Sozialarbeiter im Altenheim Kerstin Seidel, Anja Retschke
1. Einleitung
In der folgenden Arbeit stellen wir die Sozialarbeit im Altenheim vor. Dabei haben wir uns zunächst mit den Begriffen Altenheim, Betreuung und Pflege auseinandergesetzt. Des Weiteren konzentrieren wir uns auf die Rolle des Sozialarbeiters und auf ein Betreuungsbeispiel aus der Praxis.
Das Ziel dieser Arbeit war für uns, unsere Fragen „Was bedeutet Sozialarbeit in Altenheimen und wie kann sie aussehen?“ bzw. „Welche Betreuungsangebote gibt es?“ beantworten zu können. Letztlich möchten wir aber auch eigene Erfahrungen mit einbringen, da wir beide schon mit älteren Menschen Kontakt hatten.
2. Definitionen
2.1 Betreuung
Im Fachlexikon der sozialen Arbeit ist Betreuung „das durch das Betreuungsrecht geschaffene neue Rechtsinstitut, das an die Stelle der Vormundschaft und Pflegschaft für Volljährige getreten ist“. (Fachlexikon der sozialen Arbeit 1997, S. 144)
Der Brockhaus versteht darunter ein „Rechtsverhältnis zwischen einem Betreuer (natürl. Person oder B.-Verein) und einem Volljährigen (Betreuter), der aufgrund einer psych. Krankheit oder einer körperl., geistigen oder seel. Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht selbst besorgen kann und deshalb der Hilfe bedarf (§§ 1896 ff BGB).“ (Brockhaus 1997, S. 97) Der Begriff Pflege ist nicht explizit im Fachlexikon der Sozialen Arbeit definiert. Es gibt lediglich einen Verweis auf die häusliche Pflege. Unter dieser wird die Grundversorgung verstanden und des Weiteren bezeichnet sie „die Pflege von Menschen in einem Haushalt im Unterschied zur stationären Pflege in einem Krankenhaus“ (Fachlexikon der sozialen Arbeit 1997, S. 446).
2.2 Altenheim
Der Begriff Altenheim wird im Fachlexikon der Sozialen Arbeit synonym mit dem Wort Altenpflegeheim verwendet. Dieser Begriff wird folgendermaßen definiert: „das Altenheim dient der umfassenden Pflege, Versorgung und Betreuung pflegebedürftiger Menschen und chronisch Kranker“ (Fachlexikon der sozialen Arbeit 1997, S. 23).
Backes und Clemens sehen den Begriff Altersheim als einen Oberbegriff an, welcher in unterschiedliche Formen des institutionalisierten Wohnens gegliedert ist. Sie unterscheiden Altenwohnheime, Altenheime, Pflegeheime, mehrgliedrige Alteneinrichtungen und Seniorenstifte oder Wohnstifte. Demzufolge definieren sie Altenwohnheime als „Zusammenfassung in sich
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abgeschlossener Ein- oder Zweipersonenwohnungen, die den Bedürfnissen alter Menschen entsprechen (sollen) und verschiedene Grade von Versorgung und Betreuung vorhalten, mit weitgehend eigener Haushaltsführung“ (Backes, Clemens 2008, S. 248). Altenheime definieren sie als Gebäude, welche aus Ein- bis Mehrbettzimmern oder auch kleinen Appartements mit Sanitärraum bestehen. In ihnen leben Personen, die nicht mehr in der Lage sind einen eigenen Haushalt zu führen und somit voll betreut und versorgt werden. Diese Form ist allerdings fast verschwunden seit der Einführung der Pflegeversicherung. In Pflegeheimen werden pflegebedürftige alte Menschen dauernd betreut und versorgt, aber auch eine medizinische Grundversorgung gewährleistet. Diese Form von Heim besteht aus Ein- oder Mehrbettzimmern. Die mehrgliedrige Alteneinrichtung ist eine Mischung aus den drei oben genannten Formen, also meist ein Altenheim mit einer Pflegeabteilung. Der Vorteil hier liegt darin, dass alte Menschen bei einem Wechsel durch Krankheit oder Behinderung nicht die gewohnte Umgebung verlassen müssen. Seniorenstifte kann man als eine Form sehen, welche einen gehobenen Wohnraum bietet mit der Versorgung und Betreuung älterer Menschen. Es sind sowohl Kleinwohnungen als auch Gemeinschaftswohnungen verbunden mit Pflegeleistungen. Plätze in Seniorenstifte werden privat finanziert.
(vgl. Backes, Clemens 2008, S. 247 f.)
