„Darum wird der Herr selbst Euch ein Zeichen geben: Siehe die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen!“
So steht es geschrieben im Buch Jesaja, Kapitel 7, Vers 14. Für die Christen ist dieses Zitat eine Heilsbotschaft Gottes. Denn die Ankündigung des Immanuel - des Gott ist mit uns - wird als Ankündigung der Geburt Jesu Christi gedeutet. Aber wie verstehen die Juden dieses Zitat und das Buch Jesaja eigentlich? Wer ist der oder sind die Verfasser des Buches? In welcher Zeit wurde Jesaja überhaupt geschrieben und wie stehen die Juden zu Prophetie?
Im Tanach - der hebräischen Bibel- findet man das Buch Jeschajahu (Adonai hat geholfen), wie der Name Jesaja auf Hebräisch lautet, im zweiten Teil, den Prophetenbüchern (Neviim). Genauer gesagt, beginnen mit Jesaja die „Hinteren Propheten“. Den ersten Teil des Tanach bildet die Tora- die Fünf Bücher Mose, den zweiten Teil die Propheten, die Vordereren (Josua, Richter, Samuel und Könige) und eben die Hinteren Propheten, im dritten Teil des Tanach befinden sich die Schriften (Ketuvim) zu ihnen gehören beispielsweise die Psalmen, Hiob, Ruth und die Klagelieder.
Das Buch Jesaja umfasst 66 Kapitel und wird seit dem späten 19.Jahrhundert in drei Teile eingeteilt. In den Protojesaja (Kapitel 1-39), den Deuterojesaja (40-55) und in den dritten Teil, Tritojesaja (56-66). Diese Unterteilung wird damit begründet, dass nach Kapitel 39 der Name Jesaja nicht mehr erwähnt wird, die Kapitel 40 bis 55 von der Zeit des babylonischen Exils erzählen, sowie die letzten zehn Kapitel des Jesaja-Buches, die Zeit nach dem Exil schildern und das Buch somit in einer Zeitspanne von rund 300 Jahren entstand. Verfasst wurde es wahrscheinlich zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und umfasst die wichtigen geschichtlichen Ereignisse von der Zerstörung Israels, der Zerstörung Judas/ dem babylonischen Exil bis zur Rückkehr nach Jerusalem. Sicher ist nur, dass der kleinste Teil des Buches auf einen Propheten Namens Jesaja ben Amos zurückgeht. Dieser wurde um das Jahr 770 v. Chr. in Jerusalem geboren und gehörte zur Jerusalemer Aristokratie. Dem babylonischen Talmud nach, starb Jesaja ben Amos den Märtyrertod unter König Menasse, also zwischen den Jahren 696 und 642 v. Chr. Als Prophet wirkte Jesaja wahrscheinlich zwischen dem Tod des König Usija (ca. 746) und der Belagerung Jerusalems im Jahre 701v.Chr. durch die Assyrer. Jesaja verkündete nicht nur seinem Land Juda, sondern auch dem Bruderstaat Israel und fremden Völkern wie Assyrien, Moab und Ägypten, er mahnte, drohte und prophezeite das Gericht Adonais und dessen Gerechtigkeit in der endzeitlichen Wende zum Friedensreich durch den Messias. Dagegen sind die Autoren des Deuterojesaja und des Tritojesaja unbekannt. Der zweite Teil des Jesaja- Buches entstand in etwa zwischen den Jahren 546 und 539 v.Chr., also während des babylonischen Exils und beinhaltet Trostworte
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für die Exilanten, Mahnungen zur Gottestreue, die Verheißungen über den Untergang Babylons und die Rückkehr des Volkes nach Jerusalem. Zwischen den Jahren 537 und 445 v.Chr. entstand der Tritojesaja und enthält eine Sammlung prophetischer Einzelverse mit Aussichten der kommenden Heilszeit, aber auch Ermahnungen zur Gottestreue.
Die Messiasvorstellungen sind vor allen im Protojesaja, nämlich in den Kapiteln 2, 7,9,11,27 und 32 enthalten. In dem zweiten und dritten Teil des Jesaja- Buches ist jeweils nur in einem Kapitel vom Messias, der Zeitenwende und dem Friedensreich zu lesen und zwar in den Kapiteln 40 beziehungsweise 59. Das zweite Kapitel verkündet das Friedensreich, in dem alle Völker der Erde am Ende der Zeit nach Jerusalem kommen werden. Im Vers 4 heißt es: „Und er wird richten zwischen den Nationen und für viele Völker Recht sprechen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Nicht wird Nation gegen Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“
Aber auch von der Sündhaftigkeit der Menschen, welche unter dem Einfluss des Synkretismus von Adonai abgefallen sind und so die Strafe Gottes auf sich ziehen, den Tag des Gericht Gottes, wird erzählt. Kapitel 7 berichtet von der Bedrohung Judas durch die Heere von Aram und Israel und der beruhigenden Ankündigung, dass Juda nicht von seinen Feinden geschlagen wird. Adonai bietet König Ahas von Juda an, ihm ein Zeichen der Gewissheit zu senden- Ahas lehnt zwar ab- aber trotzdem: „wird der Herr selbst Euch ein Zeichen geben: Siehe die junge Frau wird schwanger werden (im hebr.: ist schwanger geworden) und einen Sohn gebären und wird seinen Namen Immanuel nennen!(Vers 14) und (…) ehe der Junge weiß, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen, wird das Land verlassen sein, von dessen beiden Königen dir graut(16) “. Aber schon ab dem nächsten Vers kündigt der Prophet einen neuen Feind an- Assur-. Assyrien wird die Staaten Israel und Aram zerstören und Juda wird nach der Kapitulation tributpflichtig. Für Juden ist dieses Kapitel traditionell keine Messiasankündigung, sondern vielmehr ein Gleichnis des Trostes. Denn bevor ein kleiner Junge, welcher bald geboren wird, zwischen Gut und Böse unterscheiden kann, wird die Bedrohung beendet sein. Sie sehen also diesen Vers in seiner Zeit verankert und nicht als eine Versprechen für die Zukunft. Kapitel 9 spricht von der Geburt eines Jungen welcher ein königlicher Retter sein wird und sein Volk aus der Dunkelheit in ein wiedererstandenes davidisches Großreich führt: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seinen Schultern und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens“(5). Anders als Kapitel 7 wird Kapitel 9 in der Synagoge gelesen und zwar als Teil des Prophetentextes welcher auf die Lesung über die Gabe der Tora am Sinai folgt. Der von Jesaja beschriebene Junge heißt Hiskia (hebr.: mächtiger Gott) und wurde 725
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Arbeit zitieren:
Yvonne Büchner, 2010, Das jüdische Verständnis der Messiasverheißungen im Buch Jesaja, München, GRIN Verlag GmbH
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