Inhalt
1. Einleitung 1
2. Die Probleme der konföderierten Staaten bei der Versorgung verwundeter
Soldaten S. 2
3. Situation und Empfindungen von Krankenschwestern in konföderierten
Krankenh äusern 4
3.1. Aufgaben und Arbeit als Krankenschwester 4
3.2. Alltag und Empfindungen von Krankenschwestern 7
4. Die Veränderung der Rolle der Frauen in den Südstaaten während des
Krieges S. 9
5. Schlußbetrachtung 11
Quellen und Literaturangaben
1. Einleitung
Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges standen die Armeen beider Seiten vor dem Problem, über kein ausreichend funktionierendes System zum Transport und zur Versorgung verwundeter oder erkrankter Soldaten zu verfügen. Man war auf eine so große Anzahl Verwundeter, die der Krieg produzierte, nicht vorbereitet. Auf Seiten der Südstaaten wurden zwischen September 1862 und August 1864 412.958 verwundete oder kranke Soldaten in den Krankenhäusern Virginias behandelt. 1 Die durch effektivere und modernere Waffen verursachten Verwundungen waren für Ärzte und Helfer neu und in einem solchen Ausmaß nicht erwartet worden. Oftmals lagen verwundete oder sterbende Soldaten nach einer Schlacht tagelang auf dem Schlachtfeld, ohne versorgt oder abtransportiert zu werden. Erst im Verlauf des Krieges gelang es die Versorgung der Verwundeten und Kranken, sowohl im Norden als auch im Süden, besser zu organisieren.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Situation und den Empfindungen von Krankenschwestern in Krankenhäusern der konföderierten Staaten. Arbeit, Belastung und Alltag der Krankenschwestern sollen dargestellt werden. Frauen wurden bei ihrer Arbeit als Krankenschwestern täglich mit dem grausamsten Teil eines Krieges konfrontiert. Sie erlebten unmittelbar Leid und Verzweiflung der teils schwer verwundeten Soldaten. Trotzdem waren viele Frauen bereit zu helfen. Wie stark sich das Leben der Frauen, die sich freiwillig um die Versorgung verwundeter Soldaten kümmerten, im Verlauf des Krieges veränderte, soll in diesem Zusammenhang thematisiert werden. Hierzu werden als Grundlage der Untersuchungen dieser Arbeit drei unterschiedliche, zeitgenössische Quellen herangezogen. Es handelt sich hier um Auszüge aus den Tagebüchern der Krankenschwestern Kate Cumming und Ada W. Bacot so wie einen Zeitungsartikel über ein Krankenhaus in Staunton, Virginia. Beide Tagebücher vermitteln einen genauen Einblick in Alltag, Erlebnisse und Empfindungen beider Frauen während ihrer Arbeit als Krankenschwestern. Sowohl Kate Cumming als auch Ada W. Bacot scheuen sich nicht ihre teilweise unangenehmen und belastenden Erfahrungen bei der Pflege verwundeter Soldaten zu schildern. Beide beschreiben Konfliktsituationen mit anderen Krankenschwestern und mit Ärzten. Ebenso deutlich äußern sie ihre Meinung über Zustände und Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Krankenhäusern. Kate Cumming (1835-1909) stammte ursprünglich aus Schottland und kam als Mädchen
---------------------------------------------------------------------------------------------------------- 1.Cunningham, Horace H., Doctors In Gray, The Confederate Medical Service. Glaucester, Massachusetts: Louisiana State University Press, 1958, S. 4 1.
nach Mobile, Alabama. Sie arbeitete freiwillig als Krankenschwester in verschiedenen Feldlazaretten der konföderierten Armee im Verlauf der Kampagnen in Tennessee, Kentucky und Georgia. 2 Ada W. Bacot (1832-1911) stammte aus Roseville, South Carolina und arbeitete freiwillig als Krankenschwester im „Monticello Hospital“, Charlottesville, Virginia. 3
Der Zeitungsartikel erschien am 20. August 1861 im „Staunton Spectator“, Stounton, Virginia. Die Zeitung wurde 1823 erstmalig veröffentlicht. In der Regel umfasste jede Ausgabe vier Seiten, jede Seite enthielt sieben Artikel. Der Artikel berichtet über die Belegung des Krankenhauses mit erkrankten Soldaten und beschreibt die Situation im Krankenhaus. Des Weiteren wird auf die Schwierigkeiten der Stadt, ausreichend für die Versorgung der Patienten zu sorgen, eingegangen. 4
Diese Arbeit befaßt sich schwerpunktmäßig mit den oben genannten Quellen. Es erfolgt zunächst eine kurze Erläuterung der Probleme, mit denen die konföderierten Staaten bei der Versorgung verwundeter Soldaten zu kämpfen hatte. Die enorme Bedeutung privater Initiative und freiwilliger Hilfe, um die unerwartete Flut Verwundeter besser bewältigen zu können, soll hier herausgestellt werden.
