Inhaltsübersicht
Zusammenfassung 3
Summary 3
Einleitung 4
1. Positive Wirkungen von Sport auf die Wirbelsäule 6
1.1 Sport als Therapie bei Skoliosen (seitliche Wirbelsäulenverkrümmungen) 6
1.2 Sport als Mittel zur Prävention der Osteoporose 6
1.3 Kraftsport als Therapie bei Rückenschmerzen 6
2. Negative Effekte des Sportes auf die Wirbelsäule 7
2.1 Chronische Rückenschäden durch Sport (?) 7
2.2 Diagnostik von Rückenschmerzen 8
2.3 Spondylolyse, Spondylolisthesis (Gefügelockerung, Wirbelgleiten) im Sport 13
2.4 M. Scheuermann im Sport 15
2.5 Iliosakralgelenk im Sport 17
2.6 Wird eine Skoliose verursacht oder verschlimmert durch Sport ? 17
2.7 Sport nach Spondylodesen (operativen Wirbelsäulenversteifungen) 19
2.8 Bandscheibe und Sport 20
2.9 Wirbelsäule und "Bagatell-Trauma" 25
3. Folgerungen für die Sportpraxis 27
3.1 Analyse der individuellen Wirbelsäulenbelastbarkeit 27
3.2 Analyse der schädigenden Belastungen und Bewegungen 29
3.2.1 Haltung und Rückenschmerz 33
Literatur 37
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Zusammenfassung
Verschiedene Untersuchungen zeigen eine erhöhte Gefährdung der Wirbelsäule bei intensiver sportlicher Belastung. Während eine gesunde Wirbelsäule selbst durch intensiven Leistungssport kaum geschädigt wird, können bei verschiedenen Fehlformen, Dysplasien (Fehlanlagen) oder Erkrankungen sportartspezifische Erkrankungen auftreten. Ein florider (aktiver) M. Scheuermann oder ein Bandscheibenschaden wird durch Hyperflexion (maximale Vorbeugung) der Wirbelsäule verschlimmert, während bei Hyperextension (maximaler Überstreckung nach hinten) der Wirbelsäule eine Spondylolyse (Gefügelockerung) entstehen kann, wenn gleichzeitig eine Aufbaustörung oder Fehlstellung des Sakrums (Kreuzbeines) vorhanden ist. Allerdings kann auch bei einer gesunden Wirbelsäule eine Spondylolyse durch ständige Hyperextension und gleichzeitige Stauchung, Rotation oder Seitkippung der Wirbelsegmente auftreten. Eine Hyperflexion, verbunden mit einer starken Stauchung oder axialen Belastung kann einen Bandscheibenvorfall auslösen, selbst wenn keine degenerativen Veränderungen vorliegen. Wirbelsäulenschäden können auch durch leichte Traumen (Verletzungen) wie Stürze oder Quetschungen ausgelöst werden.
Summary
Different studies show an increased risk for the spine during intensive sport. A healthy spine normally will not be damaged when participating even in high performance sport, but if deviations, dysplasia or diseases are present, sports specific damages can occur. A Scheuermann´s disease or a lumbar disc degeneration might be deteriorated by repeated hyperflexion movements of the spine, whereas a hyperextension can lead to a spondylolysis, if malassimilation or deviation of the spine or sacrum are existing. Nevertheless a spondylolysis can appear also in a normal and healthy spine, when the hyperextension movement is combined with a high axial load. A hyperextension with additional rotational or side bending forces will have the same effect. A hyperflexion of the spine in combination with a high axial load can induce a disc protrusion or prolaps, even if there are no degenerative lesions. Falling on the buttock and other direct traumata on the spine can also have a harmful influence and induce chronic damages of the spine. Key words: Spine, hyperxtension, hyperflexion, spondylolysis, damage
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Einleitung
Nicht selten klagen Sportler über Rückenschmerzen. In den meisten Fällen des sogenannten "unspezifischen" Rückenschmerzes scheinen weder eine exakte Diagnostik noch eine gezielte Therapie notwendig zu sein, da bei 70% - 80 % der Patienten die Symptome innerhalb von 4 -6 Wochen verschwinden [1, 2]. 90 % der Patienten sind innerhalb von zwei bis drei Monaten beschwerdefrei [3-5]. Beim Rückenschmerz spielt also die Spontanheilung eine beträchtliche Rolle [1, 2, 6-8]. Selbst bei nachgewiesenen deutlichen Bandscheibenvorfällen lassen die Schmerzen und die neurologischen Ausfälle nach einigen Wochen gänzlich nach [9, 10], während das computertomographische Bild unverändert bleibt.
