Inhalt
1. Einführung 03
2. Definitionen 03
2.1. Der Begriff „Angst“ 03
2.2. Angststörungen 05
3. Erscheinungsbild und Diagnose 06
3.1. Trennungsängste 07
3.2. Schulphobie, Schulangst, Schulschwänzen 08
3.3. Phobische Störungen des Kindesalters 09
3.4. Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters 09
3.5. Generalisierte Angststörung 10
4. Vorkommen 11
5 Entstehung von Angst und Angststörungen 12
5.1. Theoretische Erklärungsansätze 12
5.2. Ursachen von Angststörungen im Kindesalter 17
6. Prävention 18
7. Intervention 21
7.1. Elternberatung oder Elterntherapie 21
7.2. Psychodynamische oder kognitiv-behaviorale Therpie 21
7.3. Psychopharmakologische Behandlung 22
8. Resumee 23
9. Literatur 24
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1. Einführung
Angst gehört zum menschlichen Leben unausweichlich dazu und ist sogar ein notwendiges Gefühl, beispielsweise zur „Erkennung und Vermeidung von Gefahren“ (Nissen 2002, S. 165). Die völlige Abwesenheit von Angst kann auf eine psychische Störung hinweisen (vgl. ebd.). Die Kindheit ist besonders geprägt von Ängsten, da diese Zeit ständig mit der Aufgabe verbunden ist, „Vertrautes und damit Sicherheit aufzugeben und sich unbekanntem Terrain zuzuwenden“ (Weinberger 2001, S. 241).
In dieser Arbeit geht es zunächst darum, den Begriff „Angst“ ganz allgemein zu definieren. Anschließend geht es um die Frage, ab wann die Angst dem Bereich der Verhaltensauffälligkeiten zuzuordnen ist und behandlungsbedürftige Formen annimmt. Unter 3.1. - 3.5. werden verschiedene Angststörungen beschrieben, die im Kindesalter besonders häufig auftreten, während im Abschnitt 4. die Auftretenshäufigkeit in Zahlen und die besonders betroffenen Personengruppen genannt werden. Kapitel 5 liefert mögliche theoretische Erklärungsansätze zur Angstentstehung und mögliche Ursachen. Schließlich werden unter 6. Möglichkeiten aufgezeigt, die das Risiko der Entstehung einer Angststörung zumindest schmälern können, dabei wird vorwiegend auf Beiträge eingegangen, die die Schule dazu leisten kann. Unter 7. werden Möglichkeiten der Behandlung aufgezeigt, wenn eine Angststörung bereits vorliegt.
2. Definitionen
2.1. Der Begriff „Angst“
Eng verwandt mit dem Begriff „Angst“ ist das lateinische Wort „angustus“, das die Bedeutung von „eng“, „beengend“, „die freie Bewegung hindernd“ hat (Menge & Güthling 1965, S. 7, zit. nach Sörensen 1994, S. 2). Diese Wortbedeutung ist in der Definition von Dorsch enthalten, der Angst vor allem als unangenehmen, emotionalen Zustand beschreibt, der die willentliche und verstandesmäßige Steuerung einer Person überlagert (vgl. Dorsch 1987, S. 34, zit. nach Sörensen 1994, S. 2).
