Autor: Annika Berressem Philosophisches Propädeutikum WS 2009/10 Essay.
Gerüchten, die sich um den Tod und die letzten Lebenstage und -monate der verstorbenen Person ranken. Der französische Soziologe Jean-Noel Kapferer (*1955 in Paris), Experte in der Gerüchteforschung, geht von feinen Motivationsunterschieden bei der Schaffung von Gerüchten aus: „Es gibt Leute, die aus reiner Lust ein Gerücht fabrizieren und es genießen, wenn es in Umlauf kommt. Sie glauben nicht daran und betrachten es nicht als eine «Alternativwahrheit». Andere erzeugen Gerüchte, um die eigenen Moralvorstellungen und eigene Unsicherheit oder Schwäche zu legitimieren.“
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atürlich erhalten einfache Fans kaum Informationen zu ihrem Idol aus erster Hand; im vorliegenden Falle also zu Todeszeitpunkt und -umständen. Es sind Ärzte, Angehörige und allem voran Journalisten und Papparazzi, deren Aussagen in der Öffentlichkeit verbreitet werden. So ging die Information durch die Presse, dass zwei Stunden nach der offiziellen Bekanntgabe von Elvis‘ Tod ein auffallend-unauffällig-verkleideter Mann ein Flugticket nach Buenos Aires unter dem Namen „John Burrows“ buchte. Diesen Namen hatte Elvis Presley häufig als Pseudonym genutzt, um (halbwegs) unerkannt in Hotels einzuchecken. Beobachter zogen daraus den Schluss, Elvis habe seinen Selbstmord vorgetäuscht, sich verkleidet und sei geflüchtet. Beweise dafür gab und gibt es nicht, hier trifft der Begriff des Gerüchtes zu. Kapferer definiert das „Gerücht“ als interessante Nachricht aus inoffizieller Quelle, deren Mehrdeutigkeit Raum für die individuelle Phantasie lässt. Worauf gründet sich also unser vermeintliches Wissen und worauf das bloße Gerücht? Woher wissen wir, dass die mathematische Gleichung EINS PLUS EINS GLEICH ZWEI korrekt ist, dass man eine Einheit von 24 Stunden „Tag“ nennt und dass Elvis Presley am 16. August 1977 gestorben ist? Die Antworten scheinen nicht schwierig: Weil wir mit Hilfe von z.B. Fingern nachzählen können, dass ein Finger und noch ein Finger zwei Finger sind; weil die Erde sich innerhalb von 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, dieser Vorgang sich stetig wiederholt und die Einteilung in „Tage“ daher sinnvoll ist; weil das Management den Tod an diesem Tag offiziell bekannt gegeben hat. Die Richtigkeit der zuerst genannten Gleichung können wir allein anhand unserer eigenen Denkfähigkeit überprüfen, es bedarf keiner weiteren Informationsquelle, um das Ergebnis eigenständig zu erhalten (von der Kenntnis der Zahlen abgesehen). Um die zweite Aussage als richtig einzustufen, können wir ein Lexikon zur Hand nehmen oder uns
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Autor: Annika Berressem Philosophisches Propädeutikum WS 2009/10 Essay.
auf Erklärungen anderer Personen stützen. Die Tatsache, dass der Tag aus 24 Stunden besteht, lässt sich allerdings auch anhand der Tages- und Nachtzeiten beobachten, wodurch die angelesenen Informationen persönlich nachvollziehbar werden. Bei der dritten Aussage allerdings müssen wir uns allein auf die Informationen aus den Medien stützen, da es uns nicht möglich ist, einen Blick auf den leblosen Körper zu werfen bzw. seinen Pulsschlag zu suchen. Hier liegt es an uns, ob wir dem Gesagten Glauben schenken oder es anzweifeln. Das vermeintliche Wissen über das Datum der eigenen Geburt könnte u.U. nicht der Wahrheit entsprechen, da man diesen Tag sich selbst nicht mehr in Erinnerung rufen kann und zu dem Zeitpunkt sowieso noch keine Kenntnis vom Kalender gehabt hat. Das Krankenhauspersonal und unsere Eltern hätten theoretisch die Möglichkeit gehabt, ein anderes Datum als das unserer Geburt auszugeben. Das würde man jedoch im seltensten Fall als sinnvoll erachten, also verlassen wir uns darauf, was in unserer Geburtsurkunde steht. Zudem ist dies eine Information, die man durch Vertrauenspersonen erhält. Zwar kann auch eine solche Person unehrlich sein, aber eigentlich gehen wir von der Ehrlichkeit uns gegenüber aus. Bei der Wissensentnahme aus den Medien haben wir keinen direkten Bezug zu Journalisten, Redakteuren etc. Die Nähe zu Informationsvermittlern spielt meiner Meinung nach also eine große Rolle bei der Frage, ob ich darauf vertrauen kann. Ausgenommen davon sind wissenschaftlich belegte Fakten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und niedergeschrieben sind, sodass es auffiele, wenn man sie veränderte. Daher zähle ich diese zu Dingen, die wir wirklich wissen, auf Grund der Übereinstimmung verschiedener Quellen. Als Beispiel fällt mir hierzu die Knallgasreaktion ein, die zur Entstehung von Wasser aus Kohlenstoff und Wasserstoff führt. Gerüchte hingegen sind allenfalls Vermutungen, die wahr oder falsch sein können. Um es herauszufinden, wägen wir ab, ob die Information wahr sein könnte oder es uns von vornherein absurd erscheint. Diese Annahmen sind subjektiv und können von anderen Personen anders gedeutet werden, also bleibt es ohne eindeutige Beweise ein Gerücht. Laut Jean-Noel Kapferer wird eine Geschichte unwichtig und uninteressant, sobald sie sich als unwahr erweist. Das Gerücht hat somit seinen Dienst getan und verschwindet. Der Mythos um den Tod Elvis Presleys aber ist über Jahrzehnte bestehen geblieben und bis heute konnte niemand eindeutige Gegenbeweise heranführen.
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Arbeit zitieren:
Annika Berressem, 2009, Lebt Elvis?, München, GRIN Verlag GmbH
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