II
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis. VI
1 Einleitung. 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung. 1
1.2 Gang der Arbeit. 2
2 Mittelständische Unternehmen in Deutschland, Strategische Unternehmens-
f ührung und theoretische Fundierung 3
2.1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland 3
2.1.1 Definition und Abgrenzung. 3
2.1.2 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung des deutschen Mittelstandes. 7
2.1.3 Veränderte Rahmenbedingungen mittelständischer Unternehmen. 8
2.1.4 Aktuelle Wirtschaftslage des deutschen Mittelstandes 10
2.2 Strategische Unternehmensführung 12
2.2.1 Definition und Grundlagen 12
2.2.2 Strategische Zielplanung. 15
2.2.3 Strategische Analyse 17
2.2.4 Strategieformulierung und -bewertung 20
2.2.5 Strategieimplementierung 21
2.3 Theoretische Fundierung zur optimalen Kapitalstruktur 22
2.3.1 Leverage-Effekt und traditionelles Kapitalstrukturmodell 22
2.3.2 Modigliani-Miller-Theorem. 24
2.3.3 Pecking-Order-Theorie 26
2.4 Anwendung der Prinzipal-Agent-Theorie im deutschen Mittelstand 29
3 Finanzmanagement mittelständischer Unternehmen in Deutschland 32
3.1 Grundlagen des betrieblichen Finanzmanagements. 32
3.2 Status quo des Finanzmanagements im deutschen Mittelstand 34
3.2.1 Finanzierungsstruktur mittelständischer Unternehmen in Deutschland 34
3.2.2 Aktuelle Herausforderungen im Finanzmanagement 36
III
3.3 Strukturelle Anpassungsmaßnahmen im Finanzmanagement 40
3.3.1 Businessplanerstellung und Umsetzung strategischer Elemente 40
3.3.2 Professionalisierung des Finanzbereiches. 43
3.3.3 Kritische Auseinandersetzung mit externen Beratern. 47
4 Optimierungsansätze der Vermögens- und Kapitalstruktur. 49
4.1 Leasing 49
4.1.1 Charakterisierung 49
4.1.2 Auswirkungen auf Bilanz und Ratingverfahren. 52
4.1.3 Vor- und Nachteile. 54
4.2 Mezzanine-Kapital 57
4.2.1 Charakterisierung und Abgrenzung 57
4.2.2 Typische Merkmale. 58
4.2.3 Ausgewählte Instrumente. 60
4.2.4 Auswirkungen auf Bilanz und Ratingverfahren. 63
4.2.5 Eignung für mittelständische Unternehmen. 65
4.3 Optimierung des Debitorenmanagements 68
4.3.1 Risikomanagement. 68
4.3.2 Fakturierung und Mahnwesen. 70
4.3.3 Factoring 73
4.4 Working Capital Management 75
4.5 Bank- und Kapitalgeberbeziehungsmanagement. 78
4.5.1 Charakterisierung 78
4.5.2 Rating 80
4.6 Kritische Würdigung der Optimierungsansätze 83
5 Fazit und Ausblick 87
Literaturverzeichnis. 90
Internetquellen 100
IV
Abkürzungsverzeichnis
ABS Asset Backed Securities Aufl. Auflage BAV Betriebliche Altersversorgung Bd. Band BGB Bürgerliches Gesetzbuch bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. circa, zirka d. h. das heißt EDV Elektronische Datenverarbeitung ESB European School of Business et al. Et alii f. folgende ff. fortfolgende ggf. gegebenenfalls ggü. gegenüber HGB Handelsgesetzbuch Hrsg. Herausgeber IFD Institut für Finanz- und Dienstleitungsmanagement IfM Institut für Mittelstandsforschung IFRS International Financial Reporting Standards inkl. inklusive jew. jeweiligen KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KMU kleine und mittlere Unternehmen max. maximal min. mindestens Mio. Millionen Nr. Nummer
V
RWI Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung S. Seite Schufa Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung SME small and medium sized enterprises sog. sogenannten SWOT Strengths Weaknesses Opportunities Threats u. a. unter anderem u. U. unter Umständen USA United States of America Vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel z. T. zum Teil ZEW Zentrum für Europäische Wirtschaftsfor- schung
VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: KMU-Definition der Europäischen Kommission 4
Tabelle 2: KMU-Definition des Institutes für Mittelstandsforschung Bonn 5
1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
In Folge der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und der damit einhergehenden schwersten Rezession nach dem zweiten Weltkrieg hat sich die deutsche Gesamtwirtschaftslage im vergangenen Jahr so negativ wie seit Jahrzehnten nicht mehr entwickelt. Aktuell stabilisiert sich die Situation zwar wieder geringfügig, wobei von einer Normalisierung der Lage weiterhin nicht gesprochen werden kann. 1
Durch die Krise ist die Unternehmensfinanzierung schwieriger geworden. Hinzu kommt, dass sich die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren gravierend verändert haben. Im Mittelpunkt der Kreditvergabe steht mittlerweile die individuelle Risikoeinstufung des jeweiligen Unternehmens. Diese Entwicklung wurde durch die Einführung von Basel II und den damit einhergehenden Veränderungen im Rahmen von Ratingverfahren noch einmal beschleunigt. Im Ergebnis kommt dem Eigenkapital eine höhere Bedeutung im Bezug auf die Bonität des Unternehmens zu. Hiervon sind insbesondere mittelständische Unternehmen betroffen. Diese haben die Notwendigkeit z. T. in der Vergangenheit bereits erkannt und versucht, ihre Eigenkapitalquote zu stärken. Allerdings geschah dies nur in einem verhältnismäßig eingeschränkten Rahmen. Es ist davon auszugehen, dass durch die momentane schlechte Ertragslage der Unternehmen die geringen Eigenkapitalreserven bereits wieder abgenommen haben. Bedingt durch die unsichere konjunkturelle Lage werden daher viele mittelständische Unternehmen mit einer geschwächten Position in die Verhandlungen mit Kreditinstituten gehen, die ihrerseits mit einer restriktiveren Kreditvergabe aufwarten werden. 2
Durch die zuvor geschilderten Zusammenhänge wird deutlich, dass im Rahmen des mittelständischen Finanzmanagements Handlungsbedarf besteht. Hierzu bedarf es einer genauen Analyse der aktuellen Herausforderungen, welche sich an die finanzielle Führung richten. Es sollte weiter untersucht werden, in wie weit strukturelle und strategisch
1 Vgl. Borger, K., Kiener-Stuck, M. (2010),
http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/MittelstandsMonitor/2010/Mittelstands Monitor-2010.pdf, Stand: 04.05.2010.
