Gliederung:
1 Prolog 3
1.1 Die Figur Mose. 4
1.1.1 Moses in der Bibel 4
1.1.2 Moses in der Archäologie. 5
1.1.2 5
2 Sigmund Freund 6
2.1 Freuds Biographie. 6
2.2 Freuds Entwicklung seiner Religionstheorien 7
2.2 7
3 Der Mann Moses und die monotheistische Religion. 10
3 10
4 Yosef Hayim Yerushalmi 18
4.1 Freuds Moses, Endliches und unendliches Judentum 19
4.1 19
5 Epilog 22
5 22
6 Quellen 26
6 26
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1 Prolog
Siegmund Freud, ein Name der bei den meisten Menschen Reaktionen der Ablehnung, des Zweifels und der Kritik hervorruft. Der Mann, welcher hinter diesem Namen steht, erntete auch Zeit seines Lebens Kritik und Ablehnung, spaltete und erhitzte die Gemüter seiner Mitmenschen. Aber warum? Er war ein Mann, ein Jude, der sein gesamtes Leben gegen den Strom schwamm. Er brach Tabus. Er entwickelte eine Psychotherapieform, welche die Ursachen des menschlichen Verhaltens ausschließlich in den Frühstadien der Hirnentwicklung ansiedelte, so auch bei Phänomenen wie der Kultur und der Religion. Eine These die viel Kritik hervorrief. Ein weiteres Problem der Psychoanalyse war der Tatbestand, dass ihre Vertreter Anfangs ausschließlich Juden waren und sie deshalb gegen den Ruf als rein „jüdische Wissenschaft“ zu gelten, ankämpfen mussten. Das war auch der Grund warum Freud sich öffentlich nicht als „jüdisch“ bezeichnete und Kenntnisse über Sprachen und Brauchtum leugnete. Er erfuhr sein Leben lang antisemitische Anfeindungen, welche im Nationalsozialismus gipfelnd, ihn nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland in das englische Exil trieben. Seine größte Angst war es, dass sein Lebenswerk - die Psychoanalyse‐ dem Antisemitismus zum Opfer fallen könnte und so verloren gehe. Obwohl Freud Atheist war, verspürte er lebenslang ein Gefühl der jüdischen Identität, welches er nicht in Worte zu fassen vermochte, deshalb beschäftigte er sich gegen Ende seines Lebens besonders mit der Entwicklungsgeschichte des Judentums. Er schrieb dazu: „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“, dieses letzte großes Werk erschien 1939 und rundet seine, rein psychoanalytische Sicht auf die Religionsgeschichte ab. Dabei versuchte er dem jüdischen Gefühl in sich eine Definition zu geben indem er die israelitische Geschichte analysierte und ihr, seiner atheistischen Einstellung folgernd, eine „Gottlosigkeit“ attestierte. Da die jüdische Identität aber auf der Auserwähltheit der Israeliten beruht, durfte kein Hebräer den Monotheismus geformt haben, sondern ein Fremder. Und so musste Moses als Ägypter identifiziert werden.
In meiner Arbeit versuche ich darzulegen, dass Sigmund Freuds Werk „Der Mann Moses…“ ein rein jüdisches Denken widerspiegelt. Ein Denken, welches gerade durch seinen radikalen Atheismus eine Form des Monotheismus darstellt und für Freud eine Definition seiner jüdischen Identität ermöglichte. Dabei geht es mir nicht um eine Widerlegung der archäologischen und ethnologischen Thesen Freuds, diese sind schier wissenschaftlich unhaltbar (was ich kurz im Punkt 1.1.2. anreißen werde). Auch kann und möchte ich mich
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nicht mit der Korrektheit der psychoanalytischen Ergebnisse von dem Freudschen Theorem auseinandersetzen. Ich möchte am Ende meiner Arbeit bewiesen haben, dass Sigmund Freud nicht der taktlose Atheist war, welcher zu Beginn der Judenverfolgung seinem Volk die Paradigmen zerstören wollte, sondern ein Mann, welcher, wie einst Jochanan ben Sakkai 1 , den Juden an einem Wendepunkt ihrer Geschichte eine neue Identifikationsmöglichkeit bieten wollte. Wenn auch in erster Linie sich selbst. Um dies zu ermöglichen, werde ich mich auf das Buch „Freuds Moses Endliches und unendliches Judentum“ von dem New Yorker Historiker Yosef Hayim Yerushalmi beziehen, es vorstellen und in meine Deutung einbauen.
