Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 5
Abk ürzungsverzeichnis 6
Glossar 7
Einleitung 8
1 Zum Begriff des Krieges 15
1.1 Der alte Krieg 18
1.2 Der neue Krieg 23
1.3 Der Krieg der Begriffe
2 Die Tradition des gerechten Krieges 25
2.1 Frühgeschichte - Krieg als Spiel der Götter 25
2.1.1 Altes Ägypten und Indien 25
2.2 Antike - Krieg zwischen den Stadtstaaten 27
2.2.1 Aristoteles und Platon 27
2.2.2 Cicero und der Anfang einer Lehre vom gerechten Krieg 28
2.3 Mittelalter - Krieg im Sinne der Nächstenliebe 29
2.3.1 Augustinus und die rechte Gesinnung 30
2.3.2 Gregor der Große und Gratian der Mönch - von Augustinus
beeinflusst 31
2.3.3 Thomas von Aquin - Krieg ist Sache des höchsten Fürsten 32
2.4 Neuzeit - Zerfall der Einheit von rechtlicher und sittlicher Beurteilung 33
des Krieges
2.4.1 Francisco de Vitoria definiert das bellum iustum ex utraque parte 34
2.4.2 Erasmus von Rotterdam und Krieg als Bestandteil des Naturrechts36
2.4.3 Martin Luther - Ob Kriegsleute im seligen Stande sein können? 36
2.4.4 Hugo Grotius legt den Grundstein für das moderne Völkerrecht 37
2.4.5 Eine Fußnote zu Immanuel Kant 38
2.5 Neueste Geschichte - Krieg als Werkzeug der Realpolitik 39
2.5.1 Carl von Clausewitz - Krieg als Fortsetzung der Politik mit
anderen Mitteln 39
2.5.2 Bluntschli und das Primat des Völkerrechts 40
2.5.3 Der Völkerbund und weitere Versuche, den Krieg zu verdammen 41
2
2.6 Die Gegenwart und der geplatzte Traum vom Weltfrieden 42
2.6.1 Die Vereinten Nationen als Autorität über Krieg und Frieden 42
2.6.2 Der gerechte Krieg in der modernen Kirche 43
2.6.2.1 Katholizismus 43
2.6.2.2 Protestantismus 45
2.6.3 Der „Just War“ des Michael Walzer 46
2.6.4 Der Kriterienkatalog der ICISS 47
3 Ist der Krieg in Afghanistan, der von den Vereinigten Staaten und ihren
Verbündeten seit dem Herbst 2001 geführt wird, gerecht (im Sinne der
Theorie des gerechten Krieges)? 50
Zeitachse Afghanistan 51
3.1 War der Kriegseintritt in den Afghanistankrieg, ius ad bellum,
gerecht ? 52
3.1.1 Ein gerechter Grund? 52
3.1.2 Eine gerechte Autorität? 56
3.1.2.1 Der Krieg gegen den Terrorismus 57
3.1.2.2 Der NATO-Einsatz in Afghanistan 58
3.1.3 Krieg als ultima ratio? 61
3.1.4 Eine rechte Gesinnung? 64
3.2 Ius in bello, ist die Kriegführung gerecht? 69
3.2.1 Gerechte Behandlung von Kriegsgefangenen? 69
3.2.2 Kollateralschaden 74
3.3 Ius post bellum, ist die Nachkriegssituation gerecht? 77
3.3.1 Wiederaufbau 77
3.3.2 Sicherheit 80
3.3.3 Entwicklungsperspektiven 86
3.4 Fazit 92
Danksagung 96
Literaturverzeichnis 97
3
Abb. 1.1 erwartete Effekte der strategischen Interaktion auf den Ausgang des
Abb. 3.1 Weg der geplanten Gas-Pipeline, in:
Abb. 3.2 Wo die Taliban in Afghanistan aktiv sind, in: http://www.sueddeutsche.de/politik/872/487280/text/ (30.04.2010) Abb. 3.3 Struktur des Imperialismus nach Galtung, in:
Abb. 3.4 Truppenentwicklung der ISAF, in:
ANA Afghan National Army Afghanische Nationalarmee DDR Disarmament, Demobilization and Reintegration Bezeichnung für eine UN-Strategie innerhalb des peacekeepings ICISS International Commission on Intervention and State Sovereignty
IED Improvised Explosive Devices dt.: unkonventionelle Spreng- oder Brandvorrichtung ISAF International Security Assistance Force
NATO North Atlantic Treaty Organization
OEF Operation Enduring Freedom
UNDP United Nations Development Programme Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen USAID United States Agency for International Development
Al-Kaida Islamistisches Terrornetzwerk, angeführt von Osama Bin Laden Bagram Internierungslager der Vereinigten Staaten in Afghanistan Bin Laden, Osama saudischer Terroristenführer, Gründer und Anführer von Al Kaida Burka Überwurfgewand mit Augengitter für Frauen Durand-Linie 1893 gezogene Grenzlinie zwischen Afghanistan und Pakistan, führt durch das Gebiet der Paschtunen Dschihad Konzept der islamischen Religion, kann als Heiliger Krieg/Kampf verstanden werden Guantanamo Bay Stützpunkt der US-Navy auf Kuba Hindukusch Hochgebirgsgürtel im Nordosten Afghanistans Mujaheddin islamischer Widerstandskämpfer Neo-Taliban neue Generation der Taliban Paschtu neben Dari offizielle Amtssprache Afghanistans Paschtunwali archaischer Ehrenkodex der Paschtunen Scharia religiös legitimiertes Gesetz des Islam, beruhend auf dem Koran Taliban islamistisch geprägte Bewegung, die sich von 1994 bis 2001 in Afghanistan ausbreitete Tora Bora künstlich angelegter Höhlenkomplex in den Bergen
Einleitung
Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen.
