II
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung AR Average Revenue bzw. beziehungsweise CBA Collective Bargaining Agreement c.p. ceteris paribus et al. und andere etc. et cetera EU Europäische Union f. folgende (Randnummer, Seite) ff. fortfolgende (Randnummer, Seite) Hrsg. Herausgeber Mio. Millionen MLB Major League Baseball MLS Major League Soccer MP Marginal Product MR Marginal Revenue MRP Marginal Revenue Product NBA National Basketball Association NFL National Football Association NHL National Hockey Association S. Seite USD US-Dollar Vgl. Vergleiche z.B. zum Beispiel
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Begriffliche Grundlagen. 3
3. Theorie der Lohnbildung. 7
3.1 Grenzproduktivitätstheorie 7
3.2 Kritische Würdigung 10
4. Determinanten der Gehaltsbestimmung 14
4.1 Restriktionen auf dem Arbeitsmarkt für Sportler. 14
4.2 Star-Effekt 18
4.3 Diskriminierung. 19
4.4 Preise für die Eintrittskarten. 20
5. Empirische Evidenzen der Entlohnung im Profisport 22
5.1 Major League Baseball. 22
5.2 National Basketball Association 25
5.3 Bundesliga 27
6. Zusammenfassung und Ausblick. 31
Anhang IV
Literaturverzeichnis XXVI
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1. Einleitung
Im Sport finden sich laut Boulevardpresse einige Höchstverdiener. Sie gehören heute zu den am besten bezahlten Unterhaltern. 1 Die Einkommen von Eldrick „Tiger“ Woods, David Beckham oder Ronaldinho übertreffen das Jahreseinkommen der meisten Einkommensbezieher um das Tausendfache. 2 So liegt der Median der Spielergehälter der New York Yankees (Major League Baseball) bei 5,5 Millionen USD 3 und übersteigt somit das Gehalt des US-Präsidenten Barack Obama (400.000 USD) 4 um das Vierzehnfache. Diesen Rieseneinkommen der Superstars stehen die Einkommen fast aller anderen Sportler 5 gegenüber, die nur mühsam einen Durchschnittsverdienst erreichen. 6 Da das Angebot an überdurchschnittlichen Sportlern geringer ist als an durchschnittlichen Sportlern, besitzen Stars die Verhandlungsmacht um höhere Einkommen. 7 Des Weiteren werden die Starsportler aufgrund einer hohen, medienwirksamen Außenwirkung grundsätzlich höher entlohnt. 8
In einigen Sportarten werden allerdings auch die Durchschnittsspieler 9 im Millionenbereich vergütet. 10 Basketball, Baseball, American Football, Eishockey in den USA oder Fußball in den meisten europäischen Ländern liegen im Zuschauer- und Medieninteresse weit vor anderen Sportarten. 11 Dementsprechend fallen die Gehälter aufgrund der höheren Zuschauernachfrage und folglich steigenden Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte in diesen Sportarten wesentlich höher aus. 12 13 Diese hohen Einkommen und die Einkommensdiskrepanzen innerhalb des Profisports führen zu der Diskussion, welche Faktoren die Höhe des Einkommens bestimmen.
Im Profisport werden die Einkommen nach dem neoklassischen Gesetz der Lohntheorie gebildet. 14 Die Sportler werden folglich nach ihrem Grenzerlösprodukt entlohnt. 15 Daher ist der Wert eines Spielers gleich dem Grenzerlös eines zusätzlichen Sieges multipliziert mit dem marginalen Beitrag dieses Spielers für den Sieg. 16 Das Grenzprodukt ist von Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Sportlers abhängig. Sportler mit einer höheren Begabung, erlernten
1 Vgl. Frick (2001), S. 702.
2 Siehe dazu Anhang 1.
3 Siehe dazu Anhang 2.
4 Vgl. Schwemle (2005), S. 2.
5 In der vorliegender Arbeit wird aus Übersichtlichkeitsgründen die männliche Geschlechtsform verwendet. Sie schließt die weibliche ein.
