Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Transformationsprozesse seit dem 2. Weltkrieg. 4
2.1 Reparationen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) 4
2.2 Übernahme des sowjetischen Modells. 4
2.3 Die Zeit der Kombinate. 5
2.4 Von der Plan- zur Marktwirtschaft. 7
2.5 Konsequenzen für die einheimischen Betriebe. 7
3. Fallbeispiel Carl Zeiss in Jena. 9
3.1 Die Folgen des 2. Weltkrieges. 9
3.2 Umgestaltung des Kombinates Carl Zeiss. 10
3.3 Der Gang an die Börse. 12
4. Fallbeispiel A. Lange Söhne. 14
4.1 Gründung mit einem Staatsdarlehen. 14
4.2 Zerstörung, Zerschlagung und Wiederaufbau. 14
4.3 Der Fall der Mauer. 15
5. Weitere Beispiele. 15
5.1 Rotkäppchen Sekt. 15
5.2 Röstfein Kaffee. 18
6. Zusammenfassung. 19
7. Literaturverzeichnis. 20
2
1. Einleitung
Die Entwicklung jedes Unternehmens ist eng mit den gesellschaftlichen Prozessen verbunden und vollzieht sich innerhalb eines gewissen ordnungspolitischen Rahmens. Dieser ist die Grundbedingung für die wirtschaftliche Aktivität jeder wirtschaftlichen Einheit. Ostdeutsche Traditionsunternehmen blicken auf ein 20. Jahrhundert zurück, indem sie gleich zweimal von politischen Situationen und Entscheidungen stark beeinflusst und in ihrem Weg bestimmt wurden. Das erste prägnante Datum war der Zeitraum direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Ostdeutschland wurde zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) erklärt und musste fortan Reparationsleistungen an die Sowjetunion abtreten. Zudem wurden punktuell ostdeutsche Betriebe demontiert und in Eigentum der UdSSR überführt. Die Teilung Deutschlands bewirkte schließlich, dass das Gebiet der SBZ von ihren traditionellen Verbindungen zum Westen weitestgehend isoliert wurde. Es folgte die Umstellung auf das sowjetische Planungsmodell der Zentralverwaltungswirtschaft, einer wirtschaftlichen Organisationsform, die beinhaltete, dass dem Staat die Verfügungsgewalt an den Produktionsmitteln zuteil wurde. Dies führte letztlich dazu, dass der Staat über die Produktion „wachte“ und wirtschaftliche Planzahlen vorgab.
Am 01. Juli 1990 war es dann erneut soweit: Die Deutsche Demokratische Republik (DDR), und damit natürlich auch ihre Wirtschaftsbetriebe, übernahm durch eine Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Wieder waren die Unternehmen einem Transformationsprozess ausgesetzt, den sie zu bewältigen hatten. Die Schwächen der Planwirtschaft wurden nun deutlich sichtbar und die Betriebe dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb „schockartig“ ausgesetzt.
Wie ostdeutsche Traditionsunternehmen nun mit diesen Phasen ihrer Entwicklung zurechtkamen und welche Folgen und Veränderungen sich daraus für sie ergaben, soll in dieser Arbeit, nach einem zunächst allgemeingültigem Kapitel, exemplarisch an einigen ausgewählten Beispielen dargestellt werden.
3
2. Transformationsprozesse seit dem 2. Weltkrieg
Auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) 1 vom 30. Oktober 1945 wurde all jenes Eigentum auf dem Gebiet der SBZ beschlagnahmt, das u.a. dem deutschen Staat und seinen zentralen örtlichen Behörden, sowie den vom Sowjetischen Militärkommando verbotenen und aufgelösten Gesellschaften und Vereinigungen und den Regierungen und Staatsangehörigen jener Länder gehörten, die auf der Seite Deutschlands am Krieg beteiligt waren. Diesen Befehlen folgte ein Jahr später die Anordnung 2 , dass ein teil der beschlagnahmten Betriebe und Vermögensgegenstände den Provinzial-Selbstverwaltungen zur Verfügung gestellt werden sollen.