Plato (etwa 428-348 v. Chr.)
Scheint süß ja der Krieg nur dem, der ihn nicht kennt, doch wer ihn kennt,
Schaudert, wenn er naht, vor ihm übers Maß im Herzen.“
(Pindar 522-445 v. Chr.)
Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.
Carl von Clausewitz (1780-1831)
Der Krieg ist das größte Übel, das einem Staate, das einer Nation widerfahren kann.
Es muß daher die Hauptsorge sein, alle nur immer mögliche Kraft gleich beim ersten Ausbruche aufzubieten, alles anzuwenden,
damit derselbe so kurz als nur immer sein kann und bald auf die möglichst günstigste Art entschieden wird.
Karl von Österreich-Teschen (1771-1847)
Es gibt kein widerlicheres Schauspiel unter dem Himmel als zwei Menschen, die zähneknirschend und zornfunkelnd einander
ins Fleisch hacken und kostbare, lebensstrotzende Körper, ja, unschätzbare lebendige Seelen in eine unnennbare, verwesende
Masse verwandeln, die man nur noch zum Düngen von Rübenfeldern verwenden kann.
Thomas Carlyle (1795 - 1881)
Am 11. September 2001 hörte ich im Autoradio die Nachricht, dass ein Flugzeug in den Nordturm des New Yorker World Trade Centers geflogen sei. Genaueres war noch nicht bekannt. Ich stellte mir während des Hörens dieser Nachricht ein kleines Sportflugzeug vor, das versehentlich in die Fassade des Wolkenkratzers gestürzt war. Als ich zu Hause war, stellte ich den Fernseher an und sah Rauchschwaden aus dem World Trade Center aufsteigen. Die ersten Videoaufnahmen zeigten, dass ein Passagierflugzeug, eine Boeing 767, in den Nordturm des World Trade Centers geflogen war. Eine große Katastrophe schien sich anzubahnen. Als einige Minuten später eine zweite Boeing 767 in den Südturm flog, sprach niemand mehr von einem Unfall.
In einer konzertierten Aktion hatten islamistische Terroristen im Namen des Dschihad und des Terrornetzwerkes Al-Kaida vier Verkehrsflugzeuge entführt und auf eine Amokmission geschickt. Zwei der Flugzeuge wurden in die beiden Türme des World Trade Centers gesteuert, ein Flugzeug raste in das Pentagon und ein weiteres stürzte in der Nähe von Shanksville, Pennsylvania, auf eine Wiese. Diese Selbstmordattentate auf militärische und zivile Gebäude der Vereinigten Staaten von Amerika gingen als die Terroranschläge vom 11. September 2001 in die
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Geschichte ein und markierten eine Zäsur zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Als unmittelbare Folge dieser Angriffe kam es zu einem weltweiten Feldzug, der vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush als „Krieg gegen den Terror“ bezeichnet wurde.
Verantwortlich für die Attacken war das vom saudischen Terroristen Osama Bin Laden geführte Netzwerk Al-Kaida. Diese lose Gruppierung islamistischer Terroristen hatte, so Bush, „ihre Vision der Welt in Afghanistan verwirklicht.“ In Afghanistan sei, so Bush weiter, „Terror und Unterdrückung an der Tagesordnung“ und Al-Kaida arbeite eng mit den dort herrschenden Taliban zusammen. An die Taliban-Regierung richtete Bush mehrere Forderungen: die Auslieferung aller Al-Kaida Mitglieder, die Freilassung aller ungerechtfertigt im Gefängnis sitzenden Ausländer, Schutz für alle im Land arbeitenden Journalisten, Diplomaten und Aufbauhelfer, die Schließung aller sich im Land befindlichen Ausbildungscamps für Terroristen und die Aushändigung all jener Personen, die für Aufbau und Betrieb dieser terroristischen Strukturen verantwortlich sind.
Diese Forderungen bezeichnete Bush als „nicht verhandelbar“. 1 In seiner Rede an die Nation vom 11. September sprach der US-Präsident davon, dass die Vereinigten Staaten keinen Unterschied machen werden zwischen Terroristen und denen, die diesen Terroristen Unterschlupf gewähren. 2 Vierzehn Tage nach dieser Ansprache begann der Krieg gegen den Terror.
