1. Einleitung
Der technische Fortschritt der Informations- und Telekommunikationstechnik spiegelt sich in vielerlei Bereichen unseres alltäglichen Lebens wieder. Betrachtet man das Feld der Erwachsenenbildung so wird deutlich, dass dies auch hier Einzug gefunden hat und sich zunehmend eine Veränderung der Lernkultur herausbildet. Neue Medien 1 spielen eine entscheidende Rolle, denn immer häufiger greifen Lehrende und Lernende auf vernetzte Medien zurück, um schneller, genauer und zu jeder Zeit an das benötigte Wissen zu gelangen. Die Neuen Medien sollen einen universellen und gleichzeitig auch individuellen Zugang zum Bildungswissen ermöglichen. In der vorliegenden Arbeit konzentriere ich mich vor allem auf das Angebot des e-Learning, welches in zunehmendem Maße in zahlreichen (Bildungs)Institutionen Gebrauch findet. Neben dem technischen Fortschritt kommt beim Trend hin zum e-Learning einer Tatsache eine wichtige Bedeutung zu, nämlich dem Umstand der veränderten Einstellung zum Unterricht: Die Idee des Frontalunterrichts wird immer mehr abgelöst durch das systematische und konstruktivistische Denken. Wichtige Schlagworte sind in diesem Zusammenhang Eigenaktivität, Interessenbezug, Eigenverantwortlichkeit und selbstgesteuertes Lernen. Neuen Medien entwickeln eine besondere Relevanz, wenn es darum geht, im medialisierten Zeitalter kulturelle Techniken und soziale Kommunikationsfähigkeit zu erwerben. Aus diesem Grund ist das Erlernen des Umgangs mit Neuen Medien von elementarer gesellschaftlicher Bedeutung. Heut zu Tage erfordern die ständig wechselnden Anforderungen sowohl im beruflichen als auch im privaten Leben eine Lernform, die unter dem Stichwort lebenslanges Lernen Eingang in unseren täglichen Sprachgebrauch gefunden hat. Zu den formalen, organisierten Lernarten kommen also zunehmend selbstgesteuerte Lernformen hinzu. Aus diesem Zusammenhang entwickelt sich eine Perspektive, die mit einer Verlagerung des Schwerpunktes zu beschreiben ist. Genauer genommen bedeutet dies eine Verschiebung vom Lehr- zum Lernaspekt, vom fremdorganisierten zum selbstorganistierten Lernen. Unter diesen Bedingungen stellt sich die Frage nach der Bedeutung des Lehrenden. Welche Rolle kommt ihm in Folge der Wandlungen der Lernkultur durch Neue Medien zugute? Inwiefern verändert sich seine Rolle als Lehrperson? Zur Beantwortung dieser Fragen werde ich mich zunächst einmal mit den Neuen Medien in der Erwachsenenbildung auseinandersetzen, um anschließend das Handlungsfeld des e-Learnings genauer untersuchen zu können und die veränderten Aufgaben für Lehrende herausstellen. In einem abschließenden Fazit werde ich meine gewonnenen Erkenntnisse zusammenfassen.
1 Mit dem Begriff der Neuen Medien sind vielfältige technische Möglichkeiten gemeint, die der
Generierung, Speicherung und Vermittlung von Informationen dienen.
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2. Neue Medien in der Erwachsenenbildung
Die Auseinandersetzungen mit der Bedeutung der Neuen Medien in der Erwachsenen- und Weiterbildung haben in den letzten 20 Jahren zunehmend an Größe gewonnen und sich verändert. Dies kommt vor allem durch den technischen Fortschritt, der mit Multimedia und Internet einhergeht, zustande. Für die Institutionen der Erwachsenenbildung bedeutet dieser aktuelle Trend, dass neben den traditionellen Angeboten auch besonders auf die Vermittlung von Selbstlern- und Medienkompetenz 2 Wert gelegt wird. Neue Medien spielen auf unterschiedlichen Ebenen der Erwachsenenbildung eine entscheidende Rolle. Zum einen konzentrieren sich die medienbezogenen Neuerungen auf den didaktischen Bereich, zum anderen sollen methodische Präsentationen von Bildungsinhalten entwickelt werden 3 . Viele Diskussionen, die sich mit dem veränderten Lernverhalten durch Neue Medien befassen, kreisen derzeit um das Schlagwort E-Learning. Darunter werden inzwischen alle computergestützten Entwicklungen auf der Lehr- Lernebene zusammengefasst 4 . Eine nicht zu verkennende Aufgabe der Neuen Medien stellt die Erleichterung der Organisation des Lehrens und Lernens dar. Dem e-Learning soll vor allem die Aufgabe zukommen, einen unterstützenden Einsatz von traditionellen Kursangeboten zu leisten. Beispielsweise gibt es mittlerweile eine große Anzahl an Sprachlernprogrammen, die didaktisch-methodisch in die Kurskonzepte eingegliedert werden können 5 . Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Nutzung der Neuen Medien für die Lernenden mit einem gesteigerten Bedarf an Medienkompetenz zusammenhängt. Das selbstgesteuerte Lernen in der Erwachsenen- und Weiterbildung mittels Neuer Medien gewinnt aus dem Grund zunehmend an Bedeutung, da durch rasante Forschung, Veränderung und dadurch bedingte schnelle Veraltung von Wissen das lebenslange Lernen immer wichtiger wird. Es ist eine Grundvoraussetzung um wichtige Qualifikationen zu erwerben, die in unserer heutigen Gesellschaft vonnöten sind. Stephan Dietrich 6 hat sich mit den vielfältigen Konzepten zur Förderung des selbstgesteuerten Lernens in Weiterbildungseinrichtungen in seinem Werk Selbstgesteuertes Lernen in der Weiterbildungspraxis. Ergebnisse und Erfahrungen aus dem
2 Der Begriff ist vom Erziehungswissenschaftler Dieter Baacke vom Begriff der kommunikativen
Kompetenz abgeleitet worden. (Vlg. dazu: http://www.die-bonn.de/zeitschrift/22003/hugger03_01.htm
Stand: 05.10.2009)