2. Die Probleme der konföderierten Staaten bei der Versorgung verwundeter Soldaten Entgegen allen Einschätzungen dauerte der amerikanische Bürgerkrieg länger als erwartet. Die Kämpfe zwischen beiden Armeen waren zudem wesentlich blutiger und intensiver als man dies von vorherigen Kriegen kannte. Auf eine so enorm große Anzahl ver-wundeter Soldaten war das Sanitätswesen der Konföderation nicht ausreichend vorbereitet. In den ersten Kriegsmonaten wurden verwundete Soldaten überwiegend in Zelten behandelt. Schwer Verwundete brachte man zur weiteren Versorgung und Erholung in private Wohnhäuser.
Von offizieller Seite wurde dem Sanitätswesen zunächst wenig Beachtung geschenkt. 5 Den Armeeärzten fehlte es an Praxis und Erfahrung zur Behandlung von Wunden und
---------------------------------------------------------------------------------------------------------- 2. KateCumming, an Alabama Nursing Volunteer, Writes in Her Journal About Conditions in the Confederate Army Hospital Service, 1862, in: Major Problems in the History of American Medicine and Public Health, Documents And Essays. Hrsg. John Harley Warner & Janet A. Tighe. Boston u. New York, 2001, S.181-194
3. A Confederate Nurse, The Diary of Ada W. Bacot, 1860-1863. Hrsg. Jean V. Berlin. Columbia, South Carolina: University of South Carolina Press, 1994
4. Staunton Spectator, August 20, 1861: The Sick in Staunton, in: The Valley Of The Shadow, Civil War-Era Newspapers, Virginia Center for Digital History, University of Virginia, http://valley.vcdh.edu, 2004
5. Bridges, Edwin C., “Juliet Opie Hopkins and Alabama´s Civil War Hospitals in Richmond, Virginia”, in: Alabama Review, Vol. 53 Nr. 2 (2000), S 84 2.
Krankheiten, welche die Soldaten im Verlauf von Gefechten oder im Feldlager erlitten. 6 Die Situation wurde durch die immer größer werdende Zahl erkrankter Soldaten zusätzlich erschwert. Krankheiten wie Typhus, Ruhr oder andere bakterielle Infektionen hatten ihre Ursache in den unhygienischen Verhältnissen, die in den Feldlagern herrschten. Neben den Kranken aus den eigenen Reihen, mußten ebenfalls verwundete oder kranke Gefangene der Unionsarmeen versorgt werden.
Am 26. Februar 1861 wurde mit der Einführung des „Medical Department“ durch den Kongreß der konföderierten Staaten in Montgomery, Alabama, eine entsprechende Abteilung zur Organisation des Sanitätswesens geschaffen. 7
In unmittelbarer Nähe zu einem Schlachtfeld konnten die Verwundeten vorerst in einem Feldlazarett versorgt werden. Zur Weiterbehandlung wurden die Verwundeten dann in die vom Kampfgebiet weiter entfernt liegenden Krankenhäuser transportiert. Nach den ersten Auseinanderstetzungen zu Beginn des Krieges dienten in den Städten sämtliche Arten von Gebäuden, wie Hotels, Kirchen, Wohnhäuser, Lagerhäuser, Läden oder sogar Bars als Krankenhäuser. 8
Der Transport der Verwundeten von den Feldlazaretten zu den Krankenhäusern erwies sich aufgrund fehlender geeigneter Transportmittel als problematisch. Man benutzte für den Transport normale Passagier- oder Güterwaggons, sofern die Möglichkeit bestand die Verwundeten mit der Eisenbahn zu transportieren. Im Gegensatz hierzu entwickelte die Unionsarmee spezielle Waggons für den Transport von Verwundeten. 9 Erst im Verlauf des Krieges begann man neue Krankenhäuser zu bauen. Richmond, die Hauptstadt der konföderierten Staaten, wurde nun zum Zentrum der medizinischen Ver-sorgung. Hier entstanden die meisten vom „Medical Department“ neu errichteten Krankenhäuser. Als Beispiel sei hier das „Chimborazo“ Krankenhaus mit einer Kapazität für über 8000 Patienten genannt. Zusammen mit den durch private Initiative gegründeten Krankenhäusern wies Richmond die größte Anzahl von Krankenhäusern für eine Stadt in den Südstaaten auf. Die neu gebauten Krankenhäuser eigneten sich zur Behandlung von Kranken und Verwundeten wesentlich besser als Hotels oder Lagerhäuser. 10 Für die gesamte Kriegsdauer war das Sanitätswesen der konföderierten Staaten auf solche Behelfslösungen angewiesen. Vor allem zu Kriegsbeginn waren die durch private Initiative ---------------------------------------------------------------------------------------------------------- 6.Cunningham, Doctors in Gray, (s. Anm. 1), S. 3
7. ebenda, S. 21
8. ebenda, S. 45
9. Hawk, Alan, “An Ambulating Hospital: or, How the Hospital Train Transformed Army Medicine”, in: Civil War History, Vol. XLVIII Nr. 3 (2002), S. 217
10. Cunningham, Doctors in Gray, (s. Anm. 1), S. 51 3.
Arbeit zitieren:
Andreas Plug, 2004, Die Situation und Empfindungen von Krankenschwestern in konföderierten Krankenhäusern, München, GRIN Verlag GmbH
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