Dennoch ist eine diagnostische und therapeutische Unbekümmertheit fehl am Platz, weil das Myelon (Rückenmark), die Cauda oder die Nerven durch eine Bandscheiben- oder - Knochen-Kompressionirreversibel geschädigt werden können sich hinter einer „Lumboischialgie“ bzw. einem "LWS-Syndrom" ernstere Erkrankungen - wieBandscheibenvorfälle, Tumore, ein M. Bechterew [4], abdominelle, gynäkologische oder urologische Erkrankungen, Aortenaneurysmen [11] oder andere Krankheiten verbergen können.
Rückenschmerzen chronifiziert und damit oft unheilbar werden können. - beiständiger Über- oder Fehlbelastung im Sport Dauerschäden entstehen können - Klassifizierungchronischer Rückenschmerzen
Für die Therapie, Verlaufsbeobachtung, Prognose und Begutachtung ist folgende Unterteilung der Ursachen von Rückenschmerzen - bei neurologischen Störungen jeweils mit dem Zusatz der betroffenen Nervenwurzel - hilfreich [5, 12]:
arthrogen („Blockierungen“; Reizung oder Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke) knöcherner Kontakt (M. Baastrup, Nearthrose (Neugelenk) beim hypertrophen Querfortsatz)
Bandscheibenverschleiß (Osteochondrose)
Instabilität (Gefügelockerung, Spondylolyse (einseitige Lockerung) mit Drehgleiten, Spondylolisthesis (Wirbelgleiten), Z.n. Bandzerrung oder -Riss) Bandscheibenprotrusion (=Vorwölbung), Schmerz bei Quellung der Bandscheiben, Reizung der dorsalen Spinalnerven)
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Bandscheibenprolaps (=Vorfall) bzw. -Sequester andere Ursachen (angeborene oder erworbene Defekte, Spina bifida etc.) Erkrankungen der Iliosacralfuge (Blockierung, Entzündung) rheumatische Krankheiten (Chronische Polyarthritis, Psoriasis, Gicht, M. Bechterew etc.)
Knochenstoffwechselkrankheiten (Osteoporose, Osteomalazie etc.) entzündliche Veränderungen Unfallbedingte Veränderungen
Neurologische Erkrankungen (Syringomyelie, Neurofibromatose etc.) Tumore
Häufig führen Ursachen-Ketten zur Verstärkung der Schmerzen bei anfangs nur geringen Beschwerden (z.B.: Bandscheibendegeneration mit daraus folgender Gefügelockerung und Wirbelgelenksarthrose). Auch Kombinationen aus mehreren Störungen sind möglich. Eine falsche Indikationsstellung zur Bandscheibenoperation lässt meistens diese Einteilung außer Acht [13, 14]. Gerade bei Patienten, bei denen die ganze Wirbelsäule degenerativ (z.B. Osteochondrose) und/oder statisch (z.B. Skoliose) verändert ist, muss exakt diagnostiziert werden, in welchem Segment welche Ursache (Gefügelockerung; Bandscheibenschäden oder andere) die Schmerzen hervorruft.
Die Wirkung des Sportes auf die Wirbelsäule wird sehr divergent beschrieben. Hochleistungssportler leiden nicht selten unter chronischen Rückenschmerzen. Unsportliche Menschen versuchen dagegen, gerade durch ein Kraft- oder Ausdauertraining ihr Rückenleiden zu besiegen.
Nicht selten liegen positive und negative Effekte der sportlichen Aktivität bei Menschen mit chronischen Rückenschmerzen dicht neben einander: Ist es einem vom Rückenschmerz geplagtem Menschen gelungen, seine Beschwerden durch ein intensives
Rumpfmuskeltraining zu besiegen, so kann eine einzige falsche Übung die Früchte einer monatelangen Behandlung in wenigen Sekunden vernichten (s. Abb. 4).
