RWTH Aachen
Geographisches Institut
Magisterarbeit
Die Metropolregion Nürnberg
und die strukturstärkenden Maßnahmen und Chancen nach
der Quelle-Insolvenz
vorgelegt von:
Julia Blix
Köln, Juli 2010
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis...2
Abbildungsverzeichnis...4
Tabellenverzeichnis...5
1 Einleitung...7
1.1 T
HEMA
...7
1.2 A
UFBAU
DER
A
RBEIT
...8
1.3 Q
UELLENLAGE
...10
2 Profil der Wirtschaftsregion Nürnberg ...12
2.1 A
LLGEMEINE
S
TRUKTUR
UND
RÄUMLICHE
L
AGE
...12
2.2 E
INE
E
UROPÄISCHE
M
ETROPOLREGION
...13
2.2.1 Definition und Ziele einer Metropolregion...13
2.2.2 Funktionen und Bedeutung von Metropolregionen...14
2.2.3 Die Europäische Metropolregion Nürnberg...16
2.3 D
EMOGRAPHISCHE
E
NTWICKLUNG
...23
2.4 E
NTWICKLUNG
DER
W
IRTSCHAFTS
-
UND
B
ESCHÄFTIGUNGSSTRUKTUR
...28
2.5 K
OMPETENZEN
UND
S
TÄRKEN
DER
R
EGION
...34
2.5.1 Verkehrsinfrastruktur...34
2.5.2 Hochschul- und Bildungsstruktur...36
2.5.3 Lebensqualität...39
2.6 A
LLGEMEINE
S
TANDORTSTRUKTUREN
SOWIE
B
RANCHEN
-
UND
U
NTERNEHMENSSTRUKTUR
IM
SPEZIELLEN
...40
2.6.1 Allgemeine Standortbedingungen für Unternehmen...40
2.6.2 Branchenstruktur...42
2.6.2.1 Leistungselektronik...42
2.6.2.2 Energiewirtschaft...44
2.6.2.3 Neue Materialien...45
2.6.2.4 Automation und Produktionstechnik...46
2.6.2.5 Automotive...47
2.6.2.6 Informations- und Telekommunikationstechnologie...48
2.6.2.7 Logistik...49
2.6.2.8 Marktforschung...51
2.6.2.9 Medizin und Gesundheit ...53
2.6.2.10 Standort für Messen und Kongresse...53
2.6.2.11 Sonstige innovative Dienstleistungen...55
2.6.3 Unternehmensstruktur...56
3 Entwicklung eines deutschen Traditionsunternehmens...58
3.1 H
ISTORISCHER
R
ÜCKBLICK
AUF
DIE
A
NFÄNGE
UND
DIE
E
NTWICKLUNG
VON
Q
UELLE
...58
3.2 A
UFSTELLUNG
DES
V
ERSANDHAUSES
Q
UELLE
UNTER
DER
A
RCANDOR
AG...65
3.3 E
NDE
EINES
DER
GRÖSSTEN
A
RBEITGEBER
DER
M
ETROPOLREGION
N
ÜRNBERG
...66
4 Gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Region Mittelfranken...72
4.1 A
KTUELLE
W
IRTSCHAFTS
-
UND
A
RBEITSMARKTLAGE
IN
D
EUTSCHLAND
...72
4.2 A
KTUELLE
A
RBEITSMARKTLAGE
IM
B
EZIRK
DER
A
GENTUR
FÜR
A
RBEIT
N
ÜRNBERG
...74
4.3 D
URCHGEFÜHRTE
UND
GEPLANTE
M
ASSNAHMEN
IM
STRUKTURELLEN
W
ANDEL
...79
4.3.1 Sofortmaßnahmen während und nach der Quelle-Insolvenz...79
4.3.2 Strukturfördernde Maßnahmen zur Standortstärkung ...82
2
4.3.2.1 Strukturprogramm Nürnberg-Fürth...82
4.3.2.2 Weitere Förderungen des Freistaates Bayern ...88
4.3.4 Ein erfolgreiches Projekt aus der Vergangenheit Die Uferstadt Fürth...91
5 Analyse der Maßnahmen sowie der Standortstärken und -schwächen. .94
5.1 S
TÄRKEN
-S
CHWÄCHEN
-C
HANCEN
-R
ISIKEN
-A
NALYSE
...94
5.1.1 Verwendung der SWOT-Methode bei der Standortanalyse...94
5.1.2 Stärken-Schwächen-Analyse...95
5.1.3 Chancen-Risiko-Analyse...96
5.2 A
NWENDUNG
DER
A
NALYSE
AUF
DIE
STRUKTURFÖRDERNDEN
M
ASSNAHMEN
UND
DIE
C
HARAKTERISTIKA
DER
M
ETROPOLREGION
N
ÜRNBERG
...97
6 Fazit...100
7. Literaturverzeichnis...105
8. Anhang...117
8.1 T
ABELLEN
...117
8.2 N
ICHT
VERÖFFENTLICHTE
D
OKUMENTE
...140
3
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Stadt und Region Nürnberg...12
Abbildung 2: Mitgliedsstädte und Landkreise der Europäischen Metropolregion
Nürnberg...1
Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung der Stadt Nürnberg 1980 bis 2008...2
Abbildung 4: Bevölkerungsentwicklung und -vorausberechnung der
Europäischen Metropolregion Nürnberg 2003 bis 2028...2
Abbildung 5: Bevölkerungsdichte der Europäischen Metropolregion Nürnberg
2008...2
Abbildung 6: Bevölkerungsvorausberechnung in den Landkreisen der
Europäischen Metropolregion Nürnberg 2008 bis 2028...2
Abbildung 7: Entwicklung der Arbeitslosen von 2004 bis 2010 in der
Europäischen Metropolregion Nürnberg...2
Abbildung 8: Arbeitslosenquote in der Europäischen Metropolregion Nürnberg
nach Landkreisen im Dezember 2009...