2 Vgl. KfW Bankengruppe (2009),
http://www.kfw.de/DE_Home/Service/Download_Center/Allgemeine_Publikationen/Research/PDF- Dokumente_Akzente/Akzent_Nr._1,_Juli_2009.pdf, Stand: 10.05.2010.
2
angelegte Anpassungen erforderlich sind. Dabei muss insbesondere auch die spezielle Rolle mittelständischer Unternehmen in die Überlegungen mit einbezogen werden. Neben den strukturellen Komponenten bedarf es einer offenen Auseinandersetzung mit Finanzierungsalternativen. Anhand der zuvor geschilderten Zusammenhänge wird deutlich, dass die Anforderungen an das Finanzmanagement mittelständischer Unternehmen steigen und dieses an Bedeutung im Gesamtunternehmen zunimmt. Hierzu soll die vorliegende Arbeit ihren Beitrag leisten.
1.2 Gang der Arbeit
Wie einleitend in Kapitel 1.1 dargelegt, stehen vor allem mittelständische Unternehmen vor gravierenden Herausforderungen, die im Zusammenhang mit der Unternehmensfinanzierung an das betriebliche Finanzmanagement gestellt werden. Demnach gilt im zweiten Kapitel die Betrachtung einstweilen jenen Mittelstandsunternehmen, die per Definition und Abgrenzung dargestellt werden. Neben dem Hervorheben der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung werden sowohl die veränderten Rahmenbedingungen als auch die aktuelle Wirtschaftslage der Unternehmen betrachtet. Im weiteren Verlauf des zweiten Kapitels fokussiert sich die Ausarbeitung auf die strategische Unternehmensführung. Nachdem hierzu zunächst die Grundlagen veranschaulicht werden, gilt die weitere Ausarbeitung den einzelnen Phasen des strategischen Managementprozesses. Darauf folgend wird die theoretische Fundierung zur optimalen Kapitalstruktur erörtert. Hierzu werden der Leverage-Effekt und das traditionelle Kapitalstrukturmodell ebenso thematisiert, wie auch das Modigliani-Miller-Theorem und die Pecking-Order-Theorie. Das zweite Kapitel schließt mit der Anwendung der Prinzipal-Agent-Theorie im deutschen Mittelstand ab.
Kapitel drei widmet sich dem Finanzmanagement im deutschen Mittelstand. Neben den Grundlagen des betrieblichen Finanzmanagements werden der Status quo zur Finanzstruktur und den aktuellen Herausforderungen, welche sich an die finanzielle Führung des Mittelstandsunternehmens richten, dargestellt. Abschließend werden im dritten Kapitel zudem strukturelle Anpassungsmaßnahmen aufgezeigt. Hierbei stehen neben der Businessplanerstellung und der Umsetzung strategischer Elemente sowohl die Professionalisierung des Finanzbereiches als auch die kritische Auseinandersetzung mit exter- nen Beratern im Vordergrund.
3
Nachdem im vorherigen Abschnitt die Betrachtung der strukturellen Anpassung des Finanzbereiches im mittelständischen Unternehmen galt, werden im vierten Kapitel Ansätze zur Optimierung der Vermögens- und Kapitalstruktur vorgestellt. Hierbei wird zunächst das Leasinggeschäft veranschaulicht und darüber hinaus die Finanzierung mit Mezzanine-Kapital erläutert. Neben diesen Finanzierungsalternativen und Ergänzungen wird die Optimierung des Debitorenmanagements thematisiert. In diesem Zusammenhang wird auch das Finanzierungssubstitut Factoring vorgestellt. Im weiteren Verlauf des vierten Kapitels wird auf das Working Capital Management eingegangen, bevor anschließend das Bank- und Kapitalgeberbeziehungsmanagement betrachtet wird. Abschließend wird das Kapitel vier durch eine zusammenfassende, kritische Würdigung der Optimierungsansätze abgerundet. Im fünften und letzten Kapitel wird ein Fazit zu den aktuellen Herausforderungen des mittelständischen Finanzmanagements gezogen sowie ein Ausblick zur künftigen Unternehmensfinanzierung im deutschen Mittelstand gegeben.
2 Mittelständische Unternehmen in Deutschland, Strategische Unternehmensführung und theoretische Fundierung
2.1 Mittelständische Unternehmen in Deutschland
2.1.1 Definition und Abgrenzung
Zunächst ist zu konstatieren, dass in der Theorie keine allgemeingültige Definition oder gar Legaldefinition für Mittelstand existiert. 3 Der Begriff Mittelstand und die daraus hervorgehende Bezeichnung mittelständische Unternehmen sind ausschließlich in Deutschland geläufig. 4 In der öffentlichen Politdiskussion zum Thema mittelständischer Unternehmen wird häufig der Eindruck hinterlassen, bei selbigen handele es sich um eine Gruppierung von ähnlich aufgebauten, kleineren Unternehmen, die wegen ihres Formates nicht den Großunternehmen zugeordnet werden. Dies ist allerdings mitnichten der Fall. Vielmehr handelt es sich um eine beachtliche Anzahl von höchst unterschiedlichen Unternehmen. 5
