Tabelle 1: Zinkgehalt pro 100 Gramm Lebensmittel
Gegenseitige Resorptionshemmungen bei Mineralstoffen
In Publikationen wird auf die wechselseitige Resorptionshemmung zwischen Kupfer und Zink sowie Eisen und Zink regelmäßig hingewiesen (23). Die Relevanz dieser Wechselwirkungen ist aber eher zweifelhaft (69). So beobachteten Sullivan et al. (73) im Rahmen Ihrer Bioverfügbarkeitsstudie mit Zinksulfat keinerlei Beeinflussung des Kupfer-, Calcium- und Magnesiumspiegels trotz Verabreichung der relativ hohen Dosis von 50 mg Zinkäquivalenten in einer Einmaldosis.
Auch die bei gleichzeitiger Gabe von Eisen und Zink beobachtete Hemmung der Zinkresorption tritt möglicherweise nur unter den artifiziellen Bedingungen des Probandenversuchs auf. Solomons & Jacob (70) stellten fest, dass hochdosiertes anorganisches Eisen die Zinkaufnahme hemmte, gemessen an der Veränderung des Plasma-Zinkspiegels innerhalb von vier Stunden nach oraler Einnahme von Zink. Die Untersucher verabfolgten an erwachsene, nüchterne Probanden jeweils 25 mg Zink in Form von Zinksulfat und Eisen in einer Dosis von 25, 50 oder 75 mg. Bereits bei 25 mg Eisen war die Zinkaufnahme signifikant niedriger als bei den Kontrollpersonen. Unter physiologischeren Bedingungen scheint dieser Effekt jedoch weniger stark ausgeprägt zu sein (63), und bei Zugabe von Histidin zur Testdosis sogar dann aufgehoben, wenn das Dosisverhältnis zwischen Eisen und Zink mit 25:1 in unphysiologischen Bereichen lag. Dieses Ergebnis wurde mittlerweile in verschiedenen tierexperimentellen und klinischen Untersuchungen mit Radioisotopen bestätigt (z.B. (18;24)). Eisen und Zink können in pharmazeutischen Zubereitungen bedenkenlos gemeinsam eingesetzt werden (45). Auch die Langzeiteinnahme von Eisen- und/oder Zinksupplementen hat keinen negativen Einfluss auf den Versorgungsstatus beider Mineralstoffe (45;63). Dennoch empfiehlt es sich, die Einnahme von Kupfer- oder Eisen-Supplementen zeitlich von der von Zinksupplementen zu trennen.
Funktionen von Zink im Organismus
Zink ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen unmittelbar beteiligt (64): Die optimale Funktion vieler Enzyme wie z.B. Hydrolasen, Isomerasen, Lyasen und Oxidoreduktasen ist nur bei einem ausreichenden Zinkstatus gewährleistet. Bis heute sind über 300 verschiedene Enzymsysteme bekannt, für deren Funktionsfähigkeit Zink zumindest zum Teil mit verantwortlich ist. Der Mineralstoff nimmt dabei direkt an der Umsetzung der Substrate teil, oder er stabilisiert als Strukturkomponente die Quartärstruktur der Enzyme. Zink ist auch Bestandteil der Enzyme, die für die Ablesung der genetischen Informationen und deren Umsetzung in Proteine verantwortlich sind. Diese Vielzahl von Funktionen ist - neben den Schwierigkeiten bei der analytischen Bestimmung des Zinkstatus - eine Erklärung dafür,
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weshalb Zinkmangelzustände selten spezifische Symptome zur Folge haben und daher so schwer zu erkennen oder zuzuordnen sind.
Ursachen für Zinkmangel
Neben dem bereits erwähnten Zinkmangel aufgrund einer überwiegend oder rein pflanzlichen Ernährung können auch andere Faktoren zu einer verminderten Aufnahme oder erhöhten Ausscheidung von Zink führen, und so Zinkmangelsymptome verursachen.
Tabelle 3: Mögliche Ursachen für Zinkmangel (nach (64)).
Typische Zinkmangelsymptome an Haut, Haar und Nägeln
Ein hoher Prozentsatz der Zinkvorräte im Organismus befindet sich in der Haut und ihren Anhangsgebilden. Dies erklärt, warum Zinkmangel so häufig in Zusammenhang mit dermatologischen Veränderungen gebracht wird. Der Mineralstoff ist als Stukturkomponente am Aufbau verhornter Gewebe beteiligt. Eine Reihe von Symptomen, scheinbar kosmetischen Problemen und Befindlichkeitsstörungen, die neben den körperlichen Beschwerden häufig auch zu erheblichen psychischen Belastungen und einem hohen Leidensdruck führen, gehen zumeist mit einem mehr oder minder ausgeprägten Zinkmangel einher. Beispiele sind:
• brüchige Haare und Nägel • hartnäckige Akne • Haarausfall bis hin zur Alopezie
• Verschlechterung der Symptomatik bei Psoriasis oder Neurodermitis • lokal auftretende, schuppige Hautentzündungen vor allem an Mundwinkeln, Nasenfalte oder hinter dem Ohr
• Entzündungen der Schleimhäute in Mund und Rachen • verlangsamte Wundheilung und Neigung zu Hautpilzinfektionen
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Bei Hauterkrankungen, die von einer starken Abschuppung begleitet sind (z.B. Psoriasis und Neurodermitis), kann sich eine Art Teufelskreis ausbilden: Zinkmangel verstärkt die Schuppenbildung, und mit der Hautabschuppung geht dem Organismus weiteres Zink verloren. Den Betroffenen kann eine zusätzliche Zinkgabe in Form arzneilich zugelassener Präparate Erleichterung verschaffen.
