Sehr verehrte Leserin, sehr geehrter Leser,
in den letzten Monaten und Jahren war in den Medien immer mal wieder die Rede von zwei Personen, die mit ihren Ideen Aufsehen erregten.
Dies sind zum Einen Nicholas Negroponte, an dessen Idee des 100-Dollar-Laptops für Kinder in Entwicklungsländern auf den Markt zu bringen sich die Geister scheiden. Zum anderen ist dies Mohammad Yunus, der mit seiner Meinung „Das Recht auf Kredit sollte ein Menschenrecht sein“ mitunter nur Hohn und Spott erntete. Diese Idee ist in Form der „Grameen Bank inzwischen ausgereift und schon seit vielen Jahren auf dem Markt. Doch profitieren nur die Akteure wie die Grameen Bank von diesen Ideen und gewinnen durch die Medienpräsenz zusätzlich an Prestige oder bewirken sie etwas, was den Menschen in den Entwicklungsländern weiterhilft?
Doch bevor man sich diesen Fragen zuwenden kann, muss man sich der vergangenen und bestehenden Entwicklungspolitik zuwenden, um dies vor diesem Hintergrund zu beleuchten. Dies führt zu folgenden Überlegungen:
Offensichtlich geht es den Ländern, in denen technologische Fortschritte erreicht werden, den sogenannten Industrieländern, ganz gut.
Allgemein bekannt ist, dass in den sogenannten Industrieländern, zu denen wir uns in Deutschland auch zählen, neue Produkte entwickelt und in der Regel auch unter unserer Federführung hergestellt werden. Neue Produkte, die wir in alle Welt exportieren. Was den sogenannten Entwicklungsländern bleibt, ist die Rolle als Zuarbeiter: Sie liefern zum Beispiel Rohöl für unsere Chemie, Obst für den Endverbraucher oder zur Weiterverarbeitung oder auch Metalle, die wir bei uns nicht vorfinden. Zudem rückte in den letzten Jahren die Rolle der Entwicklungsländer als Lieferant billiger Arbeitskräfte für die Unternehmen der Industrieländer in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.
Wir als Abnehmer der besagten Rohstoffe, diktieren den Preis genauso wie in der Rolle als Verkäufer der Fertigprodukte, sodass die Entwicklungsländer zwangsläufig den Kürzeren ziehen. Dadurch setzt sich ein Teufelskreis in Gang, der dazu führt, dass die Entwicklungsländer immer mehr Ihrer Rohstoffe für immer weniger unserer Fertigprodukte hergeben müssen. Das führt in der Folge dazu, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden.
Dies ist eine sehr vereinfachte Darstellungsweise, doch wird man feststellen, dass dies viele Menschen so sehen. Es muss ja nicht falsch sein, doch ist dies alles? Wie stellt sich die Situation dar, wenn man genauer hinschaut und die subtilen Faktoren betrachtet die in dieser zweifelsohne vielschichtigen Thematik zu der Armut in den Entwicklungsländern führt, die wir tagtäglich in den Medien serviert bekommen? Wie sind die Maßnahmen von Negroponte und Yunus in diesem Kontext zu sehen? Haben sie einen Einfluss auf die Situation der Menschen, die mit ihren Produkten in Berührung kommen?
Zunächst einmal muss man sich vor Augen führen, was es mit Begriffen wie „Entwicklungsland“ und „Industrienation“ auf sich hat. Was steckt hinter diesen Begriffen? Was charakterisiert diese so bezeichneten Länder?
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Ist die Abhängigkeit einseitig oder müssen auch Akteure aus Industrieländern Rücksicht nehmen auf die Entwicklungsländer?