6 Vgl. Késenne (2007), S. 47; Frey (2000), S. 22.
7 Vgl. Rosen (1981), S. 845.
8 Vgl. Frick (2001), S. 703.
9 In dieser Ausarbeitung werden die Wörter Athlet, Sportler und Spieler synonym verwendet.
10 Zu der Analyse der Einkommensverteilung in den Major Leagues siehe z.B. Scully (1995), S. 61 ff.
11 Vgl. Frick (2007), S. 422; Dietl/Franck (2008), S. 141.
12 Vgl. Quirk/Fort (1999), S. 84; Lehmann/Weigand (1999), S. 127; Frick (2001), S. 704. 13 Siehe dazu Anhang 3.
14 Vgl. Lehmann/Weigand (1999), S. 126.
15 Vgl. Zygmont (2010), S. 35.
16 Vgl. Frick/Simmons (2008), S. 154.
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Fähigkeiten etc. leisten einen höheren Grenzbeitrag und werden höher entlohnt. 17 Der Grenzerlös spiegelt die Nachfrage der Zuschauer wider. Die Bereitwilligkeit der Fans, mehr für die Eintrittskarten zu bezahlen, kann genauso steigen wie die Bereitschaft der Sender, für die Übertragungsrechte hohe Summen auszugeben. Hohe Gehälter können damit durch das Interesse der Fans am Spiel oder an der Sportart erklärt werden. 18
In der Praxis weichen die Spielergehälter aber von ihren Grenzerlösprodukten ab. Sie sind mit den Restriktionen auf dem Arbeitsmarkt wie Gehaltsobergrenzen oder Mobilitätsbeschränkungen, Informationsasymmetrien, vor-und nachvertraglichem
Opportunismus, Einkommensverteilung zwischen den Vereinen sowie mit der Produktionsfunktion im Sport korreliert. 19 Ursachen der Gehaltsexplosion 20 in den letzten Jahrzehnten sind zum einen die gestiegenen Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte, Werbung und Merchandising 21 und zum anderen die gestiegene Verhandlungsmacht und Mobilität der Spieler, insbesondere im Mannschaftssport durch den Wegfall der Transferregelungen infolge des Urteils des Europäischen Gerichtshofes und die Aufhebung der Schutzklausel (Reserve Clause) in Major Leagues. 22
Ziel dieser Arbeit ist, die Entlohnung von Profisportlern anschaulich darzustellen. Dazu werden qualitative und quantitative Faktoren der Entlohnung analysiert. Basis dieser Abhandlung bilden theoretische Modelle und empirische Evidenzen im Mannschaftssport in Nordamerika und Europa.
Die Ausarbeitung ist wie folgt strukturiert: Im Abschnitt 2 werden die relevanten begrifflichen Grundlagen erörtert. Im Mittelpunkt von Abschnitt 3 steht die kritische Darstellung der Grenzproduktivitätstheorie als Modell der Entlohnung. Besonderheiten des Arbeitsmarktes für Sportler, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Gehaltsbildung haben, und die Determinanten der Entlohnung im Profisport werden in Abschnitt 4 anschaulich dargestellt. Basierend auf einer Reihe empirischer Untersuchungen werden im Abschnitt 5 weitere sportartspezifische und teilweise -übergreifende Faktoren für die Gehaltsbestimmung der Profisportler und Entlohnungspraktiken für ausgewählte 23 Sportarten dargelegt. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse (Abschnitt 6).
17 Vgl. Lehmann/Weigand (1999), S. 126.
18 Vgl. Jaeger (2000), S. 73; Fort (2006), S. 214.
19 Vgl. Scully (1995), S. 32.
20 So lag das Jahresdurchschnittsgehalt eines MLB-Spielers im Jahr 2008 bei 3,15 Mio. USD. 1970 waren es etwas über 29.000 USD und 1990 597.537 USD. Vgl. Stone/Pantuosco (2008), S. 228. Siehe dazu Anhang 3.
21 Vgl. Quirk/Fort (1999), S. 83; Stone/Pantuosco (2008), S. 238.
22 Vgl. Lehmann/Weigand (1999), S. 124.
23 In der vorliegenden Arbeit können die Entlohnungspraktiken und die empirischen Evidenzen der Entlohnung nicht für alle Sportarten dargestellt werden. An dieser Stelle sei auf das Literaturverzeichnis (Seite XXXIV) hingewiesen, wo die empirischen Analysen für andere Sportarten ergänzend erwähnt werden.
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2. Begriffliche Grundlagen
Sport ist eine weltweit verbreitete Form körperlicher Aktivität und Übung. Seine uneinheitliche Erscheinung fluktuiert zwischen den Phänomenen Spiel, Kampf und Arbeit. Daraus resultieren die Unsicherheit in der Theoriebildung und die Vielzahl umstrittener Deutungen. Charakteristisch für die sportliche Praxis ist das Streben nach technischem Können, nach Leistung und Leistungsvergleich im geregelten Wettkampf. Der Sport konkretisiert sich in Form von Spitzensport, Leistungssport, Breitensport in zahlreichen, sich ständig vermehrenden Sportarten und Sportspielen. 24
Der Begriff Spitzensport wird in der Regel synonym mit dem Terminus Hochleistungssport verwendet und definiert als „der auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene betriebene Wettkampfsport mit dem Ziel der absoluten Höchstleistung“. 25 Die Quantität und Intensität von Trainings- und Vorbereitungsmaßnahmen sind die auffälligsten Modalitäten dieser Sportform. 26 Hochleistungssport kann von Leistungssport durch quantitative, graduelle Unterschiede der Leistung abgegrenzt werden, wobei auf den fließenden Übergang zwischen diesen unterschiedlichen Niveaus hinzuweisen ist. 27 Der Leistungsgedanke ist im Breitensport nicht die zentrale Sinngebung. Er wird durch andere Bestrebungen wie Gesundheit, Gemeinschaft und Freude relativiert und ergänzt. 28
Mit dem Begriff Spitzensport eng verbunden sind die Termini Amateur- und Profisport. 29 Im Amateursport bekommen die Sportler entweder kein Gehalt oder eines, das für den Lebensunterhalt zu niedrig ist. 30 Im Gegensatz zum Profi- wird Amateursport aus Liebhaberei ausgeübt. 31 Im Streben nach Höchstleistungen erwies sich der Amateurstatus aber zunehmend als unhaltbar. 32 Um international beachtenswerte Leistungen zu erzielen, war immer mehr Geld notwendig. 33 Es bedurfte besserer Trainingsbedingungen und der Betreuung durch einen Stab von Medizinern, Physiotherapeuten und Trainern. 34 Dies verursachte einen enormen Kostendruck 35 auf die Vereine, der sie zwang, sich nach und nach zu kommerzialisieren. 36
