INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG 3
EUROPA „EINHEIT IN DER VIELFALT“ 4
RUSSLAND UND EUROPA 6
PETER DER GROßE - DER VERÄNDERER RUSSLANDS 7
PETER DER GROßE - DIE ÖFFNUNG NACH WESTEN 12
AUSBLICK 14
BIBLIOGRAPHIE 17
2
Einleitung
Die Entwicklung Russlands im 17. und 18. Jahrhundert ist Thema der vorliegenden Arbeit. Dabei soll der Schwerpunkt auf der Annäherung Russlands an Europa in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht liegen. Als treibende Kraft in diesem Entwicklungsprozeß läßt sich für das ausgehende 17. und beginnende 18. Jahrhundert vor allem Peter I. der Große nennen, der durch sein Handeln und seine innen- wie außenpolitischen Reformen begann, Rußland an Europa heranzuführen. Durch seine Nachfolger, hier ist vor allem Katharina II. zu nennen, wurde die Öffnung Russlands nach Westen weitergeführt und gefestigt. Spricht man von „Russlands Weg nach Europa“ stellt sich jedoch zunächst die Frage, wo Russland, wenn nicht in Europa, steht, und wie sich dieses Europa definieren läßt, zu dem Russland strebt. Läßt sich Europa über geographische Grenzen festlegen oder begründet sich dieser Kontinent durch eine historische Entwicklung? Werden die Grenzen Europas durch politische Zusammenhänge festgelegt oder basieren sie auf kulturellen und religiösen Gemeinsamkeiten der verschiedenen Länder? Russland stellt bei diesen Fragen nach Europa ein Kernthema dar und es wird im Laufe der Geschichte immer neu in den europäischen Kontext gestellt. So muss auch danach gefragt werden, wo Russland innerhalb Europas eingeordnet wurde und heute eingeordnet wird.
Peter I. gilt als der russische Herrscher, der das so oft beschriebene „Fenster nach Europa“ 1 geöffnet haben soll. Es erscheint notwendig, zu hinterfragen, welche Schritte Peter I. unternommen hat, um Russland nach Europa zu führen. Hat Peter I. tatsächlich das „Fenster nach Europa“ geöffnet? Welche Maßnahmen haben diese Öffnung nach Westen gestützt und bewirkt und inwieweit haben sie das Land tatsächlich „europäisiert“?
Die Stellung Russlands innerhalb Europas wird in der Forschung kontrovers diskutiert. So sieht Pfeiler 2 Russland nicht als Teil Europas und zeigt dies an Faktoren, die Russland im Gegensatz zu anderen europäischen Nationen, fehlen. Geyer 3 beurteilt Peter I. als die Person, die Russland in den europäischen
1 Geyer, Dietrich: Rußland und Europa in historischer Perspektive. In: Otmar Frank (Hrsg.): Europa und Rußland- Das Europäische Haus?. München 1993. S. 10
2 Pfeiler, Wolfgang: Rußland und Europa - „Das Europäische Haus“. In: Otmar Frank (Hrsg.): Europa und Rußland - Das Europäische Haus?. München 1993
3 Geyer, Dietrich. In: Otmar Frank (Hrsg.) München 1993
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Handlungsraum eingebracht hat. Auch Paul 4 und Tschubarjan 5 stellen die Frage nach Europa und seiner Beziehung zu Russland, sie sollen hier zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen herangezogen werden. Zur Beleuchtung der Person Peters I. dienen vor allem die Arbeiten von Donnert 6 , sowie seine Beurteilung durch Just 7 und von Rauch 8 , die ihn hinsichtlich der europäischen Fragestellung betrachten. Da Peter I. nur ein „Fenster“ öffnen konnte, sollen im Ausblick die Nachfolger Peters I. aufgezeigt werden und wie und in welcher Weise sie das Erbe Peters weitergetragen haben.
Europa - „Einheit in der Vielfalt 9 “
Eine Beschäftigung mit dem Weg Russlands nach Europa bedarf einer genaueren Klärung des Europa - Begriffes und der Frage nach der Stellung Russlands innerhalb des Kontinents. Im Gegensatz zu der Definition anderer Kontinente scheint diese bei Europa weitaus schwieriger zu sein.
