Inhaltsverzeichnis
I. Textgrundlage: Die Straßburger Eide vom 14. Februar 842. 3
II. Die Eidestexte. 4
1. Politischer Hintergrund 4
2. Linguistische Analyse 5
a) Etymologisch-phonologische Lautentwicklung. 5
b) Grammatische Veränderungen 9
aa) Phonologische Entwicklung 9
bb) Morphologisch-syntaktische Entwicklung 10
III. Interpretation. 11
IV. Weiterführende Fragestellungen. 13
Anlage. 14
2
I. Textgrundlage
Die Straßburger Eide vom 14. Februar 842
… Cumque Karolus haec eadem uerba romana lingua perorasset, Lodhuuicus, quoniam maior natu erat, prior haec deinde se servaturum testatus est: Pro Deo amur et pro christian poblo et nostro commun saluament, d´ist di en avant, in quant Deus sauir et podir me dunat, si saluarai eo cist meon fradre Karlo, et in a(d)iudha et in cadhuna cosa, si cum om per dreit son fradra saluar dift, in o quid il mi altresi fazet, et ab Ludher nul plaid nunquam prindrai qui, meon uol, cist meon fradre Karle in damno sit.
Quod cum Lodhuuicus explesset, Karolus teudisca lingua sic haec eadem uerba testatus est: In Godes minna ind in thes christianes folches ind unser bedhero gehaltnissi, fon thesemo dage frammordes, so fram so mir Got gewizci indi mahd furgibit, so hald ih thesan minan bruodher, soso man mit rehtu sinan brudher scal, in thiu thaz er mig so sama duo, indi mit Ludheren in nohheiniu thing ne gegango, the, minan willon, imo ce scadhen uuerdhen.
Sacramentum autem quod utrorumque populus quique propria lingua testatus est, romana lingua sic se habet: Si Lodhuuigs sagrament, que son fradre Karlo iurat, conseruat, et Karlus, meos sendra, de suo part non los tanit, si io returnar non l´int pois, ne io ne neuls cui eo returnar int pois, in nulla aiudha contra Lodhuuig nun li iu er.
Teudisca autem lingua: Oba Karl then eid, then er sinemo bruodher Ludhuuige gesuor geleistit, indi Ludhuuig, min herro, then er imo gesuor forbrihchit, ob ih inan es irwenden ne mag, noh ih noh thero nohhein, then ih es irwenden mag, uuidhar Karle imo ce follusti ne uuirdhit. 1
1 Carlo Tagliavini, Einführung in die romanische Philologie. Aus dem Italienischen übertragen von
Reinhard Meisterfeld und Uwe Petersen. Tübingen. 1998. 374. Die Eidesformeln werden um der
Vollständigkeit willen sowohl in Protoromanisch als auch in Althochdeutsch in aufgemachter Schreibung
aufgeführt. Zur Analyse werden vernunftgemäß jedoch ausschließlich die in protoromanischer Sprache
abgehaltenen Eide herangezogen. Eine deutsche Übersetzung findet sich in Anlage. Für die Darstellung in
diplomatischer Schreibung der Eide vgl. Siegfried Becker, „Untersuchungen zur Redaktion der
Straßburger Eide“. Europäische Hochschulschriften. 13. 1972. 26-27.
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II. Die Eidestexte
1. Politischer Hintergrund
Die Straßburger Eide sind am 14. Februar 842 in den beiden Volkssprachen, namentlich Protoromanisch und Althochdeutsch, 2 protokollarisch abgefasst worden. Sie überliefern die gegenseitigen Eidesschwüre der beiden Brüder Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen gegen ihren älteren Bruder Lothar. Lothar beanspruchte nach dem Tod des Vaters Ludwig des Frommen im Jahre 840 nicht nur die Herrschaft über das ihm bis zu diesem Zeitpunkt bereits zustehende Gebiet, nämlich den intermediären Bereich von der Region um Aix-la-Chapelle bis hin zu Italien, sondern auch den galloromanischen Westteil des Frankenreiches, in dem Karl der Kahle herrschte, ebenso wie den germanischen Ostteil Ludwigs des Deutschen.