1.1 Die Figur Mose
Die Gestalt des Propheten Moses (hebräisch משה -Mosche‐) bildet das Fundament für den Glauben und das Leben der Juden in allen Zeiten. Denn Mose war es, der die Israeliten aus der Knechtschaft Ägyptens vierzig Jahre durch die Wüste bis in das versprochene Land - Kanaan‐ führte. In diesen vierzig Jahren musste er sein Volk immer wieder auf Gott einschwören und sie vom Polytheismus abbringen. Er brachte ihnen die göttlichen Gebote und Gesetze, welche das gesamte Leben von den Speisegesetzen (Kashrut) über die Ehe‐ und Familiengesetze bis hin zu den religiösen Riten bis heute regeln und bestimmen. Daher gilt Moses als Stifter der israelitischen Religion und des Monotheismus.
1.1.1 Moses in der Bibel
Die ersten fünf Bücher der hebräischen Bibel sind nach Mose benannt, da man Mose mit der Autorenschaft in Verbindung brachte. Die Bücher heißen auf Hebräisch: „Bereschit“ (am/im Anfang), „Schemot“ (dies sind die Namen), Wajikhra (und er rief), „Bemidbar“ (in der Wüste) und „Devarim“ (die sind die Worte), wobei jeder dieser Namen das erste Wort des jeweiligen Buches ist und gemeinsam bilden die fünf Bücher Mose die Tora -die Weisung‐. Von Mose erzählt die Bibel ab dem Buch Schemot.
Moses levitische Eltern Amram und Jochebed lebten als Sklaven in Ägypten und da der Pharao befohlen hatte alle männlichen Kinder der Israeliten zu töten, setzten sie ihren Sohn im Nil aus. Dort fand ihn die Pharaonentochter und nahm ihn als Sohn an. Nach dem Mose
יוחנן בן זכאי 1 Jochanan ben Sakkai (hebräisch: ) lebte um das Jahr 70 n. Chr., wurde führender Lehrmeister und Initiator der
Erneuerung des jüdischen Glaubens nach der Zerrstörung des 2. Tempels in Jerusalem. Er überführte die bisher mündliche
Gesetzestradition in eine Schriftliche, so dass das Überleben der Religion ermöglichte und die Basis des rabbinischen
Judentums gebildet wurde. (vergl. Der Brockhaus Religionen Glauben, Riten, Heilige, F. A. Brockhaus, Leipzig 2004 S.319)
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als junger Mann einen Ägypter getötet hatte, musste er in das benachbarte Land Midian fliehen, wo er Zippora, die Tochter des Priesters Jithro heiratete und als Hirte lebte. Mose erfährt beim Viehhüten am Berg Horeb eine Epiphanie - eine Gotteserscheinung‐, im brennenden Dornenbusch. Er wird zu der Errettung der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft berufen. Mit Hilfe der zehn Plagen und der Teilung des Roten Meeres erzwingen Mose und sein Bruder Aaron die Befreiung der Israeliten und eine vierzigjährige Wanderung beginnt. Dabei werden sie von Gott durch eine Rauch‐ und Feuersäule geführt, versorgt und besiegen ihre Feinde. Im dritten Monat nach dem Auszug überreicht Gott Mose auf dem Berg Sinai die 10 Gebote und schließt einen neuen Bund mit den Israeliten. Aber Gott straft die Israeliten wegen ihres Zweifels und Götzendienstes und lässt erst die nächste Generation in das gelobte Land einziehen. Auch Mose erreicht Kanaan nicht mehr und stirbt auf dem Berg Nebo.
