Gliederung
1. DARSTELLUNG DES THEMAS 3
2. DIE SITUATION DER JUGENDBEWEGUNG VOR DEM 2. JUNI 1967 4
2.1. DIE APO. 4
2.2. DIE NEUE LINKE. 5
2.3. DER „AUTONORMALE“ BEWOHNER 6
2.4. DIE STUDENTENBEWEGUNG 6
3. WAS GESCHAH AM 2. JUNI 1967? 7
3.1. VOR DEM SCHÖNEBERGER RATHAUS. 8
3.2. VOR DER DEUTSCHEN OPER 9
4. DAS ECHO 10
5. WURDE DIE BEWEGUNG DURCH BENNO OHNESORGS TOD RADIKALER? 11
5.1. DIE WEIBLICHEN HAUPTPERSONEN. 11
5.2. DIE GESAMTE STUDENTENBEWEGUNG IM BLICKFELD 12
6. RESÜMEE 15
7. QUELLEN / -SAMMLUNGEN 16
8. LITERATURLISTE. 16
2
1. Darstellung des Themas
Der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos löst eine Welle der Entrüstung in Griechenland aus. Er wurde von dem Polizisten Epaminondas Korkoneas erschossen. Wie dies geschah, wird auf zwei unterschiedliche Arten erklärt. In der ersten Version - der des Polizisten - ist die Rede davon, dass der „Ordnungshüter“ und seine Kollegen mit Steinen beworfen wurden. Infolge dessen habe er drei Warnschüsse abgegeben, und ein Geschoss traf den Jugendlichen als Querschläger in den Leib, woran dieser starb. Mindestens drei Zeugen sagen jedoch aus, dass der Jugendliche gezielt erschossen wurde. Der Staatspräsident Papoulias kündigt hartes Vorgehen gegen die Randalierer und Unerbittlichkeit gegen den Angeklagten an 1 . Der Polizist befindet sich bereits in Untersuchungshaft 2 .
Das zeigt wie anders man mit dem Tod eines jungen Menschen, durch einen Polizisten umgehen kann, als „die Politiker“ des Sommers 1967, die Regenbogenpresse derselben Zeit und die Justiz, nach dem Tod Benno Ohnesorgs in der „Frontstadt West-Berlin“. Auch der Verlauf der Ereignisse, die dazu führten, dass der 26-jährige Student starb, hatte wesentlich gröbere Fahrlässigkeit als Wurzel, als bei den heutigen Aufständen in Griechenland.
Ziel dieser Arbeit ist es eine Antwort auf die Titelfrage zu geben, bzw. die Folgen des - wie Günther Grass es nannte - „ersten politischen Mordes in der Bundesrepublik“ 3 zu umreißen. Der im Titel verwendete Terminus „Radikalisierung“ bedarf zuerst einer näheren Bestimmung.
Den Hauptteil beginne ich damit die Situation zu umschreiben, in der sich die Jugendbewegung vor dem grausamen Ende des Studentenlebens Benno Ohnesorgs befindet. Dann leite ich mit einer Umschreibung wichtiger Ereignisse 4 an dessen in der heutigen Gesellschaft noch weitgehend bekanntem Todesdatum über, zu der Kernfrage: Wie wirkte sich der Tod des jungen Studenten auf die Jugendbewegung aus? Am Ende steht ein Versuch dieses, schon alleine aufgrund der Fragestellung nicht eindeutig lösbares, Problem zu bearbeiten.
1 „Gewaltsame Proteste: Wieder Randale im Zentrum Athens“, Zeit online, Tagesspiegel, 09.12.´08. 13:36Uhr,
mpr/AFP/dpa.
2 „Starker Regen bremst Krawalle“, Frankfurter Rundschau online, 12.12.´08, 09:39 Uhr, dpa.