3 Vgl. Krimphove, D., Tytko, D. (2002), S. 4.
4 Vgl. Kolb, S. (2007), S. 5; Lüpken, S. (2003), S. 4.
5 Vgl. Koop, M. J., Maurer, K. (2006), S. 23.
4
Gewöhnlich wird synonym zum Begriff des Mittelstandes und dem der mittelständischen Unternehmen auch der Terminus kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verwendet, welcher ebenso in anderen Ländern Anwendung findet. Zur Abgrenzung dieser sog. kleinen und mittleren Unternehmen, im anglo-amerikanischen Sprachraum als „Small-and-Medium-Sized-Enterprises“ (SME) bezeichnet, von Großunternehmen, werden üblicherweise rein quantitative Kriterien verwendet. 6 Hierzu haben sich in der deutschen Literatur zwei Definitionen etabliert. Es handelt sich um jene der Europäischen Kommission, welche in Tabelle 1 dargestellt wird, und die des Instituts für Mit-telstandsforschung (IfM) Bonn. Beide orientieren sich an der Anzahl der Beschäftigten und dem Jahresumsatz, wobei die europäische Kommission alternativ zum Umsatz mit der Bilanzsumme seit 2005 ein drittes Kriterium berücksichtigt. 7
Tabelle 1: KMU-Definition der Europäischen Kommission
Quelle: In Anlehnung an Europäische Gemeinschaften (2006), Seite 14. 8
Den Schwellenwerten der Europäischen Kommission folgend, ist ein Betrieb mit wirtschaftlicher Tätigkeit, unabhängig von seiner Rechtsform, dann als kleines und mittleres Unternehmen anzusehen, sofern maximal 249 Mitarbeiter beschäftigt werden und dabei höchstens ein Jahresumsatz von 50 Millionen Euro erwirtschaftet oder die Jahresbilanzsumme von 43 Millionen Euro nicht überschritten wird. Die KMU haben dabei die Möglichkeit, zwischen der Einhaltung der Kriterien Umsatz und Jahresbilanzsumme auszuwählen, wobei nur einer der beiden Werte eingehalten werden muss. Einzig die Anzahl der Beschäftigten ist grundsätzlich für alle Unternehmen zwingend. Über diese quantitativen Kriterien hinaus wird von der Europäischen Kommission eine weitestgehende Unabhängigkeit der Unternehmung vorausgesetzt. Hierbei gilt eine Beteiligung
6 Vgl. Kolb, S. (2007), S. 5; Schauf, M. (2009a), S. 3.
7 Vgl. Salge, T. O. (2006), S. 13.
8 Vgl. Europäische Gemeinschaften (2006),
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/files/sme_definition/sme_user_guide_de.pdf, Stand: 02.05.2010.
5
eines anderen Wirtschaftsbetriebes am KMU und umgekehrt von weniger als 25 Prozent als unproblematisch. 9
Wie bereits erwähnt, definiert das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn kleine und mittlere Unternehmen ausschließlich anhand der Merkmale Beschäftigtenzahl und Jahresumsatz, wie dies in Tabelle 2 veranschaulicht wird.
Tabelle 2: KMU-Definition des Institutes für Mittelstandsforschung Bonn
Quelle: In Anlehnung an Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2002), Seite 14. 10
Demnach wird ein Unternehmen als KMU eingestuft, sofern die Mitarbeiteranzahl unterhalb von 500 Beschäftigten liegt und ein Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro erzielt wird. 11 Kritisch ist an dieser Stelle allerdings anzumerken, dass derartige Abgrenzungen grundsätzlich einen willkürlichen Gedanken rechtfertigen. Demnach wird bspw. ein Unternehmen mit 499 Mitarbeitern dem Mittelstand zugerechnet, wohingegen ein qualitativ vergleichbarer Wirtschaftsbetrieb mit 501 Beschäftigen zu den Großunternehmen zählt. Nichtsdestotrotz hat sich die quantitative Definition des IfM, wonach kleine und mittlere Unternehmen unter 500 Mitarbeiter beschäftigen und gleichzeitig weniger als 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften, in der Theorie durchgesetzt. 12
In Deutschland wird der Mittelstandsbegriff hingegen weiter gefasst. 13 Hierzulande sind mittelständische Unternehmen, wie schon erwähnt, durch ihre Heterogenität gekennzeichnet, wodurch eine ausschließlich zahlenmäßige Einordnung als nicht ausreichend
9 Vgl. Europäische Gemeinschaften (2006),
http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/files/sme_definition/sme_user_guide_de.pdf, Stand: 02.05.2010.
10 Vgl. Günterberg, B., Wolter, H.-J. (2002),
http://www.ifm-bonn.org/assets/documents/IfM-Materialien-157.pdf, Stand: 02.05.2010.
11 Vgl. Günterberg, B., Wolter, H.-J. (2002),
http://www.ifm-bonn.org/assets/documents/IfM-Materialien-157.pdf, Stand: 02.05.2010.