24 Vgl. Bernett (1972), S. 212.
25 Vgl. Zobel (1992), S. 418.
26 Vgl. Brandmaier/Schimany (1998), S. 14.
27 Vgl. Gabler (2002), S. 73.
28 Vgl. Kuhlmann (1999), S. 130; Kubat (1998), S. 2; Gabler (2002), S. 94; Kämpfe (2009), S. 94.
29 Vgl. Brandmaier/Schimany (1998), S. 14.
30 Die Grenze zwischen ihnen wird von den Normen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bestimmt. Der Amateurstatus dominierte lange Zeit auch den Spitzensport. So mussten Olympiasieger ihre Medaillen zurückgeben, wenn sie sogar nur kleine Summen entgegennahmen. Vgl. Frey (2000), S. 18.
31 Die Spitzenathleten, die sportliche Leistung nicht berufsmäßig erbringen, erhalten finanzielle Unterstützung vom Staat, von Sportverbänden, Stiftungen etc. Erhalt und Höhe sind üblicherweise von Lebensumständen und vom Leistungsniveau des einzelnen Sportlers abhängig. Vgl. Digel/Burk/Fahrner (2006), S. 251. Für Näheres zur finanziellen Förderung der Athleten und zu Finanzierungsquellen in Sportverbänden siehe Digel/Burk/Fahrner (2006), S. 202 ff.; Trosien (1991) S. 75 ff.; Kubat (1998), S. 87 ff.
32 Sportliche Betätigung verursacht hohe Kosten bzw. Investitionen für einen Spieler, wie z.B. direkte Kosten, Zeitkosten etc. Näheres dazu findet sich z.B. bei Kubat (1998), S. 22 ff.
33 Vgl. Pelshenke (1991), S. 92.
34 Vgl. Digel (2001), S. 249.
35 Für die Ausgaben in einigen Sportarten siehe z.B. Breuer/Hovemann (2002), S. 61 ff.
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Aber auch die Athleten waren in immer größerem Umfang gezwungen, ihr Leben dem Sport unterzuordnen und diesen professionell zu betreiben. 37 Spitzensport bestimmt zu einem wesentlichen Anteil den gesamten Tagesablauf des Athleten 38 und wird in vielen Fällen zu einem Arbeitsplatz auf Zeit, in immer größerer Abhängigkeit von Medien und Marketing. 39 Im Profisport wird ein Sportler für die Ausübung seiner Sportart entlohnt. Er übt also die Sportart berufsmäßig aus und erzielt finanzielle Zuwendungen beispielsweise durch feste Gehälter, Prämien, Preisgelder, Werbeverträge, 40 Mäzenatentum, Sponsoring, 41 Sporthilfe. 42 Solche Athleten werden folglich Berufssportler oder Profisportler genannt. 43 Profisport ist immer Hochleistungssport. 44
Die Spitzensportler sind als zentrale Akteure anzusehen. 45 Zu den vorrangigen Zielen des Sportlers gehört das Überbieten eigener und fremder Leistungen im Wettkampf. Das macht eine extrem hohe körperliche Leistungsfähigkeit notwendig. Der Körper eines Sportlers ist demnach das zentrale leistungsbestimmende Merkmal. 46 Des Weiteren sind konditionelle, koordinative Fähigkeiten, technische Fertigkeiten, taktisches Verständnis und psychische Aspekte als Voraussetzungen für eine spitzensportliche Karriere zu nennen. 47 Für das Erbringen sportlicher Leistungen ist die Außenwelt theoretisch nicht notwendig. In der Praxis sind Publikum, Wirtschaft und Politik aber nicht mehr wegzudenken. Sie erfüllen essentielle Aufgaben der Partizipation und Finanzierung. 48
Die ökonomischen Interessen 49 sind bei dem modernen Hochleistungssport unübersehbar geworden. Spitzensport ist als Teil eines globalen Kommunikationssystems und einer globalisierenden Wirtschaft von den Finanzströmen 50 abhängig. 51 So ist er ein weitgehend exakt
36 Vgl. Brandmaier/Schimany (1998), S. 25; Heinemann (1987), S. 46.
37 Vgl. Pelshenke (1991), S. 108.
38 Es besteht das Risiko, dass den Spitzensportlern kaum Zeit verbleibt, parallel zu ihrem leistungssportlichen Engagement berufsqualifizierende Zertifikate zu erwerben. Vgl. Digel/Burk/Fahrner (2006), S. 61; Pelshenke (1991), S. 108.
39 Vgl. Zobel (1992), S. 418; Digel/Burk/Fahrner (2006), S. 61.
40 Werbeverträge sind nicht in allen Sportarten eine bedeutsame Einnahmequelle. So lässt sich z.B. das Fechten im Vergleich zum Tennis sehr schlecht vermarkten und erzielt folglich wenig Einnahmen aus den Werbeverträgen. Vgl. Pelshenke (1991), S. 110; Zastrow/Cordes (2002), S. 22.
