Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung 3
2. Forschungsstand 4
3. Vom Kind zu einer Berühmtheit 5
3.1. Kindheit und Jugend 5
3.2. Tänzerin und Schauspielerin 6
3.3. Die Regisseurin 10
4. Leni Riefenstahl und ihre Rolle im Nationalsozialismus 12
4.1. Im Kreis der politischen Führung 12
4.2. Die Reichsparteitagsfilme 14
14
16
19
4.3. Die Olympiafilme 20
4.4. Leni Riefenstahl und die Kriegsjahre 24
5. Zusammenfassung 28
6. Literaturverzeichnis 30
2
1. Fragestellung
Leni Riefenstahl gehörte zweifelsohne zu den populärsten, aber auch zu den umstrittensten
moralische Schuld weit von sich. 1
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Leben und dem Werk Leni Riefenstahls bis 1945. Beginnend mit dem Werdegang bis 1933 wird dabei zunächst die Frage beantwortet wie es einem jungen Mädchen gelang, dem strengen Elternhaus zu entweichen und ihre Ziele eine Künstlerkarriere zu starten verfolgte und erreichte. Welche Charaktereigenschaften prägten sich dabei aus und wie ging die junge Frau mit dem Erfolg um? Welche Arbeiten übte sie als Tänzerin, Schauspielerin und Regisseurin aus? Hinführend zum zweiten Teil der Arbeit wird herausgestellt welche Intention Leni Riefenstahl hatte, im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen, im nationalsozialistischen Deutschland zu bleiben und dort als Künstlerin zu arbeiten. Welche Faszination übten die Nazis und vor allem Hitler auf sie aus. War es die Sucht nach Erfolg oder eine rein ideologische Intention?
Im zweiten Teil wird zunächst ihr Einstieg in die Kunst des Nationalsozialismus ab 1933 beleuchtet. Im weiteren Verlauf wird auf die Hauptpunkte der Arbeit eingegangen. Diese bilden die Reichsparteitagstrilogie mit ihrem Hauptwerk Triumph des Willens sowie der Olympiafilm. Welche filmerischen Mittel nutzte sie für diese? Was war das Besondere an diesen Filmen? Welche Unterstützung erfuhr sie durch das Regime und vor allem welchen Nutzen hatten diese Filme für das Regime und Riefenstahl selbst?
Des Weiteren wird die Arbeit die Arbeit Riefenstahls während der Kriegsjahre betrachten, dar diese bei der Betrachtung ihrer Person besonders kritisch gesehen wurden. Was wusste Leni Riefenstahl über die Gräueltaten an den Juden und an der Zivilbevölkerung? Wusste sie von Arbeits- beziehungsweise Vernichtungslagern? Wie ging sie nach Kriegsende mit den Anschuldigungen gegen ihre Person um?
In der Arbeit wird die Betrachtung der Privatperson Leni Riefenstahl weitestgehend außen vor gelassen. Außerdem wird lediglich die Arbeit Riefenstahls vor und während des Dritten Reiches beleuchtet, denn diese ist aus heutiger Sicht ist ihre spätere Tätigkeit eher unwesentlich wenn es um ihr Lebenswerk geht. Dass sie auch nach dem Krieg als Künstlerin, Photographin, Taucherin (mit einem Alter von über 90 Jahren), Regisseurin und Autorin aktiv war, sei hier kurz erwähnt.
1 Trimborn, Jürgen: Riefenstahl. Eine deutsche Karriere, Berlin 2005, S. 2.
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2. Forschungsstand
Die Literaturlage ist trotz, oder gerade durch das erreichte hohe Alter relativ bescheiden. Zwar gibt es einige Biographien über ihr Leben, jedoch hat Riefenstahl oftmals selbst dafür gesorgt, dass vielerlei Aspekte ihres Lebens unerforscht blieben. Auch ihre Memoiren lassen vieles
Unterlassungsklagen hat sie alles daran gesetzt, ihre Sicht der Dinge als die einzig gültige zu 3
Die vorhandenen Biographien zum E von Jürgen
aus dem Jahr 1999 4 sind als Standardwerke anzusehen. Die wissenschaftliche Ausarbeitung kommt jedoch im Werk vom Filmmuseum Potsdam teilweise zu kurz.
