Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 3
2. Die Kulturschocktheorie 4
2.1 Ein Kulturkonzept 4
2.2 Das Kulturschockmodell 6
2.3 Die einzelnen Phasen des Kulturschocks nach Wagner 7
3. Der innerdeutsche Kulturschock 10
3.1 Ein historischer Abriss zur deutschen Teilungsgeschichte 10
3.2 Ein Land - zwei Kulturen 11
3.3 Der Verlauf des innerdeutschen Kulturschocks 12
3.3.1 Die Euphorie 13
3.3.2 Die Entfremdung 13
3.3.3 Die Eskalation 14
4. Ein Ansatz zur Lösung des Ost- Westkonflikts mithilfe des NLP 18
4.1 Neurolinguistisches Programmieren 19
4.2 Die Möglichkeiten des NLP 20
4.3 Ein NLP- Format als Lösungsansatz zur Überwindung des Konfliktes 22
4.4 Die Grenzen des NLP bei der Überwindung des NLP 26
5. Fazit 27
6. Literaturverzeichnis 29
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1. Einleitung
„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“, sagte Willy Brandt, damals regierender Bürgermeister West-Berlins, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer. Nach 40 Jahren, in denen zwei politisch und wirtschaftlich gegensätzlich orientierte Staaten nebeneinander existiert hatten, kam die Wiedervereinigung Deutschlands plötzlich und unverhofft. Voller Zuversicht und Optimismus blickte die deutsche Bevölkerung der gemeinsamen Zukunft damals entgegen.
Doch ist die Wiedervereinigung auf allen Ebenen gelungen, sind die beiden deutschen Teilstaaten tatsächlich nahtlos zu einer Einheit zusammengewachsen? Die vorliegende Arbeit beleuchtet die deutsche Wiedervereinigungsgeschichte aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive und versucht so herauszuarbeiten, welche Folgen die Wende insbesondere für die ostdeutsche Bevölkerung mit sich gebracht hat. Für die BüergerInnen der DDR bedeutete die Wende nicht nur eine Integration in ein neues wirtschaftliches und politisches System, sie mussten sich zudem in einer anders geprägten Kultur orientieren. Um herauszuarbeiten, welchen kulturellen Schwierigkeiten sich die Ostdeutschen gegenübersahen, bietet im Rahmen dieser Arbeit das Kulturschockmodell Wolf Wagners eine theoretische Basis. Mithilfe dieses Modells wird aufgezeigt, ob und in welcher Form bezüglich der Wendezeit von einem zu verarbeitenden Kulturschock gesprochen werden kann. Anschließend wird dargestellt, welche Folgen dieser Kulturschock mit sich gebracht hat und welche Präsenz diese Folgen auch heute noch im Alltag vieler Ostdeutschen haben.
In einem letzten Schritt wird ein Format aus dem Bereich des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) vorgestellt, welches einen möglichen Lösungsansatz bietet, die Folgen des innerdeutschen Kulturschocks, die im Leben vieler Ostdeutschen auch heute, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, noch präsent sind, zu verarbeiten und den Integrationsprozess so endgültig abzuschließen.
Diese Arbeit versucht, die Ost-West Problematik aus einer Perspektive zu betrachten, die die Dringlichkeit, der diese Thematik auch heute noch unterliegt, verdeutlicht. Gleichzeitig wird ein Lösungsansatz angeboten, der eine endgültige Verarbeitung der Folgen der Wiedervereinigung ermöglichen könnte.
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2. Die Kulturschocktheorie
2.1 Ein Kulturkonzept
Um eine Beschreibung des Kulturschockphänomens zu ermöglichen, wird zunächst eine Annährung an den Kulturbegriff als solchen vorgenommen. Dies dient in erster Linie der Einbettung und dem besseren Verständnis des Kulturschockphänomens und verdeutlicht die Bedeutung des Begriffes Kultur für das Individuum und seine Alltagswelt. Somit dient dies auch als Erklärung der Wirkung und des Ausmaßes des in Kapitel 2.2 zu beschreibenden Kulturschockmodells.
