zumindest für die Anfangszeit seines Schaffens, eine „Gotteseuphorie“ zu zuschreiben 15 . Seine Anrchistischen Schriften verfasste er nachdem er unter anderem von Hegel 16 , Herder 17 , Goethe 18 , Kant 19 , Fichte 20 , Descartes 21 und Schelling bis zu weniger bekannten Autoren seiner Zeit wie zum Beispiel dem kommunistischen Schneiders Weitling 22 inspiriert wurde. Es ist anzunehmen, dass sein Wirken nach 1861 23 von seinen „Leidensjahren“ 24 geprägt war 25 .
Somit dürfte das Leben Bakunins in gröbsten Zügen umrissen sein, was sicherlich helfen wird sein Denken und Handeln zu verstehen.
Niccolò Machiavelli
„In Zeiten heilloser politischer Verwirrung ... wurde Machiavelli am 3. Mai 1469 in Florenz geboren“. 27 Zu dieser Zeit regierte Lorenzo il Magnifico 28 , der die Stadt kulturell aufblühen ließ 29 , was Machiavelli wohl nicht besonders interessierte 30 . Sein Augenmerk richtete sich vielmehr auf die poitischen Rangeleien zwischen den verfeindeten Familien, die die Stadt regieren wollten und natürlich auch der eigenen politischen Karriere. Nach seinem intensiven Geschichtsstudium und seiner Beschäftigung mit den antiken Denkern 31 erhält er die Gelegenheit seine Fähigkeiten im Alter von 29 Jahren als Sekretär und Vorsteher der „Kanzlei der Zehn“ unter Beweis zu stellen 32 . Später wirkte er als Gesandter u. a. nach Frankreich 33 und Deutschland 34 geringe politische Macht aus. Ein Herrscherwechsel führte dazu, dass Machiavelli aus dem Amt enthoben wurde und er sich geknickt zurückziehen musste, weil man ihm die Loyalität gegenüber dem neuen Herrscher nicht glaubte 35 . In der Verbannung schrieb er u.a. seine Hauptwerke „Il Principe“ und die „Discorsi“ 36 . Er starb am 22. Juni 1527, „arm, hilflos und voll Verzweiflung über die Geringschätzung, die er erfahren“ 37 bei seinem erfolglosen Versuch in die Politik zurück zu kehren.
15 Dieser Eindruck lässt sich nach der Lektüre der ersten Briefe, die in diesem Buch abgedruckt sind bestätigen, da nur in einem begrenzten Umfang von etwas anderem als Gott geschrieben wird.
16 Vgl. Bakunin 4 S.11. Von ihm stammt wohl der Großteil seiner Grundlagen.
17 Vgl. Bakunin 3 S. 23.
18 Vgl. Bakunin 4 Endnote 59.
19 Vgl. ebd. S.14.
20 Vgl. Bakunin 3 S. 24: „Gestern abend ließ ich mich von meiner Phanasie hinreißen - ich griff nach Fichte, Die Anweisung zum seligen Leben, und las bis etwa drei Uhr.“
21 Vgl. Bakunin 4 S.14.
22 Vgl. Bakunin 3 S. 130.
23 In diesem Jahr floh er erfolgreich. Vgl. Bakunin 2 S.10.
24 Vgl. ebd.
25 Er wurde in dieser Zeit zum Tode verurteilt und dann wohl unter anderem dank seiner erzwungenen „Beichte“ „begnadigt“.
26 Vgl. Machiavelli 1 S. 123.
27 Zitiert nach Machiavelli 1 S. XIII.
28 Lorenzo der Prächtige. Information (u.a.) aus Machiavelli 2 S.3.
29 Indem er u.a. die berühmten Maler Boticelli, Perugino, Michelangelo (damals 15jährig) und Signorelli in die Stadt holte. Vgl. Machiavelli 1 S. XIV.
30 Vgl. Machiavelli 1 S. XIV .
31 Vgl. Machiavelli 1 S. XV. Er beschäftigte sich mit den meisten römischen Dichtern, Philosophen und Geschichtsschreibern. Die Griechen Aristoteles, Plutarch, Xenophon, Herodot, Thukydides u. andere kannte er wohl nur aus der Übersetzung.
32 Vgl. Machiavelli 1 S. XVIII. Hier konnte er seine Träume von einer Berufsarmee umsetzen.
33 Vgl. Machiavelli 1 S. XXII. Vier mal war er dort.
34 Vgl. Machiavelli 1 S. XXIII. Nach Deutschland gelangte er im Zuge zweier Gesandtschaften.
35 Vgl. Machiavelli 1 S. XXVIII Wem er diente war ihm egal. Er wollt nur politisch wirken können.
36 Vgl. Machiavelli 1 S. XLVI.
37 Zitiert nach Machiavelli 1 S. XLI. Dies geschah in Folge der schroffen und entschiedenen Ablehnung seiner Rückkehr in ein politisches Amt.