3. Rolle als Sozialarbeiter
Die Sozialarbeiter orientieren sich bei der Betreuung von alten verwirrten Menschen an den Grundwerten Menschenwürde und Selbstbestimmung. Dabei wird versucht die Werte zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Die Ziele der Sozialarbeiter bei der Arbeit mit diesem Klientel sind die Linderung psychosozial bedingter Verwirrtheit, das Vorbeugen der Verwirrtheit, das Fördern der Restfähigkeiten und problemlösenden Bewältigungsfähigkeiten, das Erschließen der Ressourcen, das Beeinflussen der Umwelt, d.h. die Sozialarbeiter sind bemüht die Organisation der Pflege in Familie, Sozialisation oder Heim zu verbessern. Weiterhin setzen sie sich aber auch in der Sozialpolitik ein. Ein letztes Ziel ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Sozialarbeiter sind in Einrichtungen der offenen, teil- und stationären Altenhilfe tätig. „Sozialarbeit ist als Handlungsprozeß, dem Pflegeprozeß vergleichbar, ein Problemlösungs- und Beziehungsprozeß“ (Grond 1996, S. 249). (vgl. Anhang Abb.1) Im folgendem möchte ich die einzelnen Phasen des Problemlösungs- und Beziehungsprozess erläutern. Die erste Phase wird als Eingangsphase oder Ist-Bestimmung, Problemanalyse bezeichnet. In dieser Phase erfolgen eine psychosoziale Anamnese und eine psychosoziale Diagnose. Bei der psychosozialen Anamnese nimmt der Sozialarbeiter zuerst Kontakt mit dem verwirrten alten Menschen auf. Dieser Kontakt beruht meist nur auf nonverbaler Kommunikation, d.h.
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es erfolgt lediglich Blickkontakt, aktives Zuhören oder Handhalten. Danach widmet sich der Sozialarbeiter der Familie und den Pflegenden. Im Allgemeinen berücksichtigt der Sozialarbeiter den Kranken, die Familie, sozioökonomische Faktoren innerhalb der Familie, Organisationen, das Gemeinwesen und die Strukturen und Prozesse innerhalb eines Gemeinwesens. Beim Kranken hinterfragt der/die Sozialarbeiter/-in körperliche und geistige Funktionen, sozioökonomische Faktoren, persönliche Werte und Ziele, die Anpassungsfähigkeit an die gegenwärtige Situation und Entwicklungsfaktoren. Beim Faktor Familie geht es ihm um die Familie als soziales System, als echo- und beitragsfähige Einheit; um die Rollen und den Status der Familienmitglieder; um familiäre Regeln; um das Kommunikationsnetz; dem Entwicklungsstadium der Familie; um psychische und emotionale Bedürfnisse und um die Ziele, Wertvorstellungen und Hoffnungen der Familie. Bei den sozioökonomischen Faktoren innerhalb der Familie sind für ihn die Kleingruppen, funktionale Merkmale, strukturelle Faktoren und Interaktionsfaktoren von großer Bedeutung. Um die Organisation einschätzen zu können hinterfragt der Sozialarbeiter die Organisation als System mit bestimmten Auftrag, die Kultur der Organisation und die Kompetenz der Organisation. Das Gemeinwesen betrachte er als soziales System und als organische Größe. Innerhalb des Gemeinwesens versucht der Sozialarbeiter eine helfende Beziehung zum verwirrten alten Menschen aufzubauen. Dies geschieht nach den Grundsätzen von Biestek, welche individualisieren, bewusster Ausdruck von Gefühlen, Annahme des anderen, nichtrichtende Haltung, Selbstbestimmung des Kranken und Verschwiegenheit sind. Nach Lowy sind dies Interesse am Mitmenschen, Engagement, Verpflichtung, Annahme, Empathie, Aufrichtigkeit, Autorität und Macht. Die zweite kleine Erstphase ist die psychosoziale Diagnose, welche die Pflegediagnose und die medizinische Diagnose ergänzt. Dabei werden auf psychosoziale Faktoren bei der betreffenden Person, seiner Familie, seiner Bezugsgruppe, der Organisation und des Gemeinwesens eingegangen.