Eine weitere Frage ist die nach den Akteuren, die hier am wirkungsvollsten Abhilfe schaffen können: Muss der Impuls von den Entwicklungsländern selber ausgehen oder muss ein Ruck durch die Industrieländer gehen oder sind es durch Innovationen geschaffene Strukturen? Müssen politische Vorgaben gemacht werden, kann jemand aus den Reihen der Unternehmer nach wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten zur Lösung des Problems beitragen? Auch will ich mich der Frage nicht verschließen, ob sich die Armut in den Entwicklungsländern aus den Beziehungen zu den Industrieländern, gemeinhin als Globalisierung bekannt, ergibt. Oder gibt es auch innerstaatliche Gründe für Armut? Auch wenn diese Thematik auf den ersten Blick ein rein wirtschaftspolitische zu sein scheint, ist die Fragestellung so formuliert, dass pädagogische Gesichtspunkte im Schwerpunkt zum Tragen kommen. Man kommt nicht umhin die Situation mit ihren wirtschaftlichen und politischen Facetten zu beschreiben, um sich dann der Frage zuwenden zu können, wie die beiden genannten Innovationen einzuordnen sind und wie sie auf bestehende soziale Systeme einwirken. Dies gilt es im Folgenden zu prüfen.
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1 Einleitung 5
2 Definitionen 6
3 Überblick über die Erscheinungsformen der Armut in den Entwicklungsländern 8
4 Ursachen der Armut 10
4.1 Globalisierung 10
4.1.1 Transnationale Konzerne 10
4.1.2 Brain Drain 11
4.2 Innerstaatliche Ursachen 11
5 Die Akteure in der Entwicklungshilfe 13
5.1 Staatliche, nichtstaatliche und privatwirtschaftliche Akteure 13
5.1.1 Staatliche Akteure 13
5.1.2 Nichtstaatliche Akteure 14
5.1.3 Privatwirtschaftliche Akteure 14
5.2 Zwei vielversprechende Innovationen
- Negropontes 100-Dollar-Laptop und Yunus Grameen Bank 16
5.2.1 Die Grameen Bank 17
5.2.2 Der 100-Dollar-Laptop 19
6 Wirkungsweise der Innovationen in den sozialen Systemen 22
7 Zusammenfassung und Stellungnahme des Autors 26
Literaturverzeichnis 30
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1 Einleitung
Der Text ist gegliedert in acht Abschnitte. Im nachfolgenden zweiten Abschnitt sollen Begriffe, die im Mittelpunkt der Thematik stehen, beleuchtet werden. Eine klare und eindeutige Definition ist in den wenigsten Fällen im entwicklungspolitischen Themenfeld möglich, so dass zumindest definitorische Abgrenzungen gemacht werden. In vielen Fällen wird eine vereinfachte Definition zugrunde gelegt werden, die die Diskussionen in der Fachliteratur nicht widerspiegeln, jedoch aus Platzgründen in dieser Weise dargestellt werden. Für die Zwecke dieser Arbeit ist dieser Ansatz hinreichend. Der dritte Abschnitt dient der Darstellung der Situation in den Entwicklungsländern. Hier geht es um einen Überblick der Armut, da sie letztendlich die Symptome repräsentiert, die durch die Maßnahmen der Entwicklungspolitik gemindert, im besten Fall ausgemerzt, werden sollen.
Der vierte Abschnitt soll einen Überblick über die Ursachen der Armut geben, ohne den Anspruch zu erheben, die gesamte Bandbreite vollständig abzubilden. Die Darstellung der einschlägigen Faktoren soll hier im Vordergrund stehen.
Der Abschnitt fünf widmet sich der Entwicklungspolitik, also in gewisser Weise der Reaktion auf die zuvor geschilderten Zustände bzw. Symptome und deren Ursachen. Dazu sollen die entwicklungspolitischen Akteure, mit ihren verschiedenen Interessen, dargestellt werden.
Im zweiten Teil dieses fünften Abschnitts schließlich, wird das Kernstück dieses Aufsatzes thematisiert. Vorgestellt, hinterfragt und eingebettet in den Kontext der vorangestellten Abschnitte werden zwei Innovationen die in den letzten Monaten besonders für Furore gesorgt haben:
1. Der sogenannte 100-Dollar-Laptop von Nicholas Negroponte 2. Kleinkredite an Mittellose von der Grameen Bank
Es wird gezeigt, ob diese Maßnahmen wirklich dieses große Medieninteresse verdienen und ob sie die Problematik da berühren, wo es die in Abschnitt 5.1 dargestellten Akteure nicht tun.
