1 Einleitung
Vielleicht lag es daran, dass ich ein verwirrter Jugendlicher war, aber in diesem Jahrzehnt
hatte man das Gefühl, es sei der Anfang von allem und das Ende von allem. Aber als es
vorbei war und die Uhr weitertickte, rein ins nächste Jahrzehnt, kam das deutliche Gefühl,
dass es weitergehen sollte. 1
Mit diesem Zitat von Ray Davies beginnen Crampton und Rees ihre Ausführungen zum Thema Rock- und Popmusik der 1960er Jahre. Es soll auch bei dieser Referatsausarbeitung, die sich im Rahmen des Hauptseminars „Literatur der 1960er Jahre: Popliteratur“ mit dem Aspekt der „Popmusik der 1960er Jahre“ beschäftigt, als Einstieg in das Thema dienen. Im Folgenden soll zuerst die literarische Gattung der Popliteratur kurz erläutert werden, bevor sich eine spezielle Definition der Popmusik der 1960er Jahre daran anschließt. Im weiteren Verlauf folgt dann ein historischer Überblick, der damit einhergeht, dass wichtige Ereignisse der Popmusik der 1960er Jahre dargelegt werden. In Zusammenhang damit soll auch geklärt werden, was letztendlich den „Niedergang“ dieser Ära eingeleitet hat. Im Anschluss folgt eine Betrachtung der Beatles als Mitbegründer der Popkultur, bevor letztendlich im Schlussteil erklärt wird, wie sich die Situation der Popmusik nach 1960 verändert hat.
2 Kurz-Definition Popliteratur
Die Popliteratur ist eine literarische Gattung. Sie ist eine „an den Begriff Pop-Art angelehnte Bezeichnung für die Literatur der so genannten Pop-Kultur.“ 2 Dabei muss zwischen zwei Arten von Popliteratur unterschieden werden. Zum einen spricht man von Popliteratur als „populäre Unterhaltungsliteratur“ 3 und zum anderen als „eine Literatur, die mit provokanter Exzentrik, Monomanie, Obszönität, Unsinnigkeit und Primitivität“ 4 gegen die oben genannte Art der Unterhaltungsliteratur gerichtet ist, wobei sich die Popliteratur hier selbst als „Gegen-Kunst“ 5 zu der bereits vorhandenen Literatur und als Anti-Haltung gegenüber dem Elitarismus der Kunst begreift.
Die Popliteratur findet ihre Ursprünge in der Beat Generation der 1940er und 1950er Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das Wort Pop trägt hier die Bedeutung popular (dt. populär), was als volkstümlich, für das Volk, weit verbreitet oder beliebt übersetzt werden kann. Es lässt sich jedoch auch auf den Laut pop zurückführen, „der soviel wie
1 Crampton/Rees 2003, S.90.
2 Metzler 1990, S.359.
3 Metzler 1990, S.359.
4 Metzler 1990, S.359.
5 Metzler 1990, S.359.
3
Zusammenstoß, Knall“ 6 bedeutet. Es handelt sich hierbei um eine umfassende Strömung, die für die breite Masse zugänglich gemacht werden soll und daher oft trivial oder billig erscheint. Mit Hilfe der Popliteratur soll außerdem die Entscheidung zwischen Unterhaltung und Ernst in der Literatur unterbunden und dadurch eine Vereinigung beider Aspekte herbeigeführt werden. Pop wird ferner in den 1960er Jahren als Phänomen einer Jugendkultur verstanden und findet diverse Vorläufer im 20. Jahrhundert beispielsweise im Jazz oder in der Kunst im Dadaismus.
Einige Gründe für die Entwicklung der Popliteratur sind die Werte einer ganzen Generation, die Massenkultur als Subkultur und sowohl Verweigerung als auch Ironisierung. Zu Beginn war diese Art der Literatur eine Infragestellung des „Sinn[s] einer hochkulturellen, bürgerlichen Literatur“ 7 , an der die Bevölkerung nach zwei Weltkriegen und anderen politischen Geschehnissen zu zweifeln begann. Jedoch hat sich der Begriff des Pop in den 1990er Jahren zunehmend entpolitisiert und ist nicht mehr primär als der Widerstandsbegriff zu sehen, der er einst war, sondern vielmehr als eine Literatur der „jungen Wilden“, die ein „junges, kaufkräftiges Publikum“ 8 anspricht. Da sich die Jugendkultur der 1960er Jahre jedoch nicht einzig und allein durch Parolen, Bücher oder ein Lebensgefühl ausdrückt, sondern auch durch die Musik, über die sich eine ganze Generation von Jugendlichen neu definiert, soll darauf im Folgenden eingegangen werden. Es wird dabei gezeigt, welchen Einfluss die Popmusik auf die Jugend dieser Zeit hat und wie sie ihren „Niedergang“ gegen Ende der 1960er Jahre nimmt.