Im Februar 2002 veröffentlichten 58 führende amerikanische Intellektuelle, darunter der Kulturhistoriker Samuel Huntington, die Soziologen Francis Fukuyama und Amitai Etzioni sowie der Philosoph und Politikwissenschaftler Michael Walzer ein Manifest mit dem Titel: „What We’re Fighting For - A Letter from America“. In dem darin enthaltenen Abschnitt über den gerechten Krieg wird jeder Krieg als schrecklich und als Zeichen für das politische Scheitern von Menschen bezeichnet. Weiter wird ausgeführt, dass es Zeiten gibt, in denen Krieg führen nicht nur moralisch erlaubt, sondern moralisch notwendig ist: als Antwort auf Akte der Gewalt, des Hasses und der Ungerechtigkeit. Die Unterzeichner des Manifestes erklären, dass sie im Namen einer universellen menschlichen Moral und im
1 http://georgewbush-whitehouse.archives.gov/news/releases/2001/09/20010911-16.html (27.04.2010)
2 ebd.
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Bewusstsein aller Einschränkungen und Anforderungen eines gerechten Krieges den Krieg der amerikanischen Regierung gegen die Terroristen befürworten. 3 Auf das Konzept des gerechten Krieges wird in „What we’re Fighting For“ nur sehr oberflächlich eingegangen. Mit Bezug auf Augustinus werden kurz mögliche Gründe für einen gerechten Krieg genannt, es wird erwähnt, dass eine legitime Autorität nötig ist um einen gerechten Krieg zu rechtfertigen, und es wird ausdrücklich betont, dass ein gerechter Krieg nur zwischen Kombattanten, also zu Kriegshandlungen berechtigten Personen, geführt werden kann. Der Abschnitt über den gerechten Krieg schließt mit den Worten: „Diese und andere Prinzipien des gerechten Krieges lehren uns, dass, wann immer Menschen Krieg in Erwägung ziehen oder Krieg führen, es möglich und notwendig sein muss, sich der Heiligkeit des menschlichen Lebens zu vergewissern und sich dem Prinzip der überall gleichwertigen menschlichen Würde anzunehmen.“ 4
Große Worte, die sich auf eine große Theorie berufen. Mit dieser Arbeit werde ich prüfen, ob die Unterzeichner dieses Manifestes Recht haben, wenn sie zur Rechtfertigung des Krieges in Afghanistan das Prinzip des gerechten Krieges anführen.
Nach einer Definition des Kriegsbegriffes und einer Unterscheidung zwischen altem und neuem Krieg in Kapitel 1, befasst sich das Kapitel 2 mit der Entwicklung einer Traditionslinie der Theorie des gerechten Krieges von der Antike bis in die Gegenwart.
Erste tiefergehende Überlegungen zur ethischen Begrenzung von Kriegen finden sich bereits in den Staatstheorien der griechischen Philosophen Platon und Aristoteles. Diese Überlegungen wurden im Römischen Reich, unter anderem von Cicero, weitergedacht und entwickelt.
In der Frühzeit und der frühen Antike wurde eine mögliche Schuld vom eigenen menschlichen Gewissen abgeladen und auf die Götter übertragen. Der Mensch verstand sich als Lebewesen in einer von Göttern durchdrungenen Welt. Alle
3 What we’re Fighting For - A Letter from America, in: http://www.americanvalues.org/wwff.pdf
4 These and other just war principles teach us that, whenever human beings contemplate or wage war, it is both possible and necessary to affirm the sanctity of human life and embrace the principle of equal human dignity, ebd.: S. 8.
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irdischen Handlungen standen in einer Verbindung zur Götterwelt. So auch der Krieg. Mit Schlachtengemälden wurden die Taten einzelner Heroen herausgehoben und glorifiziert. Den Opfern des Krieges wurde wenig Beachtung geschenkt, denn diese starben für die Sache der Götter. Das Recht zum Krieg stand stets über dem Recht im Krieg.
In der Zeit der blühenden griechischen und römischen Stadtstaaten war die Idee des gerechten Krieges eng verwoben mit dem Gedanken der Selbstverteidigung dieser Stadtstaaten. Krieg wurde als Störung der Gerechtigkeit, im Sinne einer bestimmten Ordnung, innerhalb des Individuums und des Kollektivs, betrachtet. Im Mittelalter wurde die Theorie des gerechten Krieges vor allem von den christlichen Kirchenlehrern geprägt. Neben Augustinus war es der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin, der in seiner „Summa theologiae“ die Frage eines gerechten Krieges behandelte.
Im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit wurden die göttlichen Rechtfertigungsmodelle mehr und mehr von juristisch geprägten Modellen eines gerechten Krieges verdrängt. Zum ersten Mal wurde auch der gegnerischen Kriegspartei das Recht auf einen gerechten Krieg zuerkannt und damit der Krieg aus der vermeintlichen Objektivität auf eine subjektive Ebene gebracht. Auch das Aufkommen der Nationalstaaten und der Niedergang der großen Reiche bestimmten die Ansichten über den Krieg.
