Inhalt
1. Einleitung 1
2. Die Begriffe Legasthenie und LRS 2
2.1 Von der Legasthenie zur LRS 2
2.2 Definitionen 3
2.3 Mögliche Anzeichen einer Legasthenie und einer LRS 4
2.3.1 Anzeichen für Legasthenie 4
2.3.2 Anzeichen für eine LRS 4
2.4 Mögliche Fördermaßnahmen 5
3. Informationen zum getesteten Kind 6
3.1 Zur Wahl des getesteten Kindes 6
3.2 Private und schulische Gegebenheiten des getesteten Kindes 7
3.2.1 Die Wohnsituation 7
3.2.2 Die familiäre Situation 8
3.2.3 Die Schulsituation 8
3.2.4 Die Klassensituation 9
4. Die Hamburger Schreibprobe (HSP) 10
5. Durchführung und Auswertung der HSP 13
6. Der Teufelskreis Lernstörung 17
6.1 Interpretation des Wirkungsgefüges 19
6.1.1 Pädagogischer Teufelskreis 19
6.1.2 Innerpsychischer Teufelskreis 19
6.1.3 Sozialer Teufelskreis 19
6.2 Konzentrationsschwäche 20
7. Förderplan 21
8. Einleitung erster Schritte 24
9. Fazit 25
Literaturverzeichnis 28
1. Einleitung
Die vorliegende Fallstudie entstand im Rahmen der von uns im Sommersemester 2008 be- suchtenVeranstaltung „Grundlagen von Diagnostik, Beobachtung, Beratung und individueller Lernförderung“. Hier wurden unterschiedliche Diagnoseverfahren zu den bei Schülern vorkommenden Lernstörungen wie beispielsweise Dyskalkulie, Legasthenie oder Lese-Rechtschreibschwäche vorgestellt und über spezielle Fördermaßnahmen diskutiert.
Jedes Kind hat seine eigenen Strategien, sich Wissen anzueignen und gerade für uns, als angehende Lehrerinnen ist es von großer Bedeutung, diese Strategien zu entschlüsseln und sie für den Unterricht zur weiteren individuellen Förderung eines jeden Schülers zu nutzen. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Diagnoseverfahren ist die Basis, um eine eventuell vorliegende Lernstörung rechtzeitig festzustellen und dient des weiteren einer Sensibilisierung für den richtigen Umgang nicht nur mit den betroffenen Schülern sondern auch mit den Eltern. Für viele dieser Kinder ist die Schule ein Alptraum, da sie Probleme mit dem Lesen und insbesondere der Rechtschreibung haben, denn oftmals findet keine gezielte Förderung statt, sondern es werden falsche Maßnahmen ergriffen und die Kinder dadurch noch zusätzlich unter Druck gesetzt. Und auch die Eltern verzweifeln häufig: Trotz täglicher Übungen verbessert sich ihr Kind nicht, die Noten werden immer schlechter und das Ergebnis ist letztendlich, dass ihr Kind nicht in die nächste Klassenstufe aufsteigen kann. In der Diagnostik wird zunächst der Förderbedarf festgestellt und die nachfolgende Therapie sollte bei den Stärken des Schülers ansetzen. Basierend auf der Aussage der Lehrerin, unsere Schülerin Lena sei Legasthenikerin, haben wir uns für die Anwendung der Hamburger Schreibprobe, kurz HSP genannt, entschieden, die der Diagnose verwendeter Rechtschreibstrategien und dem Erkennen einer möglichen Leseschwäche dient. Im ersten Teil werden wir als Hinführung zu unserem eigentlichen Thema Rechtschreibstörung und Rechtschreibförderung die Begriffe Legasthenie und Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) erklären. Nachfolgend werden wir das getestete Kind und dessen private, soziale und schulische Umgebung beschreiben und das Diagnoseverfahren der angewendeten HSP vorstellen. Im Anschluss werten wir die HSP aus und werden einen speziellen Förderplan für Lena erstellen.
1
2. Die Begriffe Legasthenie und LRS
Da uns von der Klassenlehrerin des getesteten Mädchens mitgeteilt wurde, dass das Kind Legasthenikerin sei, mussten wir zunächst für uns klären, was Legasthenie ist und welche Merkmale diese auszeichnet. Erst wenn man weiß, wie sich diese Schwäche definieren lässt und was es für Symptome gibt, kann diese Schwäche anhand von Tests bestätigt oder widerlegt werden.