12 Vgl. Püthe, T. (2009), S. 11.
13 Vgl. Schauf, M. (2009a), S. 3.
6
erscheint. Zur genaueren Charakterisierung sind demnach qualitative Merkmale hinzuzuziehen und mit den quantitativen Kriterien kombiniert darzustellen, um dem Anspruch einer zutreffenden Einordnung annähernd gerecht zu werden. 14 Anhand bspw. des zuvor geschilderten Kritikpunktes ist abzuschätzen, dass den qualitativen Kriterien in der theoretischen Betrachtung eine hohe Bedeutsamkeit entgegengebracht wird. 15
Im Mittelpunkt der qualitativen Charakterisierung mittelständischer Unternehmen steht der Inhaber. Durch ihn werden das Unternehmen, dessen Kultur und Entwicklung entscheidend geprägt. Insbesondere von seinem persönlichen Umgang mit Mitarbeitern oder den übrigen Interessensvertretern, wie z. B. Kunden oder Lieferanten, hängt der Geschäftserfolg maßgeblich ab. 16 Demnach kommt dem qualitativen Merkmal der engen Verbindung von Eigentümer und Unternehmen eine essentielle Rolle zu. Dies äußert sich speziell in der Einheit von Eigentum und Leitung. Das Unternehmen und seine Führung als Einheit des wirtschaftlichen Daseins tragen zudem Haftung und Risiko sowie die Verantwortung für ihr selbstständiges Handeln. Die aktive und verantwortliche Teilnahme an der Gestaltung aller wichtigen Aspekte der Unternehmenspolitik stellt einen weiteren Aspekt dar. 17 Dabei sind flache Hierarchien im Mittelstand ebenso signifikant. 18 Eine weitere ausschlaggebende Eigenschaft mittelständischer Unternehmen stellt in aller Regel die Unabhängigkeit von Konzernen dar, wie sie u. a. auch bei der quantitativen Definition der Europäischen Kommission Anklang findet. 19 Durch die besondere Verbindung von Eigentum und Leitung ist es naheliegend, mittelständische Unternehmen auch als Eigentümerunternehmen oder Familienunternehmen zu bezeichnen und gleichzusetzen. Der erheblichen Schnittmenge geschuldet, besteht durchaus Einigkeit darüber, dass Familienunternehmen weitgehend den deutschen Mittelstand vertreten, trotz unterschiedlicher Definitionen der einzelnen Begriffe. 20
Der enge Verbund zwischen Unternehmer und Unternehmen hat Auswirkung auf sämtliche Handlungen und strategischen Entscheidungen im Unternehmen, wie z. B. auf das Finanzierungsverhalten. Zudem beeinflusst es auch die Beziehung zum Unternehmens-
14 Vgl.Lüpken, S. (2003), S. 4 f.
15 Vgl. Püthe, T. (2009), S. 11.
16 Vgl. Schauf, M. (2009a), S. 7.
17 Vgl. Günterberg, B., Wolter, H.-J. (2002),
http://www.ifm-bonn.org/assets/documents/IfM-Materialien-157.pdf, Stand: 02.05.2010.
18 Vgl. Schmeisser, W., Leonhardt, M. (2006), S. 6.
19 Vgl. Salge, T. O. (2006), S. 14.
20 Vgl. Picot, G. (2008), S. 4.
7
umfeld. 21 Diese für den Mittelstand signifikante Beziehung zwischen Eigentum und Leitung wirkt sich in erheblichem Maß auf das Unternehmen und seine Politik aus, so dass zu konstatieren ist, dass sich diese Unternehmen aufgrund der zuvor geschilderten qualitativen Ausprägungen dem Mittelstand zugehörig fühlen können, obwohl sie ggf. den quantitativen Merkmalen geschuldet Großunternehmen darstellen. Daraus folgend ist eine geeignete Definition nur anhand eines sinnvollen Zusammenspiels von qualitativen und quantitativen Kriterien möglich. 22
2.1.2 Gesamtwirtschaftliche Bedeutung des deutschen Mittelstandes
Mittelständische Unternehmen bilden das Herz der deutschen Gesamtwirtschaft, fungieren als tragende Säule und sind damit gleichzeitig Aushängeschild der sozialen Marktwirtschaft. 23 Diese weitreichende Umschreibung soll anhand der nachfolgenden Zahlen des Bonner Instituts für Mittelstandforschung verdeutlicht und nachhaltig belegt werden.
Unter Zugrundelegung der KMU Definition selbigen Instituts werden laut der aktuellen Veröffentlichung 99,7 Prozent der deutschen Unternehmen den kleinen und mittleren Unternehmen zugeordnet. Dies sind über 3,6 Millionen Unternehmen. Mit mehr als 70 Prozent aller Beschäftigten und einem gleichzeitigen Anteil von über 83 Prozent aller Auszubildenden zeichnet sich der deutsche Mittelstand als größter Arbeitgeber und Ausbilder aus. Auf mittelständische Unternehmen entfallen 37,5 Prozent aller Umsätze und darüber hinaus erwirtschaften sie rund die Hälfte der Nettowertschöpfung. 24 In der politischen Diskussion wird zudem immer wieder die besondere Rolle des Mittelstandes im Hinblick auf Innovationskraft und Flexibilität hervorgehoben. 25
Nicht alleine deren Wirtschaftskraft sondern auch ihr gesellschaftspolitischer Part stellt einen wichtigen Faktor dar. Im Gegensatz zur gelebten Anonymität großer Unternehmen identifizieren sich die Beschäftigten kleiner und mittlerer Unternehmen mit ihrem
21 Vgl. Günterberg, B., Wolter, H.-J. (2002),
http://www.ifm-bonn.org/assets/documents/IfM-Materialien-157.pdf, Stand: 02.05.2010.
22 Vgl. Schauf, M. (2009a), S. 9.
23 Vgl. Rathert, K. (2003), S. 59.
24 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2009), http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=99, Stand: 03.05.2010.