Als ein Grundstein des modernen Völkerrechts gilt die Schrift „De Jure Belli ac Pacis“ des Niederländers Hugo Grotius. Grotius führte als einer der ersten die Idee eines international geltenden Völkerrechts ein. Doch es dauerte noch Jahrhunderte, bis Körperschaften geschaffen wurden, die zwischen den Völkern Recht sprechen sollten. An ihm und seinem Beitrag zeigt sich der Wandel zwischen mittelalterlichem und neuzeitlichem Verständnis eines gerechten Krieges beispielhaft. Von Clausewitz´ Schrift „Vom Kriege“ markiert eine weitere Zäsur und steht bis heute für die Betrachtung des Krieges als Werkzeug der Politik und für eine kühlversachlichte Betrachtungsweise kriegerischen Geschehens. Unter dem Schlagwort der Realpolitik wurde Krieg zu einem Werkzeug, mit dem sich die legitimen Interessen eines Staates durchsetzen ließen. Der Krieg wurde zu einem Instrument der Politik, beinahe zu einem Verwaltungsakt. Durch zwischen den Staaten geschlossene Verträge und innerstaatliche Gesetze wurde der Krieg positivistisch legitimiert. Dadurch wurde zwar die Vorstellung einer Legitimation der Kriege durch
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göttliches Recht abgelöst, jedoch wurde der Krieg damit auch jeglicher Moral enthoben und genauso wie er als Instrument betrachtet wurde, waren auch die Soldaten nur Instrumente der Politik.
Im 19. Jahrhundert fand erstmals die Trennung des Rechts zum Krieg und des Rechts im Krieg statt, nicht zuletzt wegen des massiven Wandels der Rüstungsindustrie und den damit einhergehenden grausamen Methoden der Kriegführung. Der Prozess der Industrialisierung markiert einen weiteren Wendepunkt in der Kriegsbetrachtung. Auf Grund immer modernerer und effektiverer Waffen hatten sich die einstigen Schlachtscharmützel auf den Feldern zu einem Massenschlachten ohne Grenzen entwickelt. Immer höhere Opferzahlen und die schrecklichen Folgen neuer biologischer und chemischer Waffen machten das Denken über ein Recht im Krieg aktuell. Vorreiter war Henry Dunant mit der Gründung des Roten Kreuzes und den aus seinen Ideen entstandenen Genfer Konventionen.
Der Erste Weltkrieg mit all seinen Schrecken ließ die verschüttet geglaubten Ideen eines friedlichen Bundes aller Völker wieder entstehen, und zum ersten Mal wurde der Krieg in international gültigen Verträgen und Übereinkommen geächtet. Der Völkerbund und der Kellogg-Briand-Pakt konnten jedoch trotz ihrer wegweisenden Ideen den Zweiten Weltkrieg nicht verhindern.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Vereinten Nationen in San Francisco gegründet, deren Charta besondere Gründe für militärische Einsätze vorsah und den Krieg offiziell ächtete. Durch das Bekenntnis zu den universal gültigen Menschenrechten geschah ein Wandel vom Positivismus hin zum Universalismus und zu den Naturrechten. Auch dieser Ansatz konnte jedoch zukünftige Kriege nicht verhindern. Was geschafft wurde, war eine Ächtung des Krieges als Verbrechen.
Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges erlebte die Idee eines gerechten Krieges eine Renaissance. Moderne Autoren, die den Begriff des gerechten Krieges erweiterten und erforschten, waren zum einen Paul Ramsey mit seinem Werk „The Just War: Force and Political Responsibility“ und Michael Walzer mit „Just and Unjust Wars.“
Im September 2001 veröffentlichte die ICISS (International Commission on Intervention and State Sovereignty) mit „The Responsibility to Protect“ den aktuellsten Beitrag und etablierte das Nachdenken über ein Recht nach dem Krieg.
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Der Blick auf die vergangenen Jahrhunderte zeigt, dass sich die Vorstellungen über einen gerechten Krieg stets verändert haben. Gleich geblieben scheint das Bedürfnis der Menschen, überhaupt Kriterien für einen gerechten Krieg entwickeln zu wollen. Möglicherweise im Angesicht einer Schuld, die mit kriegerischen Handlungen immer einhergeht.
Seit dem Jahr 2001 führen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten einen Krieg in Afghanistan. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war das Ziel der ersten Militärschläge, das Regime der religiös motivierten Taliban zu stürzen und die Ausbildungscamps der Al-Kaida-Terroristen zu vernichten. Trotz eindeutiger militärischer Überlegenheit der Allianz ist der Krieg bis heute nicht gewonnen und sind die Ziele nicht verwirklicht. Im Gegenteil: Die Taliban gewinnen in einigen Gebieten wieder an Stärke, und die afghanische Regierung muss sich den Vorwurf der Wahlfälschung und der Korruption gefallen lassen. In Anlehnung an das Manifest „What we’re Fighting For - A Letter from America“ stelle ich im Kapitel 3 folgende Fragen: War der Kriegseintritt in den Afghanistankrieg gerecht (Ius ad bellum), war und ist die Kriegführung gerecht (Ius in bello) und wie ist die Situation nach dem Krieg (Ius post bellum) zu bewerten? 5 Um die einzelnen Fragen zu beantworten, habe ich einige der Kriterien für einen gerechten Krieg herausgegriffen.
