Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Problemabriss und Eingrenzung des Begriffes der Interkulturellen Kommunikation 4
2.1 Kulturelle Vielfalt als Herausforderung für das deutsche Schulsystem 5
2.2 Die Bedeutung von Kultur 5
2.3 Die Methodik dieser Arbeit 8
3. Ein kommunikationspsychologischer Blick auf den Migrationskontext 10
3.1 Interkulturelle Kommunikation als Gegenstand dieser Arbeit 10
3.2 Das innere Team 11
3.2.1 Exemplarische Aufstellung eines multikulturellen Teams 12
3.3 Das Nachrichtenquadrat 16
3.4 Auswirkungen des multikulturellen Teams auf das Nachrichtenquadrat 19
4. Peer-Mediation als Lösungsansatz 22
4.1 Was ist Mediation? 22
4.2 Phasen der Mediation 23
4.3 Was kann Peer-Mediation im Migrationskontext leisten? 24
4.4 Grenzen der Peer-Mediation 25
5. Fazit 26
6. Literaturverzeichnis 28
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1. Einleitung
„Vielfalt statt Einfalt“ ist das Motto einer derzeit laufenden Antidiskriminierungskampagne des Bundes. Die Plakate der Kampagne spiegeln die Vielfältigkeit unserer modernen Gesellschaft wider: sie zeigen Frauen in Führungspositionen, schwule Arbeitnehmer, Behinderte und auch Frauen, die selbstbewusst Kopftuch tragen und mit beiden Beinen im gesellschaftlichen Leben zu stehen sceinen. Die Plakate werben für Gleichbehandlung. Eine Gleichbehandlung, die in dieser Form in unserer Gesellschaft leider noch lange nicht selbstverständlich ist.
Noch immer lassen sich im Alltag allzu oft Momente beobachten, die eher durch Diskriminierung als durch Akzeptanz gezeichnet sind: Es ist von sozialen Brennpunkten, gewaltbereiten Migrantenjugendlichen und sozialer Ungleichheit die Rede. Ein Prozess, der dringend einer Richtungsänderung bedarf: Es müssen Strategien entwickelt werden, die tatsächlich eine Gleichberechtigung fördern, die Multikulturalität als gesellschaftlichen Gewinn und nicht als zu überwindende Blockade begreifen.
Eine Schlüsselrolle kommt in diesem Zusammenhang dem Schulsystem zu: Nur die Chance auf eine gleichberechtigte Bildung öffnet auch die Chance auf eine gleichberechtigte, aktive Teilnahme am Gesellschaftsgeschehen. Neben einer Reformation des Lehrplans, der eine individuelle Förderung der Schüler mit Migrationshintergrund berücksichtigt, ist eine Förderung emotionaler, sozialer und kommunikativer Kompetenzen unter dem Aspekt der kulturellen Vielfalt mindestens ebenso wichtig. Nur so kann eine Win-Win-Situation erreicht werden, die über lokale und nationale Grenzen hinausgeht. Auch hier kann und muss die Institution Schule einen maßgebenden Beitrag leisten. Denn es ist eine zentrale Funktion der Schule, über Bildung gemeinsame Werte zu erschließen und so Identifikation, Zusammengehörigkeit und Respekt zu ermöglichen. (vgl.: Körber-Stiftung (Hrsg.) 2002: 23). Sicher ist dabei nicht außer Acht zu lassen, dass der Schule nicht die alleinige Verantwortung für diesen Prozess zugeteilt werden kann und darf. So wird bei der Betrachtung der Erfolge von Migrantenjugendlichen mit hohen Schulabschlüssen deutlich, dass insbesondere das gemeinschaftliche Engagement von Lehrern und Eltern entscheidend für die erreichten Erfolge ist. Da eine Betrachtung beider Seiten jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, wird der Fokus dieser Arbeit auf die Chancen und Möglichkeiten der Schule als Institution gelegt.