3 Definition Popmusik
Bevor sich eingehend mit dem geschichtlichen Überblick und den mehr oder minder bedeutenden Ereignissen der 1960er Jahre beschäftigt wird, sollte zunächst eine Definition des Begriffs „Popmusik“ stattfinden.
Die Ursprünge der Popmusik lassen sich auf das 19. Jahrhundert zurückführen und sind in der afroamerikanischen Musik zu finden. Diese entstand schon zu früherer Zeit, wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert schriftlich dokumentiert. Die uns geläufige Variante dieser Musik wird Blues genannt. Aus dem Blues bilden sich Jazz und Rhythm ´n` Blues, der wiederum der Vorläufer des Rock ´n` Roll ist. Letztlich bildet sich daraus dann die Popmusik. Diese musikalische Entwicklung hat sich unter dem Einfluss der geschichtlichen Geschehnisse im 20. Jahrhundert vollzogen und wird hauptsächlich von einer
6 Ernst 2001, S.7.
7 Ernst 2001, S.6.
8 Ernst 2001, S.7.
4
Bevölkerungsschicht, den Jugendlichen, getragen. Dabei war es der jugendlichen Generation wichtig, sich nicht nur äußerlich sondern auch musikalisch von den Erwachsenen abzuheben. Um die Bedeutung des Wortes „Pop“ zu klären, ist es unzureichend zu sagen, dass es einzig von „popular“ hergeleitet wird, „da der onomatopoetische […] Eigenwert dieser Silbe mit jenem schillernden Bedeutungsspielraum zwischen Protest, Scherz, Kunstanspruch, extravagantem Konsum usw. dabei verloren geht.“ 9 Popmusik ist bei der Bevölkerung nur deshalb so populär, weil sie keinen Bildungsanspruch stellt und es um den kommunikativen Zweck geht, nicht nur um die Unterhaltung, sondern auch um die Aussagekraft der Texte. „Die populäre Musik entwickelt sich […] aus der Suche der urbanen Bevölkerung nach einer Ablenkung von der durch die Industrialisierung erzeugten Entfremdung.“ 10 Das Volk sucht verstärkt nach etwas, das sie tröstet und von ihren Sorgen und Problemen ablenkt. Durch die stetig anwachsende Musikindustrie wird die Popmusik jedoch auch bald für die ländliche Bevölkerung zugänglich gemacht und dadurch immer weiter verbreitet. Diederichsen äußert sich dazu folgendermaßen: „Pop-Musik kommt immer in zwei Formen vor, das gilt bis heute: als Vertretung und als Versprechen.“ 11 Dies soll nochmalig unterstützen, dass Popmusik entweder den Eintritt in die Welt generell ermöglicht oder den Menschen eine andere Welt vorgaukelt und ihnen durch das Hören der Musik ein Zugehörigkeitsgefühl zu dieser Welt verspricht. Die Jugendlichen der 1960er Jahre beginnen sich mit dem, was sie in den Texten der Lieder hören, zu identifizieren. Zu dieser Zeit kann Popmusik als Jugendmusik definiert werden, macht jedoch bald einen Bedeutungswandel durch, und wird später oft als Trivialmusik bezeichnet.
Als eines der häufig aufgeführten Merkmale der heutigen Popmusik ist die „Ausrichtung auf ein breites Publikum, […] die vornehmlich der Unterhaltung dient und kommerzielle Absichten verfolgt“ 12 zu nennen, da eine große Hörerschaft erreicht werden soll. Die Popmusik wird erst dadurch so populär, dass sie sich aus Strophen zusammensetzt, die einen wiederkehrenden Refrain beinhalten und eine eingängige Melodie aufweisen. Der Rhythmus ist meist einfach und somit an das zu erreichende Publikum angepasst. Diese Merkmale lassen sich aus der Musik der Beatles herausfiltern und gehen durch sie in die allgemeine Definition der Popmusik ein. Im nun folgenden geschichtlichen Überblick soll aufgezeigt werden, wie die Jugendlichen sich durch die Musik und die Ereignisse der 1960er Jahre beeinflussen lassen und wie wichtig ihnen die Identifikation mit ihrer Musik ist.
9 Dahlhaus/Eggebrecht 1979, S.407.
10 Seiler 2005, S.41.
11 Diederichsen, Sexbeat, S. XXVII in: Seiler 2005, S.40.
12 Fifka 2007, S.18.
5
Arbeit zitieren:
Susanne Flohr, 2009, Popmusik , München, GRIN Verlag GmbH
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