Inhaltsverzeichnis
Einleitung Seite 1
1. Namibia zur präkolonialen Zeit Seite 2
2. Die Zeit des deutschen Kolonialismus
2.1. Der Kolonialismus - Begriff Seite 3
2.2. Namibia und die Missionare Seite 4
2.3. „Der Handel folgt dem Kreuz, dem
Handel folgt die Flagge“ Seite 5
2.4. Die Aufstände der Herero und Nama Seite 7
3. Namibia unter südafrikanischer Mandatsherrschaft
3.1. Der Beginn der südafrikanischen Seite 8
Mandatsherrschaft
3.2. Die Verschärfung der rassisitischen
Gesetzgebung Seite 9
3.3. Widerstand gegen das südafrikanische
Apartheidsregime Seite 10
3.4. Die Etablierung der SWAPO als
Vertretung der Mehrheit der Bevölkerung Seite 13
3.5. Die Turnhallenkonferenz Seite 14
3.6. Die Intervention des Westen Seite 15
3.7. Die erneute Festigung der Herrschaft
S üdafrikas Seite 15
3.8. Namibias Unabhängigkeit Seite 16
4. Das politische System Namibias Seite 17
5. Schlussfolgerungen Seite 18
6. Quellen Seite 19
Einleitung
Die Republik Namibia liegt im Südwesten Afrikas und wird hier von Angola, Sambia, Botswana, Südafrika und dem Atlantischen Ozean umschlossen.
In Namibia leben heute sehr unterschiedliche Menschen, von der indigenen Bevölkerung Namibias, die durch den langen Befreiungskampf geeint wurde, bis zu den Nachkommen deutscher Siedler, die sich teilweise immer noch als Heilsbringer für die angeblich wilde Bevölkerung betrachten. Dabei ist die deutsche Geschichte in Namibia extrem blutig und brutal. Und teilweise werden die Ereignisse in Namibia als erster von Deutschen verübter Völkermord bezeichnet 1 . Auf das Ende der deutschen Kolonisation folgte das südafrikanische Apartheidsregime, das seine rassistische Politik auf Namibia ausweitete. Seit dem 21. März 1990 ist Namibia unabhängig.
Die Besiedlung ist sehr gering, da sich auf einem Gebiet von 824.292 km² gerade einmal 1.900.000 Einwohner befinden, obwohl die Fläche Namibias mehr als doppelt so groß wie die der Bundesrepublik Deutschland ist. Jedoch ist das Bevölkerungswachstum mit einer Quote von 3 Prozent recht hoch. Die größte Stadt ist mit ca. 300.000 Einwohnern die Hauptstadt Windhoek.
Namibias Wirtschaft besteht zu großen Teilen aus dem Bergbau (vor allem Diamanten und Uran werden in großen Mengen exportiert), der Landwirtschaft (besonders Rinder- und Schafzucht) und dem Tourismus. Auch wenn Namibia zu den reicheren Ländern Afrikas gehört, ist das Einkommen der Bevölkerung niedrig. Das monatliche Durchschnittseinkommen beträgt 120 Euro. Gleichzeitig weist Namibia die ungleichste Einkommensverteilung weltweit auf. Momentan wird in einem Modellversuch getestet, wie sich ein bedingungsloses Grundeinkommen auswirkt.
1 Jürgen Zimmer, Joachim Zeller (Hrsg.): Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg 1904 - 1908 in Namibia und seine Folgen; Ch. Links Verlag; 2003
3
1. Namibia zur präkolonialen Zeit
Lange Zeit herrschte die Annahme, dass die Geschichte für Afrika erst mit dem Kolonialismus beginnt. Natürlich war bekannt, dass auf dem afrikanischen Kontinent bereits Menschen lebten, bevor die ersten aus Europa ankamen, jedoch wurde davon ausgegangen, dass es bei ihnen weder in technischer noch in gesellschaftlicher Hinsicht eine Entwicklung gegeben hatte, beziehungsweise geben würde und sie genauso leben, wie sie es schon immer getan haben. Diesen „Mythos der Geschichtslosigkeit“ 2 versuchen Heinrich-Georg Hubrich und Henning Melber in ihrem Buch „Namibia - Geschichte und Gegenwart zur Frage der Dekolonisation einer Siedlerkolonie“ zumindest für Namibia zu brechen.
