Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Susan Sontag On Photography 4
3. Zur Person Gerhard Richter 6
4. Das Porträt bei Gerhard Richter 7
9
6. Fazit 11
7. Bibliographie 12
13
9. Abbildungsverzeichnis 15
1. Einleitung
Das Medium der Fotografie beschäftigt die Kunsthistoriker und Künstler seit seiner Erfindung im Jahr 1839. In den Anfängen fokussiert auf Porträtaufnahmen, eroberte es alle Motive unseres Seins und rückte in alle Bereiche des modernen Lebens vor. 1 führt Susan Sontag in ihrem Essay Über die Fotografie aus. Ein jeder bemächtigte sich des Mediums der Fotografie. Wurde ein Objekt oder auch Subjekt fotografiert, so wurde es angeeignet 2 angelegt.
Die Fotografie wurde seit jeher zum Symbol des industriellen Fortschritts und der modernen Zivilisation, aber auch zum Symbol der Reproduktion erklärt. Der deutsche Philosoph und Gesellschaftstheoretiker Walter Benjamin kritisiert in seinem Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit diesen technischen und maschinellen Eingriff in die Gesellschaft. Die Kontemplation, oder wie Walter Benjamin
3 zerstört. Jegliche Form
der Reproduktion, sei es durch die Fotografie oder den Film, verletzt, seiner Ansicht nach, die Echtheit und Einzigartigkeit eines Kunstwerkes und macht es zu einem Massenprodukt. 4
Im Folgenden soll, unter Einbeziehung dieser Aspekte, das künstlerische Schaffen Gerhard Richters betrachtet werden, dessen Werke ebenfalls der Frage nach der Medialität, Wahrnehmung und Täuschung nachgehen.
1 Vgl. Sontag, Susan: In Platos Höhle, in Sontag, Susan: Über Fotografie. Aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien und Gertrud Baruch, Carl Hanser Verlag München/Wien 1989. S. 9-28.
2 Ebenda. S. 9. 3
Frankfurt am Main 1963, S. 15.
4 Ebenda. S. 13-20.
3
2. Susan Sontag On Photography
In dem Essay Über Fotografie aus dem Jahr 1977 positioniert die amerikanische Schriftstellerin und Kritikerin Susan Sontag die Menschheit in Platos Höhle. Der Mensch orientiere sich nach wie vor mehr an 5 als an dem realen Leben selbst. Durch die
einer Höhle eingeschlossen und würden unsere Erfahrungen in Form von Fotografien sammeln. Gleichzeitig garantiere ein Foto, im Gegensatz zu einem Gemälde, welches immer einer Interpretation unterliege, die Tatsächlich-keit eines Ereignisses. An dieser Stelle verweist Susan Sontag jedoch darauf, dass auch die Arbeit eines Fotografen gewissen Kriterien unterworfen sei. Er könne sich nicht von Geschmack, Gewissen
genauso eine Interpretation der Welt wie Gemälde und Zeichnung. 6 Die Industrialisierung verhalf der Fotografie zum Status einer autonomen Kunst.
Doch nicht nur die Fotografen unterlagen der Macht der Fotografie. Sie 7 , der auch in das Familienleben integriert wurde. Susan Sontag spricht von Porträt-Chroniken, Walter Benjamin bezeichnet dieses Phänomen als letzte Zuflucht, die an die Fernen und Verstorbenen erinnert. 8
Obwohl in alle Lebensbereiche integriert, ist die Fotografie ein passives, beobachtendes Medium. Um ein Abbild dessen, was sich Ereignis nennt, zu erhalten, muss dieses stattfinden und darf nicht unterbrochen werden, da eine Aufnahme sonst nicht möglich ist. Für Sontag muss eine naturgegebene Distanz zwischen dem Fotografen und dem fotografierten Objekt oder Subjekt eingehalten werden. Walter Benjamin hingegen
5 Sontag, a.a.O., S. 10.
6 Ebenda, S. 12. 7 Ebenda, S. 14.
8 Benjamin, S. 21.
4
vergleicht einen Fotografen oder Kameramann mit einem Chirurgen, der tief in die Materie eindringt und so die Distanz aufhebt. 9 Was als Ereignis definiert wird und somit für die Fotografie von Interesse ist, wird nach Sontag im weitesten Sinne von einer Ideologie bestimmt. 10 Gerhard Richter jedoch entfernt sich von jeglicher Art der Ideologie.
zu jeder höheren Religion und allen größeren Ideologien, als
11 .
Zwar mag sich der Mensch noch immer in Platos Höhle befinden und die erzeugten Schatten als einzige Wirklichkeit ansehen. Doch was bei Susan Sontag wie eine Art Stillstand der menschlichen Rezeption erscheint, wird
12 . Die Fotografie als ideales Bild kann nicht nur abbilden sondern auch über sich selbst hinausweisen und so die Vorstellungskraft mobilisieren 13 .
9 Ebenda, S. 31-32.
10 Sontag, a.a.O., S. 24.
11 Vgl. Honour, Hugh; Fleming, John: Weltgeschichte der Kunst, Prestel Verlag, München 1983, 6. Erweiterte und neugestaltete Ausgabe Prestel Verlag, München, London, New York 2000, S. 786.
12 Vgl. Elger, Dietmar; Müller, Jürgen (Hrsg.): Sechs Vorträge über Gerhard Richter. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2007,S. S. 15-17.
13 Ebenda, S.10.
5
Arbeit zitieren:
Daniela Bobinac, 2010, Wahrnehmung und Täuschung bei Gerhard Richter, München, GRIN Verlag GmbH
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