Im Bereich des Ius ad bellum stelle ich die Frage nach einem gerechten Grund, einer legitimen Autorität, einer rechten Gesinnung und nach Krieg als ultima ratio. Die Frage nach einem gerechten Grund hat die längste Tradition und bietet die beste Erklärung für die Motivation bestimmter Handlungen. Auch die legitime Autorität hat eine lange Tradition und besitzt gerade im modernen Staatenzeitalter, wo die Legitimation von Autoritäten aus der Mehrheit der Bevölkerung generiert wird, eine
5 Studiert man die Lehre des gerechten Krieges, wird man unweigerlich mit dem lateinischen Dreigestirn aus ius ad bellum (Recht zum Krieg), ius in bello (Recht im Krieg) und ius post bellum (Recht nach dem Krieg) konfrontiert.
Dabei ist die Frage nach dem ius ad bellum von allen dreien die mit der längsten Tradition, denn sie beschäftigt sich mit den Gründen für einen gerechten Kriegseintritt. Die Frage nach dem ius in bello, nach gewissen Verhaltensregeln im Krieg, ist eine Denkfigur des Übergangs von der Frühen Neuzeit zur Neuesten Geschichte. Die kürzeste Tradition in der Dreierrunde hat das ius post bellum, also die Frage nach einem Recht und Gerechtigkeit nach Beendigung des Krieges. Diese Frage hat sich erst in der Gegenwart etablieren können.
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große Bedeutung. Die rechte Gesinnung ist ein schwer zu bestimmender Faktor. Ich werde ihn dennoch näher beleuchten, da eine Gesinnung immer eine bestimmte moralische Grundhaltung reflektiert, die ich bei der Ausübung von Kriegshandlungen für wichtig erachte. Das ultima-ratio-Kriterium soll im konkreten Fall darstellen, ob der Krieg auch wirklich die eine Lösung war und ist. Im Bereich des Ius in bello wende ich mich der Frage nach der Behandlung der Kriegsgefangenen und der Kollateralschäden zu. Auch die Unterzeichner des Manifestes erwähnen, dass es einen gerechten Krieg nur zwischen Kombattanten geben kann und zu dem Verhältnis von Kombattanten und Nichtkombattanten gehört für mich auch die Sorge um Kollateralschäden. Der Bereich des Ius Post bellum ist der neueste Denkansatz in der Theorie des gerechten Krieges und geht auf die Nachsorge nach einem Krieg ein. Im Bericht der ICISS wird im Kapitel „The Responsibility to Rebuild“ die Bemühung zu einem Wiederaufbau, der Etablierung von Sicherheitsstrukturen und eine Entwicklungsperspektive gefordert.
Um eine Lehre vom gerechten Krieg als Möglichkeit anzunehmen, muss man sich zunächst von zwei Denkrichtungen distanzieren: dem Realismus und dem Pazifismus.
Der Pazifismus steht als Bekenntnis für den Frieden und gegen den Krieg. 6 Die moralische Bewertung von Kriegen findet auch im Pazifismus statt, jedoch werden Kriege generell abgelehnt und moralisch verurteilt. Es kann kein Kriterium gefunden werden, das einen Krieg rechtfertigen würde. Der Pazifismus beurteilt den Krieg im deontologischen Sinne als falsch und schlecht.
Die Lehre vom gerechten Krieg widerspricht ebenfalls einer realistischen Betrachtungsweise. Diese geht davon aus, dass Kriege generell außerhalb jeglicher Moral sind und deshalb auch keiner moralischen Bewertung unterzogen werden können. Schon der römische Staatstheoretiker Cicero sagte: „Intra bellum silent leges“ (Im Kriege schweigen die Gesetze).
Hat man sich vom Pazifismus und Realismus abgewandt, damit also die Existenz von Kriegen in dieser Welt als gegeben akzeptiert und sich für die Möglichkeit einer moralischen Bewertung von Kriegen ausgesprochen, kann man auch die Möglichkeit eines gerechten Krieges annehmen.
6 Pacifism, angesehen am 15. März 2010, in:
http://plato.stanford.edu/entries/pacifism/#2.1 (Stanford Encyclopedia of Philosophy)
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Kapitel 1
Zum Begriff des Krieges
Seit es Menschen gibt, gibt es auch den Krieg. Es gibt viele Ausprägungen des Krieges, doch letztendlich ist der Kern des Krieges die gewaltsame Auseinandersetzung von Menschen, Clans, Stämmen, Völkern und Staaten mit anderen Menschen, Clans, Stämmen, Völkern und Staaten. Die Gründe für diese Auseinandersetzungen sind zahlreich. Mit Blick auf die überlieferte Menschheitsgeschichte sind unter anderem die Erweiterung des Lebensraumes, die Gier nach Schätzen jeglicher Art und der Hass auf andere Geschöpfe zu nennen. Doch es wurden auch Kriege geführt, um Völker zu befreien und um Gottes Heil zu suchen.
Krieg ist empirisch gesehen geradezu als Normalzustand zu bezeichnen. Ein Normalzustand, der nur unterbrochen wird von kurzen Perioden des Friedens. So zählt der Dominikanermönch Franziskus Maria Stratmann von 1496 v. Chr. bis 1861 n. Chr., also einem Zeitraum von 3357 Jahren, nur 227 Friedensjahre, denen 3130 Kriegsjahre gegenüberstehen. Von 1861 bis 2010 waren es nur sieben Jahre ohne Krieg.