2.1 Reparationen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) Die Regierung der Sowjetunion meldete nach Ende des Krieges
Reparationsforderungen in Höhe von ca. 10 Milliarden Dollar 3 an das unterlegene Deutschland an. Im März 1946 wurde von den vier Siegermächten 4 ein Plan verabschiedet, der besagte, dass die Industriekapazitäten Deutschlands auf etwa 50 Prozent des Jahres 1938 reduziert werden müssten, wovon die Eisen- und Stahlindustrie, die chemische Industrie und der Werkzeugmaschinenbau am stärksten betroffen waren. Die Sowjetunion verwandelte insgesamt 213 ostdeutsche Groß- und Mittelbetriebe in sowjetisches Eigentum, welche bis 1952/53 als „sowjetische Aktiengesellschaften“ (SAG) geführt wurden. Diese dienten zu „Entnahmen aus der laufenden Produktion“, welche zu immense Höhen der Reparation 5 geführt haben sollen.
2.2 Übernahme des sowjetischen Modells
Im Zuge der Gründung der DDR war die Entscheidung darüber gefallen, welches Wirtschaftssystem eingeführt werden soll.
1 Die Befehle Nr. 124 und 126 der obersten Besatzungsbehörde der SBZ von 1945 - 49
2 Befehl Nr. 97 der SMAD vom 29. März 1946
3 Preisbasis von 1933
4 Vereinigte Staaten von Amerika, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion
4
Es war jenes Wirtschaftsmodell, welches die Sowjetunion auf ihrem Gebiet in den dreißiger Jahren installiert hat und auf der Basis zweier Eigentumsformen, staatlich und genossenschaftlich, mit einer zentralisierten Planung und der staatlichen Verfügungsgewalt an den Produktionsmitteln funktionierte 6 . Die Wirtschaft wurde fortan entsprechend den Vorstellungen der führenden Partiefunktionären des Staates und der tragenden Partei (SED) 7 geordnet. Oberstes Planungsorgan war dabei der Ministerrat der DDR, der die Leitung der gesamten Volkswirtschaft und die Erfüllung der Hauptaufgabe (Befriedigung der Bedürfnisse der Allgemeinheit) 8 zu verantworten hatte. Die Betriebe mussten vor ihren ursprünglichen Firmennamen das Kürzel „VEB“ (Volkseigener Betrieb) setzen, wovon die wichtigsten der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) unterstellt wurden. Die DWK führte Betriebe mit gleichartigem oder produktionsähnlichen Profil zu Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) 9 zusammen, um für die Ministerien die Planung zu vereinfachen. Gewirtschaftet wurde fortan nach Planvorgaben, die mit Naturalkennziffern (Mengenplanung) angegeben wurden und auf Fünfjahres- und Volkswirtschaftsplänen basierten.
2.3 Die Zeit der Kombinate
Im Jahre 1966 wurde dann damit begonnen, Kombinate zu bilden, die jeweils aus mehreren Betrieben bestanden, die formal und ökonomisch selbständig waren und noch ihren eigenen Namen trugen 10 . Zuvor wurde man auf Missstände im ökonomischen System aufmerksam, die man durch eine höhere Konzentration der gesellschaftlichen Produktion auszugleichen und zu beheben versuchte. Das Ziel war die Steigerung der Leistungsfähigkeit der DDR-Wirtschaft 11 . Den Kombinaten wurden Aufgaben der VVB´s übertragen und sollten der staatlichen Planung behilflich sein. 1970 bestanden bereits 48 Kombinate, die den jeweiligen Industrieministerien unterstellt waren. Am 30.06.1990 wurden insgesamt 150
5 Ca. 15% des realen Sozialproduktes (geschätzter Wert)
6 Vgl. Hornich, S.: Das gebrochene Rückgrat. In: Die Wirtschaft (Hrsg,): Kombinate - Was aus ihnen
geworden ist. Berlin - München, S. 10
7 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
8 Vgl. Büttner, S.: Die Wettbewerbssituation in der feinmechanischen und optischen Industrie.
Bayreuth 1993, S. 69
9 VVB´s waren Verwaltungsbehörden zwischen Betrieben und Ministerien
10 Ein Kombinat besaß u.a. eigene Forschungsinstitute, Bauabteilungen, Produktionsstätten und
Absatzunternehmen, um einen geschlossenen Reproduktionsprozess durchführen zu können
11 Vgl. Hornich, S., S. 11
5
Kombinate gezählt, die durchschnittlich je 16 Betriebe stark waren und durchschnittlich 17.945 Mitarbeiter hatten und 12 Ministerien unterstellt waren 12 .
Quelle: Die Wirtschaft (Hrsg.): Kombinate - Was aus ihnen geworden ist, S. 375
12
Quelle: Statistisches Betriebsregister der DDR (Stand: 30.06.1990)
6
Arbeit zitieren:
Markus Langguth, 2002, Traditionsmarken der ehemaligen DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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