Als zweitkleinster Kontinent der Erde hat Europa die zweitgrößte Bevölkerungszahl. In Norden, Süden und Westen ist Europa geographisch durch Meere deutlich abgegrenzt. In östlicher Richtung jedoch ist die Grenze seit jeher umstritten. Sie wurde immer durch politische Begebenheiten oder Ansichten festgelegt und verlief entweder entlang der mäotischen Sümpfe, am Don entlang oder wurde bis zum Uralgebirge ausgedehnt. Im 20. Jahrhundert, während des Kalten Krieges, erschien es, als würde die Grenze Europas mitten durch Deutschland verlaufen. Sie verschob sich in den 1970er und 80er Jahren wieder weiter nach Osten, als die oppositionellen Bewegungen in der Tschechoslowakei, in Polen und in Ungarn demonstrativ ihre Zugehörigkeit zu Europa bekundeten. Heute reicht Europa vom Mittelmeer bis nach Island und vom Atlantik bis zum Ural - oder doch weiter? Das Problem ist offenkundig. Auch wenn die Grenze geographisch festgelegt wird, scheint sie doch
4 Vgl. dazu: Paul, Ina Ulrike: Europa - der imaginäre Kontinent. In: Praxis Geschichte 2 /1993. S. 4-
10. Sowie: Dies.: Was uns trennt, verbindet uns auch. Ostmitteleuropa zwischen Ost und West. In. Praxis Geschichte 2 /1995. S. 4- 11
5 Tschubarjan, Alexander O.: Auf dem Weg nach Europa- aus Moskauer Sicht. In. Wolfgang Mommsen (Hrsg.): Der lange Weg nach Europa. Berlin 1992. S. 267- 274
6 Vgl. dazu: Donnert, Erich: Das russische Zarenreich. Aufstieg und Untergang einer Weltmacht. München 1992. Sowie: Ders.: Peter der Große. Wien 1989
7 Just, Artur W.: Russland in Europa. Gedanken zum Ostproblem der abendländischen Welt. Stuttgart 1949
8 Von Rauch, Georg: Studien über das Verhältnis Rußlands zu Europa. Darmstadt 1964
4
durch politische Begebenheiten begründet zu sein. Eine deutliche Trennung zwischen Asien und Europa existiert nicht. Bei der Suche nach einem Europa -Begriff stößt man auf grundlegende geistesgeschichtliche Probleme. „Das sind zum einen die Unsicherheiten des Raumgebildes von Europa und zum anderen die normative Begründung Europas. Europa zeigt Risse, sobald sich die normativen Grundlagen verändern - damals wie heute.“ 10
Es stellt sich die Frage, nach welchen Gesichtspunkten die Grenzen Europas festgelegt wurden und werden. Richard von Weizäcker sagte 1993 über Europa: „Das Lebens - und Weltgefühl der Europäer beruht auf Gemeinsamkeiten der Religion und der Philosophie, der Dichtung, der Musik und der Baustile.“ 11 Hier wird deutlich formuliert, woran sich die östliche Grenze Europas festmachen läßt. Europäer ist derjenige, der ein „europäisches“ Weltbild repräsentiert. Diese Vorstellung eines Europa - Begriffes läßt sich durch die Geschichte hindurch verfolgen.
Im vierten Jahrhundert konstituiert sich Europa als lateinische Christenheit. „Die theologische Integration wird zur Grundlage Europas;“ 12 und auf dieser Basis grenzt sich Europa, trotz der Vielfalt in sich selbst, von anderen Gebieten der Erde ab. Neben einer ungeheuren Staatenvielfalt entsteht die Idee von Europa, und der „Erhalt der politischen und territorialen Vielfalt bleibt Grundlage der Gestalt Europas.“ 13 Diese Kontroverse ist prägend für den Europa - Begriff und „diese Spannung zwischen nationaler Besonderheit, europäischer Gemeinsamkeit und weltweiter Orientierung bleibt bis zur Gegenwart erhalten.“ 14
Der europäische Kontinent definiert sich vor allem über geistesgeschichtliche Konzeptionen. Als Begründung für die europäische Einheit werden Ideologien und kulturelle Gemeinsamkeiten herangezogen, welche die politische Vielfalt überwinden sollen und zu einer ideellen Einheit führen. Dass diese Definition dazu führt, dass sich Teile Europas immer wieder die Frage nach ihrer Zugehörigkeit zu Europa stellen müssen, ist offenkundig. Es gibt keine geographische und auch keine historische Begründung für eine Zugehörigkeit zu Europa. „Zu keiner Epoche ist Europa politisch vereint gewesen, nie haben seine Bewohner eine gemeinsame
9 Weidenfeld, Werner: Europa - aber wo liegt es? In: Werner Heidenfeld (Hrsg.): Europa - Handbuch. Bonn 2002. S. 17
10 Ebd. S. 18
11 Paul, Ina Ulrike 1995. S. 5
12 Weidenfeld, Werner Bonn 2002. S. 18
13 Ebd. S. 19
14 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Julika Stark, 2002, Russlands Weg nach Europa, München, GRIN Verlag GmbH
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