41 Für Näheres zum Sportsponsoring siehe Zastrow/Cordes (2002), S. 20 ff.
42 Der Profisport bildet die Basis für die vorliegende Abhandlung.
43 Hartmann (1968) definiert Beruf als eine arbeitsteilig organisierte, spezialisierte Beschäftigung und Profession als eine hochgradig spezialisierte, verwissenschaftlichte und sozial orientierte Aufgabenerfüllung. In dieser Arbeit werden die Begriffe synonym verwendet.
44 Vgl. Brandmaier/Schimany (1998), S. 15.
45 Vgl. Cachay/Thiel (2000), S. 143; Késenne (2007), S. 30.
46 Vgl. Bette/Schimank (1995), S. 43.
47 Vgl. Scully (1995), S. 45; Kämpfe (2009), S. 97.
48 Vgl. Cachay/Thiel (2000), S. 146.
49 Zum Beispiel die amerikanischen Major-League-Clubs sind seit ihrer Gründung unternehmerisch verfasst. Somit sind die privatwirtschaftlichen Unternehmen verfassungsökonomisch zur Gewinnerzielung konzipiert. Vgl. Franck (2000a), S. 23. Das Ziel der Maximierung der Siegquote pro Saison wird im europäischen Profisport als primär unterstellt. Vgl. Büch/Frick (1999), S. 120. Zur empirischen Untersuchung des Zielkonflikts zwischen sportlichem und wirtschaftlichem Erfolg in der Fußball-Bundesliga siehe Schroeter (2009).
50 In einer Marktwirtschaft finanzieren sich die Unternehmen im Prinzip über Verkaufserlöse. Der traditionelle Sport (Sportverein) finanziert sich vor allem über Mitgliedschaftsbeiträge und Spenden. Vgl. Horch (2002), S. 7.
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steuerbares technologisches Unterfangen, durchaus vergleichbar mit der industriellen Erzeugung von Produkten. 52 Der professionelle Teamsport ist eine Industrie, 53 die aus den Unternehmen (Vereinen, Teams) besteht. Diese Industrie produziert ein Gut in Form von Unterhaltung, das andere Industrien nicht oder nur begrenzt substituieren können. 54 Die Teams beschäftigen knappe Ressourcen für die Produktion. Das sind vor allem Spieler, Trainer, administrative Mitarbeiter, Stadien, Equipment etc., die auch in anderen Branchen eingesetzt werden könnten. 55 Unterhaltung wird mit Hilfe der Teamspiele realisiert. Spiel ist dabei als Wettbewerb zwischen mindestens zwei Teams mit den im Voraus bestimmten Spielregeln und klar definierten Gütermaßstäben 56 definiert. 57 Für die Sportbranche charakteristische Positionswettbewerbe erfolgen typischerweise über die Ermittlung der relativen Spielstärke wie Tabellenplatz oder Zahl der Siege der beteiligten Teams innerhalb der Liga. 58
In der Regel wird die Sportindustrie durch die Koalitionen von Teams, genannt Ligen, organisiert. Diese regelt den Wettbewerb zwischen allen Teams, so dass nicht nur der Sieg eines Spieles, sondern auch der Sieg im gesamten Wettbewerb (Saison) wichtig ist. Darüber hinaus bestimmt die Liga 59 die Regeln für die Aufnahme neuer Teams, die Allokation von Ressourcen (vor allem Spielern), Gehaltsgrenzen und den geografischen Stand 60 eines Teams 61 und sorgt für ihre Durchsetzung. 62 In der Regel agieren das Team auf seinem Gebiet und die Liga in einer bestimmten Sportart als Monopolisten. 63 64 Die Konsumenten des produzierten Gutes sind diejenigen, die das Recht auf das Zuschauen erworben haben, d.h. die Stadionbesucher, Fernsehzuschauer, Radiohörer etc. 65 Letztere erwerben dieses Recht indirekt über Fernseh- und Radioübertragungsrechte, deren Verkauf zusammen mit dem Verkauf von Eintrittskarten die
51 Vgl. Jaeger (2000), S. 5; Digel (2001), S. 242.
52 Vgl. Digel (2001), S. 244.
53 Die Sportbranche besteht grundsätzlich aus Sportorganisationen ohne Erwerbscharakter, mit Erwerbscharakter, öffentlich-rechtlichen Sportinstitutionen sowie ihren Mischformen. Vgl. Trosien (1991), S. 9.
54 Vgl. Fort (2002), S. 11; Kubat (1998), S. 43; Rottenberg (2000), S. 11.
55 Vgl. Rottenberg (2000), S. 12.
56 Vgl. Gabler (2002), S. 73.
57 Bei einem Meisterschaftswettbewerb handelt es sich um ein zweistufiges Produktionssystem. In der ersten Stufe findet auf Klubebene die Vorproduktion durch Bereitstellung und Vorbereitung der erforderlichen Inputfaktoren statt. Die Erstellung eines vermarktungsfähigen Produktes erfolgt dann im Wettkampf zwischen zwei Teams. Vgl. Benner (1992), S. 28 ff.