Abbildung 9: Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem und Fortschritt des
sektoralen Wandels 2007...3
Abbildung 10: Anteile der Wirtschaftszweige an der Bruttowertschöpfung 2007
...3
Abbildung 11: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren (absolut) 1992 bis
2007...3
Abbildung 12: Regionen mit Attraktivität und Stärken in der Leistungselektronik
...4
Abbildung 13: Bestand an Arbeitslosen im Agenturbezirk Nürnberg 2007 bis
April 2010...7
Abbildung 14: Entwicklung der Arbeitslosenzahlen von Oktober bis Dezember
2009 zum Vormonat in den Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit Nürnberg
(absolut)...7
4
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Fahrtzeiten über Fernstraßen ab Nürnberg (Stunden)...35
Tabelle 2: Bildungsstruktur der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten...37
Tabelle 3: SWOT-Analyse zum Standort Nürnberg...101
Tabelle 4: Bevölkerungsentwicklung der Bundesrepublik Deutschland 1979 bis
2008...106
Tabelle 5: Bevölkerungsentwicklung der Stadt Nürnberg 1979 bis 2008...107
Tabelle 6: Bevölkerungsentwicklung in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg 2003 bis 2008...126
Tabelle 7: Gebietsstand der Europäischen Metropolregion Nürnberg Januar
2009...127
Tabelle 8: Entwicklung der Arbeitslosen in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg von 2000 bis 2009...128
Tabelle 9: Arbeitslose nach Monaten in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg 2004...129
Tabelle 10: Arbeitslose nach Monaten in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg 2005...131
Tabelle 11: Arbeitslose nach Monaten in der EMN 2006...132
Tabelle 12: Arbeitslose nach Monaten in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg 2007...133
Tabelle 13: Arbeitslose nach Monaten in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg 2008...134
Tabelle 14: Arbeitslose nach Monaten in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg 2009...135
Tabelle 15: Arbeitslose nach Monaten in der Europäischen Metropolregion
Nürnberg 2010...136
Tabelle 16: Entwicklung der Arbeitslosenquote in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg von 2000 bis 2009...137
Tabelle 17: Entwicklung der Erwerbstätigenzahl in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 1991 bis 2007...138
Tabelle 18: Erwerbstätige nach Wirtschaftszweigen in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 2007...139
5
Tabelle 19: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte nach Wirtschaftszweigen
in der Europäischen Metropolregion Nürnberg 2007...140
Tabelle 20: Berufsausbildung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
Juni 2008...141
Tabelle 21: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 1992 bis 2007...142
Tabelle 22: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 1992...143
Tabelle 23: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 1997...144
Tabelle 24: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 2002...145
Tabelle 25: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 2007...146
Tabelle 26: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftszweigen in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 2007...148
6
1 Einleitung
1.1 Thema
,,Wenn wir von der Metropolregion Nürnberg reden, dann sprechen wir von ei-
nem dynamischen Entwicklungsraum, der sich nicht durch Verwaltungs- und
Zuständigkeitsgrenzen einengen lässt. Auch findet sich hier kein Platz für Stadt-
Umland-Rivalitäten", so Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg,
bei der Eröffnungsrede der Regionalkonferenz zur Gründung der Metropol-
region Nürnberg im Jahr 2004 (Stadt Nürnberg Amt für Wirtschaft 2004a:2).
Dies war eine positive Ausrichtung und Motivation für die zukünftige Zusam-
menarbeit. Seither haben sich einige negative Ereignisse diesem Optimismus
entgegengestellt. Im Jahr 2010, in welchem die Region das historische Ereignis
des 175-jährigen Jubiläums der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth fei-
ern sollte, überschlagen sich in den Wirtschaftsnachrichten die negativen
Schlagzeilen. Ob Wirtschafts- und Finanzkrise oder Konjunkturabschwung, stei-
gende Arbeitslosenzahlen oder Unternehmensinsolvenzen. Kein Standort ist
davor derzeit sicher. Hinzu kommen strukturelle und demographische Verände-
rungen sowie nicht zuletzt die Einflüsse der Globalisierung. Die Probleme und
Herausforderungen nehmen kein Ende.
Im Fokus steht in der vorliegenden Arbeit die Europäische Metropolregion Nürn-
berg in Zeiten der Wirtschaftskrise und nach der Quelle-Insolvenz. Die Region
Nürnberg wurde in den vergangen Jahren des Öfteren von größeren Unterneh-
mensinsolvenzen getroffen: darunter bekannte Namen wie Triumph-Adler, AEG
und Grundig. Nun wird die Region in der Krisenzeit doppelt belastet. Neben den
deutschlandweiten Folgen der Finanzkrise müssen auch noch die Probleme der
Insolvenz eines der größten Arbeitgeber der Region aufgefangen werden. Wie
können die Verantwortlichen der Wirtschaft diesen Spagat bewältigen? Ein
schmaler Grad zwischen der Schaffung neuer Arbeitsplätze für die Betroffenen
der Quelle-Insolvenz und der Rettung von Unternehmen in der Krise möglichst
ohne Stellenabbau.
7
Die zentralen Fragen, die in dieser Arbeit beantwortet werden sollen, bestehen
darin, die ergriffenen Maßnahmen genauer zu betrachten und dahin gehend zu
analysieren, welche Ziele sie verfolgen und ob sie diese erreichen und den
Standort nachhaltig stärken können. Werden dabei die Besonderheiten der Re-
gion berücksichtigt und tragen sie dazu bei, dass Nürnberg in naher Zukunft
nicht mehr von solchen Ereignissen getroffen wird?
Des Weiteren wird die Europäische Metropolregion Nürnberg hinsichtlich ihres
Standortpotenziales untersucht. Baden-Württemberg und Bayern werden immer
mit Wirtschaftskraft, Wohlstand, hohen Beschäftigungszahlen, traditionellen,
deutschen Großunternehmen, hoher Kaufkraft und hoher Lebensqualität nach
einem deutschlandweiten Süd-Nord-Gefälle in Verbindung gebracht. Wie sieht
dies in der Realität und vor allem in den Landkreisen der Metropolregion aus?
Wie kam es zu der Quelle-Insolvenz unter Annahme der genannten Eigenschaf-
ten? Sind diese wirklich so gut ausgeprägt und aufgestellt, so dass die Metro-
polregion Nürnberg auch die aktuelle Krise ohne schwerwiegende Folgen über-
steht und in Zukunft vor solchen Rückschlägen bewahrt wird?
Diese aufgeworfenen Fragen werden in den folgenden Kapiteln erörtert und
analysiert um im Anschluss Antworten zu finden.
1.2 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich, im Anschluss an diese Einleitung, in vier große The-
menblöcke (Kapitel 2 bis 5) und ein abschließendes Fazit. Zunächst wird ein
ausführliches Profil der Wirtschaftsregion Nürnberg erstellt. Dabei sollen die all-
gemeinen Grundlagen und Gegebenheiten des Standortes dargestellt und sei-
ne charakteristischen Eigenschaften vorgestellt werden. Nürnberg wird als
Stadt und als Metropolregion betrachtet, ergänzt durch den Regierungsbezirk
Mittelfranken. Bezüglich der wirtschaftlichen Standortstruktur wird die demogra-
phische, die wirtschaftliche sowie die Arbeitsmarktentwicklung näher analysiert.
Ergänzend werden die Kernkompetenzen der Region, die Rahmenbedingungen
8
für Unternehmen wie auch die Branchen- und Unternehmensstruktur betrachtet.
Im zweiten Block der Arbeit wird das Unternehmen Quelle vorgestellt. Es wird
zunächst über die Anfänge des Unternehmens berichtet, gefolgt von der Umfir-
mierung bis hin zum schwerwiegenden Niedergang.
Die Konsequenzen aus dieser Unternehmensinsolvenz werden im dritten Teil
der Arbeit über die gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Region Mittelfran-
ken erläutert. Dazu wird zunächst auf die allgemeine wirtschaftliche Situation
der Bundesrepublik Deutschland während der Wirtschafts- und Finanzkrise ein-
gegangen, wonach die angespannte Arbeitsmarktlage in Mittelfranken unter-
sucht wird. Im Anschluss folgen die daraus gezogenen Konsequenzen des Re-
gierungsbezirks und des Freistaates Bayern und die damit verbundenen ergrif-
fenen Maßnahmen, um die Ereignisse zu kompensieren und die Folgen zu be-
seitigen. Das Kapitel über die Uferstadt Fürth soll verdeutlichen, wie die Region
bereits in der Vergangenheit mit solchen Rückschlägen umgegangen ist und
wie ergriffene Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden. Zuletzt werden die
von der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken erhobenen
Prognosen zur aktuellen Konjunkturlage des Standortes Aufschluss über das
Empfinden der Branchen und die Stimmung in der Region geben.