Sie beschreiben, dass in Namibia gesellschaftliche Verhältnisse herrschten, die sich „ohne den destruktiven Einfluss der Europäer“ hätten weiterentwickeln können 3 . Die autochthone Bevölkerung Namibias gliedern sie in zwei Sprachgruppen: die Khoisan und die Bantu. Die Nama und Herero, die die Kolonisatoren antrafen, kamen erst im 18. Jahrhundert in die dortigen Gebiete. Diese waren aufgrund von begrenzt entwickelten Produktivkräften Viehzüchter, die mit teils immensen Herden als Nomaden auf der Suche nach Weideflächen wanderten.
Unter den Nama gab es eine große Zersplitterung zwischen den einzelnen Stämmen. Sie besaßen nur wenig Vieh und mussten sich in nahrungsarmen Dürrezeiten teilweise auch mit Raub versorgen 4 .
Die Gesellschaft der Herero war zu einem großen Maß geprägt von den ständigen Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der Nama-Stämme. Auch sie betrieben Viehwirtschaft und kannten keine sozialen Klassen, auch wenn es bereits Reichtumsunterschiede gab. Die Herero hatten eine sehr heterogene Struktur, die verschiedenste gesellschaftliche Element verband 5 . Daher sind konkrete Aussagen über die Verhältnisse innerhalb der Stämme nur schwer zu treffen.
„Urkommunismus beim Landbesitz; Matriachat bei der Häuptlingsfolge; Privateigentum an Vieh und Gegenständen; Feudalismus in der Hierarchie der Oberhäuptlinge, der Häuptlinge und Räte des Landes; die Verfassung der Herero bot den Soziologen ein großartiges Material zur Untersuchung der Gesellschaftsentwicklung“ 6 .
2 Hubrich, Heinrich-Georg u. Melber, Henning:
Namibia - Geschichte und Gegenwart zur Frage der Dekolonisation einer Siedlerkolonie, Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn, 1977 (S.37) 3 Ebd. 4 Ebd. (S.38) 5 Ebd.
6 Maximilian Scheer: „Schwarz und Weiß am Waterberg - Südwestafrika heute und gestern“; Petermänken-Verlag, Schwerin, (S.68)
4
Die Urbevölkerung Namibias, die Saan und Dama, kannten keine Herrschaft. Sie ernährten sich mit Hilfe von Ziegenhaltung und Jagd.
Mit der Einwanderung der Nama wurden ihre Gebiete immer kleiner. Die Saan zogen sich daraufhin in unwirtlichere Gebiete der Kalahari-Wüste zurück und entzogen sich somit der Unterwerfung durch die Nama oder Herero.
Die Daan wurden von den Nama und Herero abhängig und fanden sich bald in einer patriachalen Sklaverei wieder 7 .
Die Ambo-Stämme waren die einzigen in Namibia, die bereits sesshaft waren. Sie lebten im Norden des Landes und waren von der Einwanderung der Nama und Herero nicht betroffen. Sie betrieben Ackerbau und Viehzucht und erzeugten bereits ein Mehrprodukt, was auf Arbeitsteilung und Ausbeutungsverhältnissen beruhte 8 .
2. Die Zeit des deutschen Kolonialismus
2.1 Der Kolonialismus-Begriff
Kolonialismus ist meist ein übergeordneter Begriff, für die Aktivitäten eines Metropolstaates in der Kolonie. Diese erfolgen nach eigenem Interesse und mit negativen Folgen für die kolonisierten Gebiete. Dabei wird der Begriff häufig auf staatliche Kolonialpolitk reduziert und lässt den Zusammenhang zwischen ökonomischen, politischen und sozialen Faktoren außer acht 9 .
Die Analyse von Kolonialismus erfolgt anhand zweier Wesensmomente. 1. Dem Charakter der kolonialen Expansion
2. Dem Charakter der Form und des Inhalts kolonialer Herrschaft sowie dem Grad der gesellschaftlichen Entwicklung in der Kolonie und dem von ihr ausgehenden Widerstand gegen die Besetzung 10 .
Der Charakter der kolonialen Expansion wird dabei von der Expansion des Kapitals bestimmt. Es gibt die Expansion des Handelskapitals und die Expansion des industriellen Kapitals. Das Handelskapital bezieht seinen Mehrwert nicht aus der Produktion, sondern aus dem nichtäquivalenten Tausch. Eine notwendige höhere Profitrate ist daher nur durch die Erhöhung von Zahl und Umfang der zu tauschenden Waren zu erreichen, was eine ständige quantitative und territoriale Ausdehnung des Handels unabdingbar macht. Dies ändert auch in der Kolonie die Produktionsweise hin zur Tauschwertproduktion. Durch den nichtäquivalenten Tausch kommt es zu einem andauernden Wertabfluss aus den Kolonien 11 .
