Inhalt
1 Einleitung 1
2 Die phonologische Informationsverarbeitung 3
2.1 Phonologische Verarbeitung im Gedächtnis 3
2.2 Die Komponenten des Gedächtnismodells im Einzelnen 4
2.2.1 Die phonologische Schleife 4
2.2.2 Der Räumlich-visuelle Notizblock 5
2.2.3 Der Episodische Puffer 5
2.2.4 Die zentrale Exekutive 6
2.3 Phonologische Informationsverarbeitung bei der Lautzuordnung und synthese 7
3 Bewusstheit und phonologische Bewusstheit 8
3.1 Definition der Bewusstheit. 9
3.2 Phonologische Bewusstheit. 11
4 Phonologische Bewusstheit im Zusammenhang mit Lese-Rechtsschreibprozessen 13
5 Diagnose und Trainingsmaßnahmen der phonologischen Bewusstheit 15
5.1 Diagnose der phonologischen Bewusstheit. 15
5.2 Training der phonologischen Bewusstheit 16
5.3 17
5.4 Anwendungsperspektive für den Beruf 18
6 Fazit 20
Literaturverzeichnis 23
1 Einleitung
Wie aktuell ist Piaget? Mit dieser Fragestellung befasst sich das Seminar aus dem Bereich der Entwicklungspsychologie, das im Wintersemester 2009/2010 an der Leuphana-Universität angeboten wurde. Forschungsgruppen zu Fördermaßnahmen, die sich auf die schulische Leistungsentwicklung von Kindern und Jugendlichen beziehen, ziehen ihre Erkenntnisse aus unterschiedlichen Ansätzen psychologischer Fachwissenschaften. Einerseits dienen kognitionspsychologische Theorien als Grundlage und Ausgangspunkt lernfördernder Trainingsprogramme, andererseits dringen die konstruktivistischen Ansätze Piagets seitens der Entwicklungspsychologie in schulische Förderprogramme ein. Mithilfe des Seminars soll nicht nur die vertiefende Auseinandersetzung mit diesen beiden elementaren Forschungsgebieten der Psychologie erzielt werden, auch die Differenzierung und die damit verbundene Ver-ortung der beiden Ansätze soll erlangt werden. Auf dieser Grundlage kann untersucht werden, welche Bedeutung die Ansätze Piagets in der heutigen Lernforschung haben.
Heute, fast ein Jahrhundert später beschäftigen uns die von Piaget aufgegriffenen Fragestellungen mehr denn je. Wie denkt das Kind? Auf welche Weise wird das Sprechen erlernt? Welches sind die sprachlichen Funktionen von Kindern? Piaget, der unter anderem auch Studien an seinen eigenen Kindern durchgeführt hat, befasste sich intensiv mit der Intelligenz- und Verhaltensforschung. Er zählt zu den Entwicklern und Vertretern des Konstruktivismus, der mit seinen Thesen den Behaviourismus in seinen Grundfesten erschütterte. Die Sprachentwicklung wird seither immer weiter erforscht. Unterschiedliche Fachdisziplinen beschäftigen sich heute eingehend damit, wie beispielsweise die Soziolinguistik, die Entwicklungspsychologie oder auch der Literaturdidaktik.
