politischer Ebene besitzen sollten. So etablierten sich im Zuge der Reformationsbewegung, welche durch Martin Luther im 16. Jh. eingeläutet wurde, zunächst die sog. Prosadialoge. Diese sind im Grunde zwar keine wirkliche dramatische Gattung, allerdings besitzen sie teilweise dramatische Elemente, da sie, wie der Name bereits verrät, in Dialogform verfasst sind. Allerdings fehlen ihnen jegliche klassischen Elemente des Dramas. Die Prosadialoge erfuhren im Zuge der Reformation sehr große Beliebtheit. So wurden sie sowohl auf Seiten der Lutheraner, wie auf Seiten seiner ärgsten Gegner, dazu verwendet, eindeutig religiös-politische Botschaften zu transportieren. Sie wurden kostenlos, wie Flugschriften, verbreitet und waren auf Erkenntnis und Belehrung ausgerichtet. Diese Methode eines belehrenden Gesprächs geht ebenfalls auf eine antike Vorlage zurück. So wurde dies schon bei Lukian und Cicero im zweiten Jahrhundert nach Christus praktiziert. Der Prosadialog stellte die wichtigste Waffe der Reformation dar, um die Missstände in der katholischen Kirche den Menschen vor Augen führen zu können. Wichtige Fürkämpfer der Reformation, welche sich dieser Prosadialoge bedienten, waren beispielsweise Hans Sachs, Ulrich von Hutten oder Willibald Pirckheimer, von welchem höchst wahrscheinlich der wohl bekannteste reformatorische Prosadialog, der „Eckius Dedolatus“, stammt. In diesem Prosadialog wird auf sehr derbe Weise ein Angriff gegen einen der ärgsten Widersacher Luthers, Johann Eck, gefahren. Eck wird als verdorbener Geistlicher der katholischen Kirche dargestellt, der im Laufe des Dialogs einer kompletten „Katharsis“ unterzogen wird, um schlussendlich als reformierter Geist wieder aufzustehen.
Die Anschuldigungen, die sich auf Seiten der Lutheraner in Prosadialogen manifestierten, zielten im Kern stets auf die Art und Weise wie die katholische Kirche mit ihrer Macht umging. These war, dass die Kirche eigentlich im gänzlichen Widerspruch mit den Glaubensinhalten des Christentums stünde und lediglich auf Ausbau und Erhalt ihrer Herrschaft bedacht war und dabei die soziale Ungerechtigkeit weiter forciere. Besonders kritisiert wurden die finanziellen Praktiken der katholischen Kirche, insbesondere der Ablasshandel, der dazu benutzt wurde den Menschen Geld für die Erlassung ihrer Sünden abzunehmen. All diese Kritikpunkte hatten Luther im Jahre 1517 dann auch veranlasst, mit seinen 95 Thesen ein theologisches Neuverständnis der Kirche zu propagieren. Er übersetzte die Bibel ins Deutsche, so dass es für die Menschen nun möglich war, die Bibel selbst zu rezitieren und zu interpretieren. Oft wurde im Zuge der reformatorischen Aufklärung das Bild einer Kirche verbreitet, die an ihren Gliedern, also insbesondere
in den ausführendem Personal, erkrankt sei. Den geistlichen wurde vorgeworfen, eine Art „Schmarotzerleben“ zu führen, gleichzeitig aber von dem einfachen Bürger absolute Enthaltsamkeit einzufordern. Zentral ist demnach die Anschuldigung, dass die Praktiken der Papstkirche im Grunde absolut widerchristlich sind, und der Papst selbst somit eine Art „Antichristen“ darstellt.
Der erste volkssprachliche Prosadialog, der sog. „Karsthans“, besaß eine ungeheure politische Sprengkraft. Er besaß eine völlig neuartige Blickrichtung, da es um einen ganz einfachen Bauern ging, der durch das Vorhandensein einer deutschsprachigen Bibelversion, nun in der Lage war, ein Streitgespräch über die Inhalte der Bibel mit einem katholischen Geistlichen für sich zu entscheiden. So hat der Bauer am Ende des Dialogs die eindeutig schlagenderen Argumente dafür, dass in der Bibel keinerlei Rechtfertigung für die hierarchische Gliederung der Kirche und deren Herrschaftsansprüche besteht.
Die Forderungen der Reformation nach einer Neuinterpretation der Kirche hatten aber noch weitreichendere Ziele. So bezog sich der Freiheitsanspruch auch auf eine nationale und politische Ebene. Man wollte sich vom römischen Joch befreien und seine politische Eigenständigkeit erhalten.
Auf Seiten der Gegner Luthers dienten die Prosadialoge natürlich dazu, die Positionen der Kirche zu legitimieren. Neben Johann Eck war Thomas Murner einer der größten Gegner Luthers. Sein rein quantitativ besonders eindrucksvoller Prosadialog mit dem Titel „Von dem großen Lutherischen Narren“ ist ein Versuch, die Positionen der Reformation der Reihe nach zu widerlegen und gleichsam ins Lächerliche zu ziehen. Es ist eine literarisch genial arrangierte Satire, welche die Anhänger, und allen voran Luther selbst, als Narren darstellt und ihnen so jegliche Legitimation abspricht. Sie preist die Reformation als absoluten Irrweg an und wirft allen Anhängern Luthers vor, sich nur vor Verantwortung und den Pflichten der Kirche und ihres Glauben drücken zu wollen. Er wirft jenen vor, eine jahrhundertealte gesellschaftliche Ordnung umstürzen zu wollen, den Adel entmachten zu wollen und so Chaos und Zerstörung über die Welt zu bringen. Er wirft ihnen vor, den Deckmantel der Religion nur zu benutzen, um ihre unmoralischen Forderungen nach allumfassender Freiheit zu und von allem zu erlangen.
Wenn man bedenkt, welch zerstörerische Kraft der 30-jährige Krieg in der Tat besitzen sollte, muss man Thomas Murner eine große Weitsicht bescheinigen, denn er sah, welch große Sprengkraft von Luthers Gedanken ausging. Allerdings blieb
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Bachelor of Arts Timon-Karl Kaleyta, 2005, Konfessionelle Programme und philosophische und politische Konzepte in der Dramenliteratur der frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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