Christof Niemann
3.Sem. Soziologie/Psychologie/Polit. Wiss.
Die Struktur terroristischer
Organisationen
Hausarbeit zum Proseminar „Einführung in die internationalen Beziehungen“ Wintersemester 2002/03
Inhaltsverzeichnis Die Struktur terroristischer Organisationen
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Die Internationalisierung des Terrors 4
3. Terroristische Organisationen 6
3.1 Die organisatorische Dynamik terroristischer Gruppen 6
3.2 Zufluchtsorte terroristischer Organisationen 7
3.3 Funktionsweisen terroristischer Organisationen 8
3.4 Wirkungsradius und der „zu interessierende Dritte“ 10
3.5 Exkurs - religiös-fundamentalistischer Terrorismus 11
4. Terroristen: Ausführende des Terrors 13
5. Abschließende Betrachtung 15
6. Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
,,Es ist die Pflicht jedes Muslim, Amerikaner und ihre Alliierten, sowohl Militärs als auch Zivilisten, wo immer auch möglich, zu töten. Dies gilt so lange, bis die Aksa-Moschee (in Jerusalem) und die Haram-Moschee (in Mekka) aus ihrem Würgegriff befreit sind und bis die amerikanischen Armeen geschlagen von allen Ländern des Islam abziehen, unfähig, einen Muslim zu bedrohen.“ 1
23. Februar 1998, die Welt-Islam-Front für den Djihad gegen
die Juden und die Kreuzzügler
Wenn die Amerikaner gewusst hätten, dass der Sohn des wohlhabenden, südjemenitischen Bauunternehmers einmal solche Sätze sprechen würde, hätten sie ihn und die Taliban wohl nicht in Afghanistan unterstützt. Aber er sprach sie. Und ca. 3 Jahre später sollte er für den furchtbarsten Terroranschlag, den die Welt je gesehen hat, verantwortlich gemacht werden. Mittlerweile ist er nicht nur der meistgesuchteste Mann dieser Erde. Er ist eine Ikone, den Teenager in der arabischen Welt auf dem T-Shirt tragen, den sie sich als ihr Vorbild ausgesucht haben. Manch einer behauptet, dass manichäische Weltbild und der ausgeprägte Messianismus (das Sendungsbewusstsein) seien Maximen, die sich nicht nur Osama bin Laden auf die Fahnen geschrieben hat.
Der Kampf gegen den Terrorismus wird in den Medien auf wenige Köpfe reduziert. Wie das System dahinter funktioniert, ist dagegen nur selten Thema von Talkshows und „Experteninterviews“. Deshalb werde ich in dieser Arbeit das manchmal Wenige zusammentragen, was man über die Struktur und die Funktionsweisen internationaler terroristischer Organisationen weiß. Die zentrale Frage könnte also lauten: Wie funktioniert eine terroristische Organisation?
Um diese Frage zu beantworten, werde ich wie folgt vorgehen: Zunächst soll geklärt werden, warum der Terrorismus außer Landes gegangen ist. Da es sich um ein internationales Phänomen handelt, ist es wichtig zu wissen, wie er zu einem solchen wurde.
Dann werde ich auf den Schwerpunkt dieser Arbeit zu sprechen kommen: den terroristischen Organisationen. Zuerst werden der Entstehungsprozess und die Lebensdauer einer solchen Organisation behandelt. Dann muss man auf die Staaten zu sprechen kommen, die diese Organisationen fördern. Diese beiden Punkte hängen eng zusammen, denn wenn die Organisation Ressourcen wie ein „Rückzugsland“ besitzt, kann sie auch in größerem Stil agieren. Die wichtige Frage, wie die organisatorischen Strukturen funktionieren, werde ich dann im Abschnitt 3.3 erläutern. Schließlich folgt noch, wem gegenüber die Organisationen verpflichtet sind und wo und warum ihre Aktionen am meisten ausrichten. Wegen der
1 http://www.verfassungsschutz.niedersachsen.de, 26.03.03, 18:50
hohen Aktualität werde ich außerdem auf den religiös motivierten Terrorismus in einem kleinen Exkurs zu sprechen kommen.
Terroristische Organisationen bestehen zwar nicht nur, aber doch zum größten Teil aus Terroristen. Deshalb werde ich im Gliederungspunkt 4 die „Karriere“ eines Terroristen untersuchen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Frage, warum jemand diesen Weg wählt. In der abschließenden Betrachtung werde ich die Ergebnisse dann noch einmal kurz zusammenfassen. Ich beginne also mit der Internationalisierung des Terrorismus:
2. Die Internationalisierung des Terrors
Terrorismus war und ist eine Strategie der Einschüchterung. Die terroristische Gewalt allein führt nicht zur Erreichung der wie auch immer gearteten Ziele der Terroristen. Die Gewalt ist das Symbol, welches später entsprechend in Szene gesetzt werden muss. Zum Ziel, so hoffen offenbar die Terroristen, führen nicht zuletzt die psychischen Effekte (wie Angst und Schrecken), die die Funktionsträger zum einlenken bewegen sollen. Das Kalkül: je mehr sich ein Anschlag der Aufmerksamkeit der (Welt-) Bevölkerung sicher sein kann, desto größer ist auch sein Effekt. Um zu erreichen, dass auch kleinere Aktionen einen unverhältnismäßig großen Nachhall bekommen, „müssen die terroristischen Aktionen freilich so geplant sein, dass sie kommunikationsstrategisch maximale Effekte erzielen.“ 2 Am 22. Juli 1968 kam es zum ersten Auftauchen des „modernen internationalen Terrorismus“. 3 Die „kommunikationsstrategisch maximalen Effekte“ immer im Blick, wurde ein israelisches El-Al-Verkehrsflugzeug auf dem Weg von Rom nach Tel Aviv von palästinensischen Terroristen gekapert. Die Geiseln sollten gegen in Israel inhaftierte Kollegen eingetauscht werden. Das Flugzeug diente nicht ausschließlich - wie bis dahin bei Terroristen üblich - zur Flucht, sondern vor allem als Symbol des israelischen Staates, der nun gezwungen war, mit der „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ (die später mit anderen Organisationen in der PLO aufging) direkt zu sprechen. Dies hatte die israelische Regierung bis zu diesem Zeitpunkt strikt abgelehnt. Doch nun waren Unschuldige betroffen und die Regierung unter Zugzwang, wofür sich die Medien natürlich sehr interessierten. Dem Palästinenserproblem wurde auf einmal eine ungeahnte Aufmerksamkeit zuteil, die bei den gebetsmühlenartigen Plädoyers vor den Vereinten Nationen 20 Jahre lang nicht annähernd erreicht wurde. So äußerte sich zumindest Zehdi Labib Terzi, damaliger Leiter der PLO-Delegation mit Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen in einem Interview. 4 In der Nachkriegszeit gab es zwar auch viele international orientierte, anti-koloniale Terroristen, aber mit der El-Al-Entführung kam es zu einem Paradigmen-Wechsel: begüns-
2 vgl.Münkler: Terrorismus als Kommunikationsstrategie, S. 12
3 vgl. Hoffman: Terrorismus Der unerklärte Krieg, S. 85
4 Ebd., S.86
Arbeit zitieren:
Christof Niemann, 2003, Die Struktur terroristischer Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Macht der Organisierten Kriminalität - Mafia und Triaden im Vergle...
Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie
Bachelorarbeit, 45 Seiten
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