Der sechste Abschnitt soll eine Brücke schlagen zwischen den pädagogischen Instrumenten und den Geschäftsmodellen Negropontes und Yunus. Dazu wird die Wirkungsweise der Innovationen identifiziert. Dies führt zu folgender übergeordneter Frage: Wie wirken die beiden Ideen auf die sozialen Systeme ein und wie verändern sie sie? Das siebte und damit letzte Kapitel fasst die wichtigsten Arbeitsergebnisse zusammen, beinhaltet die kritische Stellungnahme des Autors und versucht eine Perspektive der Innovationen und der Gesamtsituation zu geben.
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2 Definitionen und definitorische Abgrenzungen Armut
Armut ist ein weitverbreiteter Begriff, der in den verschiedensten Zusammenhängen bemüht wird. Wir wollen unter Armut den unfreiwilligen Mangel an essentiellen Gütern verstehen. Dies gilt sowohl für materielle Güter, wie z.B. Kleidung, Obdach oder Nahrung, als auch für immaterielle Güter wie z.B. Bildung, Sicherheit oder soziale Sicherung. Unfreiwillig deshalb, weil ganz klar unterschieden werden muss zu Personen die sich z.B. aus religiöser Überzeugung und freier Überzeugung in diese Situation begeben. Entwicklungsland
Unter dem Begriff Entwicklungsland sollen in dieser Arbeit Länder verstanden werden, die zwei wesentliche Bedingungen erfüllen: Zum Einen ist die Armut so weit verbreitet, dass breite Bevölkerungsschichten darunter leiden. Indikatoren dafür sind u.a. Hunger, Krankheiten wie AIDS, eine niedrige Lebenserwartung und eine hohe Kriminalitätsrate. Zum Anderen sind die Länder technologisch und infrastrukturell rückständig im Vergleich zu den Industrieländern.
Dabei soll in dieser Arbeit keine Messlatte angelegt werden, die z.B. Länder mit einem bestimmten BIP als Entwicklungsland einstufen, wohlwissend, dass diese definitorische Abgrenzung etwas schwammig erscheinen mag, aber für die Untersuchung in dieser Arbeit völlig ausreichend ist. In den folgenden Kapiteln wird aber die Problematik der verschiedenen Definitionsansätze von Entwicklungsländern angerissen. Globalisierung
Unter Globalisierung soll die Definition des Universallexikons Brockhaus zu Grunde gelegt werden. Demnach ist Globalisierung als „zunehmende Internationalisierung des Handels, der Kapital- sowie der Produkt und Dienstleistungsmärkte und die internationale Verflechtung der Volkswirtschaften“ (Zwahr, Annette 2003, S. 2608) zu verstehen. Innovation
Für Innovation wird eine Definition in Anlehnung an das Universallexikon Brockhaus zu Grunde gelegt: Innovation ist die zielgerichtete Erneuerung bzw. Neugestaltung von Verhaltensweisen (z.B. im Lernprozess) oder Funktionsbereichen (z.B. in der Finanzierung von handwerklicher Produktion), um bereits existente Verfahren zu verbessern oder neuen Anforderungen gerecht zu werden (vgl. Zwahr, Annette 2003, S. 3284). Staatlicher Akteur
Mit dem Begriff staatlicher Akteur werden solche Akteure bezeichnet, die ausschließlich durch staatliche Gelder finanziert werden, kein Gewinnstreben haben und aufgrund politischer Entscheidungen agieren. Dabei ist es unerheblich, ob der Träger ein Staat oder ein Staatenzusammenschluss (z.B. UNO) ist.
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Nichtstaatlicher Akteur
Ein nichtstaatliche Akteur (non-governmental-Organisation) hegt kein Gewinnstreben, verfolgt einen gemeinnützigen Zweck (z.B. Hilfe Hungerleidender) und ist unabhängig von jeglichem staatlichen Einfluss. Privatwirtschaftlicher Akteur
Unter einem privatwirtschaftlichen Akteur soll ein jeder Akteur mit Gewinnabsichten verstanden werden, der als oberstes Ziel die Gewinnmaximierung hat und nach marktwirtschaftlichen Prinzipien (Angebot und Nachfrage) handelt. Soziales System
Der Begriff „soziales System“ soll im Folgenden mit einer Definition in Anlehnung an Meyers Online Lexikon belegt werden (vgl. MEYERS ONLINE LEXIKON 2.0). Danach erfasst ein soziales System das zwischenmenschliche Handeln innerhalb eines Rahmens sozialer Verhaltens- und Orientierungsmuster. Das umfassendste soziale System ist die Gesellschaft, bestehend aus Teilsystemen wie dem Bildungs-, politischen oder dem Wirtschaftssystem (vgl. MEYERS ONLINE LEXIKON 2.0).
