Zeit um in die Stratosphäre zu gelangen und mit einer gewissen Zeitverzögerung (fünf bis zehn Jahre) auch in der Stratosphäre. Daraus folgt, dass die 2010 gemessene Chlorbelastung zehn Jahre zuvor um das Jahr 2000 entstanden ist. Da durch die Industrie immer mehr Ozonabbauende Gase freigesetzt werden, wird das Gleichgewicht zwischen Ozonaufbau und Abbau empfindlich gestört und es wird nun deutlich mehr Ozon abgebaut, als aufgebaut wird. 1
Hinzu kommt, dass die emittierten Stoffe sehr lange atomsphärische Lebensdauern haben (bis zu 100 Jahren) und dass diese somit über ihre lange Lebensdauer immer weiter Ozon abbauen. 2 FCKWs entstehen hauptsächlich als Treibgase durch die Benutzung von Spraydosen, aus Kühlaggregaten sowie bei der Anwendung als Lösungs- und Blähmittel für Schäume. 3 Bromquellen dagegen werden hauptsächlich durch Feuerlöscher, sowie durch die Bodenbegasung als Pestizid und bei der Verbrennung von bleihaltigem Benzin freigesetzt. 4 Die Auswirkungen der stratosphärischen Ozonabnahme sind bezüglich des thermischen Haushaltes der Erde zu vernachlässigen, es wird lediglich eine geringe Abkühlung bemerkt, welche sich nicht dramatisch auf das Ökosystem der Erde auswirkt. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass der Ozonabbau die UV-Strahlung in der Stratosphäre weniger absorbiert und diese somit verstärkt auf die Erde treffen. Peter Fabian beschreibt, dass nach bisherigen Messreihen die UV-B Strahlung auf der Erde in mittleren Breitengraden um 20-30% zugenommen hat.
Dies hat weitreichende Folgen für das Ökosystem der Erde, das Pflanzenwachstum wird durch die höhere Strahlung zwar angekurbelt, jedoch wirkt sich die Strahlung negativ auf die DNA der Pflanzen aus. Für den Menschen kann eine höhere Strahlung zu Hautrötungen bis hin zu Hautkrebs führen. 5
Internationale Koordination zum Schutze der Ozonschicht
Bereits 1974 schockierten Molina und Rowland die Weltöffentlichkeit mit ihrer Hypothese über die Zerstörung der Ozonschicht, welche durch die Freisetzung großer Mengen an
1 Vgl. Kappas [Klimatologie], Kap. 4.2.3, S. 175ff.
2 Vgl. Fabian [Leben im Treibhaus], Kap. 5.5.1, S. 171.
3 Vgl. Fabian [Leben im Treibhaus], Kap. 5.5.1, S. 170.
4 Vgl. Kappas [Klimatologie], Kap. 4.2.3, S. 177.
5 Vgl. Fabian [Leben im Treibhaus], Kap. 5.5.4, S. 178ff.
2
Fluorkohlenwasserstoffen (FCKW) bedingt ist. 6 In den siebziger Jahren wurden jährlich ca. 700.000 Tonnen FCKWs in die Atmosphäre emittiert. Durch die hervorragenden Eigenschaften als Treibgas, Kälte, Lösungs- und Schäumungsmittel ist die weltweit produzierte Menge an FCKWs jährlich um ungefähr 10% angewachsen. Messungen zu der Zeit beweisen, dass die abgegebenen Gase in die Stratosphäre wandern und sich dort festsetzen, allerdings konnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewiesen werden, dass die Ozonschicht tatsächlich durch FCKWs angegriffen wird, da die Ozonschichtdicke starken natürlichen Fluktuationen unterliegt. In Folge der veröffentlichten Hypothese wurden in einigen Ländern, darunter den Vereinigten Staaten, Kanada, Schweden und Norwegen die FCKW-Treibgase in Sprühdosen zu 90% verboten. Die Mitgliedsstaaten der europäischen Gemeinschaft legten dagegen nur fest, die jährlich produzierten Mengen nicht weiter ansteigen zu lassen. 7
Diese Maßnahmen wurden international allerdings als Einzelmaßnahmen verschiedener Staaten gesehen um ein globales Umweltgut zu schützen. 1977 wurde der sogenannte „World Plan of Action“ verabschiedet, das UN-Umweltprogramm (UNEP) wurde zur
Dachorganisation bestimmt. Des Weiteren wurde ein „Co-ordinating Committee on the Ozone Layer“, bestehend aus Staaten mit eigenen Forschungsprogrammen, internationalen Organisationen und einigen Nichtregierungsorganisationen, eingeführt. Ziel dieses Komitees war es, die wissenschaftlichen Grundlagen des Problems zu bewerten. Das Problem der Zerstörung der Ozonschicht wurde somit ein international anerkanntes Problem, ohne jegliche international abgestimmte Maßnahmen. In den folgenden Jahren war der Verbrauch der FCKWs zurückgegangen, gefolgt von einem weiteren Anstieg gegen Ende der siebziger Jahre, bedingt durch Zuwächse in anderen Anwendungsbereichen, in welchen FCKWs sich nur kostspielig ersetzten lassen. Die UNEP sah sich dadurch gezwungen eine Empfehlung zur Reduzierung des FCKW Verbrauchs zu verabschieden, der erste Schritt zu koordinierten internationalen Maßnahmen zum Schutze der Ozonschicht. 1981 traf die UNEP die Entscheidung eine Arbeitsgruppe zu beauftragen, die eine Rahmenkonvention zum Umgang mit FCKWs erstellen sollte, welche 1985 in Wien unterschrieben wurde. Allerdings wurden zu diesem Zeitpunkt noch keine verbindlichen Reduktionsverpflichtungen bestimmt, somit war immer noch keine Lösung bezüglich der Zerstörung der Ozonschicht gefunden. Die Staaten einigten sich jedoch darauf, innerhalb von
6 http://www.unep.org/ozone/pdf/stratopheric.pdf, Abruf am 08.07.2010 um 13:37Uhr.