25 Vgl. Koop, M. J., Maurer, K. (2006), S. 23.
8
Arbeitgeber und der ausgeübten Tätigkeit. 26 Bereits wenige Indikatoren, wie die zuvor genannten, verdeutlichen die immense Bedeutung mittelständischer Unternehmen für die deutsche Gesamtwirtschaft u. a. im Hinblick auf Beschäftigung und Wachstum aber auch auf deren fest verankerte gesellschaftspolitische Rolle. 27
2.1.3 Veränderte Rahmenbedingungen mittelständischer Unternehmen
Der deutsche Mittelstand hat sich seit einigen Jahren einer Reihe von neuen und gleichzeitig sehr komplexen Herausforderungen zu stellen, die einen gravierenden Umbruch und entsprechendes Umdenken verlangen. Die Arbeit der Unternehmen wird durch diese Veränderungen der Rahmenbedingungen nachhaltig beeinflusst. 28
Ein entscheidender Aspekt ist hierbei die zunehmende Internationalisierung und Globalisierung. Maßgeblich ist hierbei insbesondere der damit einhergehende erhebliche Wandel der weltweiten Markt- und Wettbewerbssituation, welcher auf die Unternehmen einwirkt und für den Mittelstand eine immer größere Bedeutung einnimmt. Dabei müssen sich mittelständische Unternehmen vor allem auf ein Umfeld mit wachsender Planungsunsicherheit und erhöhter Dynamik einstellen. Größere Unternehmen haben es dabei angesichts verfügbarer Ressourcen und vorhandener Routine auf internationalem Terrain leichter. Eine Gefahr für mittelständische Unternehmen besteht bspw. darin, dass sie sich nicht ernsthaft den Herausforderungen von Veränderungsprozessen stellen, da sie davon ausgehen, dass ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit sowohl aktuell als auch in der Zukunft ausreichend sind. Dies kann fatale Folgen haben, die die Existenz der Unternehmung bedrohen. 29
Die veränderte Situation birgt für den Mittelstand allerdings nicht nur Risiken, sondern eröffnet ebenso Chancen, sich neuen Marktpotentialen im In- und Ausland zu öffnen. 30 Daher ist es für jedes mittelständische Unternehmen unumgänglich, sich der veränderten Situation zu stellen, selbige anzunehmen und eine auf das Unternehmen individuell bezogene Strategie zu entwickeln, da alle, zumindest indirekt, von der neuen Konstella- 26 Vgl.Rathert, K. (2003), S. 59.
27 Vgl. Köster, T. (2003), S. 4.
28 Vgl. Picot, G. (2008), S. 8.
29 Vgl. Schulz, A. (2009), S. 33.
30 Vgl. Röhl, K.-H. (2005), S. 36 f.
9
tion tangiert werden. Hierbei darf allerdings die erhöhte Ressourcenbelastung im Bezug auf das Management und speziell auf das Kapital nicht unterschätzt werden. 31 Für mittelständische Unternehmen gilt es demnach, die zweifellos vorhandenen Vorteile einer flachen Unternehmensstruktur, u. a. im Sinne von hoher Flexibilität und schneller Reaktion, entschieden zu nutzen, um den Anforderungen stand zu halten und sich ggü. größeren Unternehmen zu behaupten und letztlich auch durchzusetzen. 32
Die Globalisierung und Internationalisierung werden dabei von einem weiteren Ein-flussfaktor begleitet. Hierbei handelt es sich um die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik in den vergangenen Jahren und den damit verbundenen gesellschaftlichen Wandel hin zur Informationsgesellschaft. Es ist heutzutage sämtlichen Marktteilnehmern weltweit möglich, innerhalb von kürzester Zeit Informationen über das Internet einzuholen und diese in die Entscheidungsalternativen einfließen zu lassen. Diesem Wandel hin zur weltweiten Vernetzung und den daraus entstehenden Folgen sehen sich auch mittelständische Unternehmen verstärkt ausgesetzt. 33
Das ursächlich gesellschaftliche Streben nach Internationalisierung und globalem Denken führt unweigerlich zu weiteren Veränderungen, mit denen sich der Mittelstand befassen muss. So stehen kleine und mittlere Betriebe vor der Wahl, ob sie sich international gültigen Normen und Regeln unterwerfen und ihre Rechnungslegung entsprechend diesen International Financial Reporting Standards (IFRS) unterlegen. Neben dem Aufwand des Anpassungsprozesses gehen mit der Umstellung aber auch Vorteile einher. Demnach sind die Unternehmen im internationalen Vergleich transparenter und können künftig mit ausländischen Unternehmen besser verglichen werden, was sich auch im Rahmen der Kapitalbeschaffung als vorteilhaft erweisen könnte. 34
Eine weiterhin bedeutsame Hürde stellt die Unternehmensnachfolge dar. Im deutschen Mittelstand sind in den kommenden Jahren viele Unternehmen gezwungen, mitunter wegen der hohen Altersstruktur der sog. Gründergeneration des wirtschaftlichen Aufschwungs im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg, eine Nachfolgeregelung zu finden
31 Vgl. Picot, G. (2008), S. 20.
32 Vgl. Picot, G. (2008), S. 13.
33 Vgl. Picot, G. (2008), S. 9.
34 Vgl. Kolb, S. (2007), S. 27.
10
und diese zu organisieren. 35 Das Institut für Mittelstandsforschung geht von etwa 110.000 familiengeführten Unternehmen aus, die aktuell und in den kommenden Jahren bis einschließlich 2014 von dieser Situation betroffen sein werden. Dieser Eindruck wird vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache bestärkt, dass im betrachteten Zeitraum von 2010 bis 2014 demnach ungefähr 1,4 Millionen Beschäftigte eine neue Unternehmensführung erhalten werden. 36 Grundsätzlich sind mehrere Varianten im Rahmen der Unternehmensnachfolge denkbar, welche je nach Ausprägung die Finanzkraft des Unternehmens recht deutlich belasten könnten. Dies ist zumindest dann der Fall, wenn sich im Rahmen der Unternehmensnachfolge familienintern keine Nachfolge finden lässt, der Eigentümer bzw. dessen Familie allerdings weiterhin den Einfluss auf das Unternehmen wahren möchten. Demnach würde die Leitung des Unternehmens an einen Fremdmanager übergehen, was in Konsequenz zu einer für den Mittelstand untypischen Trennung von Eigentum und Leitung führen würde. Folglich müsste das Unternehmen substantiell in der Lage sein, durch entsprechend hohe Erträge sowohl das Fremdmanagement zu entlohnen als auch die Eigentümerfamilie in ihrer wirtschaftlichen Existenz abzusichern. 37
Den an das Finanzmanagement mittelständischer Unternehmen gerichteten Herausforderungen kommt nicht zuletzt durch die zuvor geschilderten Zusammenhänge und darüber hinaus den gravierenden Veränderungen im Rahmen der Unternehmensfinanzierung eine für das Unternehmen essentielle Bedeutung zu, auf die in Kapitel drei ausführlich eingegangen wird.