58 Näheres zur Strukturierung im Wettbewerb am Beispiel europäischer Fußballwettbewerbe findet sich bei Kipker/Parensen (1999), S. 136 ff.
59 Jede Liga verfügt über eine eigene Markenidentität. Ein Zuschauer als Endkonsument nimmt bewusst wahr, dass gerade ein Spiel dieser Marke läuft. Allerdings hängt der Markenerfolg von der sportlichen Integrität, der Vermittlung der Marke nach außen etc. ab. Vgl. Franck (2000a), S. 18.
60 Der geografische Stand wird durch einen Vertrag zwischen der Liga und einem Team (Franchising) bestimmt. Vgl. Fort (2006), S. 139. Für Näheres zum Franchising in Major Leagues siehe z.B. Quirk/Fort (1997), S. 23 ff.; Scully (1995), S. 81 ff.
61 Vgl. Fort (2002), S. 15.
62 Vgl. Kubat (1998), S. 35.
63 Vgl. Franck (2000b), S. 52; Fort (2006), S. 139; El-Hodiri/Quirk (1971), S. 1304. 64 Ausnahmen bilden unter anderem Boxen, Schach, Snowbord etc. Vgl. Kubat (1998), S. 37.
65 Somit wird zwischen direkter und indirekter (abgeleiteter) Nachfrage unterschieden. Vgl. Kubat (1998), S. 9.
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Einnahmen der Sportindustrie darstellt. 66 Die Sportindustrie unterscheidet sich von anderen Branchen durch mehrere Faktoren. So kann man den Branchenoutput im Sinne von Meisterschaften oder Siegen nicht steigern. Wenn ein Team häufiger gewinnt, müssen analog andere Teams öfters verlieren. 67 In jedem Wettbewerb kann es nur einen Sieger oder Meister geben. Unter anderen Gesichtspunkten ist jede Meisterschaft zwangsläufig ein (erwünschtes) 68 Monopol. 69 Bei mehreren Parallelmeisterschaften verliert eine Sportart die Seriosität. 70
In der Sportbranche kann im Vergleich zu anderen Branchen die Produktivitätssteigerung nicht durch Rationalisierungsmaßnahmen erreicht werden. So ist z.B. ein Verzicht auf einen Mittelfeldspieler aus Personaleinsparungsgründen in einem Fußballklub eher undenkbar. 71 Ein anderer Unterschied liegt im Produktionsprozess begründet. Ein einzelnes Team kann kein Produkt herstellen. 72 In der Regel sind mehrere Gegner nötig, um Unterhaltung zu produzieren. Dabei nimmt die Qualität mit steigender Stärke der Konkurrenz zu. 73 Sie ist auch umso höher, je besser die Fertigkeiten und Fähigkeiten der Spieler sowie die sportlichen Errungenschaften während des Spiels sind. Des Weiteren steigt die Qualität des Spiels mit der Unsicherheit des Spielausganges. 74 Je höher Unsicherheit und sportliche Leistung einzustufen sind, desto höher sind im Allgemeinen auch die Anzahl der (Stamm-)Zuschauer 75 bzw. das Zuschauerinteresse und die Vermarktungschancen. 76 Die Schwächung oder Abschaffung der Konkurrenz führt automatisch zur Auflösung des Geschäfts. 77
66 Vgl. Kubat (1998), S. 3; Fort (2002), S. 12; Késenne (1999), S. 117.
67 Der gesamte Branchenoutput ist stets konstant.
68 Vgl. Scully (1995), S. 23; El-Hodiri/Quirk (1971), S. 1304. Näheres zu den Auswirkungen der Monopolstellung der Liga siehe z.B. in Noll (1999), S. 17 ff.
69 Gesetzliche Wettbewerbsregeln finden im Prinzip keine Anwendung in der Sportbranche. Vgl. Fort (2002), S. 17 f.; Franck (2000b), S. 37.
70 Es kann z.B. nur einen Weltmeister in einer Sportart geben. Vgl. Kubat (1998), S. 47; Noll (1999), S. 25; El-Hodiri/Quirk (1971), S. 1304.
71 Vgl. Dietl/Franck (2008), S. 9 f.
72 Vgl. Franck (2000b), S. 37.
73 Erhöht ein Team seine relative Spielstärke bzw. eigene Siegwahrscheinlichkeit z.B. durch Neuverpflichtungen, führt das automatisch zum Rückgang der relativen Spielstärke aller übrigen Vereine. Vgl. Büch/Frick (1999), S. 114.
74 Die höchste Unsicherheit besteht bei einer Siegwahrscheinlichkeit von 50 Prozent für jede Mannschaft. Vgl. Rottenberg (2000), S. 11; Kämpfe (2009), S. 10.
75 Die positiven Effekte der Kundenbindung führen zum positiven finanziellen Ergebnis und als Folge zur Möglichkeit der Verpflichtung von leistungsstarken Sportlern. Vgl. Brandmaier/Schimany (1998), S. 63.
