1 Einleitung
Dieter Mertens, 1967-1987 Leiter des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit, hat „mit seinen Beiträgen zur beruflichen Flexibilitätsforschung einen berufs- und erwachsenenpädagogischen Stein ins Rollen gebracht, der bis heute noch nicht zum Stillstand gekommen ist.“ Den Begriff „Schlüsselqualifikation“ verwendete er zum ersten Mal auf einem Vortrag 1972, und gab 1974 eine erste schriftliche Definition. Er formuliert „[…] weniger Vermittlung additiven Wissens (to know what) und mehr „Schulung“ von Fähigkeiten und prozeduralem Wissen.“ (vgl. Arnold/ Müller, S. 31). Der Stellenwert spezialisierten Fachwissens verändert sich zugunsten umfassender Kompetenzvermittlung. Es findet ein Paradigmenwechsel statt. „Es geht nicht mehr vorrangig um analytisch bestimmte und in Seminaren zu vermittelnde Qualifikationen, sondern um umfassende Kompetenzen, für deren Erwerb das Lernen in der Arbeits- und Lebenswelt unerlässlich ist.“ (vgl. Dehnbostel, S. 1). Neue Medien dienen im Lehr-und Lernprozess nicht allein zur Unterstützung der Wissensaufnahme bei Lernenden 1 , sondern eröffnen ihnen auch die Möglichkeit, handlungsorientiert und selbstständig Wissen aufzunehmen um selbstverantwortlich und selbstorganisiert seinen Lern- und Qualifikationsprozess zu gestalten. Medienkompetenz ist eine wesentliche Variable im Lehr- Lern- Prozess. Durch den Einsatz elektronischer Medien wird von den Lernenden und Lehrenden eine gewisse Erwartungshaltung in die Effektivität von Unterricht gelegt. In der vorliegenden Arbeit möchte ich anhand von drei Veröffentlichungen das Thema Kompetenzentwicklung mit Neuen Medien recherchieren. Als Eingrenzung dient mir dabei die Fragestellung: Inwieweit wird Medienkompetenz als eine zentrale Qualifikation für alle angesehen, die in Lehr-und Lernprozessen aktiv sind? Die von mir gewählten wissenschaftlichen Quellen werden in Form eines wissenschaftlichen Diskurses dargestellt. Diesem vorausgestellt stelle ich die Ziel- und Aufgabenbereiche für Erziehung und Bildung sowohl aus kompetenzorientierter Sicht als auch medienpädagogischer Sicht heraus. Inwieweit Medienkompetenz in der Kompetenzdebatte von Bedeutung ist wird Be- 1Bei der Verwendung der männlichen Form wird die weibliche Form selbstverständlich
eingeschlossen
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standteil des folgenden wissenschaftlichen Diskurses sein. Im abschließenden Fazit verdeutliche ich meinen eigenen Standpunkt zum Thema.
2 Neue Medien im Bildungskontext
„Die Entfaltung bereits vorhandener und die Entstehung neuer Kompetenzen ist Kompetenzentwicklung. (vgl. Erpenbeck/ Heyse, S. 157). Kompetenzentwicklung hat die persönliche Entfaltung des Individuums zum Ziel, dessen gesellschaftliche Teilhabe und Beschäftigungsfähigkeit zu erlangen bzw. zu behalten. „Kompetenzentwicklung wird damit als zentrale Komponente zur Sicherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit und zum Überleben unserer Gesellschaft angesehen: Sie gerät zu einem Schlüsselelement zur Gestaltung der Zukunft.“ (vgl. Gnahs, S. 12). Bildung und Weiterentwicklung der eigenen Kompetenzen sind immer mehr Aufgabe des Einzelnen und nicht nur von Bildungsträgern initiiert. Medien dienen als Kanäle zur Vermittlung von Informationen. Traditionell werden zur Unterstützung des Lehrens und Lernens Lehrbücher und Lehrfilme also analoge Medien genutzt. Neue Medien gehen von der Einwegkommunikation weg und verbinden verschiedene Kommunikationsformen miteinander. Die Verwendung von Film, Text, Grafik, Ton usw. basiert meist auf Computertechnik. Sie werden auch als digitale, elektronische oder interaktive Medien bezeichnet. Neu sind auch die Trägermedien wie DVD, CD-ROM, Blu-ray Disc usw. sowie die Art wie die Daten gespeichert und übertragen werden. Das Internet, das sich erst in den 1980er Jahren durchsetzte ist ein vergleichsweise junges Medium. (vgl. de Witt/ Czerwionka S. 16). In diesem Kontext sind die Begriffe Multimedia und Netzpublikationen gebräuchlich. Die Schnelligkeit und Dynamik, die den Nutzern oder Rezipienten zur Verfügung stehen, können aufgrund unterschiedlicher Mediensozialisation zu Hemmnissen in der Medienhandhabung führen.