Doch scheint es einen Unterschied zu geben zwischen dem, was die Mehrheit der Bevölkerung unter einem Krieg versteht und dem, was die Soldaten aktuell auf den Schlachtfeldern dieser Welt gerade tun. Der Begriff „Krieg“ wird von offizieller Seite vieler Regierungen, die die Soldaten in den Kampfeinsatz schicken, nicht verwendet. Um etwa das Geschehen in Afghanistan seit 2001 zu beschreiben, ist auf der Website der Bundesregierung die Rede von einem „Engagement Deutschlands zur Terrorbekämpfung“. Als „zentrale Aufgaben“ 7 der Bundeswehr, der dort stationierten Polizisten und der Entwicklungshelfer, wird die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Region gesehen. Von Krieg ist an dieser Stelle keine Rede.
7 http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Afghanistan/afghanistan.html (24.03.2010)
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Auch in anderen Ländern der Allianz, die in Afghanistan und dem Irak Soldaten stationiert haben, wird „Krieg“ nicht benutzt oder der Begriff wird ausgeschmückt mit dem Zusatz „gegen den Terror“, um damit eine Verharmlosung zu erreichen. Denn kämpfen wir nicht auch einen „Krieg gegen Drogen“ oder einen „Krieg gegen überflüssige Pfunde“?
Die Unsicherheit bei der eindeutigen Definition dessen, was zum Beispiel in Afghanistan seit 9/11 ausgefochten wird, zeigt, dass dem Kriegsgeschehen etwas Neues hinzugekommen sein muss. Etwas, das es schwierig macht, den Begriff „Krieg“ eindeutig zu definieren.
Im öffentlichen Diskurs ist oft von den sogenannten neuen Kriegen die Rede. Doch was kennzeichnet diese Kriege? Und da etwas Neues nur in Abgrenzung zu etwas Altem gesehen werden kann: was sind dann alte Kriege?
1.1 Der alte Krieg
Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1616-1648), besiegelt durch den Westfälischen Frieden, war das Ende der großen Reiche endgültig gekommen und der Aufstieg der souveränen Nationalstaaten begann. Die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen diesen Staaten ist gemeinhin das, was heutzutage im Volksmund unter Krieg verstanden wird. Besonders charakteristisch war dieses Phänomen für das historische Europa zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert. 8 Als sinnvolle Darstellung erweist sich hierbei die Einteilung der Kriege nach dem Muster Georg Ortenburgs in seiner Reihe: „Heerwesen der Neuzeit“: 9 - Zeitalter der Kabinettskriege (1650-1792), - Revolutionskriege (1792-1848), - Einigungskriege (1848-1871), - Krieg der Millionenheere (1871-1914). Die Professorin Mary Kaldor zählt zu den alten Kriegen noch den: - ideologischen Krieg der Blöcke (spätes 20. Jahrhundert). 10
8 Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2000, S. 28.
9 Salisch, Marcus von: Krieg - sein altes und neues Erscheinungsbild, In: Schröfl, Josef; Pankratz, Thomas (Hrsg.): Asymmetrische Kriegführung - ein neues Phänomen der Internationalen Politik?. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden Baden, 2004, S. 57.
10 Kaldor, Mary: Neue und alte Kriege. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2000, S. 27.
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Gemein ist diesen Kriegen, dass es zwei oder mehrere genau abgrenzbare Parteien gab, die im Widerstreit zueinander standen. Dies konnten absolutistische Staaten, Nationalstaaten, Vielvölkerstaaten, Allianzen, Reiche oder die Blöcke Ost und West gewesen sein. Entscheidend ist, dass in diesen drei Jahrhunderten der Krieg durch zeitliche, örtliche und materielle Begrenzung formell eingehegt wurde und damit die Vorstellungen vieler Menschen bis heute bestimmt hat. Diese Vorstellungen sind vor allem durch folgende Punkte charakterisiert: 1.) die Festlegung anerkannter Grenzen, 2.) die Unterscheidbarkeit von Krieg und Frieden, 3.) eine klare Bestimmung von Freund und Feind, 4.) Unterscheidung zwischen Kombattanten und Nichtkombattanten, 5.) Unterscheidung zwischen zulässiger Gewalt und Gewaltkriminalität und 6.) die zeitliche Begrenzung des Krieges. 11
Eine anerkannte Grenze legte den genauen Wirkungsbereich eines Krieges fest und hegte diesen örtlich sein. Durch ein klar definiertes Kriegsziel war es möglich, auf dieses Ziel hinzuarbeiten und irgendwann das Ende des Krieges durch einen Friedensschluss zu verkünden. Klar definierte Gegner und die deutliche Unterscheidung zwischen Zivilbevölkerung (Nichtkombattanten) und Soldaten (Kombattanten) machte uferloses Schlachten unmöglich. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren 90 Prozent der im Krieg gefallenen Menschen Kombattanten. 12 Ausgefochten wurden diese Kriege nicht von schlecht zu kontrollierenden Söldnern, wie im Dreißigjährigen Krieg, sondern von Soldaten im Dienste eines Staates. Ein wichtiger Schritt hin zu einer Professionalisierung des Krieges geschah durch die Einführung der stehenden Heere, 13 die durch Drill und Manöverübungen auch in Friedenszeiten auf den Ernstfall Krieg vorbereitet wurden. Etabliert wurden die stehenden Heere zu Zeiten der Napoleonischen Kriege (1792-1815) von den europäischen Mächten, die zu dieser Zeit Krieg gegen Frankreich führten. 14
11 Münkler, Herfried: Die neuen Kriege. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg, 2004, S. 68-75.
12 ebd.: S. 28.