76 Vgl. Frey (2000), S. 19.
77 Vgl. Dietl/Franck (2008), S. 88.
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3. Theorie der Lohnbildung
3.1 Grenzproduktivitätstheorie
Auf dem Arbeitsmarkt kommt es zum Zusammentreffen von Angebot an und Nachfrage nach Arbeitskräften. Arbeitnehmer verkaufen ihre Arbeitsleistungen an zukünftige Arbeitgeber und erhalten Lohn oder Gehalt als Gegenleistung. 78 In der traditionellen ökonomischen Theorie werden Produktionsfaktoren wie Arbeitskraft unter Wettbewerbsbedingungen nach ihrer Grenzproduktivität 79 entlohnt. 80 Grenzproduktivität bezeichnet die Fähigkeit eines variablen Produktionsfaktors, die Produktionsmenge zu vergrößern. Unternehmen stellen demnach so lange zusätzliche Arbeitskräfte ein, bis der zusätzliche Erlös (Grenzerlös) aus der Produktionsleistung ihrer Arbeit die Kosten dieser Arbeit 81 übersteigt, d.h., wenn der zu zahlende Lohn durch den vom Mitarbeiter erzeugten Wert überschritten wird. 82 Allgemein gilt, dass eine gewinnmaximierende Unternehmung, die den Produktionspreis auf dem Absatzmarkt und die Faktorpreise auf dem Beschaffungsmarkt als gegeben hinnimmt, die Faktoren nach ihren Grenzproduktivitäten real entlohnt. 83
Unter dem Grenzprodukt der Arbeit versteht man folglich den Zuwachs an Output bei einer zusätzlichen Arbeitseinheit, wenn alle übrigen Produktionsfaktoren (Inputfaktoren) konstant gehalten werden. 84 Die Erlösentwicklung bei dem Verkauf einer zusätzlichen Einheit eines Produktes wird als Grenzerlös bezeichnet. 85 Das Grenzerlösprodukt ergibt sich als Produkt von Grenzerlös und (physischem) Grenzprodukt. Es gibt den zusätzlichen Erlös an, der erzielt werden könnte, wenn ein Unternehmen eine zusätzliche Einheit von einem Produktionsfaktor kaufen, sie einsetzen und die damit zusätzlich hergestellten Produkte verkaufen würde. 86 Als Formel ausgedrückt: MRP = MR * MP. 87 Unterschiede im Einkommen der Arbeitskräfte sind in diesem Modell allein durch unterschiedliche Qualifikation und Produktivität bedingt. Arbeitskräfte mit einer höheren Begabung, erlernten Fähigkeiten etc. oder mehr Verantwortung im Prozess der Leistungserstellung leisten einen höheren Grenzbeitrag und werden höher entlohnt. 88
78 Vgl. Zygmont (2010), S. 35.
79 Mehr zur Grenzproduktivitätstheorie und zu statischen Modellen der optimalen Beschäftigung findet sich z.B. in Franz (2003), S. 121 ff.; Blümle (1975), S. 109 ff.
80 Vgl. Lehmann/Weigand (1999), S. 126.
81 Diese Kosten werden als Faktorgrenzausgabe bezeichnet.
82 Vgl. Pindyck/Rubinfeld (2009), S. 681.
83 Die gewinnmaximierende Bedingung auf einem Faktormarkt, dass das Grenzerlösprodukt der Arbeit gleich dem Lohnsatz (Faktorpreis) sein muss. Vgl. Pindyck/Rubinfeld (2009), S. 684; Blümle (1975), S. 114.
84 Formal bedeutet Grenzprodukt eine partielle Ableitung der Ausbringungsmenge nach dem Faktoreinsatz.
85 Vgl. Blümle (1975), S. 113.
86 Vgl. Zygmont (2010), S. 35 f.
87 In dieser Ausarbeitung werden die in der Literatur häufig verwendeten englischen Abkürzungen übernommen: Grenzerlösprodukt - Marginal Revenue Product (MRP), Grenzerlös - Marginal Revenue (MR), Grenzprodukt -Marginal Product (MP).