Ursprünglich elementare Forschungsansätze Piagets finden sich in moderner Fachliteratur kaum noch die Fußnotenangaben, die sich direkt auf ihn beziehen sind rar geworden. Im heutigen Kontext kommen seine Ideen und Untersuchungen noch subtil zum Einsatz, bzw. haben sich weitestgehend verselbstständigt und schwingen noch, an Erinnerungen gekoppelt, mit. Die Seminarteilnehmer haben die Aufgabe, ein für die aktuelle Schulpraxis relevantes Themengebiet vorzustellen und zu unter-
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suchen, dass an Piagets zum Teil weiterentwickelten Forschungen ansetzt. Unsere Gruppe befasst sich mit dem Gebiet der phonologischen Bewusstheit, weil diese uns als Studierende für das Lehramt mit dem Unterrichtsfach Deutsch in besonderem Maße begegnet und das Wissen auf diesem Gebiet unverzichtbar und äußerst praxisrelevant ist. Die vorliegende schriftliche Ausarbeitung geht folgender Fragestellung nach: Was ist die phonologische Bewusstheit, in welchem Zusammenhang steht sie mit Lese-Rechtsschreibprozessen und wie kann sie trainiert werden? In zunehmendem Maße werden auch durch die Forschung Störungsbilder evidenter, die namentlich im Schulalltag keine Seltenheit mehr darstellen. Als Lehrende sind wir immer mehr Fachgebieten und wissenschaftlichen Erkenntnissen im Praxisleben ausgesetzt und benötigen entsprechende Kompetenzen, auf diese Störungsbilder aufmerksam zu werden und den Eltern mit Rat und Tat dabei zur Seite zu stehen. Die Sprachentwicklungsstörungen, speziell Gebiete wie die Lese-Rechtschreib-Störung (LRS), stehen dabei im vordergründigen Interesse. Dieser Beitrag soll uns helfen, ein tieferes Verständnis der psychologischen Materie phonologische Bewusstheit zu erlangen und in Zukunft aufmerksamer und handlungsfähiger in dem Bereich zu sein, wenn uns Störungsbilder auf diesem Gebiet begegnen.
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2 Die phonologische Informationsverarbeitung
Inwieweit die phonologische Informationsverarbeitung mit dem Erlernen des Lesens und Schreibens zusammenhängt, beschäftigt Forscher seit über einem Jahrhundert. Treten bei Schülern anhaltende Schwierigkeiten im Lese-Rechtschreibprozess auf, müssen Experten sich daher fragen, ob die Ursache in einer Schwäche der phonologischen Verarbeitung im Gedächtnis zu finden ist. Hierfür wird sich im Nachfolgenden am Gedächtnismodell von Baddeley orientiert. Bereits 1974 erstellten Baddeley und Hitch ein Basismodell über die Verarbeitung und Lagerung von Informationen im menschlichen Gedächtnis, welches nach weiteren Studien im Jahr 2000 um den episodischen Bereich erweitert wurde (Wellenreuther, 2007, S. 81). Durch die andauernde Überarbeitung wird dieses Gedächtnismodell als eines der Bedeutsamsten angesehen und soll nachfolgend näher erläutert werden.
2.1 Phonologische Verarbeitung im Gedächtnis
Baddeley und Hitch versuchten anhand ihres Mehrkomponentenmodells aus dem Jahr 1990 die zentrale Exekutive des menschlichen Arbeitsgedächtnisses, die verschiedene Subsysteme koordiniert und leitet, tiefergehend zu erläutern. Ihre Aufgabe besteht darin, die Verteilung der Prioritäten der Arbeitsvorgänge zu regeln.
Abb. 1: Das Mehrkomponentenmodell nach Baddeley und Hitch (Wellenreuther, 2007, S. 81ff.)
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Die Aufgabe der einzelnen Komponenten besteht darin, phonologische, also sprachbezogene, und visuelle Informationen zu bearbeiten und Verknüpfungen von sprachlichen mit visuellen Informationen herzustellen (Baddeley, 1997, S. 418ff.). Demnach unterstehen der zentralen Exekutive, wie in Abbildung 1 dargestellt, drei Speichermodule:
o die phonologische Schleife (Phonological Loop),
o der räumlich-visuelle Notizblock (Visuospatial Sketchpad),
o der episodische Puffer (Episodic Buffer)
Baddeley ging in seinem Modell davon aus, dass sowohl sprachliche als auch visuelle Informationen von unterschiedlichen Bereichen, sogenannten Hilfssystemen des Arbeitsgedächtnisses, bearbeitet werden (Baddeley, 1997, S. 418ff.). Die Auseinandersetzung mit dem Mehrkomponentenmodell von Baddeley und Hitch ist Grundvoraussetzung dafür, sich dem Themenbereich der phonologischen Bewusstheit widmen zu können, da die Aufgabe der phonologischen Schleife eine bedeutende Rolle spielt. Zum besseren Verständnis werden die einzelnen Komponenten im nachfolgenden Kapitel kurz beschrieben.