Zinkmangel und Immunsystem
Die Wirkung von Zink gegen ständig wiederkehrende Infekte ist bereits seit Jahren dokumentiert und dürfte zu den bekanntesten Effekten von Zink zählen. Die positiven Effekte von Zink bei Erkältungserkrankungen werden offensichtlich über verschiedene Mechanismen vermittelt: Zink besitzt bereits in physiologischer Konzentration antiallergische und antiinflammatorische Effekte, insbesondere durch Hemmung der Histaminfreisetzung aus basophilen Granulozyten (48). Zink hat adstringierende Eigenschaften. Das Spurenelement trägt auf diese Weise zur Bildung einer Koagulationsmembran auf entzündeten Schleimhäuten bei. Möglicherweise wird so die Adhäsion von Viren an die Schleimhäute der Atemwege, und das Eindringen in die Zellen erschwert (40). Rhinoviren weisen zudem offensichtlich eine beträchtliche Anzahl von Zinkbindungsstellen auf, die bei Besetzung durch Zink Adhäsion und Eindringen der Viren in die Schleimhäute verhindern (40). Zinksalze hemmen die Replikation von Rhinoviren in vitro in einer Konzentration von 0,1 mmol/l (43).
Der Nutzen einer Zinkzufuhr zur Prophylaxe von Erkältungskrankheiten wird dadurch unterstrichen, daß bei Zinkmangel Schleimhautatrophie und Epithelschäden auftreten, auch an den Schleimhäuten von Gaumen, Mund, Rachen und Nasennebenhöhlen (53;57;58;80;81).
Mehrere klinische Studien untermauern den Einsatz von Zink zur Prophylaxe und Therapie virusbedingter Erkältungen (4;40;41;46;47;55;56). In einer placebo-kontrollierten Studie erhielten 100 Angestellte einer Klinik, bei denen sich während der letzten 24 Stunden Erkältungssymptome eingestellt hatten, tagsüber 13,3 mg Zink oder Placebo. Basierend auf den Evaluierungen der Symptome Husten, Kopfschmerzen, Nasenlaufen, verstopfte Nase, Halsschmerzen, Niesen und Fieber, verkürzte sich die Erkältungsdauer durchschnittlich von 7,6 Tagen auf 4,4 Tage (52).
Ärzte der Universität Detroit, USA, erbrachten den bislang überzeugendsten Beweis, dass die Einnahme von Zink Dauer und Schweregrad einer Erkältung selbst dann drastisch reduziert, wenn die Erkrankung bereits ausgebrochen ist. Sie veröffentlichten die Ergebnisse einer placebo-kontrollierten, klinischen Doppelblindstudie an 50 Patienten (60), die je zur Hälfte Placebo oder Zink (ca. 13 mg alle 2-3 Stunden) erhielten. Die Einnahme begann innerhalb von 24 Stunden nach Einsetzen der Symptome: Niesen, Nasenlaufen, Nasenverstopfung, Rachenentzündung, Halskratzen, Husten, Heiserkeit, Muskelschmerz, Fieber und Kopfschmerzen. Im Vergleich zu den Patienten, die Placebo erhielten, kam es unter Zink-Einnahme praktisch zu einer Halbierung der Erkrankungsdauer von 8,1 auf 4,5 Tage. Die Husten-Dauer verkürzte sich von 6,3 auf 3,1 Tage. Auch die Schwere der Symptome verringerte sich hochsignifikant (p < 0.002).
Zink besitzt direkte Antivirus-Wirkungen, stärkt die Immunabwehr und hemmt Botenstoffe der Entzündung (sog. Cytokine). Einige frühere Studien scheiterten nach Auffassung der amerikanischen Untersucher bislang daran, dass Zink nicht ausreichend dosiert war und nicht genügend „bioverfügbares“ Zink zur Verfügung stand (60).
Allergien und Asthma
Die positiven Effekte von Zink auf das Immunsystem stehen heute außer Frage. Wissenschaftlich seit ca. 20 Jahren dokumentiert (z.B. (21;25;26;32;33;48;49)) sind die direkten antiallergischen Effekte von Zink bei Heuschnupfen und Konjunktivitis.