Der Begriff „Neue Medien“ wird in der Literatur unterschiedlich definiert. Auf der Internetseite www.wissen.de ist u. a. die Definition zu finden: „Sammelbezeichnung für verschiedene Techniken im Bereich der Unterhaltungselektronik, der Datenverarbeitung und der Nachrichtentechnik sowie für Neuentwicklungen bei der Informationsspeicherung und -übertragung, im weiteren Sinne auch die neuen Formen der Massenkommunikation, insbesondere das Internet.“ Gegenüber den
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traditionellen Medien haben die Neuen Medien drei entscheidende Charakteristika: Interaktivität (meint das wechselseitige Agieren zwischen den Menschen und den hochkomplexen technischen Systemen), Hypertext (hiermit ist ein Netz von Texten oder Textteilen gemeint, die auf vielfältige Weise miteinander verbunden sind) und Virtualität (damit ist ein steuerbarer Raum, eine beeinflussbare künstliche Welt gemeint). (vgl. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/ index,page=1662150.html).
2.1 Ziel- und Aufgabenbereiche aus kompetenzorientierter Sicht
„Das Wort „Kompetenz“ ist lateinischen Ursprungs. Das lateinische Wort „competentia“ bezeichnet dabei in deutscher Übersetzung das Substantiv „Zusammentreffen“, das Adjektiv „competens“ lässt sich mit „angemessen“ ins Deutsche übertragen. […] Kompetenz zeigt sich offenbar, wenn beim Zusammentreffen situativer Erfordernisse und dem individuell zur Verfügung stehenden Potential an Kenntnissen, Fertigkeiten etc. angemessen gehandelt werden kann.“ (vgl. Gnahs, S. 20). Die Begriffe „Qualifikation“, „Kompetenz“ und „Bildung“ werden in der bildungspolitischen Diskussion recht unterschiedlich definiert und nicht trennscharf genutzt. Dieter Gnahs versteht unter Qualifikation „[…] definierte Bündel von Wissensbeständen und Fähigkeiten, die in organisierten Qualifizierungs- bzw. Bildungsprozessen vermittelt werden […].“ (ebd., S. 22). Im Gegensatz dazu versteht er unter Kompetenz: „Eine Kompetenz ist die Fähigkeit zur erfolgreichen Bewältigung komplexer Anforderungen in spezifischen Situationen. Kompetentes Handeln schließt den Einsatz von Wissen, von kognitiven und praktischen Fähigkeiten genauso ein wie soziale und Verhaltenskomponenten (Haltungen, Gefühle, Werte und Motivationen).“ (ebd., S. 21f). Der Sprachwissenschaftler Noam Chomsky unterscheidet neben der Kompetenz die „Performance, die im Gegensatz zur Kompetenz prinzipiell beobachtbar und registrierbar ist.“ (ebd., S. 20). Grundsätzlich werden bei der Vielzahl von Definitionen des Begriffes „Kompetenz“ zwei unterschiedliche Bedeutungen herausgearbeitet: Kompetenzen im Sinne von Zuständigkeit für ein bestimmtes Handeln und Kompetenz im Sinne von Fähigkeit zu einem bestimmten Handeln.