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Im Zuge dessen wird herausgearbeitet, wodurch in interkulturellen
Kommunikationssituationen zwischen Schülern mit Migrationshintergrund und ihren Mitschülern deutscher Herkunft Störungen entstehen, um so Raum für die Lösung dieser interkulturellen Konflikte zu schaffen. Die derzeitigen Schwierigkeiten werden anhand grundlegender kommunikationspsychologischer Konzepte nach Schulz von Thun betrachtet, die wie eine Schablone über die Eigenschaft Multikulturalität gelegt werden. Hierdurch wird versucht zu verdeutlichen, inwiefern es der multikulturelle Hintergrund von Migrantenjugendliche diesen maßgeblich erschwert, mit ihren deutschen Mitschülern in eine gleichberechtigte Konversation zu treten - ein erster Schritt zur Schaffung einer gleichberechtigten Anerkennung aller Schüler, unabhängig von ihren jeweiligen kulturellen Hintergründen. Dabei wird postuliert, dass diese Gleichberechtigung auf allen Ebenen geschaffen werden muss: so sicher durch entsprechendes politisches und institutionelles Engagement, gleichermaßen jedoch auf einer ganz zwischenmenschlichen Basis. Eine diesbezüglich erfolgreiche Strategie könnte entscheidend dazu beitragen, die interkulturellen Kompetenzen der Schüler zu stärken, den gegenseitigen Respekt zu fördern und den Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, die Vorzüge ihres multikulturellen Umfelds als persönliche Horizonterweiterung wahrzunehmen und zu nutzen. Oscar Wilde sagte einmal: „Reisen veredelt den Geist und räumt mit all unseren Vorurteilen auf.“ Und ohne dem Reisen seine besondere Bedeutung abschreiben zu wollen: Unsere multikulturell geprägte Gesellschaft bietet uns jeden Tag die Chance, diesen Satz mit Leben zu füllen - direkt vor unserer Haustür. Hierfür ist jedoch unbedingt ein konstruktiver, sinnstiftender Umgang mit Multikulturalität vonnöten.
Um hier eine Arbeitsgrundlage schaffen zu können, wird nun vorerst die Bedeutung des Begriffes Kultur an sich in diesem Zusammenhang herausgearbeitet, um darauf aufbauend das Feld der spezifischen Form der Interkulturalität dieser Arbeit abzustecken.
2. Problemabriss und Eingrenzung des Begriffes der Interkulturellen Kommunikation
Ziel der Arbeit ist es, sich mit einer möglichen Ursache für die Entstehung von Konflikten in interkulturellen Kommunikationssituationen im Kontext der kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft zu befassen. In Folge dessen soll anhand des Konzeptes der Peer-Mediation eine mögliche Strategie zur Verbesserung der Situation aufgezeigt werden. Wie jedoch bereits einleitend festgehalten, umfasst der thematische Kern der Arbeit eine sehr spezifische Form
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der interkulturellen Kommunikation im Kontext des deutschen Schulsystems. Daher ist es vorab unabdingbar, eine Eingrenzung des Begriffes vorzunehmen. Dies erfordert ferner eine kurze Darstellung der derzeitigen Migrationssituation in Deutschland sowie eine Annäherung an den Kulturbegriff als solchen in Anlehnung an diese spezifischen Umstände. Erst hierdurch lässt sich in einem nächsten Schritt die weitere Vorgehensweise dieser Arbeit erklären.