13 Kaldor: S. 30.
14 Stupka, Andreas: Kriegsgeschichte und klassische kriegstheoretische Betrachtungen zur asymmetrischen Kriegführung, In: Schröfl, Josef; Pankratz, Thomas (Hrsg.): Asymmetrische Kriegführung - ein neues Phänomen der Internationalen Politik?. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden Baden, 2004, S. 45.
17
Da diese genau bestimmte Form des Krieges nur während einer kurzen Zeitspanne der Menschheitsgeschichte zu beobachten war (Anfang 18. Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts), ist meines Erachtens der Begriff „alter Krieg“ verfehlt und der Begriff „klassischer Krieg“ ein besserer. Klassisch im Sinne von „typisch“ und „bezeichnend“, denn gerade in unserer abendländischen Kultur sind die Vorstellungen vom Krieg unweigerlich mit dem gewaltsamen Aufeinandertreffen zweier Heere auf dem Schlachtfeld bestimmt.
1.2 Der neue Krieg
Herfried Münkler verortet den Beginn der neuen Kriege in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Der Zweite Weltkrieg war vorbei, die Vereinten Nationen wurden gegründet und einige Jahre später standen sich die großen Blöcke Ost und West im Kalten Krieg gegenüber. Aktiv und heiß geführt wurden jedoch asymmetrische Stellvertreterkriege auf dem Gebiet eines Drittstaates. 15 Genau wie die neuen Kriege von den alten Kriegen abgegrenzt werden müssen, so muss die Asymmetrie von der Symmetrie abgegrenzt werden. Laut Duden ist die „Symmetrie“ eine Übereinstimmung und die griechische Wortbedeutung meint „Ebenmaß“. Insofern ist die Asymmetrie das Gegenteil: eine nicht symmetrische Relation, gekennzeichnet durch das Fehlen von Verhältnissen und Proportionen. 16 Auf den Krieg bezogen kennzeichnet diese Relation das Verhältnis von einer Kriegspartei zu einer anderen, unter anderem ausgedrückt in den Punkten: 17 - Ungleichgewicht der Kräfte, - unterschiedliche Entschlossenheit, - unterschiedliche Legitimation, - Diskrepanz der Methoden und - Qualität der eingesetzten Mittel.
15 als Beispiel seien hier der Koreakrieg (1950-1953), der Vietnamkrieg (1964-1975), der Sechs-Tage-Krieg (1967) und der Afghanistankrieg (1979-1989) genannt
16 Mongini, Claudia: Ursprünge der Asymmetrie in der Antike - Archimedes als paradigmatisches Beispiel, In: Schröfl, Josef; Pankratz, Thomas (Hrsg.): Asymmetrische Kriegführung - ein neues Phänomen der Internationalen Politik?. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden Baden, 2004, S. 15.
17 Lohmann, Klaus-Peter: Zur Entwicklung der modernen Kriegführung - Grundlegende Asymmetrien und eine mögliche Strategie, In: Schröfl, Josef; Pankratz, Thomas (Hrsg.): Asymmetrische Kriegführung - ein neues Phänomen der Internationalen Politik?. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden Baden, 2004, S. 62.
18
In einem symmetrischen Verhältnis ist dieses Kräfteverhältnis in etwa gleich oder In einem symmetrischen Verhältnis dieses Kräfteverhältnis in etwa gleich oder angepasst. In einem asymmetrischen In einem asymmetrischen Verhältnis gibt es eine starke Kriegspartei und eine starke Kriegspartei und eine schwache Kriegspartei. Die starke Kriegspartei w eine schwache Kriegspartei. Die starke Kriegspartei wird durch ihre Überlegenheit durch ihre Überlegenheit mehr Macht besitzen als die kleine Kriegspartei. mehr Macht besitzen als die kleine Kriegspartei. Wenn eine starke Partei und einenn eine starke Partei und eine
schwache Partei in einem dadurch asymmetrischen Krieg aufeinan schwache Partei in einem dadurch asymmetrischen Krieg aufeinandertreffen, dertreffen, ist
anzunehmen, dass die Partei mit mehr Macht den Krieg gewinnt und die Partei mit die Partei mit mehr Macht den Krieg gewinnt und die Partei mit die Partei mit mehr Macht den Krieg gewinnt und die Partei mit weniger Macht den Krieg verliert. 18 Doch so ist es nicht. Nicht in der Art von neuen weniger Macht den Krieg verliert. icht in der Art von neuen
