Spontansprachanalyse bei Kindern mit Aphasie. Zwei Verfahren im Vergleich.
Inhalt
Einleitung III
1 Clinical evaluation of conversational speech fluency in the acute phase of ac-
quired childhood aphasia: Does a fluency/nonfluency dichotomy exist? 1
1.1 Einleitung 1
1.2 Patienten und Methode 2
1.3 Ergebnisse 3
1.4 Diskussion 4
2 An Analysis of Spontaneous Conversational Speech Fluency in Children with
Acquired Aphasia. 6
2.1 Einleitung 6
2.2 Material und Methode 7
2.3 Ergebnisse 9
2.4 Diskussion 9
3 Kritische Gegenüberstellung der beiden Artikel 11
3.1 Ziele im Vergleich 14
3.2 Methoden im Vergleich 12
3.3 Ergebnisse im Vergleich 14
4 Abschließende Bemerkung 16
Literaturverzeichnis 19
Simon Friede II
Spontansprachanalyse bei Kindern mit Aphasie. Zwei Verfahren im Vergleich.
Einleitung
Die Aphasie bei Kindern und Jugendlichen ist bis heute im Vergleich zur Aphasie bei Erwachsenen ein wenig erforschtes Gebiet. Nach wie vor wird kontrovers über Erscheinungs-formen, Verlauf und Prognose diskutiert. Auch eine einheitliche Definition oder explizite Verankerung in der ICD-10 oder den Heil-mittelrichtlinien findet sich nicht. Doch die kindliche Aphasie ist „kein eben erst entdecktes Phänomen“. Bereits 1871 beschrieb Charles West (Kinderarzt, London) einen (zeitweisen) Verlust der Sprache nach langer Krankheit. Er stellte auch zu diesem Zeitpunkt schon den Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen mit Aphasie heraus (vgl. Hellal & Lorch, 2005).
Die kindliche Aphasie resultiert aus einer cerebralen Schädigung, die während des normalen Spracherwerbs eintritt, und muss somit von einer Störung der Sprachentwicklung abgegrenzt werden (vgl. Paquier & van Dongen, 1993). Chilosi et al. (2008) beschrieben die kindliche Aphasie als Sprachdefizite, die in Folge einer Hirnschädigung nach dem Erwerb der ersten Wörter und Sätze, generell nach dem 2. Lebensjahr auftreten. Ähnlich beschrieb van Hout (2003) die kindliche Aphasie. Sie stellte auch noch einmal heraus, dass die ersten Worte erworben sein müssen und dann eine Störung der Sprache durch ein akutes Ereignis vorliegen muss. Auch auf die Abgrenzung zur Sprachentwicklungsstörung, die im englischsprachigen Raum oft als „developmental childhood aphasia“ bezeichnet wird und dadurch zu Verwirrungen (vgl. kindliche Aphasie, engl: acquired childhood aphasia) führt, ist sehr wichtig.
In der Literatur wird eine Vielzahl von Symptomen beschrieben. Angefangen bei einem initialen Mutismus bis hin zu Störungen aller sprachlicher Modalitäten, ist die heute gängige Lehrmeinung, dass es sich bei der kindlichen Aphasie um ein sehr heterogenes Störungsbild handelt und so gut wie alle Symptome, die auch bei Erwachsenen zu beobachten sind, bei Kindern auftreten können. Eine klassische Syndromklassifikation ist nicht möglich. Die Spontansprache kann ‚unflüssig‘ und fehlerhaft aber auch ‚flüssig‘ und fehlerhaft sein. Neben dem Sprachverständnis können auch je nach Entwicklungsstand des Kindes das Lesen, Schreiben und Rechnen beeinträchtigt sein.
Als Hauptursache wird mit ca. 80% das Schädel-Hirn-Trauma (SHT) genannt. Weitere Ursachen können der Schlaganfall (vaskuläre Ursache), Tumorerkrankungen, Entzündungen (Encephalitis), hypoxische Hirnschäden, hirnatrophische Prozesse oder auch Epilepsie (vor allem das Landau-Kleffner-Syndrom) sein.