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3 Überblick über die Erscheinungsformen der Armut in den Entwicklungsländern Heutzutage leben viele Menschen in Armut weltweit, überwiegend sind diese in den Entwicklungsländern vorzufinden. Um diese Menschen in besagten Entwicklungsländern
geht es in dieser Arbeit. Dabei gibt es keine unumstößliche und unumstrittene Definition für die sogenannten Entwicklungsländer, denn je nach angelegtem Maßstab werden Ökonomie, Bildung, Zugang zu Ressourcen oder andere Kriterien betont. Diese Suche nach der bestmöglichen Kategorisierung der armen Länder hat neben dem Begriff „Entwicklungsland“ auch Begriffe wie „Dritte Welt“, „Vierte Welt“, „Hungerland“, „unterentwickeltes Land“, „rückständiges Land“, „nicht-entwickeltes Land“, „Less Developed Country (LDC), „Least Developed Country (LLDC)“ (vgl. WIKIPEDIA „Entwicklungsland“) hervorgebracht, um nur einige zu nennen.
An dieser Stelle kann und soll jedoch die Diskussion über die Gründe für oder gegen diese Begriffe nicht wiedergegeben werden.
Der Begriff „Entwicklungsland“ an sich ist ebenfalls nicht ohne Kritik. Der Bezeichnung wird unterstellt, dass sie etwas suggeriert was evtl. gar nicht stattfindet und wenn Entwicklung stattfindet bedeutet dies ja eine Entwicklung zu einem bestimmten Endziel hin (vgl. Nohlen 1991, S. 203). Dieses wiederum impliziert den vorgegebenen Weg zum Entwicklungsstand der Industrienationen, welcher nicht der sein muss den die Entwicklungsländer gehen. Ohne die Plausibilität dieser Argumente in Abrede zu stellen, möchte ich den Begriff „Entwicklungsland“ benutzen, da dieser ein sehr verbreiteter ist, umgangssprachlich etabliert ist und Assoziationen weckt. Dabei möchte ich ihn jedoch wie in Kapitel 2 definiert verstanden wissen.
Auch kann man verschiedener Meinung darüber sein, wer als arm zu bezeichnen ist und wer nicht. An dieser Stelle soll diese Diskussion um den Armutsbegriff nicht weiter vertieft und unnötig ausgeweitet werden, da es schlichtweg den Rahmen dieser Thematik sprengen würde.
Hier nur einige Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Laut Weltbank gilt eine Person als arm, wenn sie weniger als $ 1 pro Tag zum Leben hat. Eine neuere Klassifizierung der Weltbank trägt der Kritik Rechnung, dass ein absoluter Wert die Armut der Menschen in verschiedenen Ländern nicht gleichermaßen darstellt. So ist die Kaufkraft eines US-Dollars in Land A größer als in Land B und damit die Armut in Land A geringer als in Land B.
Daraus resultiert die Festlegung der Weltbank, dass ein Mensch als arm gilt, wenn er mehr als 70% seines Einkommens für Nahrung ausgeben muss.
Die IDA (International Development Association) bezeichnet einen Menschen als arm, wenn er unter $150 im Jahr zur Verfügung hat und eine Kalorienzufuhr von unter 2160 bis 2670 Kalorien täglich (variiert nach Ländern), sowie eine Lebenserwartung von unter 55 Jahren hat (vgl. Nohlen 1991, 57f).
Um diese Diskussion zu umgehen legen wir die für diese Zwecke ausreichende Definition aus Kapitel 2 zu Grunde.
Unbestritten ist, dass viele Menschen in Verhältnissen leben, die wir in Deutschland als nicht ertragbar halten würden.
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Arbeit zitieren:
Daniel Grenzmann, 2008, Innovationen zur Bekämpfung von Armut, München, GRIN Verlag GmbH
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