Dieser Arbeit wird das Kulturkonzept des Psychologen und Autors Alexander Thomas zugrunde gelegt, da es in seinen Ansätzen der Theorie des Kulturschockes folgt. Vertieft wird dieser Ansatz anschließend durch das Kulturkonzept Obergs, dem Begründer der Kulturschocktheorie. Da bis dato keine einheitliche Definition des Kulturbegriffs existiert, wird an dieser Stelle jedoch darauf hingewiesen, dass das hier beschriebene Konzept keinen Anspruch auf Vollständigkeit bezüglich einer endgültigen Definition des Kulturbegriffs erhebt. Im Rahmen dieser Arbeit dient es dennoch als Grundlage und wird als gültig vorausgesetzt.
Nach Thomas ist es das zentrale Bedürfnis eines jeden Menschen, sich in seiner Alltagswelt zurechtfinden und orientieren zu können. Dieses Orientierungsbedürfnis kann nur dann befriedigt werden, wenn Menschen über das nötige Wissen bezüglich ihrer gegenständlichen und sozialen Umwelt verfügen und darüberhinaus auf Erfahrungen zurückgreifen können, die es ihnen ermöglichen, mit diesem Wissen sachgerecht und effektiv umzugehen (vgl. Thomas 2004: 147). Die Kultur, in der ein Individuum aufwächst, bietet ihm nun bestimmte kollektive und sozialverbindliche Werte, Normen und Regeln, die helfen, ein solches Orientierungssystem zu konstituieren und ein spezifisches Handlungsfeld zu strukturieren. Kultur wird hier also verstanden als „ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem“ (Thomas 2004: 148), das dabei hilft, sich sinnbringend zu orientieren. Das hier angeführte Zitat impliziert darüberhinaus, dass ein Orientierungs- und Wertesystem jeweils für einen Kulturkreis spezifisch ist und in einer anderen Kultur teilweise oder sogar vollständig an Gültigkeit verlieren kann. Erlernt wird das jeweils spezifische Orientierungssystem im Laufe der Sozialisierung. Da es für einen Kulturkreis universell ist, dient es nicht nur zur eigenen Orientierung, sondern stellt
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darüberhinaus sicher, dass Handlungen auch so verstanden werden, wie sie vom Handelnden intendiert waren (vgl. Thomas 2004: 148).
Die zentralen Werte in einem solchen Orientierungssystem werden nach Thomas als „Kulturstandards“ bezeichnet, wobei dieser Begriff alle kulturspezifischen Normen und Handlungsweisen umfasst, die ein Individuum im Verlauf des Sozialisationsprozesses erwirbt. Entsprechend beinhaltet dies alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns, die innerhalb einer sozialen Gruppe als normal, selbstverständlich, typisch und verbindlich angesehen werden. Diese kulturellen Paradigmen ermöglichen es, das eigene Verhalten sowie das Verhalten Fremder einzuordnen und zu beurteilen. Es dient den Angehörigen einer Kultur als eine Art Schablone, die eine sinnbringende Orientierung stützt. (vgl. Thomas 2004 151) Auch Oberg, der Begründers der Kulturschocktheorie, geht in seiner Kulturvorstellung von einem sehr ähnlichen Ansatz aus. Einleitend postuliert er, dass jedes Individuum in einer kulturellen Umgebung lebt, die einerseits aus physischen Objekten und andererseits aus sozialen Institutionen, Ideen und einem Glauben besteht. (vgl. Oberg 1960: 180) An diese umweltgegebenen Umstände passt sich jedes Mitglied einer kulturellen Gruppe im Laufe seines Lebens an: „It is by means of culture that the young learn to adapt themselves to the physical environment and to the people with whom they associate.“ (Oberg 1960: 180). Auch Obergs Kulturkonzept beinhaltet demnach, dass jedes Individuum im Laufe der Sozialisierung von seiner Lebens-und Alltagswelt geprägt wird und sich ihr anpasst. Dem Gedanken folgend kann auch hier davon ausgegangen werden, dass Individuen einer Gesellschaft in ihrem Alltag Regeln erlernen, die es ermöglichen, sich problemlos in der eigenen Kultur zu bewegen und missverständnisfreie Kommunikationen zu führen. Einmal erlernt, werden diese Regeln von Angehörigen einer Kultur als selbstverständlich und zudem sowohl als die einzige, als auch als die beste Methode des Zurechtfindens in ihrer Gesellschaft akzeptiert (Oberg 1960: 180).