2.1 Von der Legasthenie zur LRS
Mit dem Begriff „Legasthenie“ werden unterschiedliche Bedeutungen verbunden und kaum
ein Phänomen ist innerhalb der Erziehungswissenschaften so gründlich erforscht. Und trotzdem gibt es keine Einhelligkeit in Bezug auf die Ursachenerklärung. Das klassische Legastheniekonzept wurde 1916 von dem ungarischen Kinderarzt und Psychiater Paul Ranschburg geprägt. Abgeleitet aus den griechischen Wörtern
Heutzutage wird die Legasthenie vielmehr als deskriptiver Begriff zur Beschreibung unterschiedlicher Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben verwendet. Nach einer Empfehlung der Kultusministerkonferenz im Jahr 1978, sollte die Bezeichnung Legasthenie aufgegeben und durch den Begriff „Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten“ (LRS) ersetzt werden. 2 Diese Abgrenzung findet sich auch in den Erklärungsversuchen Ranschburgs. Er empfahl, dass bei Legasthenie nur der heilpädagogische Unterricht und nicht eine einseitige medizinische The- rapiezum Ziel führen könne. Darunter verstand er die „in die richtigen Wege in richtiger Weise geleitete Übung der Funktion als eigentlich heilenden Faktor.“ 3 Dies zeigt, dass die
1 Valtin (2000), S. 16ff
2 ebd., S. 29
3 ebd.
2
ursprüngliche Verwendung des Begriffs Legasthenie besonders in der heutigen Zeit weder brauchbar noch sinnvoll ist.
2.2 Definitionen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Legasthenie folgendermaßen:
„Legasthenie bezeichnet eine umschriebene Störung im Erlernen der Schrift- sprache,die nicht durch eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklungs-, Milieu- oder Unterrichtsbedingungen erklärt werden kann. Vielmehr ist die Legasthenie das Ergebnis von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und/oder der sensorischen Integration, bei denen es sich um anlagebedingte und/oder durch äußere schädigende Einwirkungen entstandene Entwicklungsstörungen von Teilfunktionen des zentralen Nervensystems han- delt.“ 4
Jedoch grenzt auch die WHO die Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit per Definition von der Legasthenie ab, denn zahlreiche Studien der letzten Jahrzehnte ergaben, dass der Begriff der Legasthenie sich nicht spezifisch auf jede Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit anwenden lässt.
„Die Begriffe Legasthenie, Dyslexie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Lese-Rechtschreibstörung oder kurz LRS haben für viele Menschen die gleiche Bedeutung. Als Ursache der Legasthenie werden Wahrnehmungsstörungen angenommen, während eine LRS auch bei nicht wahrnehmungsgestörten Kindern vorliegen kann, die beispielsweise Unterricht versäumt haben. Bei einer leichten LRS kann guter Nachhilfeunterricht zu Erfolgen führen; bei Legasthenie ist in jedem Fall eine integrative Lerntherapie angezeigt.“ 5
Doch auch die WHO stellt, wie auch schon Ranschburg, fest, dass es kein einheitliches Erscheinungsbild der Legasthenie gibt und eine Therapie individuell auf jeden betroffenen Schüler zugeschnitten sein muss. Wie auch bei einer diagnostizierten LRS müssen sich demnach auch die angewendeten Methoden nach den Lernvoraussetzungen des Schülers richten. In der Diagnostik wird nunmehr der Förderbedarf festgestellt und in dem darauf basierenden
4 Quelle: http://www.iflw.de/wissen/was_ist_legasthenie.htm (Stand: 08.11.2008, 17:40 Uhr)
5 ebd.
3
Förderplan an die Stärken des Schülers angeknüpft, denn nur so wird wieder Vertrauen in die eigene Kompetenz geschafft und Versagensängste determiniert. 6
2.3 Mögliche Anzeichen einer Legasthenie und einer LRS
Betroffene Kinder zeigen unterschiedliche Anzeichen einer möglicherweise vorhandenen Legasthenie oder einer LRS. Lehrpersonen müssen daher eindeutig klar differenzieren und die Anzeichen zuordnen können. Nachfolgend stellen wir die unterschiedlichen Anzeichen sowohl für Legasthenie als auch für eine LRS dar, um in den nachfolgenden Kapiteln die vor-handenen oder nicht vorhandenen Anzeichen unserer Testperson zuordnen zu können. Diese Anzeichen können, müssen aber nicht zwangsläufig zusammen auftreten, was daher eine eindeutige Klassifizierung erheblich erschwert.