Im vierten großen Abschnitt dieser Arbeit werden die zuvor zusammengetrage-
nen Maßnahmen sowie die Standortstärken und -schwächen innerhalb einer
Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse (SWOT-Analyse) genauer be-
trachtet. Sie soll darlegen, ob die geplanten Maßnahmen die Stärken der Metro-
polregion Nürnberg weiter ausbauen, die Schwächen bekämpfen und so Zu-
kunftschancen wahrgenommen werden, oder ob die Maßnahmen unter Um-
ständen sogar kontraproduktiv sind.
Im abschließenden Fazit werden die wichtigsten Aussagen und Schlussfolge-
rungen nochmals zusammengefasst und mit Blick auf die zentralen Fragestel-
lungen bewertet.
9
1.3 Quellenlage
Die Quellenlage zum Thema ,,Die Metropolregion Nürnberg und die strukturstär-
kenden Maßnahmen und Chancen nach der Quelle-Insolvenz" ist sehr gut. So
bieten die Städte Nürnberg und Fürth sowie die ansässigen Institutionen um-
fangreiche Unterlagen über ihren Standort sowie zu den aktuellen Geschehnis-
sen.
Ein wissenschaftlicher Forschungsstand speziell zu diesem Thema ist selbst-
erklärend noch nicht vorhanden. Zum einen ist das Thema der Quelle-Insolvenz
kurz vor Beginn dieser Arbeit erst akut geworden und zum anderen wurden die
geplanten Maßnahmen gegenwärtig erst verabschiedet und werden nun zeitnah
umgesetzt. Demnach können auch keine Ergebnisse vorgestellt, sondern ledig-
lich Prognosen erörtert werden, da das Titelthema noch nicht abgeschlossen
ist.
Die statistischen Daten, die für die Aussagen hinsichtlich der wirtschaftlichen
Entwicklung von Nöten waren, konnten vollständig aus der GENESIS-Daten-
bank des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung ent-
nommen werden. Da dort die Europäische Metropolregion Nürnberg nicht als
Ganzes gelistet wird, mussten alle Landkreise einzeln abgerufen werden, um
somit die Erhebungen für die Metropolregion zusammen zu stellen. Die veröf-
fentlichten Daten der Metropolregion Nürnberg selbst waren zu größten Teilen
zeitlich überholt.
Zusätzliche nützliche Unterlagen vor allem über abgeschlossene Maßnahmen
nach vergangenen Unternehmensinsolvenzen wurden von der Stadt Fürth und
der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken bereitgestellt.
Als etwas schwieriger erwies sich die Recherche nach der historischen Entwick-
lung von Quelle oder auch aktuellen Unternehmenszahlen unter der Arcandor
AG. Durch die Insolvenz wurden Archive zur Unternehmenshistorie nicht mehr
10
einsehbar. Die Arcandor AG durfte während des laufenden Insolvenzverfahrens
auch nur selektiv Unterlagen veröffentlichen, so dass eine detailliertere Analyse
der Frage, wie es zu dem Untergang kam, nahezu unmöglich wurde. An dieser
Stelle musste auf Veröffentlichungen der deutschen Presselandschaft zurück-
gegriffen werden.
Aber gerade zum Thema Maßnahmen und Chancen wurde von den Städten
Nürnberg und Fürth sowie von der Europäischen Metropolregion Nürnberg und
der Industrie und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken ein umfangreicher
Einblick in die Struktur des Standortes und seine Ziele gewährt.
11
2 Profil der Wirtschaftsregion Nürnberg
2.1 Allgemeine Struktur und räumliche Lage
Nach Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, ist Nürnberg die
weltoffene Wirtschaftsmetropole Nordbayerns und wird als wirtschaftlicher und
kultureller Mittelpunkt angesehen. Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von
186,5 Quadratkilometern bei einer Einwohnerzahl von einer halben Million, Ten-
denz steigend. Damit ist Nürnberg die größte Stadt Frankens. Die Stadt wird
durch die Pegnitz in eine Nord- und eine Südhälfte geteilt. Umgeben wird Nürn-
berg im Osten durch die Fränkische Alp, im Südwesten durch das Fränkische
Seenland und im Norden durch die Fränkische Schweiz (Nürnberg Online
2010a:Abs.1). Wie Abbildung 1 verdeutlicht, liegt die Stadt im Regierungsbezirk
Mittelfranken und bildet den Kern der Europäischen Metropolregion Nürnberg.
Weiterhin wird unterschieden zwischen dem Ballungsraum Nürnberg, oder auch
Industrieregion Mittelfranken, und der Wirtschaftsregion Nürnberg, Mittelfran-
ken. Der Ballungsraum verfügt über 1,3 Millionen Einwohner, die Wirtschaftsre-
gion über 1,7 Millionen, die gesamte Metropolregion Nürnberg über 3,5 Millio-
nen Einwohner. An den Regierungsbezirk Mittelfranken grenzen im Norden die
Regierungsbezirke Unterfranken und Oberfranken, im Osten der Regierungsbe-
zirk Oberpfalz und im Westen Baden-Württemberg (Stadt Nürnberg Amt für
Wirtschaft 2010c:3-4).
Zum Ballungsraum Nürnberg gehören die Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen und
Schwabach sowie die Landkreise Fürth, Erlangen-Höchstadt, Roth und Nürn-
berger Land. Der Regierungsbezirk Mittelfranken wird ergänzt durch die Stadt
Ansbach und die Landkreise Ansbach, Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim
und Weißenburg-Gunzenhausen (Regierung von Mittelfranken 2008).
12
Quelle: Stadt Nürnberg Amt für Wirtschaft 2010c:4.
2.2 Eine Europäische Metropolregion
2.2.1 Definition und Ziele einer Metropolregion
In den 1990er Jahren hat die Ministerkonferenz für Raumplanung (MKRO) be-
gonnen, ,,Metropolregionen" zu bestimmen. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Po-
litik und Planung der Städtelandschaft in Deutschland bestimmt durch die Diffe-
renzierung nach ,,Oberzentren", ,,Verdichtungsräumen" und ,,Ballungszentren"
(Ludwig et. al. 2009:17).
Die heutigen elf Metropolregionen in Deutschland umfassen eine Bevölkerung
von 50 Millionen Menschen. Im einzelnen sind dies Berlin-Brandenburg, Bre-
men-Oldenburg, Frankfurt/Rhein-Main, Hamburg, Hannover-Braunschweig-Göt-
tingen, München, Nürnberg, Rhein-Neckar, Rhein-Ruhr, Halle/Leipzig-Sachsen-
dreieck und Stuttgart (Ludwig et. al. 2009:18). Sie dienen der Wettbewerbsfä-
higkeit dicht besiedelter Regionen von mindestens einer Million Menschen, die
im Zuge der Globalisierung ihre Standortvorteile weltweit verteidigen müssen.