Des Weiteren ist eine Reihe an Literatur vorhanden, die sich auf das Wirken Riefenstahls in der Zeit des Nationalsozialismus bezieht. Hierbei ist sowohl ihre Arbeit als Regisseurin für die Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten bearbeitet, als auch die Karrieristin Riefenstahl, die sich nur zu gerne im Kreis der Machthaber aufhielt. An oberster Stelle ist 5 Weiterhin bietet das ler, einen
guten Überblick über die Biographie, aber vor allem über die filmerische Leistung Riefenstahls. 6
Außerdem gibt es eine Reihe von Zeitschriftenaufsätzen zum Thema, die jedoch weitestgehend im Ausland publiziert worden sind.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Literaturlage zwar überschaubar ist, es jedoch einige sehr gut nutzbare Werke gibt. Diese finden auch in dieser Arbeit ihre Geltung.
2 Riefenstahl, Leni: Memoiren. Köln 1987.
3 Trimborn,, S. 12.
4 Filmmuseum Potsdam (Hrsg.): Leni Riefenstahl. Berlin 1999.
5 Kinkel, Lutz: Die Scheinwerferin. Leni Riefenstahl und das »Dritter Reich«, Hamburg 2002.
6 Rother, Rainer: Leni Riefenstahl. Die Verführung des Talents, München 2003.
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3. Vom Kind zu einer Berühmtheit
3.1. Kindheit und Jugend
Am 22. August 1902 wurde Helene Bertha Amalia Riefenstahl, kurz Leni, im Berliner Bezirk Wedding geboren. 7 Berlin war zu diesem Zeitpunkt die Machtzentrale des deutschen Kaiserreiches und wurde zum wirtschaftlichen, sozialen aber auch gesellschaftlichen und kulturellen Zentrum mit, für diese Zeit beachtlichen, drei Millionen Einwohnern. 8 Leni Riefenstahl war die Tochter von Bertha Ida Riefenstahl, welche in einer Handwerksfamilie zusammen mit 17 Geschwistern aufwuchs und Alfred Theodor Paul Riefenstahl, einem selbstständigen Installateurmeister. Während sich die Mutter Leni Riefenstahls sehr viel für Kunst und Kultur interessierte und selbst einmal den Wunsch hatte Schauspielerin zu werden, war ihr Vater ein eher kühler, autoritärer, teilweise jähzorniger Charakter, der seine Freizeit der Jagd und dem Kartenspiel widmete. Gerade die enorme Autorität und die stets vom Vater geforderte Disziplin prägten das Bild der Familie in der Kindheit Leni Riefenstahls. Häufige Umzüge und strenge Regeln waren die Folge. Einen guten Freund fand die junge Leni in ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Heinz, mit dem sie sich Zeit seines Lebens eng verbunden fühlte. 9
Leni Riefenstahl selbst beschreibt ihren Vater jedoch keineswegs als Unmenschen sondern als sehr fleißigen Mann, der gut für seine Familie sorgte. Dennoch fand sie es schwierig mit ihm auszukommen und machte sie sich Sorgen um ihre Mutter, der sie sehr nahe stand. 10
ihn sehr geliebt, aber was sie mitmachen musste war entsetzlich. Ich habe mit ihr gelitten.
11
Seit ihrer frühesten Kindheit begeisterte sich Leni Riefenstahl für den Sport. Sie widmete sich hierbei vor allem dem Schwimmsport und war dem Element Wasser bis zu ihrem Tod sehr verbunden. Gerade die Aufenthalte in der Natur hatten es ihr von klein auf angetan, wie sie später in ihren Memoiren bekundete. 12
