1. Einleitung:
In der Hausarbeit werde ich die wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaft Polen seit Beginn der Systemtransformation bis in das Jahr 2008 anhand von ausgewählten quantitativ messbaren Indikatoren untersuchen. Dazu werden die Ursachen und Folgen der wirtschaftlichen Öffnung betrachtet und die Wirtschaftsentwicklung untersucht. Die dabei gewonnen Kenntnisse helfen bei der Klärung ob in der Republik Polen von einer „ökonomischen Globalisierung“ gesprochen werden. Des weiterem helfen die Rückschlüsse bei der Bewertung über eine positive oder negative Wirtschaftsentwicklung als Folge der „ökonomischen Globalisierung“ in Polen.
Die Hausarbeit ist dabei auf die zwei aussagekräftigen Indikatoren ausländische Direktinvestitionen und Wechselkurs aufgebaut. Die ausländischen Direktinvestitionen beeinflussen seit Beginn der Umsetzung des Balcerowicz-Plans die Entwicklung der polnischen Wirtschaft maßgeblich. Die Wechselkurspolitik ist zentraler Bestandteil der Systemtransformation und in Zukunft als Beitrittskriterium für die Einführung des Euro in Polen unumgänglich.
Die Beschaffung und Ermittlung von Datenmaterial im Zeitraum vor dem Beginn der Systemtransformation bis in das Jahr 1994 erwies als sehr schwer. Trotz Anfrage beim Central Statistical Office of Poland und der Polnischen Nationalbank (Narodowy Bank Polski) konnte ich keine genauen Daten erheben. Aus diesem Grund habe ich für einige Angaben auf Literaturquellen zurückgegriffen.
Für das Thema und die Fragestellung „Die wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaft Polen seit Beginn der Systemtransformation bis 2008: Ist für die polnische Wirtschaft die „ökonomische Globalisierung“ ein Fluch oder ein Segen?“ habe ich mich aus folgendem Grund entschieden:
Betrachtet man an die Wirtschaft der Republik Polen, so denken viele die ökonomischen Verhältnisse zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Gemessen am BIP pro Einwohner ist das Wohlstandsniveau lediglich bei 55 Prozent des EU-Durchschnitts 1 . Doch vergessen viele, dass die Volkswirtschaft Polen mit der Transformation von der Plan- zur Markwirtschaft, die durch den Balcerowicz-Plan 2 ausgelöst wurde, einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung und Strukturwandel vollzogen hat und durch den Beitritt zur EU immer noch in einem Veränderungsprozess steckt.
1 Bingen Dieter, Ruchniewicz Krysztof , Länderbericht Polen, Bundeszentrale für politische Bildung, S.282
2 Süß Dirck, Schriften zur Ordnungsfragen der Wirtschaft, S.86
- 2 -
Daher möchte ich in der Hausarbeit eine genauere Betrachtung über die wirtschaftliche Entwicklung, welche durch die „ökonomische Globalisierung“ und der besonderen geografische Lage als Transitland und somit Brücke zwischen Ost und West beeinflusst wird, untersuchen.
- 3 -
2. Ausländische Direktinvestitionen
Die ausländischen Direktinvestitionen sind für die Entwicklung Polens von herausragender Bedeutung. Die ausländischen Direktinvestitionen sind ein wesentliches Element der Modernisierung und Restrukturierung der polnischen Volkswirtschaft und nehmen eine Schlüsselrolle für die Systemtransformation der Republik Polen ein 3 . Laut einem Bericht der Weltbank von April 2000 sind die ADI die ergiebigsten und stabilsten Quellen der langfristigen Finanzierung in Schwellenländer 4 .
Dabei konzentrieren sich bis zu 60 Prozent der Direktinvestitionen der mittel- und osteuropäischen Reformstaaten auf die Transformationsstaaten Polen, Tschechien und Ungarn 5 - wobei die Volkswirtschaft Polen einer der beträchtlichsten Empfänger ist.
In Abschnitt 2.1 werde ich den Begriff der ausländischen Direktinvestitionen definieren und erläutern warum eine Begriffsbestimmung zur Eingrenzung der ausländischen Zahlungsströme wichtig ist.