3 Zitiert nach Large, David-Clay, Berlin, London, 2001, S. 484.
4 Ich persönlich finde die Ereignisse, die ich nenne, ausschlaggebend.
3
2. Die Situation der Jugendbewegung vor dem 2. Juni 1967
Um die Lage der Studentenbewegung zum genannten Zeitpunkt wiederzugeben ist es nötig auch die gesamtgesellschaftliche Lage zu beleuchten, da das soziale Umfeld immer bei allen denkenden Wesen 5 seinen Teil zur Art des Denkens beiträgt. Das besondere Augenmerk soll hier auf der Außerparlamentarischen Opposition (APO), der Neuen Linken und deren Wurzeln liegen, die Reaktionen der übrigen Bevölkerung doch nicht ausklammern.
2.1. Die APO
Sie speiste sich aus der von unten kommenden 6 antimilitaristischen Bewegung der 50er Jahre 7 , der neuen Studentengeneration, die beginnt den Älteren unangenehme Fragen über ihre Tätigkeiten während des Nationalsozialismus zu stellen und wenn überhaupt nur ungenügende Antworten bekommt und außerdem aus einem bunten Fächer an Einzelpersonen, die sich nicht mit einer Reduzierung des Parteienspektrums und der schwindend geringen parlamentarischen Opposition abfinden mochte. Die Verbote von Parteien 8 , was die „wehrhafte Demokratie“ unter Beweis stellen sollte, förderte die Kritik an der Pluralität der Bundesrepublik ebenso wie die danach eingeführte „5%-Klausel“ 1957. Als der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gefährlich kritisch wurde und der erstgenannte, mitsamt seinen „intellektuellen Förderer(n)“ 9 1961 in Folge des Godesberger Programms verstoßen wurde, gewann der Protest auf der Straße eine weitere Strömung, die nicht parteipolitisch gebunden war.
Das Engagement von Einzelgewerkschaften 10 beschränkte sich nicht nur auf die Finanzierung eines Büros, sondern erstreckte sich sowohl auf die Planung als auch Koordination von Aktionen 11 und deren Unterstützung durch Aufrufe zur Solidarisierung 12 . Zu permanentem
5 Damit ist gemeint, dass ich diese Prämisse nicht lediglich auf Menschen beziehe um den allseits gängigen
Speziezismus zu vermeiden, der nach Kantscher Manier das Denken ausschließlich dem Menschen vorbehält.
6 Vgl. Brand, Karl-Werner (Hg.), Aufbruch in eine andere Gesellschaft: neue soziale Bewegungen in der
Bundesrepublik, Brand, Büsser, Rucht, Frankfurt/Main, New York, 1986 S. 62.
7 Genannt sei hier die Bewegung „Kampf dem Atomtod“ gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr,
welche Konrad Adenauer als eine „Weiterentwicklung der Artillerie“ bezeichnete. (Zitiert nach Brand, 1986
S. 52). Die „Kampagne für Abrüstung“ stellte später das Fundament der APO. (So Brand, 1986 S. 63)
8 Genannt seien hier die Verbote der SRP 1952, und der KPD 1956.
9 Vgl. Bock, Hans Manfred, Geschichte des „linken Radikalismus“ in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt am
Main, 1976 S. 172.
10 Beispielsweise IG Metall und IG Chemie. Vgl. Richter, 2008 S. 49.
11 Vgl. Richter, 2008 S. 49.
12 Vgl. Gewerkschaftliche Studentengemeinschaft Berlin, Flugblatt an die Berliner Arbeiter, 5. Juni, in:
Nevermann, Knut, (Hrsg. VDS), der 2. juni 1967, Studenten zwischen Notstand und Demokratie,
Dokumente zu den Ereignissen anläßlich des Schah-Besuchs, 1967, Köln S. 90-91 und Solidaritätserklärung
gewerkschaftlicher Persönlichkeiten, in: ebd. S. 113-114.
