Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Entwicklung des Bildungssystems vom 19. Jahrhundert bis nach dem
Zweiten Weltkrieg 4
3. Bildungsexpansion nach dem Zweiten Weltkrieg 5
3.1 Expansion der Universitäten 7
3.2 Frauenstudium 10
4. Chancenungleichheit 13
4.1 Chancenungleichheit nach sozialer Herkunft. 13
4.2 Geschlechtspezifische Chancenungleichheit 15
4.3 Ethnische Ungleichheiten 16
4.4 Auswirkungen der Bildungsexpansion auf Bildungsbeteiligung 17
5. Bildungsexpansion und Arbeitsmarkt 19
6. Bildungsniveau und Lebenserwartungen 20
7. Fazit 21
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis: 24
Literaturverzeichnis : 24
2
1. Einleitung
Bildung ist ein komplexer, sozialer Prozess, der den Zugang zur Welt eröffnet. Er bezieht sich nicht nur auf ein einzelnes Individuum, sondern ist in die ganze Gesellschaft eines Landes eingebunden. Bildung und Wissen sind zwei wichtige Bestandteile der gesellschaftlichen Entwicklung. Je mehr die Gesellschaft in das Bildungswesen investiert, desto bessere Zukunftschancen hat sie. Demzufolge werden Bildung und die damit verbundenen Bildungseinrichtungen im Laufe der Zeit immer wichtiger. Nicht umsonst sagt man „Wissen ist Macht“. Die Relevanz von Bildung stellt beispielsweise Hradil besonders heraus. Laut ihm heißt es:
„Bildungseinrichtungen und die dort vermittelten Kenntnisse wurden im Laufe der Geschichte immer wichtiger, sowohl für die Einzelnen als auch für die Gesellschaft im Ganzen. Heute ist Bildung für die meisten Menschen das wichtigste ‚Kapital’, um ihr Leben erfolgreich führen zu können“ 1 .
Dies wird deutlich gezeigt durch die verstärkte Nachfrage nach Bildung, insbesondere in den letzten Jahrzehnten. Wie die Maschinen und Fabriken eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Industriegesellschaft spielten, so bedeutend ist Bildung und das vermittelte Wissen bei der Wendung zu der modernen postindustriellen Gesellschaft; die immer öfter als ‚Wissensgesellschaft’ 2 bezeichnet wird. Mehrere Bereiche der heutigen Gesellschaft entwickeln sich ziemlich schnell. Konsequenterweise werden für diese Bereiche qualifizierte Arbeitskräfte benötigt. Dies seinerseits benötigt ein weitgehend standardisiertes Bildungssystem, denn „die Erhöhung des Bildungsniveaus [sei] eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft“ 3 . In der vorliegenden Hausarbeit wird das Thema ‚Bildungsexpansion und Chancenungleichheiten’ erarbeitet. Die staatliche Aufgabe ist es, das Recht auf Bildung für alle Staatsmitglieder zu garantieren. So sind die Bildungsreformen und Bildungsexpansion
1 Hradil: 129
2 Der Begriff ‚Wissensgesellschaft’ wurde zum ersten Mal 1966 vom amerikanischen Soziologen Robert E. Lane
verwendet („knowledgeable societies“).
3 Köhler/ Stock: Bildung nach Plan? (Stand 17.03.2007)
3
mit der Erwartung entstanden, dass sie die unterschiedlichen Bildungschancen von Kindern verschiedener sozialer Schichten ausgleichen konnten.
Zunächst wird in der Arbeit auf die historischen Hintergründe eingegangen. Hier werden kurz die wichtigsten Momente der Bildungsgeschichte Deutschlands erwähnt. Das Kapitel 3 beschreibt den Prozess der Bildungsexpansion nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Prozess der Bildungsexpansion gehört zu den auffälligsten Erscheinungen des sozialen Wandels in den letzten Jahrhunderten. Der Begriff stammt aus der Bildungsforschung und bezeichnet den enormen Ausbau der sekundären und tertiären Bereiche des Bildungswesens. Die Abschnitte 3.1 und 3.2 gehen detaillierte auf die Expansion der Universitäten und auf den enormen Zuwachs an Bildungsbeteiligung der weiblichen Studierenden ein. Im Kapitel 4 wird die Ungleichheit im Bildungssystem untersucht. Es wird auf den Zusammenhang der Chancenungleichheiten mit der sozialen Herkunft und auch auf geschlechtspezifische und ethnische Ungleichheiten eingegangen. Im Abschnitt 4.4 werden die Auswirkungen der Bildungsexpansion auf Bildungsbeteiligung zusammengefasst. Zum Abschluss der Hausarbeit wird sowohl der Einfluss der Bildungsexpansion auf den Arbeitsmarkt Deutschlands, als auch der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Lebenserwartungen der Menschen präsentiert.
2. Entwicklung des Bildungssystems vom
19. Jahrhundert bis nach dem Zweiten
Weltkrieg
Die allgemeine Schulbesuchspflicht wurde im Jahre 1717 durch Friedrich den Großen im damaligen Preußen eingeführt. Jedoch spielte dabei Geschlecht und soziale Herkunft eine wichtige Rolle, da Frauen keinen Zugang zu Bildungseinrichtungen hatten und Kinder aus unteren Schichten sich die Schulausbildung nicht leisten konnten. Die Schulbesuchspflicht wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts tatsächlich durchgeführt und erst seit 1871 auch kontrolliert.