Wesentlich umfassender ist die Definition von Rost und Haferkamp, die die psychische, körperliche und emotionale Seite der Angst enthält und darüber hinaus auch noch auf deren mögliche Ursachen und Folgen hinweist. Sie soll
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daher exemplarisch für die Vielzahl an vorhandenen Definitionen an dieser Stelle zitiert werden:
„Angst ist ein Spezialfall eines Erregungs- und Spannungszustandes mit spezifischen somatischen und psychischen Empfindungen und Reaktionen. Sie ist gekennzeichnet durch Vorwegnahme, aktuelle Empfindung oder Erinnerung einer subjektiv bedeutsamen realen oder vorgestellten Unsicherheit (...) bzw. Bedrohung (Versagen, Schmerz, Gefahr) im weitesten Sinne und wird in der Regel durch gelernte Hinweisreize ausgelöst. Angst neigt zur Generalisierung (d.h. Ablösung von den ursprünglich angstauslösenden Ereignissen und Koppelung mit an und für sich unbedrohlichen Reizen) bis hin zur Verselbständigung im Sinne einer generellen Verhaltenstendenz“ (Rost & Haferkamp 1979, 3, zit. nach Sörensen 1994, S. 3). Angst kann ein zeitlich vorübergehender Zustand sein, der in der Regel „von starker Intensität und kurzer Dauer“ ist. Diese wird als Zustandsangst oder „anxiety state“ bezeichnet (Sörensen 1994, S. 6). Sie kann aber auch „eine erworbene Verhaltensdisposition“ sein und ist in diesem Falle von geringerer Intensität, aber unbestimmter Dauer. Diese „Angst als Wesenszug [...] bedeutet die Neigung einer Person, relativ häufig auf Situationen mit Zustandsangst zu reagieren“ und wird auch „anxiety trait“ genannt (Sörensen 1994, S. 6). In unterschiedlichem Maße wird von verschiedenen Angsttheoretikern zwischen den Begriffen „Angst“ und „Furcht“ differenziert. So bezieht sich die Furcht z.B. nach Freud - um nur einen bekannten Vertreter dieser Auffassung zu nennenauf etwas Konkretes. Sie ist also auf ein Objekt gerichtet und wird deshalb von ihm auch als „Realangst“ bezeichnet (vgl. Freud 1926, 197ff zit. nach Sörensen 1994, S. 4). Die von ihm so genannte „neurotische Angst“ jedoch ist „unbestimmt und objektlos“ (ebd.). Die Angstquelle kann nicht präzisiert werden (Epstein 1973, 215; zit. nach Sörensen 1994, S. 4). Davison & Neal unterteilen die neurotische Angst in drei Kategorien: die „frei flottierende Angst ist eine ständig vorhandene, nicht situationsadäquate und unspezifische Angst“, die „Phobie ist eine besonders intensive aber irrationale Angst vor bestimmten Situationen oder Objekten [...]“ und die Panikreaktion ist ein plötzlicher Angstausbruch, von dem eine Person überwältigt wird“ (vgl. Davison & Neal, 1984, S. 123; zit. nach Sörensen 1994, S. 4 - 5).
Die Unterscheidung zwischen Furcht und Angst erweist sich in der Praxis als schwierig (vgl. Thurner 1970, S. 188; zit. nach Sörensen 1994, S. 5), da „reale
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und irrationale Befürchtungen ineinander“ greifen können (Pöldinger 1988, S. 19; zit. nach Sörensen 1994, S. 4 - 5). Bei einem Kind ist die Differenzierung besonders problematisch, da es „meist noch nicht die Fähigkeit (besitzt), zwischen inneren und äußeren, realen und phantasierten Gefahren zu unterscheiden“ (Nissen 2002, S.165). Deshalb plädieren z.B. Izard und Tomkins dafür, „Angst“ und „Furcht“ als synonyme Begriffe zu gebrauchen. Ihrer Auffassung nach stellt die Furcht eine von mehreren Emotionen dar, die bei Angst auftreten (vgl. Izard &Tomkins 1966, 99; zit. nach Sörensen 1994, S. 5). Becker weist darauf hin, dass eine Differenzierung der beiden Begriffe im klinischen Bereich durchaus sinnvoll ist, da sie bei der Unterscheidung pathologischer Angstformen helfen kann, die jeweils unterschiedliche Therapiemaßnahmen verlangen (Becker 1980, S. 307; zit. nach Sörensen 1994, S. 6).
Ebenfalls zu unterscheiden ist die Furcht von der Phobie. Während die Furcht Teil des normalen Entwicklungsprozesses ist und als „situationsangemessene Reaktion auf eine Bedrohung“ angesehen wird, ist die Phobie situationsunangemessen und kann - im Gegensatz zur Furcht - nicht unter Kontrolle gebracht werden (Steinhausen 2000, S.124).