In Abschnitt 2.2 werde ich auf die empirisch festgestellten Investitionsmotive für Ausländische Direktinvestitionen in Polen eingehen und diese bewerten. Im Abschnitt 2.3 veranschauliche ich die Ursachen und Folgen für das räumliche Verteilungsmuster der ausländischen Direktinvestitionen.
2.1 Begriff und Kategorisierung der ausländischen Direktinvestitionen
Da es verschiedene Auffassungen von ausländischen Direktinvestitionen gibt, ist die Begriffsbestimmung wichtig um eine genaue Kategorisierung zu ermöglichen. Durch unterschiedliche Auslegungen können die Zahlenwerte für den Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen nach Polen in Statistiken beträchtlich variieren 6 . Die Übersicht „Table 3: FDI Inflow Figures from Different Sources“ zeigt, dass sich in verschiedenen Quellen in den Jahren 1992 bis 2000 die Höhe der Ausländischen Direktinvestitionen bis um das fünffache unterscheiden können.
3 Meißner Thomas (2003), Aktienkursreaktionen auf Direktinvestitionen in Osteuropa, Deutscher
Universitätsverlag, S. 11
4 http://www.uni-tuebingen.de/uni/ego/kdf-diss.pdf ,S. 3
5 Meißner Thomas (2003), Aktienkursreaktionen auf Direktinvestitionen in Osteuropa, Deutscher
Universitätsverlag, S. 8
6 Kowalle Julia (2009), Foreign Direct Investment into infrastructure: Analysis pf determinants and modes of
market entry - Empirical study of Poland during the transformation process 1989-2003, Disertation Berlin, S. 34
- 4 -
Quelle: Disertation (2009): Foreign Direct Investment into infrastructure: Analysis pf determinants and modes of market entry - Empirical
study of Poland during the transformation process 1989 - 2003, S. 34
Um in meiner Hausarbeit verwirrende Zahlenschwankungen zu vermeiden, versuche ich auf Datenmaterial zurückzugreifen, das der ausländischen Direktinvestition-Definition des Internationalen Währungsfonds entspricht. Hierbei gehören Investitionen zu der Kategorie der ausländischen Direktinvestition wenn diese einen ausländischen Ursprung haben und die Absicht des Investors auf Dauer ausgelegt ist. Über die Höhe des Anteils am Eigenkapital oder des Stimmrechts wird bestimmt, ob es sich um eine ausländische Direktinvestition handelt. Eine Beteiligung eines ausländischen Unternehmens wird ab einem Anteil von 10 % als ausländische Direktinvestition angesehen 7 .
2.2 Investitionsmotive
Das Engagement für Unternehmen ausländische Direktinvestitionen zu tätigen, ist sehr vielfältig. Für die genaue Ermittlung der Investitionsgründe in Polen wurde eine Vielzahl von empirischen Studien durchgeführt. Bei einem Vergleich der Studien lässt sich feststellen, dass die drei wichtigsten Motive für ausländische Direktinvestitionen in Polen nahezu gleich sind. Weiterhin hat eine Untersuchung im Auftrag der Polnischen Agentur für Auslandsinvestitionen festgestellt, dass die Rangordnung der Investitionsmotive über den Zeitraum von 1993 bis 2003 unverändert geblieben ist. Dabei sind das polnische Wirtschaftswachstum, niedrige Lohnkosten und der Zugang zu einem großen polnischen Absatzmarkt die Hauptgründe für ein langfristiges Engagement der Investoren in Polen 8 .
7 Krüger Ralf, Wachstums- und Verteilungswirkung ausländischer Direktinvestitionen in Entwicklungsländern,
Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz, S.13 ff.
8 Günther Jutta, Dagmara Jajesniak-Quast (Hrsg.) (2006), Willkommene Investoren oder nationaler Ausverkauf?
Ausländische Direktinvestitionen in Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert, Frankfurter Studien zur Wirtschafts-
und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas, Band 15, BWV, S. 278 ff.