Von einer Bildungsreform spricht man, wenn mehrere Sektoren des Bildungswesens nach einem übergreifenden Konzept umgestaltet werden müssen. So werden 1809 von Wilhelm von Humboldt, dem damaligen Preußischen Erziehungsminister und Staatssekretär, einige Bildungsreformen eingeführt. Durch diese Reformen wurden Volksschul-, Gymnasial-
4
und Universitätswesen als einheitliches staatliches Bildungssystem etabliert. Staatlich anerkannte Leistungskriterien wurden als Voraussetzung für den Eintritt in den Staatsdienst geschaffen: Der Zugang zum Bildungssystem sollte nicht mehr von Herkunft und Stand abhängig sein, sondern sich alleine auf Leistung begründen. Ein wichtiges Ziel der Einführung der Schulpflicht war die Reduzierung des Analphabetismus. Im Weiteren wurde der Beruf des Lehrers durch Einführung einer Ausbildung zum Volksschullehrer aufgewertet. Zuvor hatten Lehrer keine fachliche Qualifikation. Sie waren meist dem Priester unterstellter Gehilfen, ehemalige Soldaten oder Handwerker. Doch durch Humboldts Reformen wurde es Pflicht für künftige Lehrer, sich einer fachlichen und pädagogischen Ausbildung zu unterziehen.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts gingen im Preußen ca. 50 Prozent der Kinder in die Schule. Prinzipiell stand das Gymnasium den Jungen aus allen Schichten offen, wenngleich es in der Praxis nur von denen besucht werden konnte, deren Eltern das Schulgeld aufbringen konnten. Die Situation änderte sich aber zum Ende des Jahrhunderts, als fast alle Kinder Preußens Schule besuchten. 1 Damit lässt sich feststellen, dass die Schulpflicht landesweit realisiert war.
Für Mädchen blieb jedoch die Schullaufbahn noch bis zur Wende zum 20. Jahrhundert versperrt. Zugangsrechte zu der Hochschulausbildung erhielten sie erst im Jahre 1908. Während der Zwischenkriegszeit macht sich die Zahl der weiblichen Studierenden an Universitäten sehr bemerkbar.
3. Bildungsexpansion nach dem Zweiten
Weltkrieg
Mit dem Bildungsgesetz aus dem Jahre 1959 trat die bildungspolitische Diskussion in eine neue Phase ein. Die Verlängerung des Schulbesuchs auf zehn Jahre, die Regelungen für den Zugang zu weiterführenden Bildungsgängen, die Integration von allgemeiner und beruflicher Bildung und eine Neubestimmung der Inhalte standen damals auf der Tagesordnung.
1 Vgl. Klemm: 147
5
Nach dem Zweiten Weltkrieg gilt der Zeitraum von 1965 bis 1975 als das Jahrzehnt der Bildungsexpansion. In dieser Zeit entwickelte sich in Deutschland ein dreigliedriges Schulsystem. Dementsprechend verblieben die Schüler von Jahr zu Jahr immer länger in der Schule. Universitäten öffneten sich für Kinder aus der Arbeiterschicht und für Frauen. Jährlich stieg die Anzahl der Studierenden an. Demzufolge erlangen immer mehr Absolventen die (Fach-)Hochschulreife. Schon am Anfang der 70er Jahre wurde der Abschluss der 10. Klasse zur Norm und damit zur Voraussetzung für die berufliche Ausbildung in den meisten Berufen.
Abb. 1: Schulabsolventen in Westdeutschland nach Art des Abschlusses 1970 bis 2002 (in %; bis 1989: Westdeutschland; ab 1990: Gesamtdeutschland)
Quelle: Eigene Darstellung. Erstellt nach Daten aus S. Hradil: 141
Wie die obige Grafik zeigt (Abb. 1), konnten im Jahr 2000 mehr als 60 Prozent der Absolventen einen Realschulabschluss vorweisen. Die Absolventenquote von dem gleichen Schulabschluss war in den 70er Jahren fast doppelt so niedrig. Das Gleiche betrifft auch die Absolventen mit (Fach-)Hochschulreife. Allgemein lässt sich feststellen, dass sich der Absolventenanteil ohne Hauptschulabschluss in alle Jahren reduziert. Die schnelle Bildungsexpansion in den 70er und 80er Jahren in Deutschland hat dazu geführt, dass weiterführende Bildungsabschlüsse unter der älteren viel seltener zu finden sind
6
als unter der jüngeren Bevölkerung. Im Laufe der 90er Jahre ist die Bildungsexpansion praktisch zum Stillstand gekommen.
Die Expansion der Universitäten und ihre Auswirkungen werden im Folgenden näher nachgezeichnet.
3.1 Expansion der Universitäten
Das expandierte Bildungswesen ist seit dem 18. Jahrhundert zu beobachten. Speziell das Wachstum der Universitäten lässt sich bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Von 1871 bis zum Ersten Weltkrieg wuchs die Studentenzahl jährlich um fast zwei Prozent. Durch die Öffnung der Bildungswege für Kinder der Mittelschicht und das Frauenstudium erlebten die deutschen Universitäten in der Zwischenkriegszeit einen ungewöhnlich starken Expansionsschub. Zwischen den Jahren 1925 und 1932 stieg die Zahl der Studierenden von 86.000 auf 140.000. 1 Seit Mitte der 60er Jahre setzte sich diese Entwicklung in der Bundesrepublik mit einem weiteren Anwachs fort. Das Wachstum der Hochschulen wird durch zwei Effekte bestimmt: Ein Teil der Expansion ist auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen, ein anderer Teil auf den freien Zugang zu höherer Bildung.
In der folgenden Tabelle (Tab. 1) wird die soziale Herkunft der Studenten in der Bundesrepublik Deutschland von 1976 bis 1987 dargestellt.
1 Vgl. Windolf: 16
7
Arbeit zitieren:
Magistra Anastasia Castillo geb. Iliyuyshina , 2007, Die Transformation der Sozialstruktur in zeitgeschichtlicher Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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