2.2. Angststörungen
Ab wann von einer Angststörung ausgegangen werden muss, ist im Klein- und Vorschulalter sehr schwer festzustellen (vgl. Nissen 2002, S. 166). Nach Steinhausen sind „im Kinder- und Jugendalter viele seelische Auffälligkeiten nur durch ihren Schweregrad und die begleitende Beeinträchtigung vom Normalzustand (zu) unterscheiden (Steinhausen 2000, S. 13). Folgende Definition kann auch zur Unterscheidung normaler Ängste und Angststörungen heran gezogen werden:
„Eine seelische Störung liegt vor, wenn das Verhalten und/oder das Erleben des Kindes und Jugendlichen bei Berücksichtigung seines Altersstandes 1. nicht normal ist (z.B. hinsichtlich Alter, Geschlecht, Erwartungen der Gesellschaft, Art und Ausmaß der Störung) und/oder 2. zu einer Beeinträchtigung führt (z.B. durch persönliche Leiden, soziale Einengung, Behinderung der Entwicklung, Auswirkungen auf Dritte)“ (Steinhausen 2000, S. 13).
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Unter dem Begriff „Angststörungen“ versteht Steinhausen Ängste, die entweder „auf vielfältige Inhalte“ bezogen sind und „ein nicht mehr normales Ausmaß“ angenommen haben oder solche, „die durch im allgemeinen ungefährliche Situationen oder Gegenstände hervorgerufen werden“ (Steinhausen, 2000, S. 65). Diese Definition deckt sich inhaltlich weitestgehend mit der von Nissen, die etwas präziser formuliert ist. Eine pathologische Angst im Kindes- und Jugendalter liegt seiner Meinung nach dann vor, „wenn die Intensität und die Dauer der Angst in einem groben Missverhältnis zur auslösenden oder angeschuldigten Ursache stehen und eine Tendenz zur Ausbreitung und zur Verselbständigung der Angstbereitschaft vorliegt“ (Nissen 2002, S.165). Beide Definitionen lassen die Schwierigkeit einer Abgrenzung zwischen noch normalen und bereits pathologischen Ängsten erkennen. So ist es zum Beispiel Ermessenssache was ein nicht mehr normales Angstausmaß ist. Zumal dieses an sich nicht gemessen werden kann sondern nur an seinen Auswirkungen (vgl. Sörensen 1994, S. 3). Diese sind wiederum von Person zu Person sehr unterschiedlich.
Dennoch ist es notwendig, bei Kindern möglichst frühzeitig eine mögliche Angststörung zu erkennen und zu behandeln, da zu deren Bewältigung oftmals auch schädliche Strategien entwickelt werden. Diese können der Auslöser für zahlreiche psychische Erkrankungen sein oder als Symptome anderer Erkrankungen auftreten (Nissen 2002, S.165).
3. Erscheinungsbild und Diagnose
Nach der ICD-10 werden Angststörungen des Erwachsenenalters und auch emotionale Störungen des Kindesalters klassifiziert. Bedeutsam für das Kindesalter „sind die Trennungsangst, die phobische Störung des Kindesalters sowie die Störung mit sozialer Ängstlichkeit des Kindesalters“ (Steinhausen 2000, S.121). Die Entstehung und Manifestation einiger Angststörungen ist altersabhängig, wobei manche Störungen mehrere Manifestationsgipfel haben (vgl. ebd.) Diese werden bei der genaueren Beschreibung unter 3.1 - 3.5. jeweils genannt. Neben diesen kindheitsspezifischen Angststörungen finden die Diagnosen der Angststörungen des Erwachsenenalters auch bei Jugendlichen und seltener bei Kindern Anwendung. Unter dem Begriff „Anpassungsstörungen“ werden Ängste als
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Arbeit zitieren:
Claudia Rödiger, 2003, Angststörungen im Kindesalter, München, GRIN Verlag GmbH
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