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Sie kennen doch sicher den Witz von den beiden Ziegen, die die Rollen eines Films auffressen, der nach einem Bestseller gedreht worden ist, worauf die eine Ziege zur anderen sagt: „Mir war das Buch lieber“ (Alfred Hitchcock; zitiert in Truffaut 2003: 118) Adapters cut, combine, condense, truncate, and rearrange narrative elements; they find cinematic equivalents, contemporize references, and adjust the plot and ending of the novel to fit the film medium and to appeal to a mass audience. (John M. Desmond 2006: 99)
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Inhalt
1. Einleitung 3
1.1. AuWau der Arbeit 3
2. Die filmische Adaption einer literarischen Vorlage 4
3. Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders 7
3.1. Dramaturgische und inhaltliche Abweichungen 7
3.2. Erzählperspek0ve: voice over 12
3.3. Visualisierung von Gerüchen 12
3.4. Grenouille geruchloses Monster und olfaktorisches Wunderkind 14
3.5. Einsatz von Licht und Farbe 16
4. Schlussbemerkungen 17
5. Quellenverzeichnis 19
5.1. Primär und Sekundärliteratur 19
5.2. Printmedien 20
5.3. Filmographie 20
5.4. Internetquellen 20
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1. Einleitung
Wirb man einen Blick in Metzlers Lexikon der Literaturverfilmungen 1 , so stößt man auf über viereinhalbtausend verzeichnete Titel allein deutscher Produk0onen seit 1945. Etwa die Hälbe aller jemals produzierten Filme beziehen sich auf eine literarische Vorlage, meist einem Roman. 2 Das große Interesse an einer filmischen Adap0on einer literarischen Vorlage ist demnach seit jeher enorm und das Genrefeld der Literaturverfilmung ist fest etabliert und beinahe so alt wie die Geschichte des Films selbst. 3 Wie ist das zu erklären, obwohl beispielsweise nach Auffassung des italienischen Regisseurs Federico Fellini „(...) jedesmal, wenn ein Film aus einem literarischen Werk schöpb, das Ergebnis mijelmäßig, enjäuschend und für den Film nachteilig ist.“ 4 Vieles deutet darauf hin, dass sich Fellinis Einschätzung auch in Tom Tykwers Verfilmung von Das Parfum (2006) bestä0gt. Mit einer nahezu au0s0schen Haupkigur, die ganz in ihrer inneren, von Gerüchen bes0mmten Welt exis0ert, galt Patrick Süskinds Bestseller lange als unverfilmbar. Die Literaturverfilmung an sich ist äußerst ambivalent, sie befindet sich in dem Spannungsverhältnis, der literarischen Vorlage gerecht werden zu müssen und gleichzei0g als Film zu funk0onieren. 5
1.1. AuJau der Arbeit
In dieser Arbeit wird untersucht, wie ein Stoff mediale Grenzen überwindet und in diesem Fall seinen Weg vom Roman zum Film findet. Zunächst wird das intermediale Phänomen der Literaturverfilmung aus film‐ und medienwissenschablicher Hinsicht theore0sch untersucht. Anhand einer Literaturverfilmung wird im Haupjeil der Arbeit der Versuch unternommen folgende Fragestellung zu beantworten: Was wird im Zuge des medialen Transfers verändert? Wie werden diese Veränderungen vorgenommen? Welchen Effekt haben die Veränderungen auf die Rezep0on? Antworten auf diese und anderer Fragestellungen, die im Zusammenhang mit dem Thema „Literaturverfilmung“ aubauchen, zu finden, ist Anlass für die Analyse der im Jahr 2006 produzierten Filmadap0on des weltberühmten Romans Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders von Patrick Süskind aus dem Jahr 1985 durch Regisseur Tom Tykwer. Auf Grund des Umfangs der Arbeit kann weder auf die historische Entwicklung der
1 Schmidt, Klaus M./Schmidt, Ingrid (Hrsg.): Lexikon der Literaturverfilmungen. Verzeichnis deutschsprachiger Filme 1945-2000. Stuttgart/
Weimar: Metzler 2000.
2 Vgl.: Albersmeier, Franz-Josef u. Roloff, Volker (Hrsg.): Literaturverfilmungen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989. S. 6.
3 ebenda. S. 16.
4 Fellini, Federico: Aufsätze und Notizen. Zürich: Diogenes Verlag 1974. S. 202.
5 Schachtschnabel, Gaby: „Der Ambivalenzcharakter der Literaturverfilmung“, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, 1984, S. 171-178.
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„Literarisierung des Kinos“ und der Wechselbeziehung von Film und Literatur, sowie im Haupjeil auf Produk0onsdetail und Genrezuweisung des Kinofilms und den Inhalt des Romans, noch auf eine Gegenüberstellung weiterer Analyseverfahren eingegangen werden.
2. Die filmische AdapLon einer literarischen Vorlage
Bei der filmischen Umsetzung von literarischen Texten wird im Allgemeinen von einer filmischen Adap0on gesprochen. 6 In der Regel werden Literaturverfilmungen an ihrer Vorlage gemessen, doch diese Beurteilungsform kann den beiden Kunskormen nicht immer gerecht werden, da es sich um die Umsetzung einer schriblichen Vorlage in das gänzlich anders organisierte Medium des Films handelt. Der Filmtheore0ker Bèla Balàzs geht in seinem 1924 erschienenen Buch Der sichtbare Mensch davon aus, dass der Film auf Grund seiner speziellen Ausdrucksweise nicht mit der Literatur gleichzusetzen ist und es sich defini0v um zwei verschiedene Künste handelt.