Durch die Herausbildung der Tauschwertproduktion in der Kolonie ist die Beziehung zwischen
7 Hubrich, Heinrich-Georg u. Melber, Henning:
Namibia - Geschichte und Gegenwart zur Frage der Dekolonisation einer Siedlerkolonie, Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn, 1977 (S.39)
8 Diedrich Westermann: Geschichte Afrikas, Greven-Verlag, 1952 (S. 445) 9 Hubrich, Heinrich-Georg u. Melber, Henning:
Namibia - Geschichte und Gegenwart zur Frage der Dekolonisation einer Siedlerkolonie, Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn, 1977 (S.9) 10 Ebd. S.12 11 Ebd.
5
Kolonie und Metropole irgendwann nicht mehr vom Handel, sondern von den Erfordernissen der Produktion bestimmt. Der Mehrwert wird nun nicht mehr über den Tausch, sondern über die Produktion erwirtschaftet. Eine ständige und vor allem billigere Rohstoffzufuhr wird unverzichtbar.
Eine direkte Kontrolle über die Kolonie ist eigentlich nicht notwendig. Jedoch befindet sich die Metropole auch immer im Wettstreit mit anderen Metropolen. Durch die die Kontrolle über die Kolonie entsteht so ein konkreter Vorteil 12 . Das militärische Eindringen der Metropole stoppt alsdann die Entwicklung des Landes und richtet es auf die eigenen Interessen aus 13 .
2.2 Namibia und die Missionare
Lange Zeit diente die Namib-Wüste als Schutz vor Kolonisatoren. Die Möglichkeit das Land vom Ozean aus zu erreichen wurde nicht wahrgenommen, da die unwirtliche Landschaft nicht einladend schien 14 . So wurden aus Namibia auch keine Menschen als Sklaven verschleppt. Als erste Europäer, kamen Missionare der Londoner Missionsgesellschaft im Jahre 1805. Diese Missionare waren bereits Deutsche. 1830 zog sich die Londoner Missionsgesellschaft zurück und es folgte ihr die Rheinische Missionsgesellschaft 15 , die versuchte in Namibia einen Missionsstaat zu errichten.
Dabei half den Missionaren die Zersplitterung unter den verschiedenen Gruppen, die in Namibia lebten. Diese Zersplitterung wollten die Missionare um jeden Preis aufrechterhalten, um kein nationales Bewusstsein entstehen zu lassen, sondern die Kontrolle über die einzelnen Stämme zu erlangen 16 . Zur selben Zeit begann der Nama-Kapitän Jonker Afrikaaner einen Zentralstaat in Namibia aufzubauen. Der Kontakt zwischen ihm und den Missionaren war zunächst gut, da sich diese von ihm Zugang zu weiteren Heiden erhofften und auch er christlichen Glaubens war. Die Missionare belieferten ihn sogar mit Waffen. Jedoch wandte sich Afrikaaner von den Missionaren ab, die daraufhin eine Gefahr in seinem Zentralstaat sahen, die ihr Projekt einen Missionsstaat zu errichten gefährdete 17 . Afrikaaner unterschied unter den Stämmen, die in seinem Staat lebten, zwischen denen die Verbündete waren, denen die sich freiwillig unterstellten und denen die Widerstand leisteten und verteilte auf dieser Grundlage Rechte und Pflichten an die einzelnen Gruppen 18 . Nach dem Tod von Jonker Afrikaaner 1861 gelang es den Missionaren tatsächlich die Zersplitterung zwischen den Stämmen wiederherzustellen, das Vorhaben, einen Missionsstaat zu errichten, scheitert jedoch.
Nun beginnen die Missionare eine Schutzmacht zu suchen, woraufhin Deutschland Interesse
12 Hubrich, Heinrich-Georg u. Melber, Henning:
Namibia - Geschichte und Gegenwart zur Frage der Dekolonisation einer Siedlerkolonie, Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn, 1977 (S.12) 13 Ebd. S.16 14 Ebd S.8
15 Ulrich van der Heyden/ Holger Stoecker (Hrsg.): „Mission und Macht im Wandel politischer Ordnung -Europäische Missionsgesellschaften in politischen Spannungsfeldern in Afrika und Asien zwischen 1800 und 1945“; Franz Steiner Verlag, 2005
16 Helga und Ludwig Helbig: Mythos Deutsch-Südwest. Namibia und die Deutschen, Beltz, 1983(S.26) 17 Ebd (S.44) 18 Ebd.(S.48)
Arbeit zitieren:
Nils Napierala, 2008, Namibia zu Zeiten des Kolonialismus und der Mandatsherrschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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