2.1.4 Aktuelle Wirtschaftslage des deutschen Mittelstandes
Die Situation der deutschen Gesamtwirtschaft war seit Jahrzehnten nicht mehr so schlecht wie im durch die Weltwirtschaftskrise geprägten Jahr 2009. Berechtigterweise ist in diesem Zusammenhang von einem historischen Einbruch zu sprechen. Der mitunter kräftige Aufschwung der vorangegangenen drei Jahre wurde in den zwölf Monaten des abgelaufenen Jahres binnen kürzester Zeit vollständig eliminiert. Seither hat sich die
35 Vgl. Krol, F. (2009), S. 52 f.
36 Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2010), http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=855, Stand: 17.05.2010.
37 Vgl. Krol, F. (2009), S. 53 ff.
11
Lage der Gesamtwirtschaft, hauptsächlich wegen der erheblichen staatlichen Anregungen, ein wenig beruhigt. 38
Auch die aktuelle Situation des Mittelstandes stabilisiert sich. Nach dem aggressiven Einbruch in den vergangenen zwölf Monaten gehen die Experten für das aktuelle Jahr von einem leichten Wirtschaftswachstum zwischen ein und zwei Prozent aus. Dies darf allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die deutsche Gesamtwirtschaftsleistung - wie bereits zuvor erwähnt - im vergangenen Jahr um einen bis dato einmaligen Wert von fünf Prozent dramatisch zurückging und es vermutlich mehr als drei Jahre dauern wird, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird. 39
Ungeachtet dessen steigen der Auftragseingang und die Umsatzzahlen im Mittelstand wieder an, wie die aktuelle Untersuchung zur Wirtschaftslage und Finanzierung der Creditreform Wirtschaftsforschung im Frühjahr 2010 belegt. Auch die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt fallen indes, u. a. dank der Entlastung durch die Verlängerung der Bezugsfrist für das konjunkturelle Kurzarbeitergeld, weiterhin mehr als moderat aus. 40
Trotz dieser positiven Tendenzen kann von einer Normalisierung gegenwärtig noch keine Rede sein, da insbesondere die Ertragslage weiterhin angespannt bleibt. So leiden immer noch mehr als 42 Prozent der befragten Unternehmen unter Gewinnminderungen, die im vergangenen Jahr zum Teil verheerende Ausmaße annahmen. Selbst eine zukünftig positivere Ertragserwartung wird für einige Unternehmen zu spät kommen. Die negativen Folgen der Wirtschaftskrise auf das Zahlungsverhalten bewegen sich indes bei 73 Prozent der befragten Unternehmen, mit einem Geldeingang nach bis zu 30 Tagen, in einem überschaubaren Rahmen. Darüber hinaus klagt immer noch jedes siebte Unternehmen über Forderungsausfälle in Höhe von über ein Prozent des Jahresumsatzes. Hierbei ist höchste Vorsicht geboten, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Der Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit stellt mit 80 Prozent immer noch den entscheiden-
38 Vgl.Borger, K., Kiener-Stuck, M. (2010),
http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/MittelstandsMonitor/2010/Mittelstands Monitor-2010.pdf, Stand: 04.05.2010.
39 Vgl. Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung (2010),
http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/Wirtschaftslage_Mittelstand_DE/2010-04/2010-04-08_Wirtschaftslage_Mittelstand_DE.pdf, Stand: 04.05.2010.
40 Vgl. Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung (2010),
http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/Wirtschaftslage_Mittelstand_DE/2010-
04/2010-04-08_Wirtschaftslage_Mittelstand_DE.pdf, Stand: 04.05.2010.
12
den Grund zur Insolvenzanmeldung dar. 41 Ging in den Jahren seit 2004 die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen noch stetig und deutlich zurück, fanden diese erstmals wieder 2008 einen marginalen Anstieg um 1,5 Prozent. Im vergangenen Jahr mussten nach Schätzung der Creditreform 34.300 Unternehmen Insolvenz anmelden, was einer erheblichen Steigerung von 16 Prozent entspricht. Diese Entwicklung traf den Mittelstand dabei in seiner gesamten Breite. 42
Ungeachtet der Krise, ihrer Auswirkungen und den rückläufigen Unternehmenserweiterungsinvestitionen im letzten Jahr, legt der Mittelstand seinen Fokus zumindest wieder auf die für das laufende Geschäft notwendigen Ersatz- und Rationalisierungsmaßnahmen, die somit mittelfristig an Bedeutung gewinnen werden. Finanzierungshindernisse können hierbei - unter Berücksichtigung der fragilen Situation - zur Belastung der konjunkturellen Gesamtentwicklung werden und den aufkeimenden Aufschwung gefährden. Auch aus diesem Grund kommt der Kapitalversorgung des Mittelstandes, aktueller denn je, ein immenser Stellenwert zu. 43
2.2 Strategische Unternehmensführung
2.2.1 Definition und Grundlagen
Für die Entscheidungsträger im Unternehmen stellt die Voraussage der zukünftigen Entwicklung die mitunter größte Managementherausforderung dar. Diese Tatsache hat sich insbesondere durch die rasante Entwicklung der vergangenen Jahre und die daraus resultierende Komplexität der Unternehmensumwelt verschärft. Dies betrifft sowohl die Zunahme der Entscheidungsalternativen als auch deren Auswirkungen, die weitreichende Folgen nach sich ziehen. Insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen wird die Rolle der strategischen Unternehmensführung häufig sehr unterschätzt. Das scheint besonders in wirtschaftlich guten Zeiten der Fall zu sein, in denen die operative Einbin- 41 Vgl.Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung (2010),
http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/Wirtschaftslage_Mittelstand_DE/2010-04/2010-04-08_Wirtschaftslage_Mittelstand_DE.pdf, Stand: 04.05.2010.
42 Vgl. Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung (2009),
http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/Insolvenzen_Neugruendungen_Loeschu ngen_DE/2009_-_Jahr/2009-12-02_Insolvenzen_Neugruendungen_Loeschungen.pdf, Stand: 08.05.2010.