Sie verfügen meist über eine starke Wirtschaftskraft. Durch das Abbauen von
13
Abbildung 1: Stadt und Region Nürnberg
Handelsgrenzen, schneller internationaler Kommunikation und sinkender Trans-
portkosten ist die Regionalisierung und der Wettbewerb um Unternehmen und
hochqualifiziertes Personal gestiegen. Es stehen zunehmend internationale Re-
gionen im Wettbewerb (Beust, v. o.J.:5).
Der Zusammenschluss zu einer Metropolregion verschafft den kleineren Städ-
ten eine weltweite Wahrnehmung als Standort für Investitionen, qualifizierte Ar-
beitskräfte und mit Lebensqualität. In ihrem Netzwerk entwickeln sie geschlos-
sen ihre Marketingstrategien, die Verkehrsplanung, die Wirtschaftsförderung
und ihre Clusterpolitik, um wirkungsvoll ansässige Partner bei der Kostensen-
kung zu unterstützen. In den Metropolregionen finden sich alle wichtigen Kom-
ponenten, die für die Entstehung von Innovationen und Arbeitsplätzen wichtig
sind. Dazu zählen Universitäten in Kooperationen mit Forschungseinrichtungen,
internationale und nationale Verkehrsknotenpunkte, internationale Unterneh-
men, kreative Milieus und Cluster. Dadurch werden die Metropolregionen zur
treibenden Kraft, um Europa zu dem wettbewerbsfähigsten Kontinent auszu-
bauen und ihn enger zusammenwachsen zu lassen (Beust, v. o.J.:5-6).
Damit sind die Ziele klar definiert. Die nationalen Metropolregionen sollen durch
ihre Verflechtung untereinander die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik in
Europa stärken, um danach durch die Vernetzung der internationalen Metropol-
regionen auch auf dem globalen Markt gut aufgestellt zu sein (Blotevogel
2002:345).
2.2.2 Funktionen und Bedeutung von Metropolregionen
Die Funktionen einer Metropolregion dienen der Analyse von Stärken und
Schwächen einer Region hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer interna-
tionalen Verbindungen (Ludwig et. al. 2009:17). Hans Heinrich Blotevogel
(2002:346) unterscheidet drei Funktionen einer Metropolregion, die sich gegen-
seitig verstärken und bedingen und nicht autark zu betrachten sind. Die Ent-
14
scheidungs- und Kontrollfunktion wird anhand der Zahl der ansässigen interna-
tionalen Organisationen, Geschäftsstellen der öffentlichen Hand oder aus der
Privatwirtschaft in Form von Hauptsitzen von transnationalen Unternehmen
oder auch des Finanzwesens mit Banken und Börsen gemessen.
Die Innovations- und Wettbewerbsfunktion wird beispielsweise an der Zahl der
Studierenden oder an den Besuchern von kulturellen Einrichtungen gemessen.
Sie soll verdeutlichen, wie die Generierung und Verbreitung von sozialen, kultu-
rellen und wirtschaftlich-technischen Innovationen voranschreitet.
Die dritte Funktion gibt wieder, wie gut eine Metropolregion vernetzt ist, um Zu-
gänge zu Menschen, Wissen und Märkten herzustellen. Diese sogenannte Ga-
teway-Funktion wird zum Beispiel anhand der Verkehrs- und Kommunikations-
infrastruktur sowie am Vorhandensein von Messen und Ausstellungen gemes-
sen.
Für die Themen Wachstum und Innovation, Sicherung der Daseinsvorsorge,
das Gestalten von Kulturlandschaften sowie das Bewahren von Ressourcen hat
die Stärkung der Metropolregionen eine große Bedeutung. Das Leitbild Wachs-
tum und Innovation steht dabei im Fokus und soll unter anderem dazu beitra-
gen, dass Stärken, Kräfte, Potenziale sowie Partnerschaften zwischen Stadt
und Land gebündelt und gestärkt werden. Dazu sollen, um Beispiele zu nen-
nen, die Verkehrsinfrastruktur ausgebaut, die Internationalisierung der Regio-
nen gefördert und Wissensnetzwerke integriert werden (Ludwig et. al. 2009:18-
19). Die Metropolregionen in Deutschland sind jedoch von ihrer administrativen
Grundordnung und Raumstruktur sowie ihrem Entwicklungsstand sehr unter-
schiedlich (Ludwig et. al. 2009:27).
15
2.2.3 Die Europäische Metropolregion Nürnberg
Die Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) hat am 28. April 2005 die Wirt-
schaftsregion Nürnberg zur Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) er-
nannt. Die EMN zählt zu den zehn stärksten Wirtschaftsräumen Deutschlands
und hat eine wichtige Stellung im polyzentrischen Beziehungsgeflecht deut-
scher Stadtregionen mit den europäischen Metropolregionen (Stadt Nürnberg
Amt für Wirtschaft 2004a:3). Organisiert wird die europäische Metropolregion
Nürnberg in der Regionalkonferenz. Diese ist unterteilt in den Rat und den
Steuerungskreis, der den Ratsvorsitz inne hat. Dieser Ratsvorsitz setzt sich aus
einem Oberbürgermeister, einem Landrat und einem Bürgermeister zusammen
und vertritt die Metropolregion Nürnberg nach außen. Steuerungskreis und
Ratsvorsitz werden vom Rat gewählt, der sich aus den gesetzlichen Vertretern
der Gebietskörperschaften, je einem Vertreter der jeweiligen Regierungsbezirke
und Bezirkstage sowie Vertretern der bayerischen Staatsregierung zusammen-
setzt. Im Steuerungskreis finden sich Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft,
Kultur, Sport, Politik und Verwaltung wieder. Dort werden Strategien und Projek-
te entwickelt, die im Anschluss zur Prüfung an den Rat weitergegeben werden.
Die sieben Fach-Foren haben jeweils ein Leitungsgremium, welches sich min-
destens aus einem politischen und einem fachlichen Sprecher zusammensetzt.
Diese bilden den Steuerungskreis. Namentlich spricht man von dem Forum
Wirtschaft und Infrastruktur, Forum Wissenschaft, Forum Verkehr und Planung,
Forum Kultur, Forum Sport, Forum Tourismus und dem übergreifenden Service-
Forum-Marketing. Die Funktionen der Geschäftsführung werden derzeit durch
berufsmäßige Referenten der größeren Städte besetzt. Finanziert wird die Zu-
sammenarbeit der Metropolregion durch Mitgliedsbeiträge der Gebietskörper-
schaften, Sponsorengelder und Drittmittel (Standecker o.J.:119-121).
Am 12. Mai 2005 wurde in Erlangen die Charta der Metropolregion Nürnberg
unterzeichnet. Darin sind die Prämissen für die Zusammenarbeit festgehalten.
Diese sind die Freiwilligkeit, die Subsidiarität, Offenheit und Dynamik, Konsens,
ein demokratischer Kern, gleiche Augenhöhe und die Vernetzung mit Wirtschaft,
Wissenschaft, Kultur und Verwaltung (Metropolregion Nürnberg 2005:3-4).
16
Die Gebietskörperschaften des Großraumes Nürnberg können sich absolut frei-
willig der Metropolregion Nürnberg anschließen. Innerhalb der EMN herrscht
das Prinzip der Subsidiarität. Danach werden ausschließlich Aufgaben wahrge-
nommen, die auf höheren Ebenen oder von anderen Institutionen unerfüllt blei-
ben. Des Weiteren bezeichnet sich die Metropolregion als offen und dynamisch.