Die Mose Bücher 3‐5 erzählen nähere Details der Wüstenwanderung und beinhalten Themen wie die rituellen Gesetze (in Wajikhra), Volkszählungen, verschiedene Gesetze, den Priestersegen, Aufstände und Kriege während der Wanderung (in Bemidbar) und das Leben des Mose als Mittler zwischen Gott und dem Volk bis hin zu seinem Tod, dem Bund und der Ordnung des Gottesdienstes (in Devarim). Dagegen berichtet Bereschit von der Erschaffung der Welt, der Sintflut, den Erzvätern Israels und Gottes Bund mit ihnen.
1.1.2 Moses in der Archäologie
Die Figur des Moses ist wissenschaftlich nicht fassbar, da nur die Bibel von ihm erzählt und auch diese Quelle ist widersprüchlich. Schon sein Name ist etymologisch nicht klar zuzuordnen. Der Name könnte vom ägyptischen Verb „msj“‐ gebären abstammen, wie bei Thutmosis (von Thot geboren) und Ramses (von Ra geboren) 2 , aber auch von dem ägyptischen Wort „mos“‐ Sohn oder Kind. Wenn man der volksetymologischen Deutung aus Ex.2, 10 („‘(…)Und sie gab ihm den Namen Mose, indem sie sagte: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.“ 3 ) Rechnung tragen möchte, muss man die Namensdeutung auf die koptischen Worte „mo“‐Wasser‐ und „usseh“‐retten‐ beziehen. 4 Am wahrscheinlichsten ist es, dass die Figur des Moses aus semitischen Volkssagen entspringt, eine These welche schon Otto Rank 1909 aufstellte. Ranks These besagt, dass die meisten der großen
2 vergl. Haag, Herbert: Herders bibl. Wörterbuch, Hohe Verlag, Erftstadt, 2007, S.286f
3 Die Bibel, Elberfelder Übersetzung, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1991
4 vergl. Der Brockhaus Religionen, Glauben, Riten, Heilige, F.A. Brockhaus, Leipzig 2004, S. 446
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Kulturvölker ihre Entstehung und/oder Rettung großen „Nationalheronen“ (so zum Beispiel Herkules, Remus & Romulus, Jason (Anmerk. des Verf.)) verdanken und diese dann in Sagen und Mythen verewigen. So haben diese Helden auch alle ähnliche Schicksale. Alle können durch äußere Umstände nicht bei Ihren Eltern aufwachsen, müssen nach Konflikten fliehen und erretten dann durch Heldentaten ihr Volk. 5
2 Sigmund Freund
2.1 Freuds Biographie
Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 als Ältestes der acht Kinder seiner Mutter Amalie im österreichischen Freiberg in Mähren geboren. Der Vater Freuds, ein orthodoxer Wollhändler namens Jakob, lebte mit Amalie bereits in der 3. Ehe und war bei der Eheschließung schon Großvater. Mit 4 Jahren zog Sigmund mit seiner Familie nach Wien. Sein familiärer Hintergrund war geprägt von dem Zwang der jüdischen Assimilation in das streng katholische Umfeld in Österreich, andererseits von der naiven volksgläubigen Religiosität seiner jungen Mutter. Früh wurde er von ihr zum Studium der Bibel angehalten. Der Grundstein für Freuds radikale atheistische Haltung wurde auch von dessen katholischem Kindermädchen gelegt. Sie wollte ihn katholisch prägen, indem sie ihm von Himmel, Hölle und dem Jüngsten Gericht erzählte, sowie Freud häufig zur Messe mitnahm. Seine Erfahrungen mit der Volksgläubigkeit beider Religionen veranlassten ihn 1907 zu seiner Schrift: „Zwangshandlung und Religionsausübung“. Freuds schulische Leistungen waren von Bestleistungen geprägt aber wegen des Antijudaismus fühlte es sich nicht wohl und er hatte auch nur wenig christliche Freunde. Auch die Hilflosigkeit von Jakob Freud gegenüber den täglichen Diskriminierungen formte Siegmund und degradierte den Vater in seinen Augen. Seit der Schulzeit wurde Charles Darwin zu einem großen Vorbild für Freud. Nach dem Abitur ging Freud 17‐ jährig an die Universität und studierte Medizin mit der Spezialisierung Psychologie. 1881 promovierte er.1882 bis 1885 arbeitete Freud in der Neurologie eines Wiener Krankenhauses und bekam dann eine Privatdozentur für Neuropathologie. Da seine Einkünfte minimal waren, eröffnete Freud ein Jahr später eine eigene Praxis als Facharzt für Neurologie. Ein glücklicher Gegenpol zu seinem häufig sehr schweren Leben als Jude, war