4
Engagement konnten die Gewerkschaften jedoch nicht gebracht werden 13 . Die große Koalition rief nicht nur bei einigen „Normalbürgern“ 14 Ängste vor der neuen Machtakkumulation hervor 15 . Die Notstandsgesetzgebung brachte jedoch die, der parlamentarischen Politik widerstrebenden Kräfte 16 zu einem Konsens, aus dem sich die APO bildete.
Die Außerparlamentarische Opposition 17 war die Anlaufstelle für verschiedenste Gruppierungen mit unterschiedlichen Zielen. Auch wenn es als eine gemeinsame Schnittmenge die Kritik und den Widerstand gegen die Notstandsgesetze gab, war diese Gruppe überaus pluralistisch angelegt. So wie sich die Gesamtsituation veränderte 18 , verbesserte sich die Möglichkeit argumentativ antiimperialistische und antifaschistische Programme zu untermauern. Sofern diese Argumentation jedoch von Studenten/-innen ausgesprochen wurde, entgegnete man den Argumenten mit plattem Antikommunismus.
2.2. Die Neue Linke
Der Kommunismus wiederum, bzw. die Kommunistische Theorie, die auf einem überarbeiteten Marxschen Fundament stand, wurde mit privateigentumskonformen Umformungen grundgesetzkompatibel 19 . Statt, wie die alte Linke, die Produktionsmittel für alle zu fordern, bestand die Neue Linke darauf den erwirtschafteten Gewinn allen zugänglich zu machen. Das schuf wieder eine verbesserte argumentative Grundlage 20 . Diese Reform des idealen Bildes eines sozialistischen Staates kam jedoch, wie zu erwarten war, nicht bei der gesamten Bevölkerung an, weshalb die Studenten/-innen mit den kommunistischen Urmodellen, von denen sie sich wie vom „Realsozialismus“ in den Ostblockstaaten, von dem sie sich lautstark distanzierten 21 , in Verbindung gebracht wurden. Allerdings schaffte die Neue Linke es in den „single-purpose-movements“ die Probleme nicht an deren Oberfläche zu
13 Vgl. Richter, 2008 S. 54.
14 Vgl. Wieser, 1967 S. 70.
15 Vgl. Schönbohn, Wulf, RCDS, Die Unruhen an den deutschen Hochschulen, in: Elschner, Gerhard, Gebauer,
Bernhard, Radunski, Peter, Material zu den Ursachen und den Zielen der Studentenproteste April, 1968,
Eichholz S. 65 und Martin, Berthold, Die Welt (Das Forum der Welt), 5. 7. 1967, Ein Gefühl der politischen
Ohnmacht, in: ebd. S. 83.
16 Die gewerkschaftliche Opposition, die kritische Intelligenz und auch die parlamentarische Opposition, die
jedoch quasi machtlos war. Vgl. Bock, Hans Manfred, Geschichte des „linken Radikalismus“ in Deutschland.
Ein Versuch, Frankfurt am Main, 1976 S. 171.
17 Im Folgenden mit APO abgekürzt
18 Vietnamkrieg, Verdrängung der NS-Vergangenheit,…)
19 Vgl. Richter, 2008 S. 56.
20 Nun konnten sich die Linken auf Art. 14 Abs. 2 im Grundgesetz berufen. Für die alte Linke war dieser Artikel
eine unüberschreitbare Hürde.
21 Vgl. z.B.:Der Spiegel vom 10. 7. 1967, Interview mit Rudi Dutschke (SDS): Wir fordern die Enteignung
Springers, in: Elschner, 1968, S. 64.
5
Arbeit zitieren:
Manfred Lotz, 2008, Führte der Tod Benno Ohnesorgs zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung: Führte der Tod Benno Ohnesorgs zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung: neuer Titel erschienen: Führte der Tod Benno Ohnesorgs zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung?
Manfred Lotz hat einen neuen Text hochgeladen
Widerstandsrecht und Grenzen der Staatsgewalt
Bericht über die Tagung der Ho...
Bernhard Pfister, Gerhard Hildemann
0 Kommentare