7 Vgl. Fabian [Leben im Treibhaus], Kap. 6.1, S. 200ff.
3
zwei Jahren konkrete Maßnahmen zu erarbeiten und diese auf der nächsten Konferenz vorzutragen.
1987 wurde schließlich das Montrealer Protokoll unterzeichnet, welches das Verbrauchsniveau von FCKW innerhalb von 12 Jahren um 50% senken und den Halon-Verbrauch auf dem Stand von 1986 halten soll. Hierbei wird zwischen Industrialisierten und Entwicklungsländern unterschieden. Industrialisierte Länder müssen weitaus früher die Produktion von FCKWs sowie Halonen abschaffen, während Entwicklungsländer längere Zeitspannen bis hin zur Abschaffung bekommen. Problematisch dabei war allerdings, dass das Montrealer Protokoll nur die Begrenzung von gewissen Ozonschädigen Stoffen vorsah und nicht von allen. Des Weiteren wurde vermutet, dass selbst bei Durchsetzung der getroffenen Entscheidungen nicht einmal die Stabilisierung der Ozonschicht auf dem bestehenden Niveau gewährleistet werden könne, somit bestand noch weiterer Handlungsbedarf. In Folge des Montrealer Protokolls reagierte die Industrie sehr schnell und die Spitzenwerte bei dem Verbrauch von Halonen und FCKWs wurden bereits 1987, dem Jahr der Unterzeichnung des Protokolls, erreicht. Die zu erreichenden Ziele wurden sehr schnell umgesetzt und die Benutzung von FCKWs und Halonen sank rapide ab. 8 Möglicherweise wurde diese rasante Umsetzung auch durch externe Faktoren bedingt, auf die die Politik keinen Einfluss hat, wie beispielsweise die Entdeckung des Ozonloches über der Antarktis im Jahr 1985, die der Weltöffentlichkeit erstmals aufzeigte, wie sich die Ozonschicht durch den Eingriff des Menschen verändert hatte. 9 Des Weiteren wurde durch die Vertragsunterzeichnung des Montrealer Protokolls deutlich, dass die Lebenszeit von Halonen und FCKWs abgelaufen war, dadurch lohnten sich für die Unternehmen kostspielige Investitionen in die Erzeugung von Alternativen und die Ozonabbauende Stoffe wurden kaum mehr in der industriellen Fertigung benutzt.
1990 schließlich, wurde bei einer Konferenz in London eine starke Verschärfung des Montrealer Protokolls unterzeichnet, der die Reduktionsmaßnahmen zeitlich beschleunigte und einige, im vorherigen Protokoll nicht beachteten, Stoffe mit einbezog. Es wurde ein vollständiges Verbot für viele Ozonabbauende Stoffe ab dem Jahre 2000 beschlossen. Im Jahre 1992 wurden die Zielwerte abermals stark unterschritten, so dass sich die Unterschreiberstaaten, in Kopenhagen, darauf einigten, das Protokoll einmal mehr zu
8 Vgl. Brauch [Klimapolitik], Kap. 4.2.1 und 4.2.2, S. 52ff.
9 Vgl. Fabian [Leben im Treibhaus], Kap. 5.5.2, S. 173.
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Arbeit zitieren:
Christophe Gouin, 2010, Ist das Problem der Zerstörung der Ozonschicht gelöst?, München, GRIN Verlag GmbH
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