2.1 Kulturelle Vielfalt als Herausforderung für das deutsche Schulsystem
Das Zeitalter der Globalisierung, in dem wir leben, bringt eine weltweite Migration mit sich. Laut Angaben der Vereinten Nationen (UN) waren im Jahr 2008 ca. 200 Millionen Migranten unterwegs, wovon 60 % in den reicheren Regionen der Welt zu finden sind (Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) 2008: 17). Deutschland stellt mit ca. 7,3 Mio. Einwanderern das drittwichtigste Aufnahmeland nach den USA und der Russischen Föderation (ebd.: 17). Jedoch kommen in den jüngsten Jahren, verglichen mit den 90er Jahren, kaum noch „neue“ Migranten nach Deutschland, wodurch bereits eine Kernherausforderung für die deutsche Gesellschaft ersichtlich wird: Die zu leistende Integrationsarbeit beinhaltet nicht eine Eingliederung völlig Kulturfremder, vielmehr besteht in diesem Zusammenhang Nachholbedarf, der vor allem die zweite und sogar schon dritte Generation eingewanderter Familien betrifft. Eine diesbezügliche für beide Seiten gewinnbringende Strategie zur konstruktiven Integration migrierter Familien konnte bisher noch nicht gefunden werden: noch immer werden Kinder der zweiten Generation als kulturell besonders hervorgehoben und so automatisch von der Mehrheitskultur abgegrenzt. (vgl. Körber Stiftung (Hrsg.) 2002: 34). Anstatt die kulturelle Heterogenität als etwas Selbstverständliches zu begreifen und den Jugendlichen ein Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln, wird eine Integration erschwert, indem der Fokus eher auf Unterschiede denn auf Gemeinsamkeiten gelegt wird.
2.2 Die Bedeutung von Kultur
Zur Definition des Kulturbegriffs herrscht in der Wissenschaft alles andere als Einigkeit. Deswegen wird in dieser Arbeit grundsätzlich nicht der Anspruch erhoben, eine allgemeingültige Definition des Begriffs zu geben - vielmehr wird versucht, Denkanstöße zu geben, den Kulturbegriff aus einer nationalkulturellen Sicht zu heben, um ihn in einem migrationshistorischen Kontext, der den Kern dieser Arbeit stellt, betrachten zu können. Den
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Ausgangspunkt bietet hierbei ein Kulturkonzept, das von dem Psychologen und Autor Alexander Thomas begründet wurde. Thomas geht in seiner Arbeit davon aus, dass es das zentrale Bedürfnis eines jeden Menschen ist, sich in seiner Alltagswelt zurechtfinden und orientieren zu können. Dieses Orientierungsbedürfnis kann nur dann befriedigt werden, wenn Menschen über das nötige Wissen bezüglich ihrer gegenständlichen und sozialen Umwelt verfügen und darüber hinaus auf Erfahrungen zurückgreifen können, die es ihnen ermöglichen, mit diesem Wissen sachgerecht und effektiv umgehen zu können (vgl. Thomas 2004: 147). Die Kultur, in der ein Individuum aufwächst, bietet ihm nun bestimmte kollektive und sozialverbindliche Normen, Werte, und Regeln, die ihm helfen, ein solches Orientierungssystem zu konstituieren und ein spezifisches Handlungsfeld zu strukturieren. Kultur kann dementsprechend also verstanden werden als „ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation oder Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem“ (Thomas 204: 148), das dabei hilft, sich sinnbringend zu orientieren. Das hier angeführte Zitat impliziert darüber hinaus, dass ein kulturelles Orientierungs- und Wertesystem jeweils für einen Kulturkreis spezifisch ist und in einer fremden Kultur teilweise oder vollständig an Gültigkeit verlieren kann. Erlernt wird das jeweilige Orientierungssystem im Laufe der Sozialisierung. Da es innerhalb eines Kulturkreises universell ist, dient es nicht nur der eigenen Orientierung, sondern stellt zudem sicher, dass Handlungen so verstanden werden, wie sie vom Handelnden intendiert waren (vgl. Thomas 2004: 148). Auch wenn dieses Kulturkonzept vorerst einen einleuchtenden Ansatz bietet, wirft es bezüglich der im Rahmen dieser Arbeit behandelten Migrationsthematik gleich zwei sich bedingende Probleme auf, die mit dem Kulturansatz Thomas‘ nicht abgedeckt werden können:
1. Wenn Orientierungssysteme im Laufe der Sozialisierung erlernt werden, so ist davon auszugehen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund der zweiten Generation sowohl ihre Heimatkultur (durch den Einfluss des Elternhauses), als auch im Rahmen institutioneller Einrichtungen, maßgeblich der Schule, und ihrer täglichen Alltagswelt die deutsche Kultur erlernt haben. Es ist also von einer Hybridkultur auszugehen, die keinem einzigen universell gültigen Orientierungssystem folgt. 2. Ist dies der Fall, so kann nicht mehr von einer national geprägten Kultur gesprochen werden. Vielmehr ist ein Kulturbegriff in Betracht zu ziehen, der nicht nur die nationale Zugehörigkeit eines Individuums, sondern auch seine sozialen, beruflichen und persönlichen Beziehungen und Vorlieben einbezieht. Auch dies würde eine
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Allgemeingültigkeit bestimmter Normen selbst innerhalb eines spezifischen Kulturkreises aushebeln, da beispielsweise auch ein Arzt und ein Maurer, selbst wenn beide deutscher Herkunft sind, unterschiedliche Bedeutungssystem konstituieren können, die vielmehr durch ihre Berufe als durch die gemeinsame deutsche Zugehörigkeit geprägt sind.