43 Vgl. Borger, K., Kiener-Stuck, M. (2010),
http://www.creditreform.de/Deutsch/Creditreform/Presse/Archiv/MittelstandsMonitor/2010/Mittelstands Monitor-2010.pdf, Stand: 04.05.2010.
13
dung entsprechend hoch ist und mittelständische Unternehmen nur eine geringe Notwendigkeit sehen, strategische Überlegungen voranzutreiben. Dies ist allerdings eine folgenschwere Fehlentscheidung, da gegenwärtige strategische Entscheidungen den zukünftigen Erfolg bestimmen. 44
Neben der deutschen Bezeichnung Unternehmensführung wird der anglo-amerikanisch geprägte Begriff Management synonym verwendet. Hierbei wird grundsätzlich zwischen der institutionalen und der funktionalen Dimension unterschieden. Im institutionalen Sinn versteht man unter Management die Person, die Führungsaufgaben im Unternehmen übernimmt. Dagegen befasst sich die funktionale Sichtweise mit den inhaltlichen Führungsaufgaben. 45
Die Herkunft des Begriffes Strategie liegt in der altgriechischen Sprache, leitet sich aus „stratos“ (das Heer) und „agein“ (führen) her und umschreibt damit die Heeresleitung. Der Strategiebegriff stammt demnach ursprünglich aus dem Militärbereich. Die strategische Streitkräfteführung ist für die Ausarbeitung grundsätzlicher Regeln verantwortlich, welche dann auf die jeweilig spezifische Situation anzuwenden sind. Für einen erfolgreichen Ausgang kommt der konsequenten Einhaltung dieser Standards eine hohe Bedeutung zu. 46 An dieser Stelle ist allerdings eine Abgrenzung zwischen Strategie und Taktik notwendig. Wenn aus militärischer Sicht über Taktik gesprochen wird, ist darunter die Leitung in der Auseinandersetzung, also das planvolle Vorgehen im Kampf, zu verstehen. Hingegen ist die Strategie für das Führen auf dem Weg bis hin zum Gefecht und aus jenem wieder heraus verantwortlich. Ebenso obliegt es der Strategie nach der Schlacht, die gewonnenen Erkenntnisse aus selbiger aufzunehmen und das Heer wiederum in eine aussichtsreiche Stellung zu bringen. Der bis heute vielzitierte preußische General Carl von Clausewitz grenzte die Begriffe Taktik und Strategie in seinem Werk „Vom Kriege“ aus dem Jahr 1832 anhand der Aspekte Mittel und Ziel ab. Demnach stellen die Streitkräfte die Mittel und das Gefecht das Ziel der Taktik dar. Die Strategie hingegen bedient sich der Gefechte als Mittel, um das Ziel Frieden zu erreichen. 47
44 Vgl. Schauf, M. (2009b), S. 63.
45 Vgl. Schauf, M. (2009a), S. 15 f.
46 Vgl. Baum, H.-G. et al. (2007), S. 1.
47 Vgl. Hinterhuber, H. H. (1990), S. 3 ff.
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In der betriebswirtschaftlichen Literatur erfuhr der Strategiebegriff erstmalig mit Veröffentlichung der sog. spieltheoretischen Ansätze von Neumann und Morgenstern im Jahr 1944 Erwähnung. Es darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass das strategische Denken zu diesem Zeitpunkt bereits fest verankert war. 48 Anfang der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde der Strategiebegriff an der Harvard Business School, zusätzlich zur militärischen Auslegung, um die Zielbildung erweitert und in die Betriebswirtschaftslehre eingeführt. Im Weiteren entstand das sog. Harvard-Modell, welches bis heute eine klare Trennung der Strategie in Formulierung und Implementierung vorsieht. Es trifft allerdings keine Aussage darüber, wann eine Entscheidung als strategisch einzuordnen ist. 49 Entgegen der über weite Strecken vorherrschenden Definition, wonach sich der strategische Aspekt primär „ … am Zeithorizont der Planung orientiert“ 50 , sorgt Gälweiler für einen Blickwechsel, indem er Bezug auf das Erfolgspotential als Kriterium nimmt. Die Strategie soll demnach sowohl vorhandene Erfolgsfak-toren schützen als auch neue generieren. 51 Demnach lässt sich subsumieren, dass ein Unternehmen dann strategisch agiert, sofern es vorhandenes Erfolgspotential sichert und darüber hinaus neue Erfolgsfaktoren aufbaut. Dabei wird allerdings nicht zwischen bewusstem und unbewusstem Handeln unterschieden. Es ist durchaus denkbar, dass Unternehmen über Jahre hinweg erfolgreich arbeiten, dabei - auch wenn rein zufällig - im Sinne der zuvor beschriebenen Handlungen agieren, ohne dies bewusst strategisch zu tun. Man kann diesen Unternehmen bisweilen strategisches Verhalten zusprechen, ohne dabei von einer strategischen Führung des Unternehmens zu sprechen. 52 Zusammenfassend ist demnach von einer Strategie zu sprechen, wenn es sich um rational geplante Maßnahmen zum Aufbau und zur Sicherung von Erfolgspotentialen mit langfristigem Charakter handelt. Hierbei stehen die dauerhafte Sicherung der Rentabilität sowie der Fortbestand des Unternehmens im Fokus. 53
Die strategische Unternehmensführung zeichnet folglich verantwortlich, strategisches Denken und Handeln im Unternehmen zu implementieren, um somit intuitives Verhalten und einem dem Zufall geschuldeten Erfolg abzulösen. 54 Hierzu wird im Folgenden
48 Vgl. Baum, H.-G. et al. (2007), S. 1.
49 Vgl. Eschenbach, R. et al. (2003), S. 9.
50 Eschenbach, R. et al. (2003), S. 9.
51 Vgl. Schauf, M. (2009b), S. 65.
52 Vgl. Eschenbach, R. et al. (2003), S. 10.
53 Vgl. Schauf, M. (2009b), S. 65 f.
54 Vgl. Schauf, M. (2009b), S. 65 f.
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ein Überblick zu einem Prozessmodell gegeben, anhand dessen das strategische Management und seine breitgefächerten Funktionen systematisiert dargestellt werden können. 55 Im prozessualen Sinn kann das strategische Management demnach in 4 Phasen unterteilt werden. Diese sind im Einzelnen die strategische Zielplanung, die strategische Analyse, die Strategieformulierung und die Strategieimplementierung. 56 Alle Phasen werden zudem durch ein prozessbegleitendes Controlling unterstützt, auf dessen Inhalt an dieser Stelle jedoch nicht näher eingegangen wird.
