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Gliederung
1 Einleitung 3
2 Hauptteil 4
2.1 Narratologische Untersuchung 4
2.1.1 Stimme: Zeitpunkt und Ort des Erzählens, Stellung des Erzählers zum Erzählten 4
2.1.2 Zeit: Ordnung, Dauer und Frequenz 4
2.1.3 Modus: Mittelbarkeit und Perspektivierung 6
2.2 Interpretation 9
2.2.1 Das Verhältnis Lisel Liblichleins zu Schulz und Kohn 9
2.2.2 Gottschalk Schulz und Kuno Kohn - zwei Künstlerfiguren 11
3 Schluss 13
4 Literaturverzeichnis 15
4.1 Primärliteratur 15
4.2 Sekundärliteratur 15
- 3 - 1Einleitung
„Man hat eine fürchterliche Sehnsucht. O wüßte man wonach.“ 1 - Kuno Kohn, eine der zentralen Figuren in Alfred Lichtensteins Kurzgeschichte Café Klößchen, scheint sich über diese grundlegende Frage seines Lebens nicht im Klaren zu sein. Um festzustellen, ob Café Klößchen eine Antwort auf diese Frage bietet, beschäftige ich mich vor allem mit den drei Protagonisten Lisel Liblichlein, Gottschalk Schulz und Kuno Kohn. Wie sind die Leben der Figuren miteinander verwoben? Mit welcher Einstellung gehen sie durchs Leben, welche Bedeutung hat die Kunst für sie - und scheitern sie letztlich allesamt an der Suche nach ihrem Glück?
Um diese Fragen beantworten zu können, werde ich den Text untersuchen, um festzustellen, wie er gestaltet ist und wie meine Interpretation durch die narratologische Gestaltung des Textes unterstützt wird. Dabei werde ich mich auf die von Gérard Genette eingeführten Begriffe der Erzähltheorie beziehen. Da Genette zwischen den drei Kate-gorien „Zeit“, „Stimme“ und „Modus“ unterscheidet, gliedert sich meine Analyse ebenfalls in diese drei Bereiche, die damit zunächst unabhängig voneinander behandelt werden.
Im Anschluss beschränke ich mich in der Interpretation auf die Bereiche, die in dem Lebensabschnitt der Figuren, von dem Café Klößchen erzählt, am bedeutendsten sind: Ihre Beziehungen untereinander und das Künstlertum. Dazu greife ich besonders auffallende Phänomene heraus, um meine Interpretation mit Beispielen zu belegen. Die Kate-gorie „Stimme“ stelle in den Hintergrund, da ich der Ansicht bin, dass bei der Darstellung der Zeit und besonders des Modus für die hier betrachteten Fragestellungen wichtigere Beobachtungen zu machen sind und eine zusätzliche Einbeziehung der Stimme den Umfang der Arbeit deutlich überschreiten würde.
Im Schlussteil schließlich versuche ich auf der Grundlage meiner Ausarbeitungen die Fragen „Was bedeutet Glück für die Figuren und was kann diese Einstellung für uns bedeuten?“ zu beantworten.
1 Lichtenstein, Alfred: Café Klößchen. In: Ders.: Gesammelte Prosa. Kritisch hrsg. von Klaus Kanzog.
Zürich 1966, S. 54. Alle Zitate und Seitenangaben im Text stammen, soweit nicht anders gekenn-
zeichnet, aus dieser Ausgabe.
- 4 - 2Hauptteil
2.1 Narratologische Untersuchung
2.1.1 Stimme: Zeitpunkt und Ort des Erzählens, Stellung des Erzählers zum Erzählten
Beim Café Klößchen handelt es sich um einen Fall späteren Erzählens. Von den Ereignissen, die sich im Café Klößchen und in seinem Umfeld abspielen, wird zu einem späteren Zeitpunkt erzählt als die Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben. Dass hier späteres Erzählen vorliegt, wird auch dadurch deutlich, dass durchgängig das epische Präteritum verwendet wird. Der zeitliche Abstand zum Erzählten wird nicht definiert. Im Café Klößchen tritt nur ein einziger Erzähler auf, der sich auf der extradiegetischen Ebene befindet. Die Ereignisse im Café Klößchen, die Erlebnisse von Liblichlein, Schulz und Kohn spielen sich also auf der intradiegetischen Ebene ab. Weiteres intradiegetisches Erzählen, das eine dritte, metadiegetische Ebene eröffnen würde, liegt nicht vor. Die Trennlinie zwischen Erzähltem und Erzählen wird eingehalten; der Erzähler wahrt also die Distanz zum Erzählten. Er ist keine Figur, die am Leben im Café Klößchen teilnimmt. Genauer gesagt handelt es sich also um einen extradiegetischheterodiegetischen Erzähler, der eine Geschichte erzählt, in der er selbst nicht vorkommt. Dennoch ist er nicht durchgängig eindeutig als heterodiegetisch erkennbar. Stellenweise entsteht der Eindruck, es handle sich stattdessen um einen unbeteiligten Beobachter -und damit um einen extradiegetisch-homodiegetischen Erzähler- im Café Klößchen. Dies wird durch detaillierte Beschreibungen des Café Klößchen bestärkt, die den Realitätseffekt steigern. Die Distanz zum Erzählten wird außerdem dadurch abgeschwächt, dass der Erzähler stark an die jeweils erzählte Szene gebunden ist und außerdem eine starke Nähe zum Wahrnehmungshorizont der Figuren erkennen lässt.
