und der enormen Wohnungsnot eine Neubewertung des Bauhaus-Gedankens ab: Man besann sich auf industrielle Bauweisen und die soziale Komponente des Bauhauses und erkannte es wieder als Teil des eigenen kulturellen Erbes an. 5
In den Sechziger Jahren gab es etliche Monografien zum Thema, sowie erste größere Bauhaus-Ausstellungen in Dessau und Weimar. Das ehemalige Lehrgebäude in Dessau wurde gar zum Denkmal erklärt. In den 70er Jahren erfuhr das Bauhaus eine weitere ideologische Aufwertung, verbunden mit dem Etappenweisen Wiederaufbau, der in der feierlichen Wiedereröffnung der Dessauer Schule 1976, pünktlich zum 50jährigen
2 Graf 1994, S.106. Die Autorin beruft sich auf Christian Schädlich, der in seinem Buch „Bauhaus 1919-1933“, erschienen 1983 in Dessau, von ca. 40 Ehemaligen ausgeht, welche „sich unmittelbar nach der Zerschlagung des Faschismus einfanden, um tatkräftig an der Schaffung einer menschenwürdigeren Gesellschaft teilzunehmen.“ Und „in deren politischen und künstlerischen Tätigkeiten die besten Traditionen des Bauhauses weiterlebten“. (S.20)
3 Graf 1994, S.106. So zum Beispiel die berühmt gewordenen Stahlrohr-Möbel von Gustav Hassenpflug, die in einer Möbelfabrik in Stendal vom Band gingen.
4 Ebd., S.106
5 Ebd., S.107
4
Jubiläum, kulminierte. In der Politik avancierte das Bauhaus indessen zu einer Art Vorläufer sozialistischer Baukunst. Man betonte hochoffiziell die enge Verbindung mit dem Wohnungsbauprogramm der DDR. 6
In den Achtzigern erwuchs das Ende der Siebziger gegründete Bauhaus-Kolloquium mehr und mehr zu einem Forum der Auseinandersetzung mit aktuellen städtebaulichen und architektonischen Problemen, zu deren Lösung man die ursprünglichen Bauhaus- Ideenheranzog. 7 Mit der Wiederaufnahme des Lehrbetriebes an der Hochschule in Dessau 1987 8 war das Bauhaus endgültig wieder im Staat präsent.
1.1 An Kunsthochschulen
Wie bereits erwähnt, übernahm die sozialistische DDR das Ideal der Gesellschaftsbildenden, „progressiven“ Kunsthochschule 9 . Darüber hinaus aber wurden gerade in der Nachkriegszeit Bauhaus-Ideen an Akademien höchstens geduldet, meistens sogar boykottiert. Ende der fünfziger Jahre wurden auch an Hochschulen regelrechte Polit-Kampagnen gegen „formalistische“ und „kosmopolitische“ Konzepte und Einrichtungen geführt 10 . Zudem veränderten staatliche Lenkungsversuche das Gesicht einiger Schulen wesentlich; z.B. mit der Einführung eines Marxistisch-Leninistischen Grundlagenstudiums, sowie schmerzhaften Einschränkungen für die Abteilungen Malerei, Grafik und Plastik 11 . (Vorzugsweise in Richtung des ideologisch erwünschten Sozialistischen Realismus 12 in der bildenden Kunst sowie des industriellen Designs.)
6 Graf 1994, S.108f.
7 Ebd., S.110. Das wird bereits am Titel der Kolloquien deutlich. So stand die Veranstaltung 1983 zunächst unter dem Motto „Das Bauhaus-Erbe und die gegenwärtige Entwicklung in der Architektur. Zum 100. Geburtstag von Walter Gropius“; 1986 untersuchte man den „Wissenschaftlich-technischen Fortschritt und die sozial-kulturelle Funktion von Architektur und industrieller Formgestaltung in unserer Epoche“, wobei sich fast die Hälfte der Redner an historischen Sachverhalten, darunter dem Bauhaus, orientierte. Das 5. Bauhaus-Kolloquium 1989 fand zum Thema „Produktivkraftentwicklung und Umweltgestaltung - Zum 100. Geburtstag Hannes Meyers“ statt.
8 Ebd., S.109
9 Ebd., S.103
10 Eisele & Gronert 2004, S.30 und Graf 1994, S.106f.
11 vgl. http://www.burg-halle.de/295.html [Stand: 09.01.2006, 21:08 Uhr] und Eisele & Gronert 2004, S.31
12 Der Sozialistische Realismus wollte besonders den ,neuen Menschen’ und die ,neue Gesellschaft’ darstellen - meist in pathetisch-verherrlichender Art und Weise - und wurde dementsprechend von der SED gefördert. Carolyn Graf schrieb dazu: „Der Künstler hatte als aktives Mitglied der Gesellschaft seinen Beitrag am nationalen Aufbauwerk zu leisten - und die Partei schrieb ihm vor, wie dieser Beitrag auszusehen hatte: ,Sozialistisch im Inhalt, national in der Form’ lautete der Slogan, den Ulbricht zunächst als Beschreibung der vorbildlichen sowjetischen Architektur von Stalin übernommen hatte.“ Vgl. Graf 1994, S.106
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Arbeit zitieren:
Franziska Beyer, 2006, Die Bauhaus-Rezeption in der DDR: Design, Architektur, Kunsthochschulwesen, München, GRIN Verlag GmbH
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