Zusammenfassend kann an dieser Stelle also festgehalten werden, dass Kulturen Wertesysteme postulieren, mit deren Hilfe sich jeder Angehörige einer Kultur in seiner Alltagswelt orientiert. Zudem helfen diese sozial bestimmten mentalen Konzepte sowohl unser Selbstbild als auch Fremdbilder zu entwerfen, diese einzuordnen und zu beurteilen. Wichtig ist hierbei jedoch, dass die erlernten Wertesysteme einer Kultur stets auch nur für Angehörige dieser Kultur spezifisch und gültig sind. In einem fremden kulturellen Kontext kann das für die eigene Kultur spezifische Wertesystem demnach dazu führen, dass die
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Handlungen von Menschen der Fremdkultur fehleingeschätzt werden, da das fremde Werte-und Orientierungssysteme mit dem eigenen nur teilweise oder gar nicht übereinstimmt. Dies führt schnell zu Missverständnissen und befremdlichen Gefühlen: wir sind in der fremden Kultur orientierungslos und erleiden im Zweifel einen Kulturschock.
2.2 Das Kulturschockmodell
Die Kulturschocktheorie wurde 1960 von Kalvero Oberg begründet und beschreibt den kulturellen Anpassungsprozess an eine fremde Kultur von der Eingewöhnungsphase bis zur vollständigen Integration. Hierbei ist der Begriff Kulturschock klar von seiner alltagssprachlichen Bedeutung abzugrenzen: Während in der Alltagssprache bei der Verwendung des Begriffes hauptsächlich von starken Negativerlebnissen ausgegangen wird, schließt der von Oberg begründete Begriff auch leichte Irritationen und Konfusionen ein, denen der Besucher einer fremden Kultur gegenübersteht.
Nach Oberg entsteht ein Kulturschock aus einem Angstgefühl heraus, welches wiederum dadurch entsteht, dass gewohnte Zeichen und Symbole, die uns in Alltagsdiskursen zur Orientierung dienen, in einer fremden Kultur an Gültigkeit verlieren. (vgl. Oberg 1960: 177). Dies führt oft zu Missverständnissen und Fehltritten in der fremden Kultur, was beim Kulturfremden wiederum ein Unsicherheitsgefühl hervorruft. Die Schuld für die in diesem Zusammenhang fehlende kulturelle Kompetenz hinsichtlich der Normen und Konventionen der Fremdkultur, schreibt der Besucher vorerst sich und anschließend der fremden Kultur zu. Zu diesem Zeitpunkt verherrlicht er seine eigene Kultur und befindet sich bezüglich der Fremdkultur in einer Krise, die nur überwunden werden kann, wenn akzeptiert wird, dass die Schwierigkeiten aufgrund kultureller Unterschiede entstehen und nicht einzelnen Individuen zugeschrieben werden können. Ist dies erkannt und akzeptiert, so kann der Schockzustand überwunden werden und es eröffnet sich die Möglichkeit, die Kulturstandards der Fremdkultur zu erlenen und sich so den neuen Gegebenheiten anzupassen. Gelingt dies, ist der Kulturschock überwunden und es kann von einer gelungenen Integration in die Fremdkultur gesprochen werden. Entsprechend dieses Verlaufs geht das Kulturschockmodell Obergs von den folgenden vier Phasen aus:
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- Honeymoon Stage
- Crisis
- Recovery
- Adjustment (vgl. Oberg 1960: 178ff)
Da das Kulturschockmodell Obergs keine Differenzierung zwischen Abstieg und Tiefpunkt vornimmt, wurde sein Modell von Wolf Wagner um eine entsprechende fünfte Phase ergänzt. Dieser Arbeit liegt der erweiterte Ansatz Wagners, der im Folgenden detailliert beschrieben wird, zugrunde.