Die Spontansprachanalyse ist in der Aphasieforschung eine weit verbreitete Methode. Es finden sich einige Studien über verschiedene Verfahren mit unterschiedlichen Schwerpunkten bzw. Forschungsfragen. Generell kann man diese Verfahren jedoch in zwei Gruppen
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Spontansprachanalyse bei Kindern mit Aphasie. Zwei Verfahren im Vergleich.
unterteilen. Auf der einen Seite finden sich die qualitativen Verfahren und auf der anderen Seite die quantitativen Verfahren (vgl. Prins & Bastiaanse, 2004). In dieser Arbeit werden nun zwei Studien zur Spontansprachanalyse bei Kindern mit Aphasie kurz vorgestellt und miteinander bzgl. ihrer Ziele, Methode und Ergebnisse verglichen und bewertet.
In Kapitel und 1 und 2 werden die beiden ausgewählten Artikel vorgestellt. Clinical evaluation of conversational speech fluency in the acute phase of acquired childhood aphasia: Does a fluency/nonfluency dichotomy exist? van Dongen HR, Paquier PF, Creten WL, van Borsel J, Catsman-Berrevoets CE, (2001): Journal of child neurology. 16:5; 345-351.
An Analysis of Spontaneous Conversational Speech Fluency in Children with Acquired Aphasia.
Van Dongen HR, Paquier PF, Raes J, Creten WL, (1994): Cortex. 30:4; 619-633. Die Gliederung folgt dem jeweiligen Aufbau der beiden Artikel. In Kapitel 3 werden die Artikel hinsichtlich ihrer Ziele, Methode und Ergebnisse verglichen und bewertet. Die Arbeit endet mit einer abschließenden Bemerkung in Kapitel 4.
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Spontansprachanalyse bei Kindern mit Aphasie. Zwei Verfahren im Vergleich.
1 Clinical evaluation of conversational speech fluency in the acute phase of acquired childhood aphasia: Does a fluency/nonfluency dichotomy exist? (van Dongen et al., 2001)
Im folgenden Kapitel wird der Artikel „Clinical evaluation of conversational speech fluency in the acute phase of acquired childhood aphasia: Does a fluency/nonfluency dichotomy exist?” von van Dongen HR, Paquier PF, Creten WL, van Borsel J und Catsman-Berrevoets CE, erschienen im Jahre 2001 im Journal of child Neurology zusammenfassend dargestellt. Dieser Artikel wurde im Seminar besprochen und stellt die Grundlage für diese Hausarbeit dar. Es erfolgt in diesem Kapitel keinerlei persönliche Bewertung oder Kommentierung. Kommentare oder Bewertungen entstammen ausschließlich dem Originalartikel und wurden lediglich ins Deutsche übertragen.
1.1 Einleitung
In der Literatur wird immer wieder kritisch diskutiert, ob sich eine Trennung zwischen flüssiger und unflüssiger Aphasie vollziehen lässt. Der Begriff der flüssigen Aphasie wird heute jedoch nach wie vor verwendet und beschreibt charakteristische Symptome. Kerschensteiner et al. (1972) konnten mit Hilfe von 10 ausgesuchten Sprechvariablen (vgl. Abbildung 1 im Anhang) und einer anschließend durchgeführten Clusteranalyse zeigen, dass sich eine nicht-kontrollierte Gruppe von erwachsenen Patienten mit Aphasie in eine flüssige und nichtflüssige Gruppe unterteilen ließen. Die verwendeten Variablen trennten unterschiedlich gut zwischen den beiden Gruppen. Am Besten ließ sich der Unterschied in den variablen Phrasenlänge, Pausen, Prosodie und Sprechgeschwindigkeit zeigen (vgl. Abb.2 im Anhang).
Die traditionelle Lehrmeinung zur kindlichen Aphasie charakterisiert diese als unflüssig. In der Literatur finden sich jedoch zunehmend Einzelfallbeschrei-bungen von Kindern die eindeutige Symptome einer flüssigen Aphasie zeigen (van Dongen & Loonen, 1977; Woods &Teubner, 1978). Daraus lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass das klinische Bild der kindlichen Aphasie nicht so homogen ist, wie früher angenommen wurde. Alle Muster der flüssigen Aphasie konnten auch bei Kindern mit Aphasie beobachtet werden (Paquier & van Dongen, 1998).