Sie bündelt in ihrem Kern Wettbewerbs-, Steuerungs- und Innovationsfunktio-
nen sowie Ergänzungsnetzwerke in den äußeren Städten und Landkreisen,
welche durch Kultur-, Kunst- und Kommunikationszentren vervollständigt wer-
den. Komplementärfunktionen werden von Teilräumen mit Tourismus, Landwirt-
schaft, Landschaftsschutz und ähnlichem übernommen (Metropolregion Nürn-
berg 2005:3).
Zudem soll die Metropolregion wie eine Konsensregion zusammenarbeiten kön-
nen, indem keinerlei Druck von höheren Instanzen ausgeübt wird. Dies soll
durch eine breite Zustimmung der unterschiedlichen Akteure und innerhalb ei-
nes Arbeitskreises, der sich aus Vertretern der einzelnen Kommunen zusam-
menstellt, umgesetzt werden. Der Rat der Metropolregion Nürnberg bildet ihren
demokratischen Kern nach dem Prinzip der bürgerschaftlichen Repräsentation
innerhalb der kommunalen Selbstverwaltung. Ergänzt wird dies durch das Prin-
zip der ,,gleichen Augenhöhe". Danach sind alle Vertreter der Kommunen, das
heißt alle Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister, im Rat gleichge-
stellt. Ihre Stimme wird nicht je nach Wirtschaftskraft oder Bevölkerungszahl un-
terschiedlich gewichtet. Zuletzt ist in den Prämissen der Zusammenarbeit die
Vernetzung zu Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Verwaltung
unabdingbar, um zukünftigen Aufgaben erfolgreich gerecht werden zu können
(Metropolregion Nürnberg 2005:3-4).
Im deutschlandweiten Vergleich ist die EMN der drittstärkste Wachstumsmotor
hinter Stuttgart und München. Sie erwirtschaftete im Jahr 2007 ein Brutto-
inlandsprodukt von 112 Milliarden Euro und erreichte damit eine höhere Wirt-
schaftsleistung als manche osteuropäischen Länder, wie beispielsweise Slowe-
nien oder die Slowakei. Abbildung 2
zeigt die 33 Mitgliedsstädte und Landkreise
17
der EMN mit ihren rund 3,5 Millionen Einwohnern (Europäische Metropolregion
Nürnberg o.J.a:1).
Zum Kern der Metropolregion gehören der Regierungsbezirk
Mittelfranken ergänzt durch Teile der Regierungsbezirke Oberfranken und der
Oberpfalz. Die Städte Bayreuth und Bamberg sowie die Landkreise Bamberg,
Bayreuth und Forchheim gehören dabei zu dem Regierungsbezirk Oberfranken,
aus dem zusätzlich die Städte Coburg und Hof und die Landkreise Coburg,
Kulmbach, Kronach, Lichtenfels und Wunsiedel im Fichtelgebirge zu dem erwei-
terten Kreis der EMN gehören. Zum Regierungsbezirk der Oberpfalz gehören
die Mitgliedsstadt Amberg und die beiden Landkreise Amberg-Sulzbach sowie
Neumarkt in der Oberpfalz. Hier bilden die Landkreise Tirschenreuth und Neu-
stadt an der Waldnaab gemeinsam mit der Stadt Weiden das erweiterte Netz
der EMN. Ergänzt wird der erweiterte Kreis der Metropolregion durch die Land-
kreise Haßberge und Kitzingen sowie der Stadt Würzburg, die zu dem Regie-
rungsbezirk Unterfranken zählen (Stadt Nürnberg Wirtschaftsreferat 2008:1). In
einem Umkreis von 100 Kilometern erreicht die EMN 5,5 Millionen Menschen,
bei einem Radius von 200 Kilometern sind es schon 27 Millionen (Europäische
Metropolregion Nürnberg o.J.a:2).
18
Quelle: Stadt Nürnberg Wirtschaftsreferat 2008:1, eigene Darstellung.
Alle Mitglieder verfolgen das Ziel, die ,,Europäische Metropolregion Nürnberg"
als eine internationale Marke zu integrieren. Zudem wollen sie die Gestaltungs-
möglichkeiten innerhalb Europas perfektionieren und die Metropol-Funktionen
in Form von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und Verkehrsinfra-
struktur als Gateway nach Osteuropa weiter ausbauen. Die innerregionale Ko-
operation und die Verantwortungsgemeinschaft sollen gestärkt werden. Dazu
arbeitet die EMN eng mit den ansässigen Unternehmen, Wissenschaftlern, Kul-
turmanagern, Touristikern, Sportlern und Marketingfachleuten des Steuerungs-
kreises zusammen. Vermarktungsmaßnahmen laufen zentral über einen eige-
nen Verein, der ,,Marketingverein Europäische Metropolregion Nürnberg e.V."
(Europäische Metropolregion Nürnberg o.J.a:1).
Der Markenkern der Metropolregion Nürnberg beinhaltet Internationalität, Krea-
tivität und Lebensqualität. Dies schlägt sich in dem Claim nieder: ,,Metropolregi-
on Nürnberg. Kommen. Staunen. Bleiben.". Die Europäische Metropolregion
19
Abbildung 2: Mitgliedsstädte und Landkreise der Europäischen Metropolregion
Nürnberg
Fürth
Lkr.
Fürth
Erlangen
Nürnberg
Lkr.
Nürnberger
Land
Lkr. Amberg-
Sulzbach
Lkr. Roth
Ansbach
Lkr. Ansbach
Lkr. Kitzingen
Lkr. Haßberge
Coburg
Lkr. Coburg
Schwabach
Lkr.
W eißenburg-
Gunzenhausen
Lkr. Neustadt a.d. Aisch-
Bad W indsheim
Lkr. Erlangen- Höchstadt
Lkr.
Forchheim
Lkr.
Bamberg
Bamberg
Lkr.
Lichtenfels
Lkr.
Kronach
Lkr.
Kulmbach
Lkr.
W unsiedel
i.Fichtelgebirge
Lkr.
Bayreuth
Bayreuth
Lkr. Tirschenreuth
Lkr. Neustadt a.d.
W aldnaab
W eiden
Hof
Amberg
Lkr. Neumarkt
i.d.Oberpfalz
W ürzburg
Thüringen
Baden-W ürttemberg
Tschechien
Sachsen
100 km
80
60
40
20
0
Maßstab 1 : 1 000 000
Mittelfranken
Oberfranken
Oberpfalz
Unterfranken
Nürnberg als internationale Marke zu integrieren ist sehr wichtig für ihre Ent-
wicklung, da nur große und leistungsstarke Regionen weltweit wahrgenommen
werden. Die hohe Exportquote und die Ausrichtung der ansässigen Unterneh-
men nach Mittel- und Südosteuropa sowie nach Asien macht dieses Vorhaben
deutlich (Standecker o.J.:122).