Regisseur und Schauspieler (die beim Film in einem ganz anderen Verhältnis zueinander stehen wie auf dem Theater) könnten am ehesten mit Improvisatoren verglichen werden, die vielleicht eine Idee, eine kurze,allgemeine Inhaltsangabe von einem anderen bekommen haben, doch den Text sich selber dichten. Denn der Text des Films besteht aus seiner Textur, aus jener Sprache der Bilder, wo jede Gruppierung, jede Gebärde, jede Perspek0ve, jede Beleuchtung jene poe0sche S0mmung und Schönheit Ausstrahlung hat, die sonst die Worte eines Dichters enthalten. Auch bei einem Gedicht und einer Novelle kommt es ja am wenigsten auf den bloßen Inhalt an. Feinheit und Krab des Ausdrucks machen den Dichter, Feinheit und Krab der Bildwirkung und der Gebärde machen die Kunst des Films aus. Darum hat er nichts mit der Literatur zu schaffen. 7
Staj einer reinen worjreuen Stoffübernahme, kann die Vorlage auch als Anregung dienen und somit beschränkt sich die Bewertung einer filmischen Inszenierung nicht nur auf die Werktreue. Siegfried Kracauer teilt die Verfilmungen von Literatur in seiner Theorie des Films daher in filmgerechte Bearbeitungen, die sich innerhalb der medialen Grenzen des Films bewegen und unfilmische Bearbeitungen, die einen filmisch schwer zu bewäl0genden Stoff beispielsweise im theatralen S0l verwerten. 8 Helmut Estermann differenziert drei Möglichkeiten einer visuellen Umsetzung von Literatur: Erstens die Dokumenta?on als die
6 Vgl. Gast, Wolfgang: Literaturverfilmung. Bamberg 1993. S. 45.
7 Balázs, Béla: Der sichtbare Mensch oder die Kultur des Films. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2001. S. 60.
8 Vgl. Kracauer, Siegfried, Theorie des Films. Die Errettung der äußeren Wirklichkeit, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1996. S. 315-322.
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unveränderte Aufnahme einer Theateraufführung. Ein eigenständiges Filmkunstwerk kann dagegen nur durch eine künstlerische Bearbeitung des literarischen Stoffes mit dem Ergebnis einer künstlerischen Neuerung entstehen und die drije Form ist die Bearbeitung einer Vorlage für das Zeichensystem des Mediums Film und wird Verfilmung genannt und stellt die gängigste Art der Literaturverfilmung dar. 9 Bei der Literaturverfilmung geht es also letztlich nicht darum, Literatur im Film zu bebildern, sondern Literatur in eine kinematographische Sprache umzuwandeln. Die Übersetzung eines literarischen Werkes in die Zeichensprache des Mediums Film hat entscheidende Folgen für den kommunika0ven Status der ursprünglichen Informa0onen der literarischen Vorlage. Was das literarische Original wie ein offenes Kunstwerk aus Angeboten, Möglichkeiten und Deutungen erscheinen lässt, muss in der filmischen Adap0on erheblich konkre0siert werden. Die handelnden Figuren, die Schauplätze und Ereignisse bekommen im Film eine feste Erscheinungsform. Das Unbes0mmte und Lückenhabe der Literatur wird im Zuge einer Audiovisualisierung verifizierbar. Doch auch wenn literarische Texte bei den meisten Filmadap0onen einen Großteil ihres ursprünglichen Aussagepotenzials einbüßen, so gewinnen sie gleichzei0g bei dieser filmischen Neuformulierung spürbar an Sinnlichkeit, denn was die Literatur in einzelne, begrifflich fixierte Sinnesnuancen zerteilt, wird im Gesamtkunstwerk Film zu einer Einheit.
Laut James Monaco funk0onieren Filme wie eine Sprache und können daher auch semio0sch untersucht werden. Die Semio0k ist die allgemeine Lehre von Zeichensystemen, welche aus der Verbindung von Signifikat als dem Bezeichneten und Signifikant, dem Bezeichnenden, besteht. Der Signifikant eines schriblichen Zeichens stellt zusammen mit dem Signifikat eine Vorstellung eines benannten Gegenstandes dar. Das Zeichen selbst ist nicht das von ihm Dargestellte, da es lediglich auf das von ihm Dargestellte verweist. Anders als beim geschriebenen oder gesprochenen Wort als Zeichen, dessen Verbindung zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem arbiträr ist, besteht die Besonderheit bei Filmen darin, dass Signifikat und Signifikant nahezu iden0sch sind, da das Bild eine direkte Beziehung zum Dargestellten hat. Ein Text zwingt den Leser dazu, sich das Benannte vorzustellen, doch beim Film wird bereits bei der visuellen Wahrnehmung Signifikat und Signifikant miteinander verknüpb, da der zu beschreibende Referent bereits gezeigt wird und damit keine Vorstellung übersetzt werden muss. Auf Grund dieser „Kurzschluss‐Zeichen“, bei denen die Übersetzungsarbeit scheinbar wegfällt, könne man annehmen, dass der Film leichter
9 Vgl. Estermann, Alfred: Die Verfilmung literarischer Werke. Bonn: H. Bouvier u. Co 1965. S. 205f.
Arbeit zitieren:
Thilo Fischer, 2010, Intermediale Transformation - "Das Parfum", München, GRIN Verlag GmbH
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