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Zinkmangel führt zu einer Exaggeration allergischer Krankheiten (21). Unmittelbarer Auslöser allergischer Anfälle bei Kontakt zu einem Allergen ist die Freisetzung von Histamin aus den sogenannten Mastzellen. Die Histaminfreisetzung aus humanen Basophilen wird durch Zinkgabe dosisabhängig gehemmt (48). Zink hemmt auch die Degranulation von Basophilen von Patienten mit allergischem Bronchialasthma (9). Die Wirkung von Zink auf Mastzellen, Makrophagen und Neutrophile ist mit der von Cromoglicinsäure vergleichbar -Zink beugt Heuschnupfenanfällen effektiv vor (33;76;77).
Zinkmangel ist ein pathognomonischer Mangelzustand bei Allergien (10;71;72). So fanden sich bei allergischen Kindern (Asthma, Ekzem) signifikant niedrigere Zinkkonzentrationen im Haar (p<0,05) als bei gesunden Kontroll-Kindern (19). El Kholy et al. (21) führten eine vergleichende Studie an zwei Gruppen von Kindern im Alter von 2 bis 12 Jahren durch. Die Patienten litten an Bronchialasthma oder allergischer Dermatitis. Die Kontrollgruppe bestand aus gesunden Kindern. Untersucht wurde die Zinkkonzentration in Serum und Haaren. Die Zinkkonzentrationen der kranken Kinder waren hochsignifikant (p<0,001) niedriger als die gesunder Kinder. Der Nachweis eines Zinkmangels in Haaren war dabei deutlich sicherer als der aus Blutproben. Dies wird auch durch die Untersuchungen von Di Toro bestätigt (19). Dies kann dazu führen, dass auch ein ausgeprägter Zinkmangel im Augenblick der Testung nicht erkannt wird. Da die übliche Bestimmung nach wie vor die Messung in Blutproben ist, ist verständlich, warum die Diagnose eines Zinkmangels trotz deutlicher klinischer Hinweise und Symptome vielfach noch Schwierigkeiten bereitet. Angesichts der schützenden Effekte von Zink vor allergischen Anfällen empfehlen die Untersucher generell die Einnahme von Zinkpräparaten in ausreichender Dosis.
Bei Kindern mit schwer verlaufender Neurodermitis sind Zinkmangelzustände besonders auffällig (22). Die Serum-Zink-Konzentration war auch bei Patienten mit Asthma bronchiale signifikant geringer (p<0.01) als bei Kontroll-Personen (9). Auch Guerrier et al. wiesen Zinkmangel an Kindern mit allergischen Erkrankungen nach (31). Nicht zuletzt bestätigen die Ergebnisse von David et al. (17) und Mongy (51), dass Allergien mit vermindertem Zinkspiegel einhergehen, vor allem bei Kindern mit allergischen Ekzemen.
Eine signifikante Absenkung der Serum-Zink-Konzentrationen bei allergischen Erkrankungen wurde auch von Bor et al. Festgestellt (10). Die orale Zink-Supplementierung führte bei diesen Patienten zu einer signifikanten klinischen Besserung. Konsistent mit diesen Befunden ist auch die Beobachtung, dass eine Hypozinkämie offensichtlich auch zu einer Aggravierung bestehender allergischer Symptome führt (21).
Die Zugabe von Zink zur antiallergischen Basisformulierung zeigte in einer klinischen Untersuchung sehr gute Effekte bei saisonaler allergischer Konjunktivitis (26). Im Falle des Heuschnupfens verschlechtert Zinkmangel neben den Heuschnupfensymptomen auch die Begleiterscheinungen am Auge, z.B. Hornhaut- oder Bindehautentzündungen. Von den Patienten zeigten 90% eine gute bis sehr gute Besserung der Bindehautentzündung, sowie 73,5% eine entsprechende Verbesserung der Heuschnupfensymptomatik. Zink wird als adjuvante medikamentöse Therapie bei allergischen Krankheiten empfohlen (21).
Zu dem direkten antiallergischen Effekt von Zink trägt im Komplex Zink-Histidin die antientzündliche und antiallergische Eigenwirkung der Aminosäure bei. Histidin greift steuernd in die Bildung von Serotonin ein, ein Neurotransmitter, der bei allergischen Reaktionen insbesondere an der Entstehung von Juckreiz beteiligt ist (83).
Keine verstärkte Bildung von Histamin durch Histidin
Die Namensverwandtschaft zwischen der Aminosäure Histidin und dem Allergie-Botenstoff Histamin wirft die Frage auf, inwieweit eine Supplementation mit Zink-Histidin nicht die Entstehung von Histamin fördern und somit die Symptomatik von Allergien verstärken
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M.Sc. Sven-David Müller, 2010, Das Spurenelement Zink, München, GRIN Verlag GmbH
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