Bezüglich der Stärkung der metropolitanen Funktionen engagiert sich die EMN
aktiv. So beteiligt sie sich beispielsweise am EU-Projekt ,,Euromid Bridge" und
unterstützt damit ihre Gateway-Funktion in Europa. Dieses Projekt verfolgt das
Ziel, ein integriertes Logistiknetzwerk zwischen Nord- und Süd-Europa, wie
auch zwischen Nah-, Mittel- und Ost-Europa zu schaffen. Hinsichtlich seiner In-
novations- und Wettbewerbsfunktion ist die Metropolregion Nürnberg sowohl im
bundes- als auch im europäischen Vergleich sehr gut aufgestellt. Lediglich die
Entscheidungs- und Kontrollfunktion wird ausschließlich durch ansässige Global
Player bedient. Es fehlt der ganzen Region an europäischen und internationa-
len Einrichtungen. Auch Bundes- und Landeseinrichtungen sind nur marginal
vertreten. Die wirtschaftlichen Aktivitäten der ansässigen Großunternehmen
sind polyzentrisch in der Region verteilt, was für die Clusterpolitik nachteilig ist
(Standecker o.J.:123-125).
Für die Optimierung der innerregionalen Kooperation und auch teils für die
Clusterbildung sind durch die polyzentrische Verteilung leistungsfähige Ver-
kehrsnetze unerlässlich. So hat sich der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg
(VGN) in den vergangenen Jahren mehrfach erweitert. Das Forum Verkehr und
Planung hat Gespräche mit allen Mitgliedsstädten und Landkreisen aufgenom-
men, um diese in den VGN einzugliedern. Vor allem das Forum Tourismus ist
für die innerregionale Kooperation von großer Bedeutung. Das gemeinsame
Marketing in diesem Bereich muss weiter verstärkt werden, da der Tourismus
über nicht ausgeschöpftes Potenzial verfügt (Standecker o.J.:125).
20
Die Metropolregion Nürnberg ist eingegliedert in das Metrex, das Netzwerk der
europäischen Metropolregionen. Dieses sitzt in Brüssel und soll einen Beitrag
zur europäischen Raumordnung leisten. Außerdem ist die EMN Mitglied von
Eurocities, der europäischen Vereinigung der Großstädte. Dieses Netzwerk ver-
tritt die europäischen Großstädte als eine politische Einheit vor der Europäi-
schen Union und möchte so den kommunalen Einfluss bei europäischen Ent-
scheidungen stärken und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit unterstüt-
zen. Zu den zentralen Aufgaben des Netzwerkes zählen die Verbesserung der
Lebensqualität in Großstädten, die Unterstützung der Städte bei der Eingliede-
rung in die EU sowie Hilfestellungen bei der Demokratisierung und Marktwirt-
schaft von mittel- und osteuropäischen Staaten (Metropolregion Nürnberg
2010a:Abs.1-2).
Für das Konzept eines leistungsfähigen Netzwerkes der deutschen und euro-
päischen Metropolregionen steht der ikm, der Initiativkreis europäischer Metro-
polregionen in Deutschland. Er unterstützt unter anderem bei der Wettbewerbs-
und Handlungsfähigkeit sowie der Zusammenarbeit der Metropolregionen un-
tereinander (Metropolregion Nürnberg 2010a:Abs.3).
Auf wirtschaftlicher Ebene ist die Wettbewerbs- und Innovationsfunktion in der
Metropolregion Nürnberg von sehr großer Bedeutung. In Zeiten der Verände-
rungen zeigt sich die Region als sehr stark in diesem Bereich und verzeichnete
in den vergangen Jahren erhebliche Wachstumsraten der Bruttowertschöpfung
im produzierenden Gewerbe, aber vor allem im tertiären Sektor mit innovativen
Dienstleistungen. Die EMN wird als das europäische Zentrum der Marktfor-
schung und als Pionier-Region des Financial Broking angesehen. Im Bereich E-
Commerce liefen in Nürnberg Pilotprojekte und für steuerberatende Dienstleis-
tungen findet sich dort die größte Anzahl an Anbietern. Die Exportquote liegt bei
ungefähr 40 Prozent, was vor allem im Zuge der EU-Osterweiterung auf die Ge-
schäftstätigkeiten mit mittel- und osteuropäischen Unternehmen zurückzuführen
ist (Stadt Nürnberg Amt für Wirtschaft 2004a:20). Zu den Kernkompetenzen ge-
hören Information und Kommunikation, Verkehr und Logistik, Medizin und Ge-
21
sundheit, Energie und Umwelt, Neue Materialien, Automation und Produktions-
technik sowie Automotive. In diesen Branchen ist die Metropolregion Nürnberg
mit ihren zahlreichen Forschungs- und Entwicklungsinstituten und Innovationen
sehr gut aufgestellt und konkurrenzfähig (Metropolregion Nürnberg
2010b:Abs.4).
Die Landkreise im Osten der Metropolregion, darunter Kronach, Kulmbach,
Bayreuth, Wunsiedel im Fichtelgebirge, Tirschenreuth, Neustadt an der Wald-
naab und Amberg-Sulzbach, der nicht zu der Metropolregion gehörende Land-
kreis Hof sowie die jeweiligen Kreisfreien Städte Bayreuth, Weiden, Amberg
und Hof sind Mitglieder der deutsch-tschechischen Euregio Egrensis. Weitere
deutsche Mitglieder sind die sächsischen Landkreise Greiz und der Saale-Orla-
Kreis sowie die thüringischen Landkreise Aue-Schwarzenberg, der Vogtland-
kreis und die Stadt Plauen. Auf tschechischer beziehungsweise böhmischer
Seite wird das Gebiet von den Ländern Eger, Falkenau, Karlsbad und Tachau
komplementiert (Euregio Egrensis Arbeitsgemeinschaft Bayern e.V.
2006b:Abs.5-6).
Eine Euregio ist eine grenzüberschreitende Organisation. Diese Vereinigungen
über Staatsgrenzen hinweg unterliegen dem Prinzip der Freiwilligkeit und stel-
len keine weitere Verwaltungsebene dar. Deutschlandweit gibt es 25 dieser Zu-
sammenschlüsse entlang der Staatsgrenze, europaweit sogar 160 (Euregio
Egrensis Arbeitsgemeinschaft Bayern e.V. 2006b:Abs.1-2).
Die Euregio Egrensis wurde im Februar 1993 gegründet und umfasst ein Gebiet
von 17.000 Quadratkilometern. Dort leben ungefähr zwei Millionen Menschen,
wovon 50 Prozent aus Bayern, 30 Prozent aus Sachsen und Thüringen und 20
Prozent aus Tschechien stammen (Euregio Egrensis Arbeitsgemeinschaft Bay-
ern e.V. 2006b:Abs.4-5).
Das Ziel der Euregio ist die Förderung und die Koordination der grenzüber-
schreitenden Zusammenarbeit von Deutschen und Tschechen, wodurch die Fol-
22
gen der Trennung des Wirtschaftsraumes durch den ,,Eisernen Vorhang" beho-
ben werden sollen. Vor der Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg war die Region
trotz unterschiedlicher Herrschaftsverhältnisse ein gemeinsamer Lebens- und
Wirtschaftsraum. Durch die kooperative Arbeit in den Bereichen Wirtschaft, Ver-
kehr, Tourismus, Umwelt, Kultur, Sprache und Arbeitsmarkt soll dies wieder auf-
gebaut werden. Die drei Teilregionen weisen jedoch teilweise große strukturelle
Unterschiede auf, wie beispielsweise bei dem Lohngefälle, der Wirtschaftsstruk-
tur oder auch der Bevölkerungsstruktur und -entwicklung (Euregio Egrensis Ar-
beitsgemeinschaft Bayern e.V. 2008:5).
