Inhaltsverzeichnis
1. DAVOR 3
2. DIE STUNDE. 3
3. DANACH 5
2
1. Davor
Im Rahmen meines Fachpraktikums in Geschichte war ich vom 22. Februar bis zum 19. März an der Realschule in Salzgitter-Thiede tätig. In den Klassen in denen ich hospitierte und unterrichtete waren alle Jahrgänge vorhanden und es schien mir so, als käme ich auch mit allen Altersstufen sehr gut zurecht. Die absolvierten Unterrichtsstunden waren von motivierten und neugierigen Schülern geprägt. Da uns ein Mentor zur Seite stand, war es aber so, dass ich schwerpunktmäßig in einer neunten Klasse unterrichtete, deren Klassenlehrer
besagter Mentor war. Von Tag zu Tag lernte ich die meisten Schüler(innen) 1 etwas besser kennen und war von der Art wie sie im Unterricht agierten doch angetan. Kurz gesagt, alles schien darauf hinauszulaufen, dass es ein perfektes, weil problemloses Praktikum werden wird.
Aufgrund des Stundenplanes war es mir nicht immer möglich, durchgehend Geschichtsunterricht zu beobachten oder durchzuführen. Dies war mir auch ganz recht, da man hierdurch auch mal „über den Tellerrand“ gucken konnte. So kam es, dass ich oben genannte neunte Klasse bei einem Englisch-Projekt begleiten konnte. Wie wahrscheinlich in vielen Klassen dieses Jahrgangs bestand das Projekt aus der Aufführung des Theaterstücks „Romeo und Julia“; auf Basis eines Comics, der sich sprachlich eng an Shakespeare hielt. Für mich war es interessant zu sehen, wie die Schüler mit diesem Aufführungscharakter umgingen, fühlte ich mich doch das ein oder andere Mal an meine Schulzeit und die Aufregung bei solchen Projekten erinnert.
Gleichwohl fiel mir auf, dass sich die Schüler mit wechselndem Fach und/oder Lehrer(in) auch anders verhielten. Die Gründe hierfür liegen wohl zu großen Teilen in der Lehrerpersönlichkeit. Gestattet man den Schülern ein etwas höheres Maß an Lautstärke, so nutzen sie dies natürlich auch so gut es geht aus. Was nicht heißt, dass dies ein Mangel an Autorität beschreibt, man muss halt auch mit etwas lebhafteren Schülern umzugehen wissen. Dann kann man diese Lebhaftigkeit auch durchaus positiv nutzen.
2. Die Stunde
Aus der großen Pause kommend, begab ich mich an einem Freitag, zur fünften Stunde in den Klassenraum der 9b, der gleich an der Aula, also dem Aufführungsort des Theaterstücks lag. Die Lehrerin war noch nicht da, sodass noch etwas Zeit blieb, mit den Schülern über Dinge außerhalb der Schule zu sprechen. Als aber weitere fünf Minuten vergingen, fragte ich mich,
1 Im Folgenden benutze ich die männliche Mehrzahl, ohne dabei die weiblichen Schülerinnen außer Acht zu
lassen.
3
ob ich, ohne Absprache mit der Lehrerin, schon mal mit dem Englischunterricht beginnen solle; wollte aber der Lehrerin auch nicht in ihren Plan „grätschen“. Mit jeder Minute stieg auch die Lautstärke der Schüler, was umso mehr störend war, da sich auf beiden Seiten nebenan weitere Klassenräume befanden, die zu diesem Zeitpunkt auch genutzt wurden. Bevor ich einschritt, schritt die Lehrerin atemlos durch die Tür (die Klasse war natürlich mucksmäuschenstill), legte mir energisch den „Romeo and Juliet“-Comic und ein
Schlüsselbund in die Hand und wandte sich mit den Worten ab: „Anne 2 aus der 8a ist umgefallen, ich muss zu ihr zurück, les mit ihnen ab Seite 38 bis 52 und geh dann mit ihnen auf die Bühne, mit Kostümen. Sorry, ich hoffe ich bin bald wieder da!“ Quasi mit dem Schließen der Tür stieg auch der Lautstärkepegel wieder in die Höhe. Also stellte ich mich vor den Lehrertisch und mahnte die Schüler ruhig aber bestimmt an, doch jetzt mal etwas leiser zu werden. Dies stieß auf wenig Beachtung, im Gegenteil, mir schien, als ob die Lautstärke noch zunahm; und als wäre dies nicht schon genug, sah ich dabei zu, wie sich die Schüler wie auf Kommando die Brote und Getränke aus den Taschen nahmen und anfingen, ihren privaten Plausch mit etwas Nahrung noch angenehmer zu gestalten. Nach mehrfachen lautstarken, aber erfolglosen Bitten, die Geräuschkulisse etwas abzuschwächen, entschloss ich mich, nun gar nichts mehr zu sagen und einfach nur in die Runde zu schauen. Und ich nahm auch das eine oder andere Gesicht wahr, das sich etwas schämte, aber verständlicherweise nicht den Mut besaß, die Klasse zur Ruhe zu bringen. Nach gefühlten Stunden und reellen fünf Minuten, mit Ausreißversuchen über das Fenster und Zeichnungen von mir an der Tafel, hatte ich für mich noch zwei Möglichkeiten. Die eine, ich würde in die Nachbarklasse gehen und den Lehrer um Hilfe bitten. Was für eine Schmach… Die andere, ich würde mir einen Schüler schnappen, der noch nicht vollständig aus dem Ruder gelaufen ist und ihn bitten, die Sache in die Hand zu nehmen und zu versuchen, die Klasse zumindest auf die Bühne zu bringen.
Ich entschied mich für die zweite Möglichkeit (welch eine Überraschung) und bat Aydin darum, die Kostüme zu besorgen und die Bühne bereit zu machen. Da ich nicht auf dem Laufenden war über die Rollenverteilung, bat ich auch hier Aydin darum. Wie sich später herausstellte, leider nur mit geringem Erfolg. Aber nichtsdestotrotz hatte, zwar nicht ich, sondern vielmehr Aydin, die Schüler nach gut zwanzig Minuten dazu gekriegt, das Theaterstück mehr oder weniger gut auf die Bühne zu bringen.
Während oben auf der Bühne die entsprechenden Schüler mit ihren Rollen und Kostümen das Stück aufführten und zwei Schülerinnen die Aufführung mit dem Handy aufnahmen, hatte ich
2 Alle Namen sind abgeändert.
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Arbeit zitieren:
Patrick Hillegeist, 2010, Meine Feuerprobe im Schulpraktikum, München, GRIN Verlag GmbH
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