Die zweite Phase besteht aus dem Ziel des Problemlösungsprozess, also dem Soll. Hier entwickelt der Sozialarbeiter Teilziele aus der psychosozialen Diagnose bzw. Alternativziele, berücksichtigt allerdings auch die Folgen, welche für den Klienten aber auch für die Umgebung auftreten können. Bevor der Handlungsprozess beginnt, bedarf es einer Planung des Sozialarbeiters. Dies ist die dritte Phase. Hier wird die Persönlichkeit des Kranken, die Wechselwirkung von psychosozialen Veränderungen auf das körperliche Wohlbefinden und die Möglichkeiten der Familie berücksichtigt. Somit wird die Pflege- und Therapieplanung ergänzt und es wird geklärt, wer, was, wann und womit was verändern soll. Außerdem spricht jedes Teammitglied offen über seine Erwartungen. Die vierte Phase ist durch die Durchführung gekennzeichnet. Bevor allerdings jegliche Maßnahmen aktiv werden, ist der Sozialarbeiter bemüht alle Widerstände zu be-
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seitigen. Das heißt der Sozialarbeiter hilft dem verwirrten alten Menschen bei der Bildung eines stabilen sozialen Netzes z.B. Pflege, Haushaltsführung, Essen auf Rädern, usw. Im Gesamten kann man sagen, dass er alles Mögliche versucht, um den verwirrten alten Menschen eine stabile und soziale Umgebung zu ermöglichen. Um dies alles zu erreichen wendet der Sozialarbeiter folgende Methoden an, die Einzelhilfe, die Familienarbeit, die soziale Gruppenarbeit und die Gemeinwesenarbeit. Die Voraussetzung für die Einzelhilfe ist eine helfende Beziehung. Der Sozialarbeiter tritt hier in die Funktion des Beraters bzw. des Informanten gegenüber den Angehörigen, der Institution oder des Teams aber auch des Verwirrten. Des Weiteren vermittelt er ambulante Dienste, Tagespflegeheime, Heimeinweisungen aber auch Schwerbehinderten-Ausweise. Eine andere Aufgabe des Sozialarbeiters ist das Erschließen von Ressourcen im Kranken, in seiner Familie und Umwelt, in Organisationen und anderen Handlungsfeldern des alten Menschen. Sozusagen leistet der Sozialarbeiter therapeutische Arbeit. Dies bedeutet den alten Menschen zu unterstützen und zu ermutigen. Der Sozialarbeiter hilft dem Kranken sich im Alltag zurechtzufinden, sein Gedächtnis zu üben aber auch Krisen zu bewältigen. Sie fördern sozusagen die Restfähigkeiten und blicken in die Gegenwart und Zukunft, nicht in die Vergangenheit. In der Einzelhilfe arbeitet der Sozialarbeiter aber auch mit der Bezugsperson des Kranken. Hier versucht er der Bezugsperson zu helfen, indem er rät die Aufopferung aufzugeben, Schuldgefühle bearbeitet und vor allem rät sich selbst zu verwirklichen und Hilfe anzunehmen. Die Familienarbeit definiert der Sozialarbeiter über das Besuchen und Beobachten der Familie. Das heißt er beobachtet das Familiengeschehen, den Umgang und die Kommunikation mit der betreffenden Person aber auch die Rollenverteilung innerhalb der Familie. Außerdem informiert und vermittelt er Hilfen nach dem Pflegeversicherungsgesetz und SGB. Ein anderer Handlungsprozess des Sozialarbeiters ist die soziale Gruppenarbeit. Diese ist sinnvoll für die Integration von Verwirrten in Nicht-Verwirrten-Gruppen, für Selbsthilfegruppen der Angehörigen, für Pflegende in Heimen aber auch für Leiter in Heimen. Die Gruppenbildung wird durch den Sozialarbeiter angeregt. Sofern sich eine Gruppe gebildet hat, wird diese durch den Sozialarbeiter begleitet. Dabei informiert und strukturiert er am Anfang die Gruppe, hält mit jedem einzelnen Gruppenmitglied Kontakt und regt zu Beschäftigungsmöglichkeiten an. Bevor sich allerdings eine Gruppe gebildet hat, vergeht viel Zeit. Somit beeinflusst auch die Gruppenaktivität das Heimleben, was aber nicht immer positiv sein muss. Das letzte beschriebene Handlungsfeld ist die Gemeinwesenarbeit. Dabei handelt es sich für den Sozialarbeiter um Öffentlichkeitsarbeit. Er versucht die Vorurteile gegen alte Menschen und dessen Verwirrtheit abzubauen. Des Weiteren setzt er sich stark in der Politik ein. Dabei kämpft der Sozialarbeiter für eine Gleichstellung der ambulanten Dienste, für einen flächendeckenden Ausbau von teilstationären Einrichtungen und vieles mehr. Andere Auf-
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Arbeit zitieren:
Anja Retschke, Kerstin Seidel, 2009, Sozialarbeiter im Altenheim: Betreuung und Pflege, München, GRIN Verlag GmbH
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