Die Zielsetzung, die Beziehungen zu unterstützen und weiter auszubauen,
sprachliche Barrieren abzubauen sowie die Integration Tschechiens in die Euro-
päische Union zu fördern, soll der Satzung nach die Völkerverständigung, Tole-
ranz und Aussöhnung wie auch den Abbau von Vorbehalten und Vorurteilen in-
nerhalb der Bevölkerung unterstützen (Euregio Egrensis Arbeitsgemeinschaft
Bayern e.V. 2006c:Abs.1-4).
Auf bayerischer Seite hat die Euregio Egrensis vier Arbeitskreise geschaffen,
die einen wichtigen Knotenpunkt für den Austausch der Mitglieder mit der Ge-
schäftsstelle bilden. Die einzelnen Arbeitskreise sind zum einen in Wirtschaft,
Verkehrswesen, Arbeitsmarkt und Infrastruktur, zum anderen in Umweltschutz
und Ökologie. Die beiden weiteren sind Arbeitskreise zu den Themen Fremden-
verkehr, Erholung und Touristik sowie für Kultur, Jugendarbeit und Sport (Eure-
gio Egrensis Arbeitsgemeinschaft Bayern e.V. 2006a:Abs.1-3).
2.3 Demographische Entwicklung
In den vergangenen Jahren ist die Bevölkerung in der Stadt Nürnberg kontinu-
ierlich gewachsen. Im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland verzeichnet
sie seit der Jahrtausendwende positive Entwicklungsraten, wie in Abbildung 3
deutlich zu erkennen ist. In einer Zeit, in der anhaltend von einer abnehmenden
23
Bevölkerungszahl gesprochen wird, entwickelt sich Nürnberg in diesem Punkt
gegen den Trend. Dies lässt Rückschlüsse auf eine sehr gute Standortqualität
hinsichtlich Wohlstand, Lebensqualität und positive Zukunftsaussichten auf dem
Arbeitsmarkt zu.
Abbildung 4 zeigt, dass die Bevölkerungsentwicklung innerhalb der Europäi-
schen Metropolregion Nürnberg seit ihrem Bestehen kontinuierlich sinkt. Für
das Jahr 2028 wird sogar ein Bevölkerungsrückgang von minus 3,8 Prozent
prognostiziert.
Quelle: Stadt Nürnberg Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth 2009:29,
Statistisches Bundesamt 2010b:35, eigene Darstellung.
24
19
80
19
82
19
84
19
86
19
88
19
90
19
92
19
94
19
96
19
98
20
00
20
02
20
04
20
06
20
08
-1,5%
-1,0%
-0,5%
0,0%
0,5%
1,0%
1,5%
2,0%
400.000
420.000
440.000
460.000
480.000
500.000
520.000
Nürnberg
Deutschland
Nürnberg absolut
+
/-
z
.V
j.
(%
)
B
ev
ölk
er
un
g
ab
so
lu
t
Abbildung 3: Bevölkerungsentwicklung der Stadt Nürnberg 1980 bis 2008
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 2009:7-8, 2010 (vgl. Tabelle
6), eigene Darstellung.
Die Bevölkerungsdichte der einzelnen Mitgliedsstädte und Landkreise der Me-
tropolregion Nürnberg im Jahre 2008 ist in Abbildung 5 ablesbar. Die dicht be-
siedelten Regionen beschränken sich auf die Städteachse Schwabach Nürn-
berg Fürth Erlangen und die übrigen kreisfreien Städte. Die Stadt Nürnberg
ist mit 2.708 Einwohnern pro Quadratkilometer mit großem Abstand am dichtes-
ten besiedelt. Damit liegt Nürnberg sogar vor der zweitgrößten Stadt Deutsch-
lands, denn Hamburg hatte im Jahre 2008 lediglich eine Dichte von 2.347 Ein-
wohnern pro Quadratkilometer (Statistisches Bundesamt 2010a). Die Landkrei-
se Unterfrankens, Haßberge und Kitzingen, die großflächigen Landkreise Mittel-
frankens mit Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Ansbach und Weißenburg-
Gunzenhausen sowie der Oberpfalz, neben Neustadt an der Waldnaab auch
Tirschenreuth, Amberg-Sulzbach und Neumarkt, bilden die Grenzregion der Me-
tropolregion Nürnberg und sind mit bis zu 100 Einwohnern pro Quadratkilome-
tern am dünnsten besiedelt. Neustadt an der Waldnaab bildet mit 69 Einwoh-
nern pro Quadratkilometer das Schlusslicht. Im Regierungsbezirk Oberfranken
ist es nur der Landkreis Bayreuth, der zu dieser Gruppe gezählt wird (vgl. Tabel-
le 6, Tabelle 7).
25
Abbildung 4: Bevölkerungsentwicklung und -vorausberechnung der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 2003 bis 2028
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2028
3.250.000
3.300.000
3.350.000
3.400.000
3.450.000
3.500.000
3.550.000
3.523.824 3.523.579 3.520.836
3.513.575 3.508.038
3.495.848
3.361.800
E
in
w
o
h
n
e
r
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 2010 (vgl. Tabelle 6, Tabelle
7), eigene Darstellung und Berechnung.
In Abbildung 6
wird die Bevölkerungsvorausberechnung des Bayerischen Lan-
desamtes für Statistik und Datenverarbeitung dargestellt. Sie bezieht sich auf
die Veränderungsrate des Jahres 2028 zum Basisjahr 2008. Die Bevölkerungs-
entwicklung ist vor allem eine Folge des demographischen Wandels. Durch die
immer älter werdende Landesbevölkerung, wovon auch Nordbayern nicht ver-
schont bleibt, wird durch die große Differenz zwischen der Fertilitäts- und Mor-
talitätsrate die Bevölkerung weiter abnehmen.
Die nordöstlichen Landkreise der
EMN werden vermutlich über den Zeitraum von 20 Jahren sehr große Bevölke-
rungsverluste verzeichnen müssen. Für den oberfränkischen Landkreis Wunsie-
del im Fichtelgebirge wird ein Bevölkerungsrückgang von minus 21,7 Prozent
prognostiziert, gefolgt vom Landkreis Kronach mit minus 15,4 Prozent. Dahin-
gegen verzeichnet die mittelfränkische Städteachse Nürnberg Fürth Erlan-
gen deutlich positivere Entwicklungsraten, mit 3,3 Prozent für die Stadt Nürn-
berg, 3,0 Prozent für die Stadt Erlangen und sogar 5,2 Prozent für die Stadt
Fürth. Damit werden für die Stadt Fürth trotz struktureller Probleme hinsichtlich
der Unternehmensinsolvenzen die besten Zukunftsaussichten gestellt. Jedoch
26
Abbildung 5: Bevölkerungsdichte der Europäischen Metropolregion Nürnberg 2008
0 - 100
101 - 200
201 - 400
401 - 800
801 - 1600
1600 und mehr
Fürth
Lkr.