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1. Positive Wirkungen von Sport auf die Wirbelsäule
1.1 Sport als Therapie bei Skoliosen (seitliche Wirbelsäulenverkrümmungen)
Schon vor über 150 Jahren wurde der redressierende und korrigierende Einfluss der Muskulatur auf Verkrümmungen der Wirbelsäule festgestellt, wobei man in deutschen Landen die Bewegungen "am besten nach militärischem Commando" vornehmen sollte, damit sie "recht exact ausgeführt werden" [15]. Heute wird neben der symmetrischen Muskelstärkung auch der kardiopulmonale Trainingseffekt des Sportes berücksichtigt, da bei Skoliosen die Lungenfunktion in Abhängigkeit von der Ausprägung der Deformität eingeschränkt ist [16].
1.2 Sport als Mittel zur Prävention der Osteoporose
Der Muskelanspannung kann ein knochenstimulierender Effekt zugesprochen werden: Kraftsportler haben eine höhere Knochendichte als Normalpersonen [17] [18] [19] [20] [21]. Allerdings zeigen nur die in der entsprechenden Sportart eingesetzten Körperregionen eine höhere Knochendichte [22]. So besteht an der Wirbelsäule ein Zusammenhang zwischen der Fläche der paraspinalen Muskulatur und der Knochenmasse der Wirbelkörper [19]. Auch bei Frauen in der Postmenopause besteht eine Korrelation zwischen der Knochendichte und der isometrischen, noch stärker der isokinetischen Rumpfmuskelkraft. Auch vertikale Gewichtsbelastungen (Sprünge etc.) bei bestimmten Sportarten bewirken eine vermehrte Knochendichte [23]. Volleyballspieler haben eine höhere Knochendichte im Calcaneus (Fersenbein) und in der Wirbelsäule [24] als Untrainierte; bei Basketballspielern ist nur der Calcaneus knochendichter [25].
1.3 Kraftsport als Therapie bei Rückenschmerzen
Das Muskelaufbautraining, das schon zu Zanders Zeiten als "Zimmergymnastik" bekannt war [15], ist heute ein effizienter Baustein der Physiotherapie. Das Krafttraining der Rumpfmuskeln bewirkt:
eine Stabilisation der Wirbelsäule, vor allem beim Tragen von Lasten [26]. Der M. quadratus lumborum stabilisiert die Wirbelsäule noch effektiver als der M. erector spina, möglicherweise durch die bessere Hebelwirkung.
eine Reduzierung der Rückenschmerzen, vor allem, wenn noch keine stark pathologischen Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule festzustellen sind [27].
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eine effiziente Bauchpresse, welche die Wirbelsäule beim Tragen von Gewichten deutlich entlastet [28] [29]. Das Prinzip gleicht einem hydraulischen Wagenheber: Der durch die Bauchmuskeln erhöhte Druck im Bauchinnenraum hebt die Wirbelsegmente leicht an, wodurch die Wirbelsäule entlastet wird [30]. Vor allem bei Seit- und Dreh-, aber auch bei Streckbewegungen wird die Wirbelsäule durch Pressatmung stabilisiert [31]. Zur Erhöhung des Druckes im Bauchraum tragen Gewichtheber einen festen Ledergurt [31]. sehr gute Erfolge bei der Behandlung von Bandscheibenschäden, wenn es gelingt, durch die therapeutischen Übungen die Wirbelsäule zu stabilisieren [5].
2. Negative Effekte des Sportes auf die Wirbelsäule
Auf die Beschreibung der akuten Verletzungen der Wirbelsäule inklusive der Querschnittslähmungen muss hier verzichtet werden.
2.1 Chronische Rückenschäden durch Sport (?)
Eine erhöhte Rate von lumbalen Rückenschmerzen wurde bei Schulkindern gefunden, die entweder verstärkt am Wettkampfsport teilnahmen - oder eher inaktiv waren und häufiger Fernsehen sahen [32]. Kinder mit Rundrücken trieben jedoch weniger Sport als Gleichaltrige mit gesunder Wirbelsäule [33]. Bei den jugendlichen Sportlern konnte ein gewisser Zusammenhang zwischen der Dauer des Trainings und der Häufigkeit der Rückenschmerzen gefunden werden.