2.2.2 Strategische Zielplanung
Die strategische Zielplanung beinhaltet zunächst die Entwicklung der Unternehmenspolitik, also die Festlegung auf einen Grundzweck (business mission) und daraus abgeleitet das Aufstellen eines Leitbildes sowie die Ausarbeitung strategischer Zielsetzungen. Der Grundzweck ist dabei anhand der Frage „Was ist unser Geschäft?“ in aller Regelmäßigkeit zu überprüfen. Oftmals wird von Unternehmen in enger Anlehnung hierzu eine Vision formuliert, die entgegen dem zuvor Genannten einen zukünftigen Charakter widerspiegelt. Der Auffassung von Welge und Al-Laham folgend, werden die Begriffe Unternehmenspolitik und Unternehmensphilosophie im Weiteren synonym verwendet. Inhaltlich wird damit das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und den einzelnen Interessensgruppen der Unternehmung definiert. Dies beinhaltet sowohl die Auseinandersetzung mit den Wertvorstellungen als auch den unterschiedlichen Interessen der einzelnen Gruppen, denen vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen eine immer bedeutsamere Rolle zukommt. Bei diesen im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch als stakeholder betitelten Gruppierungen handelt es sich bspw. um die eigenen Mitarbeiter oder auch das gesellschaftliche Umfeld, um nur zwei zu nennen. 57
Das sich anschließende Leitbild dokumentiert und veranschaulicht die Unternehmensphilosophie, wodurch ein verbindlicher Charakter geschaffen wird. Es ist allerdings zwingend notwendig, dass dieses Leitbild vorbildlich durch die Geschäftsführung gelebt wird und durch die Mitarbeiter weiter Existenz erfährt, da ein Vernachlässigen ansonsten eine konträre Wirkung mit sich führen würde. Dem Leitbild folgend, stellen Ziele
55 Vgl. Welge, M. K., Al-Laham, A. (2008), S. 187.
56 Vgl. Schauf, M. (2009b), S. 65 f.
57 Vgl. Welge, M. K., Al-Laham, A. (2008), S. 187 ff.
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eine grundsätzliche Voraussetzung für eine Unternehmung und deren Handeln dar. Diese erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen, wie z. B. die der Bewertung und Kontrolle von Strategien. Ob eine Strategie bzw. das damit einhergehende strategische Handeln erfolgreich war, wird dabei am Zielerreichungsgrad bewertet. Ziele stellen somit ebenso eine Kontrollfunktion dar, da die Resultate verglichen und im Rahmen von Abweichungsanalysen eingeordnet werden können. Darüber hinaus haben Ziele auch eine Selektions- und Orientierungsaufgabe sowie eine Steuerungs- und Koordinationsfunktion. Abschließend kommen die Ziele auch ihrer motivierenden Funktion nach. 58
Innerhalb der strategischen Zielplanung nimmt der systematisch angelegte Zielbildungsprozess einen entscheidenden Part ein. An jenem Prozess sind die betroffenen Mitarbeiter möglichst zu beteiligen, um einer späteren Ablehnung in Folge einer reinen Zielvorgabe entgegenzuwirken. Der Prozess als solcher lässt sich in sieben Phasen unterteilen und beginnt mit der Suche nach Zielen, wobei diese zunächst grob gefasst werden. Erst im Anschluss wird im Rahmen der zweiten Phase eine Zielordnung durchgeführt. Als weiterer Schritt der Zielbildung findet eine eindeutige Operationalisierung der Ziele statt, um der zuvor beschriebenen Bewertungs- und Kontrollfunktion gerecht zu werden. Darüber hinaus muss in der Realisationsphase geprüft werden, ob die Ziele überhaupt erreichbar sind und ob dem Unternehmen ausreichend Ressourcen sowohl aus menschlicher Sicht als auch auf sachbezogener Weise zur Verfügung stehen, um selbige zu realisieren. Eine zu hohe Messlatte wirkt ebenso demotivierend auf die Mitarbeiter wie zu knapp bemessene Ressourcen, welche eine Realisierung in weite Ferne rücken lassen. Weiter ist zu überprüfen, ob etwaige Zielkonflikte bestehen. Letzten Endes erfolgt im Rahmen einer weiteren Phase die finale Selektion, welche der Zieldurchsetzungsphase vorgelagert ist. Während der Durchsetzungsphase sind Soll-Ist-Vergleiche der Ziele durchzuführen und ggf. vorliegende Abweichungen im Rahmen der abschließenden Revisionsphase auszugleichen. Ein begleitendes Zielcontrolling ist von hoher Bedeutung. Neben dem obersten Ziel der strategischen Ziele, also dem langfristigen Bestand der Unternehmung, können die bereits an anderer Stelle erwähnten Zusammenhänge im Rahmen des Erfolgspotentialkonzeptes nach Gälweiler bei der Umsetzung der konkreten Zielbildung unterstützend wirken. 59
58 Vgl. Schauf, M. (2009b), S. 68 f.
59 Vgl. Schauf, M. (2009b), S. 69 ff.
Arbeit zitieren:
Sascha Virnich, 2010, Analyse der aktuellen Herausforderungen an das Finanzmanagement mittelständischer Unternehmen in Deutschland im Hinblick auf die Optimierung der Vermögens- und Kapitalstruktur, München, GRIN Verlag GmbH
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