7 Trimborn, S. 24 und Filmmuseum Potsdam, S. 14.
8 Vgl. Trimborn, S. 21.
9 Vgl. Trimborn, S. 21 ff. und Filmmuseum Potsdam, S. 14 ff.
10 Riefenstahl, S. 30.
11 Ebenda, S. 30.
12 Ebenda, S. 20.
5
1908 wurde Leni Riefenstahl in Berlin-Neukölln eingeschult. Während ihrer Schulzeit fiel sie den Lehrern als aufgewecktes und vor allem wissbegieriges Mädchen auf, dass sehr reif für ihr Alter war. Gerade ihren Wissensdurst, der sich über eine ungeheure Breite erstreckte, versuchte sie in der Schule zu stillen. Dadurch empfand sie die Schule nicht als angstbesetzte Institution sondern vielmehr als ein Mittel zum Zweck. Bereits während dieser Zeit bildete fesselt 13
Nach der Volksschule besuchte sie das Kollmorgensche Lyzeum, eine reine Mädchenschule und absolvierte dort 1918 die mittlere Reife. Deutschland stand zu dieser Zeit vor einem Scherbenhaufen und auch einem gewaltigen Umbruch. Vier Jahr des Krieges hatten Deutschland außenpolitisch teilweise isoliert und in eine tiefe Krise gestürzt. Auf den Berliner Straßen tobte der Bürgerkrieg. Ein großes Maß an Orientierungslosigkeit und Existenzangst machte sich in der Bevölkerung breit. 14
Leni Riefenstahl nahm diese Zeit nur am Rande wahr. Sie konzentrierte sich vielmehr auf die eigenen Ziele und versuchte ihre Interessen gegenüber dem Vater durchzusetzen. In ihren Memoiren sagt sie übe
beendet war, dass wir ihn verloren hatten, dass eine Revolution stattfand, es keinen Kaiser und keinen König mehr gab, dies alles erlebte ich nur wie im Nebel. Mein Bewusstsein kreiste um e 15
So widmete sie sich in dieser Zeit lieber der Poesie, der Malerei und kurze Zeit später ihrer lang anhaltenden Leidenschaft, dem Tanzen, zu.
3.2. Tänzerin und Schauspielerin
Wie bereits erwähnt war Leni Riefenstahl eine sehr sportbegeisterte Frau. Die sportlichen Interessen waren dabei sehr vielseitig. Sie reichten vom Schwimmen über das Geräteturnen bis hin zum damals sehr populären Ausdruckstanz, welcher in sehr vielen Berliner Theaterhäusern sehr großen Anklang fand. Gerade letzteres begeisterte sie sehr stark und forcierte ihren Drang selbst im Rampenlicht zu stehen. Riefenstahls Sehnsucht nach öffentlicher Anerkennung und Selbstdarstellung dauerte bis zu ihrem Tod an. Ihre Eltern waren zunächst sehr stolz auf ihre Vielseitigkeit und präsentierten ihre Tochter als
13 Trimborn. S. 29.
14 Ebenda, S. 29 ff.
15 Riefenstahl, S. 15.
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sich beide Eltern jedoch überhaupt nicht vorstellen. Gerade für Riefenstahls Vater Alfred war eine berufliche Zukunft seiner Tochter als Bühnendarstellerin oder Tänzerin völlig
16
Leni Riefenstahl ließ sich jedoch nicht von ihrem Ziel abbringen und trug sich ohne das Wissen ihrer Eltern für den Anfängerkurs an der Berliner Tanzschule Helene Grimm-Reiters ein. Sie beschrieb dies später als einen der Wendepunkte in ihrem Leben. Sie sah den jungen ges Verlangen 17
Hinter dem Rücken des zornigen Vaters und mit Hilfe der Mutter nahm Leni Riefenstahl heimlich Tanzunterricht an der vorher genannten Tanzschule. Hierbei war sie von einem ungeheuren Ehrgeiz gepackt und kam so recht schnell zu ihrem ersten Bühnenauftritt. Trotz aller Ablenkungsmanöver erfuhr der Vater vom Auftritt seiner Tochter. Dies hatte eine schwere Familienkrise zur Folge, denn der Vater drohte seiner Frau mit der Scheidung. Der Familie und vor allem der Mutter zu Liebe gab Leni Riefenstahl ihre Tanzpläne zunächst auf und meldete sich, dem Vater zu Liebe, zum Studium der Malerei an der Kunstgewerbeschule an. Doch auch dort misstraute der Vater seiner Tochter und er schickte sie daraufhin im Sommer 1919 in ein Mädchenpensionat in der Nähe von Quedlinburg (Harz). Dort sollte sie seiner Meinung nach endlich zur Vernunft kommen und einen ordentlichen Beruf in seinem Sinne erlernen. Leni Riefenstahl beugte sich, wenn auch widerwillig, der Entscheidung des Vaters und kehrte erst im Frühjahr 1920 zurück nach Berlin. 18 Riefenstahl kehrte freudig und mit einem Kompromiss zurück nach Berlin. Sie bot ihrem Vater an, bei ihm im Betrieb als Privatsekretärin tätig zu sein, wollte dafür aber weiterhin Tanzunterricht nehmen. Der Vater willigte ein und es kam im Februar 1921 zum ersten offiziellen Auftritt. In den folgenden zwei Jahren nahm Leni Riefenstahl auch mit der Unterstützung des Vaters, Tanzunterricht bei verschiedenen berühmten Tanzschulen Berlins und Dresdens. Im August 1923, mit einundzwanzig Jahren verließ sie das Elternhaus und zog in eine kleine Wohnung am Kurfürstendamm. Kurz darauf war Leni Riefenstahl auch
finanziell unabhängig von ihren Eltern. Sie widmete sich nun auch erstmals der Männerwelt, jedoch ist nur ein Name zu merken: der vier Jahre ältere österreichische Bankier Harry Sokal.