Andere Autoren fanden keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit von lumbalen Rückenschmerzen bei Sportlern und Nichtsportlern [32]. Rückenschmerzen bei sportlicher Betätigung können vielfältige Ursachen haben: Harmlose Beschwerden wie Blockierungen (alle Sportarten), Überanstrengung der Rumpfmuskeln (Kraftsport, Ringen) oder Verspannungen bei langdauernder Halteposition in Fehlhaltung (Rennradfahren, Segeln, Surfen). Diese Beschwerden sind meist bald wieder verschwunden.
Allerdings stellt sich die Frage, ob der Sport die Wirbelsäule schädigen kann. Zwillingsuntersuchungen ergaben bei Ausdauersportarten keine Unterschiede in der
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Bandscheibendegeneration, beim Krafttraining war der Bandscheibenverschleiß in Höhe der Brustwirbel 6 - 12 erhöht [34]. Handballspieler und Triathleten hatten eine im Vergleich zu Durchschnittsbevölkerung leichte Zunahme an degenerativen Wirbelsäulenveränderungen, allerdings litten sie nur in geringem Maße an Beschwerden [35]. Auch bei anderen Leistungssportlern zeigen sich im Erwachsenenalter frühe Bandscheibenschäden, Osteochondrosen, eine erhöhte Spondylolyserate oder andere Veränderungen. Wie im Folgenden dargelegt wird (s. Tab. 1), sind viele dieser anatomischen Veränderungen auf Verletzungen oder Überlastungen der jugendlichen Wirbelsäule, die auf eine Belastung noch empfindlich reagiert, zurückzuführen [36] [37] [32] [38].
2.2 Diagnostik von Rückenschmerzen
Die Diagnostik der Wirbelsäulenbeschwerden bei Sportlern ist einem Wandel unterzogen. In den früheren Jahren wurde das diagnostische Augenmerk auf die statischen Veränderungen der Wirbelsäule wie Unregelmäßigkeiten der Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper, Randzacken, Weite der Bandscheibenzwischenräume gelegt [39], wobei sich allerdings zunehmend herausstellte, dass derartige Veränderungen oft mit der Beschwerdesymptomatik (selbst im Hochleistungssport) nicht korrelierten und mitunter sogar überhaupt keinen Krankheitswert hatten.
Heute rückt mehr der funktionelle Aspekt in den Vordergrund, der klinisch durch die Prüfung der segmentalen Hyper- und Hypomobilität, röntgenologisch durch die Funktionsaufnahmen geprüft werden kann. Eine elegante und übersichtliche Methode, die röntgenologischen Segmentbewegungen bei maximaler Vor- und Rückneigung oder bei Links- und Rechtsseitneigung zu beurteilen, ist die Animation der Röntgenbilder [40]. Hier können nicht nur das Ausmaß der segmentalen Wirbelkörperverschiebung im Vergleich zu den benachbarten Segmenten, sondern auch kleine Veränderungen (Sklerosierungen, Spaltbildungen etc.) schnell gesehen werden. Zudem kann erkannt werden, ob sich die Wirbelsäule harmonisch entfaltet oder ob Areale mit Hyper- und Hypomobilitäten vorhanden sind.
Bei der Diagnostik von Rückenschmerzen bei Sportlern sind zwei Blickwinkel sinnvoll (s. Abb. 1):
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die "pathologische" Perspektive, bei der das betroffene Wirbelsegment und die - entsprechendeStörung möglichst exakt diagnostiziert werden
die "funktionelle" Perspektive, bei der die ganze Wirbelsäule (Statik, Haltung usw.) und - dasUmfeld (Muskulatur, angrenzende Körperpartien, Gelenke) betrachtet werden.
Abb. 1
Seitliche Röntgenaufnahme der Lendenwirbelsäule eines 49-jährigen ehemaligen Gewichthebers (früher internationale Spitzenklasse: Stemmen 190 kg, Kniebeugen mit 260 kg). Jetzt ist er beruflich zu langem Stehen gezwungen (Chirurg), dabei treten zunehmend Schmerzen in der LWS auf. Die erstaunlich geringen pathologischen Veränderungen (geringe
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Arbeit zitieren:
Dr. med. Christoph Schönle, 2010, Sportschäden, Belastung und Überlastung der Wirbelsäule im Sport, München, GRIN Verlag GmbH
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