Milton Friedman
Der sich selbst als libertär bezeichnende 39 , ehemalige indirekte Mitarbeiter am „Manhattan Project“ 40 Milton Friedman wude am 31, Juli 1912 in Brooklyn New York als Sohn von Migranten geboren 41 . Philosophisch wurde er von den Gründervätern 42 , Sokrates, Hume 43 , Mill 44 und Hayek 45 geprägt. Der Träger des Wirtschaftsnobelpreises von 1976 46 war der Gründer der sog. „Chicagoer Schule“ 47 die radikal dafür einstand den Kräften des Marktes freien Lauf zu lassen 48 , da der Kapitalismus, bzw. Liberalismus der alten Schule 49 als einzige Wirtschaftskonzeption das größte Glück bringen könnte 50 .
Die Situation
Diese drei, in der Politik anzusiedelnden Menschen haben jeder für sich ein bedeutendes Werk der politischen Philosophie gefertigt und jeder der Autoren ist davon überzeugt, dass die Einhaltung seiner Grundsätze jede Gesellschaft auf sichere Art und Weise zu größtem Erfolg gelangt. Jeder hat seine eigenen Schwerpunkte, wie wir sehen werden. Der einzige unter diesen drei, der keine eigene Gesellschaftskonzeption errichtet ist Machiavelli. Er begnügt sich damit den Herrschanden gute Hinweise, um ihre Herrschaft zu sichern, zu geben.
Heute sind alle dieser Denker tot. Das bietet die Gelegenheit diese sturen, von sich selbst überzeugten Staatsforscher in einem Gedankenexperiment in einem erdachten Jenseits zusammentreten zu lassen, damit sie sich darüber unterhalten wie die Menschheit am Besten zum größten Glück, was auch immer das sein mag, gelangen können. Ich habe versucht die Charakterzüge der Personen zu offenbaren und bin überzeugt, dass ich zumindest teilweise erfolgreich war.
Bakunin (auf die Erde schauend): Ich verstehe es nicht... (schüttelt den Kopf) Warum hat sich so wenig geändert? Und das wenige was sich geändert hat, tat es nicht nur zum Guten. Ihnen allen könnte es doch so gut gehen. Sie haben Maschinen, die ihnen fast die ganze Arbeit abnehmen können und nehmen sie sich nicht. Statt zu kämpfen und ein Leben im Wohlstand, wenn nicht gar im Luxus, zu führen kriechen sie weiterhin vor den Herrschenden wie Lakaie, die nichts fordern dürfen, sondern immer nur devot für den Reichtum der Reichen schuften, während sie selbst demütig, von den Übermächtigen eingeschüchtert im Dreck leben müssen, ihre Kinder nicht versorgen können und immernoch unter diesem elenden Pseudo-Recht, mit seinen Auswüchsen in die Richtungen Theologie oder „wissenschaftliche Rationalität“ 51 , vor
38 Vgl. Friedman 1 S. 69.
39 Er wird auch als „objective social scientist“ beschrieben. Vgl. Ebenstein S. 35.
40 Vgl. Ebenstein S. 45.
41 Vgl. Ebenstein S. 5.
42 Vgl. Ebenstein S. 143.
43 Vgl. Ebenstein S. 65.
44 VgL Ebenstein S. 34.
45 Eigentlich handel es sich bei ihm um einen Wirtschaftswissenschaftler, seine Herangehensweise wird oft als philosophisch beschrieben. Vgl. Ebenstein S. 142f.
46 Vgl. Ebenstein S. 185 fff und Buchdeckel von Friedman 1.
47 Vgl. Klein S. 24.
48 Vgl. Klein S. 18.
49 Wie bei Adam Smith Vgl. Ebenstein S. 201.
50 Das Größte Glück kann nur sein bei möglichst großer Freiheit möglichst viele Güter für möglichst viele Menschen zu produzieren. Vgl. Ebenstein IX.