Es stellt sich nun die Frage, ob sich ein vergleichbares Muster der flüssigen/unflüssigen Aphasie, wie Kerschensteiner es zeigen konnte, auch bei Kindern mit Aphasie nachweisen lässt. Die von Kerschensteiner verwendete Methode zur Spontansprachanalyse soll nun auch bei einer Gruppe von Kindern durchgeführt werden. Die Frage, die sich hierbei stellt, ist, ob sich genau wie bei den Erwachsenen auch bei Kindern mit Aphasie zwei Gruppen (eine flüssige und eine unflüssige) mit Hilfe derselben Analyseverfahren und Parameter bilden lassen. Auch soll die Frage geklärt wer-
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Spontansprachanalyse bei Kindern mit Aphasie. Zwei Verfahren im Vergleich.
den, ob die Reihenfolge der zwischen diesen beiden Gruppen unterscheidenden Parametern gleich ist.
1.2 Patienten und Methode Patienten
Insgesamt nahmen 24 Kinder (nicht kontrolliert nach Alter, Geschlecht, Ursache und Schweregrad der Aphasie) an der Studie teil (vgl. Abbildung 3 im Anhang). Die Kinder waren alle Rechtshänder und sprachen Niederländisch, ihre Entwicklung (psychomotorisch und sprachlich) war bis zur Erkrankung normal verlaufen. Keines hatte vorbestehende neurologische Defizite. Sie besuchten alle die Regelschule. Insgesamt nahmen 14 Mädchen und 10 Jungen zwischen 6,6 und 14,5 Jahren (Mean 10,2 Jahre, SD 2,4) teil. Eine vaskuläre Ursache lag bei 7 Kindern vor. 5 Kinder hatten ein Trauma, 4 Infektionen und ein Kind hatte einen Tumor. 4 Kinder hatten ein Landau-Kleffner-Syndrom und ein Kind Migräne. Ein Kind hatte eine akute Hirnschwellung. Spontansprache
Die Spontansprachaufnahmen waren während der ersten Sprachdiagnostik innerhalb der ersten drei Wochen nach der Erkrankung entstanden. Alle Kinder waren aufmerksam und kooperativ. Die Spontansprache wurde in einer freien Interviewsituation aufgezeichnet (Video und Tonband) und retrospektiv analysiert. Offene Standardfragen (z.B. Spielfilm im Fernsehen, Haustiere, letzter Urlaub, Schule, zuletzt gelesenes Buch) sollten beantwortet werden. Der Untersucher sprach jedoch nur, um das Gespräch zu leiten und Kommunikation zu initiieren. Die Eltern der Kinder waren während des Gesprächs anwesend.
Zwei unabhängige Untersucher, die die Kinder nicht kannten transkribierten deren Spontansprache. Nach zwei Wochen transkribierten sie die Spontansprache erneut, die beiden Transkripte wurden miteinander verglichen und bei Unstimmigkeiten wurde gemeinsam ein Kompromiss gefunden.
Die beiden Untersucher bewerteten die 24 Transkripte unabhängig von einander an-hand der Kriterien nach Kerschensteiner et al. (1972) (vgl. Abb.1 im Anhang). Wiederum zwei Wochen später bewerteten sie erneut und verglichen die Bewertungen. Unstimmigkeiten wurden auch hier wieder beseitigt. Bewertungssystem
Zwei Untersucher bewerteten die Transkripte nach den 10 Variablen, die Kerschensteiner et al. (1972) (vgl. Abbildung 1 im Anhang) in ihrer Studie beschrieben und verwendeten. Außer bei der Variablen „Wortwahl“ wurde eine Punkteskala von 1-3 verwendet. 1 bedeutete hier schwere Störung und 3 keine Störung. Die Bewertungsskala der Sprechrate wurde ebenfalls übernommen. Hier bedeutete eine 1 weniger als
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Arbeit zitieren:
B.Sc. Simon Friede, 2009, Spontansprachanalyse bei Kindern mit Aphasie, München, GRIN Verlag GmbH
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Sprachliche Rehabilitation bei Aphasie nach Schädel-Hirn-Trauma im Kin...
Hausarbeit, 19 Seiten
Acquired Childhood Aphasia with Focus on Landau-Kleffner Syndrome
Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 12 Seiten
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