88 Vgl. Lehmann/Weigand (1999), S. 126.
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Auf dem Arbeitsmarkt bei unvollständiger Konkurrenz werden die Arbeitskräfte so lange eingestellt, bis der Lohnsatz genau dem Grenzerlösprodukt ihrer Arbeit entspricht. Der Unterschied zum Arbeitsmarkt bei vollkommener Konkurrenz besteht hauptsächlich in der Bestimmung des Grenzerlöses. Im Falle der vollkommenen Konkurrenz ist der Grenzerlös gleich dem auf dem Markt gegebenen Preis. Das Grenzerlösprodukt resultiert folglich aus dem Produkt des physischen Grenzproduktes und dem Preis. Es wird als Grenzwertprodukt bezeichnet. 89 Das Grenzerlösprodukt bewertet den zusätzlichen Output zum Grenzerlös, der infolge der unvollständigen Konkurrenz in der Regel kleiner ausfällt als der existierende Preis bei vollkommener Konkurrenz, d.h., der reale Lohnsatz ist kleiner als das Grenzprodukt der Arbeit. 90
Gemäß dem Modell werden die gewinnmaximierenden Unternehmungen dem Spieler ein Gehalt zahlen, das gleich seinem Grenzerlösprodukt ist. 91 Daher ist das MRP eines zusätzlichen Spielers gleich dem Grenzerlös eines zusätzlichen Sieges multipliziert mit dem marginalen Beitrag dieses Spielers für den Sieg. 92 Mit anderen Worten kann der Wert eines Athleten (MRP) als die Zahl an Siegen multipliziert mit dem Wert jedes Sieges verstanden werden. Folglich erhalten die Spieler hohe Gehälter, wenn ihre Grenzerlösprodukte hoch sind. 93 Lucifora und Simmons definieren das Grenzerlösprodukt als Produkt aus der Anzahl der Konsumenten und dem Preis, den ein Konsument bereit zu zahlen ist, um dem Sportler und dessen Leistung zusehen zu können. 94
Nach diesem Modell können die steigenden Gehälter mit zwei Faktoren erklärt werden: Erstens ist eine Zunahme des Grenzproduktes oder zweitens eine Zunahme des Grenzerlöses möglich. 95 Das Grenzprodukt ist von Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Sportlers abhängig. So haben einige Menschen von Geburt an bessere physische Fähigkeiten, geeignete Körperproportionen, um eine bestimmte Sportart betreiben zu können und Zuschauerinteresse zu wecken. Sie leisten ein höheres Grenzprodukt in ihrer Sportart und werden höher entlohnt. Training und Erfahrung sind auch ausschlaggebend für den Sportberuf. Wenn ein Spieler seine Leistung (Grenzprodukt) verbessert und mehr zum Sieg beiträgt, erhält er ein höheres Gehalt. 96 Die Personen mit wenigen angeborenen Fähigkeiten müssen sie durch mehr Training entwickeln oder kompensieren. Das Grenzerlösprodukt und folglich das Gehalt steigen mit der Zeit. Diese Relation ist mit der steigenden Erfahrung des Spielers verbunden. Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Sportlers
89 Vgl. Blümle (1975), S. 113.
90 Somit ist das Grenzwertprodukt ein Spezialfall des Grenzerlösproduktes für die vollständige Konkurrenz. In dieser Arbeit wird unvollkommene Konkurrenz unterstellt und folglich der Begriff Grenzerlösprodukt verwendet.
91 Vgl. Dobson/Goddard (2007), S. 210.
92 Vgl. Frick/Simmons (2008), S. 154.
93 Vgl. Fort (2006), S. 214; Frick/Simmons (2008), S. 154.
94 Vgl. Lucifora/Simmons (2003), S. 36.
95 Vgl. Zygmont (2010), S. 35.
96 Im Golf bringt die Verbesserung der Drivegenauigkeit um 1 Prozent durchschnittlich 11 065 US-Dollar, die verbesserte Fähigkeit zur Bunkermeidung ist 12 836 US-Dollar wert. 8,9 Millionen US-Dollar bringt die Verbesserung der Putgenauigkeit um einen Schlag. Vgl. Callan/Thomas (2007).
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nehmen mit der Erfahrung zu. 97 Die Spielerproduktivität ist aber nicht linear, d.h., sie steigt bis zu einem Punkt (Höhepunkt der Karriere) und beginnt dann zu sinken. 98 In der Regel werden die Spieler in den Anfangsjahren ihrer Sportkarriere weit unter ihrem MRP bezahlt, in späteren Jahren, nachdem der Spieler sich als Profi etabliert hat, wird er über seinem MRP entlohnt, 99 auch als Kompensation für die Unterbezahlung in den Anfangsjahren sowie als Motivation zur Teamtreue. 100
Der Grenzerlös spiegelt die Nachfrage wider. Die Bereitwilligkeit der Fans, mehr für die Eintrittskarten zu zahlen, kann steigen. 101 Hohe Gehälter können damit durch das Interesse der Fans am Spiel oder an der Sportart erklärt werden. 102 Zum anderen steigen die Gehälter mit der Zunahme der Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte. 103
Die Ziele der Teameigner können unterschiedlich sein. So sind eine Gewinnmaximierung im nordamerikanischen und eine Siegmaximierung im europäischen Profisport denkbar. 104 Unterschiedliche Maximierungsziele wirken sich unterschiedlich auf die Zahl der Neuverpflichtungen aus. Ein Teameigner wird bei Gewinnmaximierung so lange neue Talente verpflichten, bis der Grenzerlös gleich den Grenzkosten ist. Wenn das Angebot an Talenten konstant ist, wie in den nordamerikanischen Major Leagues, 105 bedeutet die Verpflichtung eines Talents den Verlust dieses Talents für das andere Team. Bei der Siegmaximierung werden neue Talente verpflichtet, solange das Gehaltsbudget es zulässt. Das Gehaltsniveau im Gleichgewicht ist höher in der siegmaximierenden Liga ist, d.h. Spieler in dieser Liga werden über ihrem Grenzertrag entlohnt. 106
97 Vgl. Fort (2006), S. 234 f.
98 Folglich sinken die Gehälter nach dem Erreichen des Hochpunktes in der Karriere. Vgl. Scully (1995), S. 50.
99 So ist ein Gehaltshochpunkt im europäischen Fußball bei 28 und in der NFL bei 29 Jahren erreicht. Vgl. Frick/Simmons (2008), S. 165.
