Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 GRUNDTYPEN DER ERKENNTNIS. 4
2.1 ERKENNTNIS IN DER SUBJEKT-OBJEKT-RELATION VS. ERKENNTNIS IN DER SUBJEKT-SUBJEKT-RELATION 4
2.2 ZUM VERHÄLTNIS KOGNITIVEN VERHALTENS IN DER SUBJEKT-OBJEKT-RELATION UND KOGNITIVEN
VERHALTENS IN DER SUBJEKT-SUBJEKT-RELATION 6
3 KRITISCHE BEURTEILUNG. 10
4 SCHLUSSBETRACHTUNG 12
LITERATURVERZEICHNIS 13
2
1 Einleitung
Im Rahmen der Epistemologie bzw. Erkenntnistheorie wird üblicherweise selbstverständlich von einem Typ von Erkenntnis ausgegangen: Erkennen bedeutet, Wissen über einen Gegenstand zu erwerben. 1 Diese Auffassung geht zurück auf den Begriff von Theorie der antiken Philosophie, verstanden als Anschauung oder Anblick der strukturierten Ordnung des Kosmos bzw. der Natur oder Welt. 2 Demnach bezieht sich der Mensch als erkennendes, beobachtendes Subjekt kognitiv auf die Welt als Objekt, über das er Erkenntnisse erlangen kann.
So geht auch beispielsweise Kant - um einen bedeutenden neuzeitlichen Philosophen und Erkenntnistheoretiker zu nennen - im Hinblick auf seine Untersuchung der Bedingungen der Möglichkeit (empirischer) Erkenntnis in der Kritik der reinen Vernunft davon aus, dass kognitive, d.h. erkenntnismäßige Aktivitäten ausschließlich in dieser Subjekt-Objekt-Beziehung stattfinden. 3
Besteht jedoch nicht die Möglichkeit, dass im Rahmen bisheriger Erkenntnistheorie ein weiterer Grundtyp von Erkenntnis übersehen wurde bzw. wird? Oder anders: Ist der menschliche, durch die Evolution ausgestattete, kognitive Apparat wirklich nur auf eine Dimension kognitiven Verhaltens ausgerichtet?
Diese Thematik bildet den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit, welche sich daher zentral mit folgender Fragestellung befasst: Kann neben Erfahrung in der Subjekt-Objekt-Relation ein weiterer Grundtyp kognitiven Verhaltens unterschieden werden und wenn ja, in welchem Verhältnis steht dieser zu jenem Grundtyp von Erkenntnis? Um diese Frage zu beantworten, wird wie folgt vorgegangen: Im Rahmen des zweiten Kapitels soll ein weiterer Grundtyp von Erkenntnis vorgestellt und von der Erfahrung in der Subjekt-Objekt-Relation abgegrenzt werden. Zu diesem Zweck wird zunächst unterschieden zwischen Erkenntnis in der Subjekt-Objekt-Relation und Erkenntnis in der Subjekt-Subjekt-
1 Vgl. Kuhlmann, Wolfgang (1996): Zur logischen Struktur des hermeneutischen Verstehens. In: Johannessen,
Kjell S. / Nordenstamm, Tore [Hgg.]: Wittgenstein and the Philosophy of Culture. Proceedings of the 18th
International Wittgenstein-Symposium, Kirchberg am Wechsel, 13. - 20. August 1995. Wien: Hölder-Pichler-
Tempsky, S. 132.
2 Vgl. hierzu Habermas, Jürgen (1968): Erkenntnis und Interesse. In: Ders.: Technik und Wissenschaft als
Ideologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 146f.
3 Dies wird z.B. an folgender Stelle deutlich: „Anschauung und Begriffe machen […] die Elemente all unsrer
Erkenntnis aus, so daß weder Begriffe, ohne ihnen auf einige Art korrespondierende Anschauung, noch
Anschauung ohne Begriffe, ein Erkenntnis abgeben können.“ KrV B74, S. 119. Das bedeutet, dass wir nur dann
kognitiv tätig sind, wenn wir durch die Bildung von Begriffen bzw. die Behauptung von Aussagen sowie
Schlussfolgerungen über einen sinnlich gegebenen (wahrgenommenen) Gegenstand nachdenken. Vgl. hierzu
Tetens, Holm (2006): Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Ein systematischer Kommentar. Stuttgart: Reclam, S.
83f. 3
Relation (vgl. 2.1), um darauf aufbauend zu erörtern, in welchem Verhältnis diese zwei Typen kognitiven Verhaltens zueinander stehen (vgl. 2.2). Textgrundlage bildet dabei der Aufsatz Zur logischen Struktur hermeneutischen Verstehens (1996) von Wolfgang Kuhlmann. Im Zuge des dritten Kapitels erfolgt eine kritische Beurteilung, die sich zum Ziel setzt, einen entscheidenden Aspekt in der Kuhlmann’schen Argumentation kritisch zu hinterfragen bzw. sprachphilosophisch zu untermauern.
Schließlich endet die Untersuchung mit einer Schlussbetrachtung im vierten Kapitel, im Rahmen welcher im Rekurs auf die zentrale Fragestellung die generierten Resultate resümiert werden.
2 Grundtypen der Erkenntnis
Innerhalb dieses Kapitels sollen insgesamt zwei fundamentale Typen von Erfahrung unterschieden und auf ihr Verhältnis zueinander untersucht werden. Daher wird zunächst dargelegt, welcher Typ von Erkenntnis von kognitiven Bemühungen in der Subjekt-Objekt-Relation angegrenzt werden kann.
2.1 Erkenntnis in der Subjekt-Objekt-Relation vs. Erkenntnis in der Subjekt-Subjekt-Relation
Wolfgang Kuhlmann unterscheidet in seinem Aufsatz Zur logischen Struktur hermeneutischen Verstehens neben der Erkenntnis in der Subjekt-Objekt-Relation, welche für die Naturwissenschaften (insbesondere die Physik) charakteristisch ist, einen weiteren, für die hermeneutischen Geisteswissenschaften (z.B. Philosophiegeschichte,
Literaturwissenschaften) charakteristischen, fundamentalen Typ kognitiven Verhaltens: Erkenntnis in der Subjekt-Subjekt-Relation. 4 Worin unterscheiden sich diese beiden Erkenntnistypen?
Insgesamt lassen sich drei Unterschiede aufzählen, die Kuhlmann an folgendem Beispiel illustriert: Zunächst erläutert er Erfahrung in der Subjekt-Objekt-Relation anhand eines Physikers, welcher Vermutungen über Verhältnisse in der Natur entwickelt mit dem Ziel, schließlich zu - und das ist entscheidend - endgültigen Hypothesen über sein jeweiliges Objekt x zu gelangen. Kognitives Bemühen in der Subjekt-Subjekt-Relation hingegen wird veranschaulicht an einem Biophysiker, der, um auf seinem Untersuchungsgebiet y
4 Vgl. Kuhlmann, Wolfgang (1996): a.a.O., S. 131.
4
Arbeit zitieren:
Christian Reimann, 2010, Grundtypen der Erkenntnis, München, GRIN Verlag GmbH
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