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Bausteine von Kompetenz sind Wissen, Fertigkeiten, Dispositionen, Werte, Motivationen und Fähigkeiten. „Bei „Wissen“ handelt es sich um Kenntnisse von Fakten und Regeln, die dem Individuum abrufbar zur Verfügung stehen.“ (ebd., S. 123). „Fertigkeiten stellen auf die sensumotorischen Aspekte des individuellen Leistungsvermögens ab.“ „Dispositionen sind Persönlichkeitseigenschaften, die vergleichsweise stabil im Lebenslauf sind.“ (ebd., S. 117). „Bei Werten handelt es sich um Haltungen und Einstellungen, die Personen gegenüber Dingen, Personen oder Personengruppen sowie gegenüber Ideen und Verhaltensweisen entwickeln bzw. entwickelt haben.“ (ebd., S. 26, 123). „Bei Motivationen handelt es sich um die emotionalen Antriebskräfte und Interessen, die das individuelle Handeln anregen, auslösen und in seiner Intensität bestimmen.“ (vgl. ebd., S. 26f, 119). Fähigkeiten bilden den Oberbegriff für Kenntnisse und Fertigkeiten. Weiterhin werden verschiedene Arten von Kompetenzen in der Literatur unterschieden. Eine erste Unterscheidung ist die der Fachkompetenzen und der überfachlichen Kompetenzen. „Bei der Fachkompetenz handelt es sich um spezialisierte und auf eingegrenzte Gebiete bezogene Kompetenzen.“ Zu den überfachlichen Kompetenzen zählen insbesondere die Methoden-, Sozial- oder die personale Kompetenz. (vgl. ebd., S. 27f). Diese drei Teilkompetenzen beziehen sich auf „[..] solche Aspekte, die praktisch in allen Lebenslagen prinzipiell einsetzbar sind.“ (vgl. ebd., S. 28).
Eine andere Aufteilung wird in Spezial- und Schlüsselkompetenzen vorgenommen entsprechend des Wirkungsgrades der Kompetenzen. Spezialkompetenzen sind mit dem Begriff der Fachkompetenzen ähnlich. „Schlüsselkompetenzen sind diejenigen Kompetenzen, die alle Menschen für ihre persönliche Entfaltung, soziale Integration und Teilhabe, aktive Bürgerschaft und Erwerbstätigkeit benötigen.“ (vgl. ebd., S. 121).
Im medienpädagogischen Zusammenhang wird der Begriff „Sprachkompetenz“ im Sinne des Linguisten Noam Chomsky oder „kommunikative Kompetenz“ im Sinne des Interaktionstheoretikers Jürgen Habermas diskutiert. Dieter Baacke schreibt zum Begriff kommunikative Kompetenz: “Die Kommunikative Kompetenz realisiert sich, so die Theorie, in der ´Lebenswelt´ oder ´Alltagswelt´ von Individuen. Die Lebenswelt ist die für einen Menschen oder eine Gruppe (etwa: Familie,
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Schulklasse, Arbeitskollegen) konstituierte reale Umwelt von Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten. Sie ist der Lebensraum, in dem sich Erziehung und Sozialisation abspielen und der damit alle Kommunikationen eines Menschen bestimmt und erfasst.“ (Baacke, Medienpädagogik, S. 52) Jean Piaget bringt 1967 mit den Begriffen „Akkomodation“ (Anpassung der Schemata an die Wirklichkeit) und „Assimilation“ (Anpassung eines Gegenstandes in ein geistiges System) „[…] zwei Mechanismen in die Diskussion, nach der die Ausbildung von Kompetenzen als Interaktionsprozess des Menschen mit seiner Umwelt zu begreifen ist.“ (vgl. Tulodziecki, Mediennutzung und Medienkompetenz als medienpädagogische Aufgabe, S. 79).
2.2 Ziel- und Aufgabenbereiche aus medienpädagogischer Sicht
Zu den Aufgaben der Medienpädagogik zählen Verstehen und Bewerten von Mediengestaltungen, Auswählen und Beherrschen der Medienangebote, Durchschauen und Beurteilen von Bedingungen der Medienproduktion, Erkennen und Aufarbeiten von Medieneinflüssen und Medienverbreitung und Gestalten und Verbreiten eigener Medienbeiträge. (s. Abb. 1, vgl. Tulodziecki, Mediennutzung und Medienkompetenz als medienpädagogische Aufgabe, S. 82ff)
Unter den Begriff der Medienpädagogik fallen:
Mediendidaktik, Medienerziehung und Medienkompetenz. „Mediendidaktik […] beschäftigt sich unter anderem mit der Funktion und Bedeutung von Medien in Lehr- und Lernprozessen.“ „Medienerziehung […] ist auf den reflektierenden Medienkonsum und kritischen Umgang mit Medienangeboten ausgerichtet.“ „Me-
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Arbeit zitieren:
D. Petzoldt, 2009, Kompetenzentwicklung mit Neuen Medien, München, GRIN Verlag GmbH
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