100 Vgl. Scully (1995), S. 44 ff.
101 Vgl. Jaeger (2000), S. 73.
102 Vgl. Fort (2006), S. 214; Stone/Pantuosco (2008), S. 238. Näheres dazu findet sich im Abschnitt 4.4.
103 Die Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte, Sponsoringeinnahmen und ein Teil der Ticketerlöse werden z.B. in der NFL gleichmäßig auf alle Klubs verteilt. Als Folge ist diese Liga viel ausgeglichener, und das macht sie attraktiv für die Zuschauer und zwangsläufig für die Medien. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Übertragungsrechte sind demzufolge im Vergleich zu anderen Ligen sehr hoch. Vgl. Franck (2000a), S. 24.
104 Vgl. Büch/Frick (1999), S. 120; Franck (2000a), S. 23. Näheres dazu findet sich in Fort (2000), S. 439 ff.
105 Auf dem europäischen Arbeitsmarkt wird das Angebot an Spielern nach dem Bosman-Urteil als variabel betrachtet. Vgl. Késenne (2007), S. 31.
106 Siehe formelle Herleitung im Anhang 4.
10
3.2 Kritische Würdigung
Ein Maß für die Bestimmung des Spielergehalts ist sein Grenzerlösprodukt. Wenn Spieler A in all seinen Fähigkeiten Spieler B gleicht, mit der Ausnahme, dass er z.B. mehr Tore schießt, so soll Spieler A ein höheres Gehalt erhalten. In der Praxis geschieht das nicht immer, und zwar aus mehreren Gründen. 107 Zwei gleiche Spieler können unterschiedlich entlohnt werden, auch wegen der geografischen Lage des Teams, d.h. Großstadt oder Kleinstadt. 108 Die Zuschauerzahl, Medien- und Wirtschaftspräsenz in den Großstädten sind größer und ermöglichen durch höhere Einnahmen höhere Gehälter für die Spieler. 109 Die New York Yankees zahlen Alex Rodriguez mehr als 33 Millionen USD jährlich, weil er mindestens diesen Betrag durch Kartenverkauf, Fernsehübertragungsrechte und andere Einnahmen einbringt. 110 Unter anderen Gesichtspunkten wird der Wert eines Spielers sinken, wenn es in einer gegebenen Stadt viele gute Substitute für die Sportunterhaltung gibt. 111 112
Asymmetrische Information verhindert die optimale Gehaltsbestimmung. 113 Teams investieren große Geldsummen in die Talentsuche, um zuverlässige Informationen über die Spieler zu erhalten. 114 Die Teammanager und Trainer sind im Allgemeinen nur unvollständig über die Leistungsbereitschaft eines Spielers informiert, 115 wollen aber sein Leistungsvermögen voll auszuschöpfen. 116 Der Spieler hingegen kann ein niedrigeres Leistungsniveau wählen. Unterschiedliche Formen des vor- und nachvertraglichen Opportunismus (Moral-Hazard- und Free-Rider-Verhalten) wie subjektive Leistungsbereitschaft, mangelnder Einsatz, fehlende Kooperationsbereitschaft müssen bei der Vertragsgestaltung berücksichtigt werden. 117 Zum einen ist es erforderlich, die einzelnen Teammitglieder produktivitätsgerecht zu entlohnen, und zum anderen, ihre Kooperationsbereitschaft zu fördern. 118
107 Vgl. Lehmann/Weigand (1999), S. 126.
108 Vgl. Scully (1989), S. 83.
109 Vgl. Quirk/Fort (1997), S. 100; Maxcy (2009), S. 280.
110 Vgl. Zygmont (2010), S. 33.
111 Vgl. Rottenberg (2000), S. 17.
112 Neben der Rekrutierung geeigneter Spieler sind deren Entlohnung und die Wahl der Entlohnungsstrategie zentrale Handlungsparameter eines Vereinsvorstandes. Vgl. Büch/Frick (1999), S. 117.
113 Es kann geschehen, dass das MRP eines Sportlers überschätzt wird und er folglich überbezahlt wird. Vgl. Frick/Simmons (2008), S. 158. Zu The Winner’s Curse siehe die kritische Darstellung in Fort (2006), S. 229.
114 Die meisten Spieler werden durch komplexe Rekrutierungsverfahren wie z.B. Draft-Systeme gewählt. Einige erweisen sich als Flops im Profisport (z.B. Ryan Leaf). Andere Spieler, die später eine gute Karriere gemacht haben, wurden sehr spät oder gar nicht im Draft-System gewählt (z.B. Mike Piazza). Vgl. Zygmont (2010), S. 35 f.
115 Vgl. Frick/Simmons (2008), S. 158.
116 Vgl. Scully (1995), S. 44.
117 Eine Analyse von Performanceschwankungen in Abhängigkeit von der Vertragslaufzeit findet sich in Frick/Dilger/Prinz (2002).
118 Vgl. Frick (2000), S. 61.
Arbeit zitieren:
Alexander Scherwolfe, 2010, Entlohnung von Profisportlern, München, GRIN Verlag GmbH
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