Diese Fragestellungen fordern also eine Ergänzung des obigen Kulturkonzepts, was unter anderem den Gedanken Weiß‘ folgt. Ihre Kulturüberlegungen sind insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass kulturell geprägte Bedeutungssysteme sich auch zwischen bestimmten Milieus oder Professionen unterscheiden (vgl. Weiß 2005: 203), was dem oben beschriebenen erweiterten Ansatz entsprechen würde. Zudem kritisiert auch Weiß in ihrer Arbeit explizit den Begriff der Nationalkultur, da ihrer Meinung nach „völlig unklar [ist], was eine Nationalkultur ausmachen soll.“ (Weiß 2005: 203). Dies begründet sie damit, dass Kulturen weder in sich homogen sind, noch lassen sich deren Inhalte konkret bestimmen oder benennen. Ein solcher Ansatz schwächt also die Bedeutungskraft nationalkulturell geprägter Differenzen ab und schafft gleichzeitig einen neuen kulturellen Raum, der den Fokus eher auf Gemeinsamkeiten legt, die auf einer ähnlichen Lebensweise und einer geteilten Alltagswelt beruhen.
Beziehen wir diese beiden Kulturansätze nun auf die Gruppe der Migranten der zweiten Generation, sind beide Konzepte von zentraler Bedeutung: Es ist einerseits davon auszugehen, dass die Jugendlichen entsprechend der Heimatkultur ihrer Eltern anhand nationalkultureller Normen, Regeln und Werte beeinflusst sind. Im Gegensatz dazu erleben sie ihre Alltagswelt in der deutschen Kultur, was eher den Ansatz Weiß bekräftigt - einerseits ein Balanceakt für die Jugendlichen, der oft in der Metapher „zwischen zwei Welten“ Ausdruck findet, andererseits auch zumindest die potentielle Möglichkeit, eine Kultur zu konstituieren, deren Schwerpunkt nicht auf der Heimatkultur, sondern auf gemeinsamen Interessen, Fähigkeiten und Vorlieben beruht. Ein Ansatz, der im Rahmen dieser Arbeit eine zentrale Rolle spielt, da er maßgebende Handlungsmöglichkeiten zur Verbesserung der gegenwärtigen deutschen Schulsituation im Migrationskontext bietet. Fasst man beide Konzepte noch einmal hinsichtlich des Migrationskontextes zusammen, so lässt sich an dieser Stelle folgendes festhalten: Es ist einerseits davon auszugehen, dass Jugendliche entsprechend ihrer Ursprungskultur, sprich, der Kultur ihrer Eltern, geprägt sind, was sich beispielsweise in der gelebten Religion und familiären Werten widerspiegelt. Gleichzeitig kann den Jugendlichen jedoch auch unterstellt werden, dass sie
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Arbeit zitieren:
2010, Migration und Konflikte, München, GRIN Verlag GmbH
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