Die beiden Herrscher schworen jeweils auf der Sprache des anderen den Eid, damit die Heeressoldaten den Schwur des anderen verstehen und nachvollziehen konnten. 3 Die Soldaten selbst leisteten den Eid in ihrer Volkssprache. Interessant hierbei ist die Überlieferung der Eide durch den Historiographen Nithard in seinem Werk Historiarum Libri IIII, in welchem er die Eide in der jeweiligen Volkssprache, das heißt in der lingua romana rustica und in der teudisca lingua wiedergibt. Offiziell wurde die lingua latina bis ins Jahr 813 „in allen schriftlichen Aufzeichnungen (Urkunden, Predigten, Übersetzungen, Briefe, lehrhafte Traktate, Chroniken, Prosa- und Versdichtung)“ 4 verwendet, demnach auch in Protokollen, wie dies hier bei den Eiden eigentlich der Fall gewesen wäre. Auf dem Konzil zu Tours wurde im Jahre 813 beschlossen, dass „künftighin die Auslegung der Heiligen Schrift von den Geistlichen […] in romanischer oder deutscher Volkssprache [zu] erfolgen [habe] […]“. 5 Grund hierfür war die Entfremdung der völkischen Mundart in Bezug auf das Lateinische, welche wegen ihres stark fortgeschrittenen Ausmaßes ein Verstehen des klassischen Lateins für das einfache Volk nicht mehr möglich machte.
2 Vgl. Peter A. Machonis, Histoire de la langue. Du latin à l´ancien français. Lanham. 1990. 115.
3 Vgl. Peter A. Machonis, Histoire de la langue. Du latin à l´ancien français. Lanham. 1990. 115.
4 Gerhard Rohlfs, „Vom Vulgärlatein zum Altfranzösischen“. In: Gerhard Rohlfs, Sammlung kurzer
Lehrbücher der romanischen Sprachen und Literaturen. 15. Tübingen. 1963. 85.
5 Gerhard Rohlfs, „Vom Vulgärlatein zum Altfranzösischen“. In: Gerhard Rohlfs, Sammlung kurzer
Lehrbücher der romanischen Sprachen und Literaturen. 15. Tübingen. 1963. 85.
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Während Nithard also sein Geschichtswerk in Form eines Berichts in lateinischer Sprache abfasste, setzte er die Eide, die er nach Art eines Protokolls wiedergibt, bewusst in die jeweilige Volkssprache, um die Eide besonders hervorzuheben und somit auf ihre politische sowie linguistische Bedeutung hinzuweisen. 6 Fraglich ist nun, welche Veränderungen speziell im linguistischen Bereich stattgefunden haben müssen, um einen derartigen Fortschritt innerhalb der Lautentwicklung begründen zu können, der sich dahingehend entwickelt hat, dass das Volk das klassische Latein nicht mehr verstehen und schon gar nicht mehr sprechen konnte.
Bei der Analyse sollen im Einzelnen sowohl etymologische als auch grammatische Entwicklungen betrachtet werden. Letzteres lässt sich noch weiterhin in phonologische, morphologische und syntaktische Bereiche unterteilen. Ziel der Analyse ist der Versuch, die sprachliche Entwicklung vom klassischen Latein bis hin zum Protoromanischen - einer Vorstufe des Altfranzösischen - anhand der Sprachentwicklung der einzelnen Wörter zu verdeutlichen, um damit der voranschreitenden Unkenntnis des Volkes bezüglich der lateinischen Sprache eine annähernd glaubwürdige Begründung zu verleihen.
2. Linguistische Analyse
a) Etymologisch-phonologische Lautentwicklung
Der grammatischen Betrachtung sei zuerst eine etymologische vorangestellt, in der Absicht, die mithilfe von Lautgesetzen rekonstruierbare ursprüngliche Form aufzuzeigen und die aus dieser Form in der Sprachentwicklung resultierende Ausbildung weiterer Morpheme darzustellen. Zum besseren Verständnis sei die phonologische Lautentwicklung bereits an dieser Stelle untersucht. Der erste Eid wird von dem älteren Bruder Ludwig dem Deutschen gesprochen, und zwar auf protoromanisch, der Heeressprache seines Bruders Karl. Das lateinische Präfix pro ,vor´ in Zeile zwei des oben aufgeführten Textnachweises stammt von der griechischen Präposition ab und bezeichnet die räumliche oder zeitliche
Vorzeitigkeit ebenso wie die Befürwortung einer Sache oder einer Person. 7
6 Vgl. Siegfried Becker, „Untersuchungen zur Redaktion der Straßburger Eide“. Europäische
Hochschulschriften. 13. Frankfurt/M.. 1972. 30.
7 Vgl. Le TLFi: http://atilf.atilf.fr/dendien/scripts/tlfiv5/visusel.exe?13;s=3927251685;r=1;nat=;sol=2;
5
Arbeit zitieren:
Anna Vogel, 2009, Die Straßburger Eide vom 14. Februar 842, München, GRIN Verlag GmbH
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