Fürth
Erlangen
Nürnberg
Lkr.
Nürnberger
Land
Lkr. Amberg-
Sulzbach
Lkr. Roth
Ansbach
Lkr. Ansbach
Lkr. Kitzingen
Lkr. Haßberge
Coburg
Lkr. Coburg
Schwabach
Lkr.
W eißenburg-
Gunzenhause
n
Lkr. Neustadt a.d.
Aisch- Bad W indsheim
Lkr. Erlangen-
Höchstadt
Lkr.
Forchheim
Lkr.
Bamberg
Bamberg
Lkr.
Lichtenfels
Lkr.
Kronach
Lkr.
Kulmbach
Lkr.
W unsiedel
i.Fichtelgebirge
Lkr.
Bayreuth
Bayreuth
Lkr. Tirschenreuth
Lkr. Neustadt a.d.
W aldnaab
W eiden
Hof
Amberg
Lkr. Neumarkt
i.d.Oberpfalz
W ürzburg
100 km
80
60
40
20
0
Maßstab 1 : 1 000 000
Bevölkerungsdichte 2008
Einwohner/km²
werden auch die Landkreise im Regierungsbezirk Mittelfranken mit erheblichen
Bevölkerungsrückgängen zu rechnen haben. Allen voran der Landkreis Wei-
ßenburg-Gunzenhausen mit einer Negativbilanz von minus 7,6 Prozent. Nur die
Landkreise Erlangen-Höchstadt und Fürth erwarten Bevölkerungszugänge von
0,1 Prozent beziehungsweise 1,6 Prozent (Bayerisches Landesamt für Statistik
und Datenverarbeitung 2009:7-8).
Viel gravierender ist im demographischen Wandel neben den Bevölkerungs-
rückgängen die Altersstruktur. Das steigende Durchschnittsalter in den Regio-
nen kann in der Zukunft zu Problemen führen. Deshalb ist es wichtig für die Me-
tropolregion Nürnberg, frühzeitig auf die sich abzeichnenden Tendenzen zu rea-
gieren, um sich vor schwerwiegenden Folgen für Wirtschaft und Finanzierung
zu schützen. Zum einen müssen Maßnahmen ergriffen werden, um einem stei-
genden Fachkräftemangel vorzubeugen. Der Nachwuchs muss bestmöglich in
das Bildungssystem und hinterher in den Arbeitsmarkt integriert werden. Zum
anderen muss darauf geachtet werden, dass es unter den Gemeinden nicht zu
sozialen Segregationsunterschieden kommt, also zu Gemeinden mit einkom-
mensstarken Einwohnern und anderen mit einkommensschwächeren Einwoh-
nern oder einer hohen Arbeitslosenquote. Die Landkreise müssen ausgeglichen
unterstützt werden um große Unterschiede in der Entwicklung zu vermeiden.
27
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 2009:7-8, eigene Darstel-
lung.
2.4 Entwicklung der Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur
Die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur der Europäischen Metropolregion
Nürnberg hat in den vergangenen Jahren eine auffällige Entwicklung durchlau-
fen. Dies wird bei der Betrachtung von Abbildung 7 deutlich. Diese zeigt die Ent-
wicklung der Arbeitslosenzahlen in der Metropolregion Nürnberg nach Monaten
von 2004 bis 2010, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass diese erst im
April 2005 gegründet wurde. Die Daten von Januar 2004 bis März 2005 bezie-
hen sich auf die gleiche Region. An dieser Statistik zeigt sich, dass die Zahl der
Arbeitslosen seit der Gründung der EMN jährlich abgenommen hat. Im Dezem-
ber 2004 waren 163.329 Menschen ohne Arbeit, im Dezember 2009 dagegen
nur noch 98.331 Personen.
28
Abbildung 6: Bevölkerungsvorausberechnung in den Landkreisen der Europäischen
Metropolregion Nürnberg 2008 bis 2028
bis unter -15
Fürth
Lkr.
Fürth
Erlangen
Nürnberg
Lkr.
Nürnberger
Land
Lkr. Amberg-
Sulzbach
Lkr. Roth
Ansbach
Lkr. Ansbach
Lkr. Kitzingen
Lkr. Haßberge
Coburg
Lkr. Coburg
Schwabach
Lkr.
W eißenburg-
Gunzenhausen
Lkr. Neustadt a.d. Aisch-
Bad W indsheim
Lkr. Erlangen- Höchstadt
Lkr.
Forchheim
Lkr.
Bamberg
Bamberg
Lkr.
Lichtenfels
Lkr.
Kronach
Lkr.
Kulmbach
Lkr.
W unsiedel
i.Fichtelgebirge
Lkr.
Bayreuth
Bayreuth
Lkr. Tirschenreuth
Lkr. Neustadt a.d.
W aldnaab
W eiden
Hof
Amberg
Lkr. Neumarkt
i.d.Oberpfalz
100 km
80
60
40
20
0
Maßstab 1 : 1 000 000
Bevölkerungsentwicklung
2008-2028 in Prozent (%)
-15 bis unter -10
W ürzburg
-10 bis unter -5
-5 bis unter 0
0 bis unter 5
5 und mehr
Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 2010 (vgl. Tabellen 9-15),
eigene Darstellung.
Abbildung 8 stellt die Arbeitslosenquote gemessen an allen zivilen Erwerbsper-
sonen im Dezember 2009 für die jeweiligen Mitgliedsstädte und Landkreise dar.
Sie zeigt einen stabilen Arbeitsmarkt. So herrschen in den drei Landkreisen Er-
langen-Höchstadt, Ansbach und Neumarkt in der Oberpfalz annähernd Vollbe-
schäftigung mit Quoten unter 3,5 Prozent. Auch alle umliegenden Landkreise
weisen moderate Arbeitslosenquoten von bis zu 4,5 Prozent auf. Lediglich die
Landkreise mit Außengrenze nach Tschechien haben höhere Quoten von 6,9
Prozent in Wunsiedel im Fichtelgebirge oder 5,8 Prozent in Tirschenreuth. Von
den kreisfreien Städten hat nur Erlangen eine Arbeitslosenquote von 4,4 Pro-
zent.
Die übrigen liegen über 5,5 Prozent und Fürth, Nürnberg, Amberg, Weiden
und Hof sogar über 7,5 Prozent. Weiden hat die höchste Arbeitslosenquote aller
kreisfreien Städte mit 8,5 Prozent.
Im Vergleich zu anderen deutschen Regio-
nen, die ländlich geprägt oder vom strukturellen Wandel betroffen sind, wie bei-
spielweise das Ruhrgebiet mit Arbeitslosenquoten von stellenweise bis zu 16
Prozent oder ländliche Regionen in den neuen Bundesländern mit bis zu 20
Prozent, ist der Arbeitsmarkt der Europäischen Metropolregion Nürnberg trotz
29
Abbildung 7: Entwicklung der Arbeitslosen von 2004 bis 2010 in der Europäischen
Metropolregion Nürnberg
Ja
n
u
a
r
F
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b
ru
a
r
M
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r
N
o
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m
b
e
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D
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ze
m
b
e
r
70.000
90.000
110.000
130.000
150.000
170.000
190.000
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
A
rb
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it
sl
o
se
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