16 Vgl. Ebenda, S. 16 und Trimborn, S. 30 ff.
17 Riefenstahl, S. 26 f.
18 Vgl. Trimborn, S. 39 und Filmmuseum Potsdam, S. 16.
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Er wurde in den folgenden Jahren ein Verehrer, Liebhaber, ständiger Begleiter, aber auch Mittel zum Zweck um die Ideen Leni Riefenstahls auch finanziell umzusetzen. 19 Beruflich drängte sich Leni Riefenstahl ins Rampenlicht. Sie wollte endlich auch als Solotänzerin Erfolg haben. Trotz des Abratens ihrer Trainer bat sie den Vater um Unterstützung bei der Organisation eines Soloabends. Er mietete für sie den Berliner Blüthner-Saal, in dem mehrere hunde 20 Sie selbst 21
Der Abend wurde ein voller Erfolg und Leni Riefenstahl gelang über Nacht der Durchbruch als Tänzerin. Sie wurde als kommender Star der deutschen Tanzszene von der Presse gefeiert und sie ging für die nächsten Monate auf Tournee durch ganz Deutschland. 22 Die Tanzkarriere, welche der große Traum Leni Riefenstahls war, dauerte nur kurz an. Zu groß war die Belastung für ihren Körper nach nur wenigern Jahren des Trainings. Die Warnungen ihrer Trainer hatten sich bewahrheitet. Bereits nach einem halben Jahr musste sie ihre Tournee durch Deutschland und weiteren Teilen Europas wegen einer Knieverletzung beenden. Damit war Leni Riefenstahls Karriere als Tänzerin beendet. Die Kritiker standen ihr während dieser Zeit weitestgehend wohlwollend gegenüber, wobei festzuhalten ist, dass Riefenstahl während ihres gesamten Lebens kaum zu Selbstkritik fähig war. Sie nahm größtenteils nur positive Kritiken aus der Umgebung auf, die negativen hingegen blendete sie
erlebte i 24
Leni Riefenstahl schien laut den Äußerungen in ihren Memoiren nach dem Ende der
vom Schicksal bestimmt, dass nur der Tanz, den ich mir hatte ertrotzen müssen, ausschließlich mein Leben bedeuten würde, heute und für alle Zukunft. Und dann dieser 25
Wie Leni Riefenstahl zur Schauspielerei kam und in Hitler einen ihrer größten Bewunderer fand soll nun im Folgenden geklärt werden.
Zur Stellung des Kinos in der Gesellschaft ist zu sagen, dass es sich zunehmend immer
19 Vgl. Trimborn, S. 42 ff.
20 Trimborn, S. 48.
21 Riefenstahl, S. 61.
22 Trimborn, S. 48 ff.
23 Vgl. Trimborn, S. 51 ff.
24 Riefenstahl, S. 64.
25 Ebenda, S. 69.
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Arbeit zitieren:
René Ide, 2009, Leni Riefenstahl: Künstlerin in der Weimarer Republik und Vorzeigefrau im Dritten Reich, München, GRIN Verlag GmbH
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