2.3.1 Anzeichen für Legasthenie
x
auffallend große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
x
x x x
Schwierigkeiten beim Erinnern von Reihenfolgen
x
x x
häufige Verwechslung ähnlicher Wörter, Buchstaben oder Buchstabenfolgen
x
Probleme beim Abschreiben von der Tafel, sowie beim Niederschreiben von Gehörtem
x
für Schreibarbeiten wird überdurchschnittlich lange gebraucht
7
2.3.2 Anzeichen für eine LRS
x
x x 6 Quelle: http://www.iflw.de/wissen/was_ist_legasthenie.htm (Stand: 08.11.2008, 17:45 Uhr)
7 http://www.iflw.de/wissen/was_ist_legasthenie.htm#M%C3%B6gliche%20Anzeichen%20einer%20Legastheni
e (Stand: 09.11.2008, 10:50 Uhr)
4
x
Schwierigkeiten, einfache Wortreime zu bilden (Bsp.: Haus/Maus)
x
später Auslassen, Ersetzen, Verdrehen oder Hinzufügung von Wörtern oder Wortteilen beim Vorlesen
x
x x x x x x 2.4 Mögliche Fördermaßnahmen
Ist eine Legasthenie oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit diagnostiziert worden, sollen diese Kinder laut LRS-Erlass vom 18.12.1997 9 eine angemessene individuelle Förderung erhalten. Im Rahmen einer Klassenkonferenz und unter Berücksichtigung der Meinung der Eltern wird eine Entscheidung über die Art, den Umfang und mögliche Dauer der zusätzlichen Förderung getroffen. Der Umfang der Förderung sollte mindestens drei Monate betragen, wobei die Gruppengröße mindestens vier, jedoch höchstens acht Kinder betragen sollte. 10
Auch die Note bei schriftlichen Arbeiten, vor allem bei Diktaten, kann ausgesetzt und durch eine verbale Beurteilung ersetzt werden. Dies sollte nach Absprache auch mit den Eltern entschieden werden. Doch wird die LRS bei der Versetzungsentscheidung berücksichtigt? Es kann beispielsweise in den Teilbereichen Lesen und/oder Rechtschreiben auf dem Versetzungszeugnis vermerkt werden, dass
"Der Schüler/ die Schülerin [ist] aufgrund deutlicher Schwächen im Lesen und/oder Rechtschreiben auf Beschluss der Klassenkonferenz in besondere Fördermaßnahmen einbezogen [ist]. Die Lese- und/oder Rechtschreibschwäche wurde bei der Festsetzung der Gesamtnote im Fach Deutsch zurückhaltend ge- wichtet.“
8 Quelle: http://www.lvls.de/faq.html#Was%20versteht%20man%20unter (Stand: 10.11.2008, 21:30 Uhr)
9 Quelle: http://www.lvl-nrw.org/content/material/lrs-erlass/ (Stand: 10.11.2008, 21:50 Uhr)
10 Quelle: http://www.lvls.de/faq.html#Was%20versteht%20man%20unter (Stand: 10.11.2008, 22:05 Uhr)
5
Ein Eintrag in dieser Form ist von besonderer Bedeutung im Zuge der Versetzung auf weiterführende Schulen, welche die LRS berücksichtigen können und sollen. 11
Viele Kinder sind erleichtert über eine Erklärung für ihre Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten und dankbar für jede gezielte Förderung. Jedoch muss jede Fördermaßnahme kontinuierlich daraufhin überprüft werden, ob mit ihr das angestrebte Ziel, die Verbesserung der Lesefähigkeit und Rechtschreibsicherheit, erreicht werden kann. Damit die Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler aufgebaut und erhalten wird, ist die konsequente positive Rückmeldung auch über kleine Lernfortschritte erforderlich und ist kein Leistungszuwachs festzustellen, müssen die gewählte Methode und gegebenenfalls das Förderkonzept geändert werden. Die Förderkurse sollen kontinuierlich stattfinden und sollten möglichst nicht im Anschluss an den Unterricht durchgeführt werden, denn sie dürfen nicht zu einer unzumutbaren Belastung der Schülerin oder des Schülers führen.
3. Informationen zum getesteten Kind
Bei der Darstellung des für diese Fallstudie getesteten Kindes haben wir aus datenschutzrechtlichen Gründen die damit zusammenhängenden persönlichen und schulischen Informationen anonymisiert.
3.1 Zur Wahl des getesteten Kindes
Im Rahmen des von uns durchgeführten 4-wöchigen Praktikums im Sommersemester 2008 hospitierten wir in unterschiedlichen Klassen an unterschiedlichen Schulen. Die Entscheidung, Lena zu diagnostizieren, fällten wir aufgrund der für die Weiterarbeit günstigen Rahmenbedingung. Lena ist 11 Jahre alt und besucht die 5. Klasse einer Haupt- und Realgesamtschule. Bereits vor den Sommerferien 2008, also vor der Versetzung in die nächste Klassenstufe, trat Lenas Mutter mit der Bitte an uns heran, ihr einmal in der Woche, auch in den Ferien, Nachhilfe für das Fach Deutsch zu erteilen. Sie erhoffte sich eine Verbesserung der schriftlichen Arbeiten im Fach Deutsch, da sich Lenas Noten in diesem Fach, insbesondere im vergangenen Halbjahr, erheblich verschlechtert haben. Auch die Förderung durch die Eltern brachte keinen merkbaren Erfolg. Vielmehr kam es dadurch verstärkt zu einer Totalverweigerung und vorherrschenden Lernblockade. Daher kam sie auf die Idee, uns als außenstehende
11 ebd.
6
Arbeit zitieren:
Bettina Freude-Schlumbohm, 2009, Fallstudie - Grundlagen von Diagnostik, Beobachtung, Beratung und individueller Lernförderung, München, GRIN Verlag GmbH
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