Universität zu Köln
Japanisches Seminar
Sommersemester 2000/2001
Proseminar Japanisch
Japanische Literatur
Japanologie
MORI OGAI
Nils Urban
15. Juli 2001
INHALTSVERZEICHNIS
A. Einleitung 1
B. Hauptteil 2
1. Der Deutschlandaufenthalt 2
2. Selbstfindung der japanischen Literatur 5
3. Rückkehr nach Japan 6
4. Die letzte Schaffensperiode 9
C. Schluss 11
D. Literaturverzeichnis 13
A. Einleitung
Mori Ogai (1862-1922) war Schriftsteller eines Landes, das sich im radikalen Umbruch befand – im Umbau von einer feudalen Ständegesellschaft, die zweieinhalb Jahrhunderte lang nahezu völlig von der Außenwelt abgeschnitten lebte, zu einer modernen bürgerlichen Gesellschaft in einem zentralistischen Staat, der im Machtkampf der Weltmächte bereits erhebliches internationales Gewicht gewonnen hatte. Als führender Beamter im Dienste des Militärs war er durchaus an diesem Umbau beteiligt, ohne jedoch den kritischen Abstand und die beobachtende Distanz zu den Ereignissen zu verlieren. Aufgrund dieser gegensätzlichen Eindrücke, die Ogai als Mitglied des Militärs und parallel dazu als intellektueller Schriftsteller in sich vereinte, ist es uns heute möglich, einen Einblick in die vielseitigen Schichten dieses in seiner Schnelligkeit und Radikalität nahezu einzigartigen Umbruchs zu erfahren und über seine Literatur wahrzunehmen.
Trotz zahlreicher Übersetzungen deutscher und anderer europäischer Werke wie dem „Faust“ und vielerlei eigener Romane, Novellen und Erzählungen ist Mori Ogai, wie so mancher seiner Schriftstellerkollegen, dennoch weiterhin ein recht unbekannter Autor in Europa und der Öffentlichkeit kein geläufiger Begriff. Dies ist vor allem deshalb so erstaunlich, da viele seiner Romane und Erzählungen in Deutschland spielen oder zumindest deutschsprachige Figuren in seinen Werken häufig auftreten. Somit sollte man meinen, dass er zumindest in Deutschland auf mehr Aufmerksamkeit gestoßen sei, doch dem ist bis heute nicht so. Dennoch ist Ogai zum wichtigsten Vermittler deutscher Literatur in Japan geworden und hat damit den deutsch-japanischen Geistesbeziehungen einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Die Vielschichtigkeit seiner Werke und sein kaum einzuordnender Schreibstil, der sich durchaus vielseitiger Stielmittel bediente ohne sich jedoch stilistisch festlegen zu wollen und seine bipolaren Lebensinteressen und Tätigkeiten sollen in der folgenden Arbeit über Mori Ogais Leben vermittelt werden und anschaulich in seinen Lebenslauf eingewoben werden. Auf eine Trennung seines literarischen Schaffens von seinem Leben soll hier verzichtet werden, da gerade die von ihm erlebten Einflüsse des Lebens das neue und begeisternde Element seiner Schreibweise verkörpern.
Im folgenden wird Ogais Leben in mehrere Thematische Abschnitte getrennt werden, die sein Leben und Schaffen vor und nach dem Deutschlandaufenthalt wiedergeben. Einige seiner literarischen Werke werden in seinen Lebenslauf eingeflochten und inhaltlich knapp angesprochen, meist mit der Fixierung auf seine wichtigsten Werke. Demnach ist eine vollständige Wiedergabe all seines literarischen Schaffens nicht im Sinne dieser Arbeit. Abschließend folgt ein kurzes Resumee, das den angesprochenen Themenkomplex zusammenfassend erläutert und auch Platz lässt für eine persönliche Stellungnahme zu dem erarbeiteten Material.
B. Hauptteil
1. Der Deutschlandaufenthalt
Mori Rintaro, der sich später Ogai nannte, wurde am 19. Januar des zweiten Jahres der Bunkyu-Ära, das heißt nach westlichem Kalender am 17. Februar 1862 in Tsuwano, einer kleinen Residenzstadt in Westjapan geboren. Seine Geburt fällt in die Zeit heftiger, teilweise bürgerkriegsähnlicher Auseinandersetzungen nach dem Auftauchen der „schwarzen Schiffe“ des Commodore Perry vor der Küste Japans im Jahre 1853, welche für die USA die Öffnung des Landes erzwangen. In weniger als zehn Jahren wurden all die Reformen durchgeführt, die in europäischen Ländern über hundert oder mehr Jahre hinweg vom Bürgertum erkämpft worden waren:
[...]
Arbeit zitieren:
Nils Urban, 2001, Mori Ogai, München, GRIN Verlag GmbH
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