2.3 Die einzelnen Phasen des Kulturschocks nach Wagner
Wagner beschreibt das Kulturschockphänomen als „Summierung aller interkulturellen Irritationen, all der Fettnäpfchen, in die man getreten ist“ (Wagner 1996: 33). Die Ursachen eines Kulturschocks sieht er im „Verhaftetsein mit den sinnstiftenden Normen der eigenen Kultur“ (Wagner 1996: 34). Somit ist das Zustandekommen und Erleben des Kulturschocks stets als subjektives Ereignis zu betrachten und entsteht aus der durch die eigene Kultur geprägten Weltsicht.
Das von Wagner um eine Phase ergänzte Modell stellt sich graphisch wie folgt dar:
Kulturkompetenz
niedrig
Abb. 1 Kulturschockmodell U-Kurve (vgl. Wagner 1996: 20)
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Die erste Phase ist hierbei vor allem durch Euphorie, Faszination und Neugier auf die fremde Kultur gekennzeichnet. Die eigene Kultur wird nicht in Frage gestellt, sodass die eigene kulturelle Kompetenz sehr hoch eingeschätzt wird. Das Fremde wird eher von außen betrachtet, das gesamte Ausmaß der Fremdheit wird dabei vorerst nicht wahrgenommen bzw. ignoriert. Der Besucher der Fremdkultur nimmt die Rolle des Beobachters ein, die fremde Umgebung beeinflusst das Verhalten und Befinden des Kulturfremden dabei nicht. In der zweiten Phase wird dem Besucher langsam die gesamte Fremdheit der neuen Kultur bewusst, der Schutz durch Ignoranz, der in der euphorischen Phase noch geboten war, beginnt sich aufzulösen. Die zweite Phase ist somit durch einen Entfremdungsprozess gekennzeichnet, der von dem Kulturfremden durchlebt wird. Das Misslingen von Kommunikationen sowie das Nicht-Verstehen verschiedener Situationen und Handlungen in der fremden Kultur führen zu Verunsicherungen, Selbstzweifeln und Selbstbeschuldigungen. Dem eigenen Handlungsrahmen liegt nicht mehr die kulturelle Kompetenz zugrunde, die der Besucher von sich gewohnt ist. Diese Phase stellt im U-Kurvenmodell den Abstieg dar. Die Eskalationsphase wurde dem Modell Obergs von Wagner ergänzend hinzugefügt, um im Verlauf der Kurve einen Tiefpunkt markieren zu können. Welches Ausmaß die Eskalationsphase im konkreten Fall annimmt, das heißt, wo der Tiefpunkt letztendlich anzusiedeln ist, ist im Einzelfall durch individuelle Faktoren bestimmt und kann aus diesem Grund nicht verallgemeinernd dargestellt werden. Ausschlaggebend für den Grad der Eskalation ist, ob und in welchem Rahmen die im Abstieg aufkommenden Selbstzweifel und Selbstbeschuldigungen sich in Schuldzuweisungen an die fremde Kultur verwandeln. Findet eine solche Schuldzuweisung statt, so geht dies meist mit einer Verherrlichung der eigenen Ursprungskultur einher. Der Besucher der Fremdkultur sieht in diesem Fall sein Handeln als richtig an, das Handeln der Fremdkultur hingegen wird als falsch bewertet. Die Schuldzuweisung an die fremde Kultur machen ein Verständnis für die neue Kultur sowie die Toleranz ihr gegenüber fast unmöglich. Erst die Einsicht, dass Unterschiede und Missverständnisse kulturell bedingt sind und ein darauffolgendes Hinterfragen der Handlungen nach ihrem eigentlichen Sinn machen eine interkulturelle Verständigung möglich. Das heißt, erst, wenn der anderen Seite positive Absichten für ihr Handeln und Verhalten zugestanden werden, hat die Verständigung eine Chance (vgl. Wagner 1999: 28). Wie ausgeprägt die Eskalationsphase erlebt wird, bestimmt letztendlich auch, ob ein Wendepunkt hin zum Aufstieg möglich ist und wann es zu diesem Wendepunkt kommt. (vgl. Wagner 1996: 20-21).
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Arbeit zitieren:
2010, Die deutsche Wiedervereinigung - ein Kulturschock?, München, GRIN Verlag GmbH
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