- 5 -
Studien über das Investitionsverhalten von deutschen Unternehme in Polen liefern ähnliche Ergebnisse. So hat eine Umfrage der Deutsch-Polnischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft hat im Jahr 1996 unter deutschen Unternehmen die folgenden Gründe für ausländische Direktinvestitionen in Polen ermittelt: Für 44 Prozent der deutschen Unternehmen ist der polnische Absatzmarkt ausschlaggebend und ihre Erzeugnisse für den polnischen Markt anbieten. Für 21 Prozent der Unternehmen sind die niedrigen Lohnkosten und die damit verbundene Nutzung des Lohnkostenvorteils von Bedeutung 9 . Eine weitere Investorenbefragung über die Motivation europäischer Firmen für Investitionen in Polen liefert deckungsgleiche Motive. Zum einen sind für 51 Prozent der befragten Unternehmen die niedrigen Arbeitskosten von Vorteil. Des Weiteren ist für 34 Prozent ein großer aufnahmefähiger Markt und für 33 Prozent der Unternehmen die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften wichtig 10 .
Zusammenfassend sind für ausländische Unternehmen die Hauptargumente zum Einen der große polnische Absatzmarkt. Dieser ist mit 38 Mio. Einwohnern der größte Markt in Mitteleuropa 11 und durch den steigenden Wohlstand zunehmend attraktiver. Als ein weiterer Investitionsgrund wird der Lohnkostenvorteil genannt. Polen wirkt besonders für lohnintensive Branchen, wie für die Herstellung von Metallerzeugnissen, das Holzgewerbe und die Herstellung von Möbeln, anziehend.
Bei diesem Argument ist kritisch anzumerken, dass in Zukunft die Lohnkostenvorteile in Osteuropa von begrenzter Dauer sein könnten. Lohnkosteninflation, steigende Kosten und eine Abwertung der Währung gegenüber dem Dollar führen immer stärker zu einer Lohnangleichung an westliche Verhältnisse. Investitionen, die sich allein günstigere Lohnstückkosten stützen, haben in Mittelosteuropa generell keine Chance mehr 12 . Als weiterer Grund für Direktinvestitionen in Poland wird die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitnehmern genannt. Polens arbeitende Bevölkerung zählt zu den größten und jüngsten in Zentraleuropa - 50 Prozent der Bevölkerung ist unter 34 Jahre und 25 Prozent sind jünger als 25 Jahre sind.
Dieses Motiv muss ebenfalls kritisch betrachtet werden. Auf Grund des Lohngefälles und den besseren Arbeitsbedingungen zwischen Polen und westeuropäischen Staaten verlassen viele qualifizierte Arbeitskräfte das Land. Rund 35 Prozent aller polnischen Unternehmen
9 Wollmann Helmut, Roth Roland (Hrsg.) (1999), Kommunalpolitik, Politisches Handeln in den Gemeinden, 2.
überarbeitete Auflage, Leske und Budrich, S. 391
10 http://www.uni-tuebingen.de/uni/ego/kdf-diss.pdf ,S. 3
11 Barche Ursula (2006), Managerwissen kompakt Polen, Carl Hanser Verlag, S.7
12 http://www.atkearney.com/images/global/pdf/Global_Services_Location_Index_2009.pdf , S1 ff.
- 6 -
Arbeit zitieren:
Sebastian Wendt, 2010, Die wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaft Polen seit Beginn der Systemtransformation bis 2008, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Entwicklung ausländischer Direktinvestitionen für Entwicklung und ...
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa: Die wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaft Polen seit Beginn der Systemtransformation bis 2008 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa: neuer Titel erschienen: Die wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaft Polen seit Beginn der Systemtransformation bis 2008
Sebastian Wendt hat einen neuen Text hochgeladen
Ausländische Direktinvestitionen und Regionale Industriecluster in Mit...
Harald Zschiedrich
Ausländische Direktinvestitionen und internationaler Wissenstransfer n...
Untersucht am Beispiel von Hig...
Ingo Liefner
Wirtschaftliche Entwicklung und Innovationsfinanzierung in China seit ...
Eine systemisch-konstruktivist...
Minhui Ou
Aktuelle Probleme und Entwicklungen im Internationalen Investitionsrec...
Christina Knahr, August Reinisch
0 Kommentare