3 Klimsa, Paul: Neue Medien und Weiterbildung. Weinheim 1993, S. 25.
4 Stang, Richard: Was steckt hinter dem neuen Stichwort ´E-learining´? In: Beilage Weiterbildung der
Frankfurter Rundschau vom 22.09.2001.
5 Zeidler, Beate: Lernsoftware für das Sprachlernen. In: Stang, Richard: Lernsoftware in der
Erwachsenenbildung. Bielefeld 2001, S. 41 ff.
6 Dietrich, Stephan: Selbstgesteuertes Lernen in der Weiterbildungspraxis. Ergebnisse und
Erfahrungen aus dem Projekt SeGeL. Bielefeld 2001.
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Projekt SeGeL ausführlich auseinandergesetzt. Doch wie genau sieht nun das Handlungsfeld des e-Learning aus? Mit dieser Frage werde ich mich im Folgenden befassen.
2.1 Das Handlungsfeld e-Learning
Rainer Albrecht beschreibt das Handlungsfeld des e-Learnings mittels der vier Dimensionen „didaktische Strategie, Technik, Organisation und mediales Lernangebot“ 7 . Um Form und Struktur von e-Learning-Angeboten beschreiben zu können, müssen „alle vier Dimensionen konkretisiert werden“ 8 können. Bei der ersten Dimension, der didaktischen Strategie, unterscheidet man zwischen drei Lernarten: Zum einen dem angeleiteten Lernen, zum anderen dem individualisierten Lernen und zu letzt dem kollaborativen Lernen, welches schülerzentriert ist und als ein sozialer Prozess verstanden werden kann. Die zweite Dimension Technik bezieht sich auf die unterschiedlichen Möglichkeiten, die zur Durchführung von e-Learning erforderlich sind. Für die Lehrenden ist es notwendig, dass sie mit den Chancen und Grenzen des e-Learning vertraut sind, um das „Leistungsvermögen, aber auch […] (die) Begrenztheiten“ 9 in Bezug auf didaktische Verwendungsmöglichkeiten einschätzen zu können. Zur Beschreibung der organisatorischen Dimension des e-Learning ist es vor allen Dingen relevant, festzuhalten, dass Lehren und Lernen nicht an zeitliche und räumliche Umstände gebunden sind. Zudem ist die Lehrperson nicht mehr autonom für die Organisation verantwortlich, sondern muss zahlreiche weitere Faktoren bedenken, die dann in Kooperation mit den Kursteilnehmern, mittels arbeitsteiliger Prozesse entwickelt und organisiert werden müssen. Jedoch muss man ebenfalls anmerken, dass „[d]urch diese Besonderheiten des E-Learning (…) erhebliche Freiheitsgrade im Hinblick auf die didaktischmethodische Ausgestaltungsmöglichkeiten von Lehr-Lern-Prozessen gewonnen (werden)“ 10 . Durch die Veränderung der Faktoren Zeit und Raum können dementsprechend also unterschiedliche Formen der Lernorganisation entstehen. Dazu zählen die Begleitung und Ergänzung von Präsenzveranstaltungen, die Präsenzlehre in Kombination mit Onlinephasen und die Möglichkeit, dass das Lernmaterial und die Betreuung ausschließlich netzgestützt sind. Um Lernangebote medial gestalten zu können - dies bezieht sich auf Dimension Nummer vier-, sind neben theoretischem Wissen auch praktische Kompetenzen von Seiten des Lehrenden erforderlich.
7 Albrecht,Rainer: E-Teaching-Kompetenz aus hochschuldidaktischer Perspektive. Die systematische
Förderung von E-Teaching-Kompetenzen durch Hochschulentwicklung und Hochschuldidaktik. In:
Bett, Katja & Wedekind, Joachim & Zentel, Peter: Medienkompetenz für die Hochschullehre. Münster
u.a. 2003, S.34.
8 Ebd., S. 34.
9 Ebd., S. 35.
10 Ebd., S.35.
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Arbeit zitieren:
Toja Artut, 2008, Neue Medien und professionelles Handeln in der Erwachsenenbildung , München, GRIN Verlag GmbH
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