2.2 Die Komponenten des Gedächtnismodells im Einzelnen
2.2.1 Die phonologische Schleife
Wie bereits erwähnt, besteht die Aufgabe der phonologischen Schleife darin, sprachliche Informationen sowohl zu speichern als auch zu verändern. Nach Baddeley ist die phonologische Schleife in zwei Bereiche unterteilt: Den passiven phonologischen Speicher, der eine Sprache in Form von Lauten abspeichert und den artikulatorischen Kontrollprozess, der gesprochene Informationen durch inneres Sprechen, dem soge- e- langtsofort in den passiven phonologischen Speicher, da dort sämtliche Laute der Sprache abgelegt sind. Er speichert auf Sprache basierendes Informationsmaterial ungefähr über einen Zeitraum von zwei Sekunden (Wellenreuther, 2007, S. 82f.). So wird demnach bei einer akustischen Reizung das Material auf bekannte Merkmale hin untersucht und, je nach Umgang mit dem sprachlichen Material, durch Wiederholungen im Anschluss im phonologischen Kurzzeitspeicher behalten oder vergessen. Besonders für schulisches Lernen ist dieser Kontrollprozess von elementarer Bedeutung, damit die neuen Informationen nicht verblassen. Gerade bezüglich des
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Leseerwerbs spielt die Wiederholung eine tragende Rolle: Leseanfänger wiederholen bei der Synthese eines Wortes häufig den bereits erlesenen Wortanfang (z.B.: [l]-[la][lam]-[lamp]-[lamp olung, das
bereits Gelesene nicht wieder zu vergessen. Auch die Phonem-Graphem-Korrespondenz, wonach sprachlichen Lauten Schriftzeichen zuzuordnen sind, findet in der phonologischen Schleife statt. Visuelle schriftsprachliche Informationen dagegen müssen, im Unterschied zu lautsprachlichen Informationen, zunächst kodiert und in ihre entsprechende phonetische Form umgewandelt werden. Das ständige innere Sprechen erhält die Informationen und schützt sie vor dem Verblassen, da die Erinnerungen hierdurch aufgefrischt werden (Baddeley, 1997, S. 52ff.). Diese Erkenntnisse weisen auf die Notwendigkeit einer intakten phonologischen Schleife hin, die eine Verbindung zum Langzeitgedächtnis herstellt. Bereits eine geringe Störung auf diesem Gebiet kann enorme Auswirkungen auf die Sprach-, Lese- oder Schreibentwicklung des Kindes haben. Ebenso wie die phonologische Schleife ist auch der räumlich-visuelle Notizblock an das Langzeitgedächtnis gebunden. Seine Funktion wird im nachstehenden Kapitel erläutert.
2.2.2 Der Räumlich-visuelle Notizblock
Der räumlich-visuelle Notizblock ist für das vorübergehende Speichern von räumlichen und visuellen Informationen verantwortlich und, ebenso wie die phonologische Schleife, ein System mit begrenzter Kapazität. Er ist zuständig für die Manipulation von visuellen und räumlichen Informationen. Die begrenzte Kapazität zeigt sich am offensichtlichsten an dem Effekt der Veränderungsblindheit, wonach man sich nur eine bestimmte Anzahl von Objekten merken kann. Die Verarbeitungssysteme für räumliche (z. B. Objektposition, -bewegung) und visuelle (z. B. Form, Farbe) Informationen innerhalb des räumlich-visuellen Notizblocks werden getrennt bearbeitet. So lässt sich die räumliche Wahrnehmung kaum durch visuelle Aufgaben stören (ebd.). Auch wenn der räumlich-visuelle Notizblock im Hinblick auf die phonologische Bewusstheit eher eine zweitrangige Verbindung hat, muss seine Aufgabe doch als Teil eines Gesamtkonstrukts verstanden werden. Die Phänomene des episodischen Puffers dagegen stehen weit mehr im direkten Zusammenhang mit der phonologischen Bewusstheit und werden im folgenden Kapitel benannt.
2.2.3 Der Episodische Puffer
Im Verlauf seiner jahrelangen Forschungen bemerkte Baddeley Effekte, die sich mit dem ursprünglichen Drei-Komponenten-Modell aus dem Jahr 1974 nicht mehr erklären ließen. Anhand von kontrastiven Untersuchungen gesunder Menschen und Men-
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Arbeit zitieren:
Bettina Freude-Schlumbohm, 2010, Definition und Training der phonologischen Bewusstheit, München, GRIN Verlag GmbH
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