befasst sich damit, mit welcher Art der Selbstdarstellung man es bei dieser Quelle im Kontext der Helden der Bastille zu tun hat und inwiefern die Quelle eine Antwort auf das Bedürfnis nach Helden der Bastille nach dem 14 Juli 1789 ist. Die Frage bezieht sich also auf die Debatte um das Rollenbild und die Selbstdarstellung der Vainqueurs de la Bastille. Im Folgenden wollte ich auch auf andere sich ergebene Fragen antworten. Um die gestellte Frage zu beantworten muss man, meiner Meinung nach anhand
der Informationen die die Quelle enthält, erst den Verfasser einer Sozialgruppe zuordnen und ihre Situation im historischen Kontext skizzieren. Aus der Quelle lässt sich folgern, dass der Verfasser als ein Geselle beim königlichen Uhrmacher M. Belliard in Paris beschäftigt war. Er gehörte also dem damaligen dritten Stand, genauer gesagt dem Handwerkerstand an.
Die Handwerker bildeten in vorrevolutionären Paris eine sehr zahlreiche
Gruppe, die bei einer Gesamtbevölkerung von 500 000 bis 600 000 etwa 75 000 zählten. Die Gesellen und Lehrlinge die in den Zünften zusammengeschlossen waren, blieben von den Meistern wirtschaftlich und ideologisch abhängig. Bei vielen Berufen war es noch bis zur Revolutionszeit üblich, dass die Gesellen und Lehrlinge unter dem Dach des Meisters wohnten und meistens unterschieden sich die Lebensbedingungen der Gesellen nicht wesentlich von denen der Meister. Es bildete sich also eine bestimmte Form sozialer Beziehungen. Die Probleme die damals das Handwerkertum betrafen waren wie bei anderen das Verhältnis von Lohn und Kaufkraft , vor allem im Kontext des steigenden Brotpreises und der Getreidepreiserhöhung, da zirka. die Hälfte des Verdienstes für das Brot ausgegeben wurde musste. Die ökonomische Krise verursachte Forderungen. Die Beschwerden richtete man gegen Ancien Régime, also gegen den Adel. Vom Staat forderte man die Erleichterung der Fiskalen Belastungen vor allem die Abschaffung der indirekten und städtischen Steuern. 2 Mitten in dieser Situation stand auch der Uhrmacher Humbert, einer von tausenden Pariser Gesellen der sicher einen Grund zur Unzufriedenheit haben musste. Die Situation Anfang Juli 1789 in Paris war voller Angst, Gerüchte und politischer Nachrichten verschiedener Art, die zu Angstvorstellungen führten und dadurch zu Gewaltakten und Unruhen. Hinzu kam die politische Agitation deren Zentrum sich im Palais-Royal befand und die die Angstvorstellungen anheizte. In Bericht aber erklärt Humbert nicht warum er sich am
2 Walter Markov, Albert Soboul, 1789 Die große Revolution der Franzosen, Berlin 1975, S. 30‐34.
2
14. Juli zur Bastille begeben hat und nimmt keine politische Stellung zu den Ereignissen.
Der nächste Aspekt, der bei der Antwort auf die gestellte Frage notwendig ist,
bezieht sich auf die Situation gleich nach den Ereignissen des 14. Juli 1789, nämlich auf die Stimmung und Begeisterung nach der Eroberung der Bastille. Schon am Abend des. 14 Juli kam es zu den ersten Zeichen der Begeisterung in der Pariser Bevölkerung die den Henri Dubois im Triumphzug durch die Straßen getragen habe, und ihn mit einem hohen militärischen Verdienstordnen auszeichnete, den Dubois später an den General La Fayette weitergab. Letztlich erhielt ihn der Grenadier Arne, ein zu den die Bastille Stürmenden übergelaufener Soldat 3 . Der römische Triumphzug an dem der Grenadier Arne geführt wurde spiegelt die Begeisterung der französischen Bevölkerung wieder. Am 17. Juli wurde im Pariser Rathaus König Ludwig dem XVI, zur Erinnerung an die Opfer des Sturms, eine trikolor farbige Kokarde überreicht, was die Zugehörigkeit des Königs zur Nation symbolisierte, und dadurch eine offizielle Anerkennung und Legitimierung des Sturms auf die Bastille schuf.
Es kam sozusagen zur allgemeinen, spontanen, gesellschaftlichen Anerkennung
der Bastille Stürmer als die neuen Helden. Unter diesen Umständen entstand also der Bericht von Uhrmacher Humbert über den Bastille Sturm. Die Öffentlichkeit also verlangte im gewissen Sinne die authentische Berichterstattung von der Vainqueurs de la Bastille. Wenn der Bericht von Humbert eine Antwort auf das Bedürfnis nach Vainqueurs de la Bastille war, könnte man vermuten, dass Humbert der sich damals der Situation bewusst war, den Bericht mit einer gewissen Absicht, also sich selbst so darstellen wie es die breite Öffentlichkeit verlangte, verfasst haben könnte.
Wie stellt sich Humbert selbst, seine Beteiligung und das Engagement an den
Ereignissen des 14 Juli in Bericht dar? Humbert berichtet schon am Anfang seiner Aussage: „begab ich mich Montag morgen in diese Pfarre, so wie alle Bürger, mit denen ich tagsüber und in der Nacht von Montag auf Dienstag auf Patrouille ging“ 4 Aus diesem Abschnitt lässt sich folgern, dass Humbert schon am 13. Juli zu der im Rathaus durch die provisorische Stadtregierung geschaffenen Bürgermiliz gehörte. Dies zeigt,
3 Hans-Jürgen Lüsebrink, Rolf Reichardt, Die Bastille: zur Symbolgeschichte von Herrschaft und
Freiheit, Frankfurt am Main, 1990 S. 57-58
4 Paschold Chris E., Gier Albert (Hrsg.): Die Französische Revolution. Ein Lesebuch mit
zeitgenössischen Berichten und Dokumenten, Stuttgart 1989 S. 75-77.
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Arbeit zitieren:
Jacek Izdebski, 2008, Quelleninterpretation - Bericht eines Beteiligten über den Sturm auf die Bastille, München, GRIN Verlag GmbH
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