5 vergl. Freud, Sigmund: „Der Mann Moses und die monotheistische Religion - Schriften über die Religion“ 15. Auflage, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2009, S. 27f
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seine Ehe mit der wohlhabenden Jüdin Martha Bernays, welche er nach vierjähriger Freundschaft 1886 heiratete. Mit ihr hatte er drei Töchter und drei Söhne. Beruflich hatte Freud es schwer, Fuß zu fassen, seine Theorien wurden weitgehend abgelehnt, einerseits wegen des vorherrschenden Antisemitismus, andererseits wegen misslungener Behandlungsversuche seiner Patienten mit Kokain. Er studierte nochmals ‐ diesmal in Paris‐ Psychologie und erlernte dort die Technik der Hypnose, welche er in Wien weiterentwickelte und mit ihrer Hilfe versuchte er Störungen, körperlicher und seelischer Natur, suggestiv zu behandeln. Erneut stießen seine Thesen auf Widerstand und Zweifel. Ab 1889 entwickelte Freud seine Psychoanalyse mit Thesen zur Verdrängungstheorie, Heilung von Neurosen durch hypnotische Suggestion, wozu er das Sexualleben seiner Patienten untersuchte. 1887 beginnt Freud mit seiner Selbstanalyse, bei welcher er die sexuelle Prägung auf seine Mutter entdeckt. Mit der Traumdeutung beginnt er 1899, was ihm erneut scharfe Kritik einbrachte. Eine außerordentliche Professur erhielt er ab 1902 und ab 1908 arbeitete er mit dem Schweizer Psychiater und Psychologen Carl Gustav Jung zusammen. Er veröffentlicht in den folgenden Jahren mehrere Schriften zu seinen Thesen, wie zum Beispiel: „Das Ich und das Es“ von 1923. In diesem Jahr wird bei ihm auch Gaumenkrebs diagnostiziert, welcher unheilbar war. Er verstarb 83jährig an einer Überdosis Heroin, welcher er in Tötungsabsicht einnahm um von seinen Schmerzen erlöst zu werden.
2.2 Freuds Entwicklung seiner Religionstheorien
Man muss beachten, dass Sigmund Freud in seinem Leben eine epochale Wende in der Naturwissenschaft miterlebte. Als Menschen dieser Ära glaubte Freud jegliche Entwicklung der Natur mit physikalisch‐mechanischen Gesetzen erfassen zu können. Besonders die Evolutionstheorie des Charles Darwin beeinflusste Freuds Denken sehr, denn diese Theorie ermöglichte Freud nun ein universelles Erklärungsmodel für den menschlichen Geist und dessen Störungen zu entwickeln. Nämlich: - alle Ursachen sind in der Kindheit zu suchen ‐. Was die frühkindliche Entwicklung für den einzelnen Menschen fundamentiert, fundamentiert der frühzeitliche Mensch in der Entwicklung der Gesellschaft. Diese Idee entnimmt Freud aus der darwinschen Vermutung, dass die Menschen der frühen Gesellschaften in Horden lebten. Dieser Fakt führte zur Entstehung des Totemismus, bei welcher sich Freud vornehmlich auf Frazers „Totemism and Exogamy“ stützt. Auch die zahllosen Berichte der Reisenden und Forscher, über die Kulturen der im 18. und 19. Jahrhundert neu entdeckten Kolonialgebiete beeinflussten Freud sehr stark. Er studierte
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Arbeit zitieren:
Yvonne Büchner, 2010, Der Mann Freud, ein wahrer Jude?, München, GRIN Verlag GmbH
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