51 Anarchie S. 88.
sich hinkauern und so tun als wären sie glücklich.„Wissenschaftliche Rationalität“... hah(!), dass ich nicht lache. Selbst wenn man sie auf die Spitze treibt vermag sie lediglich die negativen Bedingungen zu definieren, die sich aus der Kritik an der bestehenden Gesellschaft ergeben 52 . Niemals wird sie vollständig, abgeschlossen und vollendet sein können 53 . Was bringt sie also? Natürlich die Erkenntnis, dass die Ablehnung einer Regierung der Gesellschaft von oben nach unten im Namen eben dieses Pseudorechts zwingend ist. Also die Anarchie, d.h. die selbstständige und freiheitliche Organisation aller, die die Gemeinden bilden, zur zwingenden Notwendigkeit wird 54 . Ist es denn so schwer das zu begreifen? War ich denn umsonst sieben Jahre im Kerker und zwölf Jahre im Exil? 55 Meine Thesen sind doch nicht so schwer zu verstehen. Habe ich sie nicht davor gewarnt, dass sie alle versklavt würden, dass sie wieder zurück zum tierischen Zustand kämen, dass sie nie Götter werden könnten 56 , dass sie sich nie befreien könnten, wenn sie aufhörten sich zur Wehr zu setzen und sich lieber gehen ließen, bevor sie sich ganz von dieser Pest und Seuche der Herrschaft befreit haben? 57
Friedman (tritt zu ihm, nachdem er nur Herrschaft und befreien gehört hat) Ja mein lieber Freund, die Herrschaft sollten die Menschen wirklich abschütteln. Und zwar schleunigst (Bakunin beginnt weich zu lächeln und trinkt eine Schluck). Es bringt doch nichts, wenn sie sich völlig unnötig beschränken, sie sich das Recht nehmen lassen, ihre Dienste als, Physiker, Zahnarzt, Klempner, Friseur, Bestatter oder Anwalt 58 (Bakunin verschluckt sich und droht beinahe zu ersticken, Machiavelli nutzt die Gelegenheit ihm kräftig auf den Rücken zu klopfen) anbieten zu können. Niemand ist frei genug um eine Bank öffnen zu können, ein Taxiunternehmen zu gründen, Energie zu verkaufen oder eine Fluggesellschaft ins Leben zu rufen ohne von einer staatlichen Behörde die Erlaubnis zu bekommen. 59 Von dieser sinnlosen Herrschaft müssen sich die Menschen befreien. Sie müssen frei werden, von diesen nutzlosen, kontraproduktiven Dingen wie Agrarsubventionen, Zöllen, staatlicher Produktions- und Mietkontrolle, sämtlichen Preiskontrollen wie Höchstpreisen und Mindestlöhnen - die doch nur schaden bringen -, detaillierter Industrieregulierung, Radio- und Fernsehkontrolle durch eine Bundesbehörde, den gesamten bisherigen Programmen zur sozialen Grundsicherungdiese Ketten der freien und fleißigen Geister 60 - , Lizenzgebühren, dem öffentlichen Wohnungsbau, der Einberufung zum Kriegsdienst in Friedenszeiten, diesen unnötigen Nationalparks, dem Briefmonopol, der Straßenmaut 61 (Machiavelli atmet schwer) . Lieber sollten sie flexible Wechselkurse einführen, sich um ein regelmäßiges festgesetztes Geldmengenwachstum bemühen, sowie um eine negative Einkommenssteuer - die viel einfacher ist als die bisherigen Regelungen - eine Berufsarmee, ein Verzeichnis der gezahlten Steuern um die Inflationsrate punktgenau anzupassen, Staatsausgaben minimieren, genauso wie die Steuern. Man muss Drogen, und zwar alle, legalisieren 62 , Schulgebühren einführen, staatliche Firmen privatisieren und die hohen Einkommen möglichst gering besteuern.Und
52 Sehr frei zitiert nach Anarchie S. 88.
53 Vgl. Bakunin 2 S. 69 oben.
54 Vgl. Anarchie S.88.
55 Vgl. Bakunin 2 S. 9.
56 Zur ursprünglichen Tierheit des Menschen: Vgl. Bakunin 2 u.a. S. 91 + 49 (letztere auch zur Empörung). Zur Gottwerdung Vgl. Bakunin 2 S. 47 (Vom Tier zum Menschen) + S. 48 (als einen Weg zum Gott-werden: Unendliches Leben). So ergibt sich die Entwicklung Mensch-Tier durch Ungehorsam gegenüber der Autorität (Gott) und wohl auch die Weiterentwicklung zum Gott.
57 So berichtet Max Nettlau am 11. Mai 1926: „Er wusste, daß man von einer Pest... nicht die Hälfte, ein Viertel, ein Zehntel zerstören muss, sondern die ganz, und dass man auf verseuchtem Boden kein gesundes Haus baut.“ Vgl. Bakunin 2 S. 12.
58 Vgl. Friedman 1 S. 66.
59 ebd.
60 Vgl. Ebenstein S. 228.
61 Vgl. Ebenstein S. 171 f.
62 Vgl. Friedman 2.
Arbeit zitieren:
Manfred Lotz, 2008, Freiheit, Sicherheit und Fortschritt, München, GRIN Verlag GmbH
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