2.1.2 Zeit: Ordnung, Dauer und Frequenz
Das Verhältnis von erzählter Zeit und Erzählzeit in Café Klößchen ist in den meisten Passagen der Erzählung nicht zeitdeckend; die erzählte Zeit nimmt zumeist einen deutlich längeren Zeitraum in Anspruch als die Erzählzeit. Die Zeit zwischen Lisel Liblichleins Ankunft in der Stadt und der ersten Begegnung zwischen ihr und Kuno Kohn, die mindestens eine Woche umfasst („Eine Woche war vielleicht vergangen“, S. 51), wird
- 5 -zeitraffend erzählt. Die Ankunft Lisels, ihre ersten Tage in der Gesellschaft ihres Cou-sins Gottschalk Schulz werden summarisch erzählt. Erst als Liblichlein und Schulz das erste Mal gemeinsam auf Kuno Kohn treffen, wechselt die Erzählung in ein nahezu zeitdeckendes Erzählen.
Beispiele für Anachronien finden sich in Café Klößchen nur wenige. Dennoch handelt es sich bereits bei dem ersten Satz der Erzählung um eine interne Analepse („Lisel Liblichlein war aus der Provinz in die Stadt gekommen, weil sie Schauspielerin werden wollte…“, 49f.). Sie nimmt hier die Funktion einer Exposition ein, anhand derer die zwei Protagonisten und deren Relation zueinander eingeführt und erläutert werden. Obwohl die Analepse an den Wahrnehmungshorizont von Lisel Liblichlein gebunden ist (nur aus ihrer Sicht ist alles „Zu Haus […] spießig, eng, verblödend“, S.48), erfolgt sie als Erzählerrede. Die Analepse liegt außerdem fast noch in der Erlebnisgegenwart Liblichleins. Eine weitere interne Analepse findet sich auf S. 55; sie nimmt auch hier eine erläuternde Funktion wahr („Die Veranlassung war gewesen: Herr Kohn hatte Fräulein Liblichlein mehrmals von der Theaterschule nach Hause begleitet…“). Anhand einer internen Analepse wird auch die Vorgeschichte zu Schulzens nach mehreren Fehlversuchen letztlich erfolgreichem Selbstmord offengelegt: „Er hatte Kohn und Liblichlein bei ihrer vertrauten Unterhaltung in der Nische beobachtet“ (S. 60). Alle hier aufgeführten Analepsen setzen in der Vergangenheit an und schlüsseln die Vorgänge, die zu den Ereignissen in der Erzählgegenwart geführt haben, von hinten auf, bis sie in dieser angelangen („Kohn war soeben gekommen […] als Gottschalk Schulz hineinfiel“, S. 56). Es handelt sich also um komplette Analepsen. Die Reichweite dieser Analepsen umfasst jeweils nur einige Tage, während die Prolepsen, von denen im Text lediglich zwei auftreten, einen Zeitraum umfassen, der der Erzählgegenwart wesentlich weiter vorgreift. Eine Prolepse („In einem Hintergrund saß, lange Zeit, bevor er plötzlich starb, […] Kuno Kohn“) findet sich auf S. 52. Diese Prolepse ist extern, weil der Tod Kohns nicht zu dem in dieser Erzählung behandelten Zeitabschnitt gehört, außerdem zukunftsgewiss, weil der Erzähler den Leser über den Moment, an dem sich die Erzählung befindet, und über das Wissen der Figur erhebt. Der Tatsache, dass sie irgendwann sterben wird, ist der Figur wohl bewusst; dass sie zuvor noch lange leben wird, kann sie indes nicht wissen. Eine weitere Prolepse auf S. 61 gibt Auskunft darüber, dass Kohn und Liblichlein „sich für immer trennten“. Da die Prolepsen jeweils einen wesentlich größeren zeitlichen Abstand überbrücken, also auch eine längere erzählte Zeit umfassen als die Analepsen, sind sie partiell.
Arbeit zitieren:
Katharina Neuhaus, 2010, Narratologische Analyse von Alfred Lichtensteins "Café Klößchen", München, GRIN Verlag GmbH
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