Kriegen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf der globalen Landkart Kriegen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf der globalen Landkart Kriegen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf der globalen Landkarte zu verorten sind. Konnten sich in der Zeit von 1800 bis 1849 die starken Parteien in verorten sind. Konnten sich in der Zeit von 1800 bis 1849 die starken Parteien in verorten sind. Konnten sich in der Zeit von 1800 bis 1849 die starken Parteien in etwa 90 % der Fälle als Sieger bezeichnen, so glich sich dieses Verhältnis in den % der Fälle als Sieger bezeichnen, so glich sich dieses Verhältnis in den % der Fälle als Sieger bezeichnen, so glich sich dieses Verhältnis in den folgenden Jahren immer mehr an. Von 1950 bis 1999 gewannen die starken Akteure folgenden Jahren immer mehr an. Von 1950 bis 1999 gewannen die starken Akteure folgenden Jahren immer mehr an. Von 1950 bis 1999 gewannen die starken Akteure nur noch knapp 50 % der Kriege. Das Verhältnis war damit ausgeglichen. Nach 1945 % der Kriege. Das Verhältnis war damit ausgeglichen. Nach 1945 % der Kriege. Das Verhältnis war damit ausgeglichen. Nach 1945 waren von allen Kriegen weltweit nur noch etwa ein Drittel Staatenkriege im waren von allen Kriegen weltweit nur noch etwa ein Drittel Staatenkriege im waren von allen Kriegen weltweit nur noch etwa ein Drittel Staatenkriege im klassischen Sinn. 19 Etwa 150 Kriege im 20. Jahrhundert konnten als asymmetrisch Etwa 150 Kriege im 20. Jahrhundert konnten als asymmetrisch Etwa 150 Kriege im 20. Jahrhundert konnten als asymmetrisch bezeichnet werden. Davon wa bezeichnet werden. Davon war in etwa 50 Fällen die schwächere Partei die r in etwa 50 Fällen die schwächere Partei die siegreiche. 20
Tabelle 1.1. - Prozentsatz der Siege in bewaffneten Konflikten nach Art des Akteurs
(schwacher und starker Akteur)
University-Press, New York, 2005, S. 2. Press, New York, 2005, S. 2.
19 Schröfl, Pankratz: S. 10.
20 Geyer, Georg: Zündschnur Asymmetrie Geyer, Georg: Zündschnur Asymmetrie - Grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von
Politik, Massenkommunikation und Gesellschaft im asymmetrischen Konflikt, In: Schröfl, Josef; k, Massenkommunikation und Gesellschaft im asymmetrischen Konflikt, In: Schröfl, Josef; k, Massenkommunikation und Gesellschaft im asymmetrischen Konflikt, In: Schröfl, Josef; Pankratz, Thomas (Hrsg.): Asymmetrische Kriegführung Pankratz, Thomas (Hrsg.): Asymmetrische Kriegführung - ein neues Phänomen der Internationalen ein neues Phänomen der Internationalen Politik?. Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden Baden, 2004, S. 283. Verlagsgesellschaft, Baden Baden, 2004, S. 283.
19
So ist in Abb. 1 zu sehen
Kräftemäßig sehr unterschiedlich ausgestattete Kriegsparteien sind kein rein gegenwärtiges Phänomen. Bereits in der Bibel gibt es die berühmt gewordene Geschichte vom Jüngling David, der nur mit einer Steinschleuder bewaffnet gegen den riesigen Philisterkrieger Goliath angeht und diesen Kampf durch Schnelligkeit und Klugheit gewinnt. 21 Ein weiterer asymmetrisch ausgetragener Konflikt war der Aufstand der Makkabäer gegen die seleukidische Herrschaft (165 v. Chr. - 63 v. Chr.). Asymmetrische Kriege sind also keinesfalls als Ausnahme des 20. Jahrhunderts anzusehen. 22
Doch warum hat sich gerade in Zeiten hochgerüsteter Armeen das Verhältnis zwischen Sieg und Niederlage, zwischen starken und schwachen Kriegsparteien so sehr verkehrt? Wie kann eine in materieller Hinsicht eindeutig unterlegene Kriegspartei gegen eine High-Tech-Armee gewinnen?
Zur Zeit der Staatenkriege waren der Sieg der einen und die Niederlage der anderen Kriegspartei durch gewisse Regeln festgehalten. So beschrieb von Clausewitz, dass es Ziel des Krieges sei, den Gegner wehrlos zu machen. 23 War dieser wehrlos, konnte er sich nun entweder aufreiben lassen oder sich ergeben. Der Krieg war durch den formellen Akt eines Friedensvertrages abgeschlossen. Die eine Seite hatte gesiegt und die andere Seite hatte verloren.
Im Zeitalter der neuen Kriege sind nicht mehr allein die Staaten die Monopolisten von Gewalt und Konflikten. Es treten immer mehr private Akteure auf. Zu diesen Akteuren zählen lokale Warlords, Guerillagruppen, Söldnerfirmen oder ganze Terrornetzwerke. 24 Die Armeen dieser Akteure können paramilitärische Gruppen, ausländische Söldner oder Selbstverteidigungseinheiten sein. 25 Im Kräftevergleich haben die privaten Akteure, die losen Verbände ohne Staatscharakter, einen Macht-und Kräftenachteil gegenüber den staatlichen Verbänden, hinter denen ein Staatsvolk, ein Staatsgebiet und eine Staatsgewalt steht. 26
21 1 Samuel 17
22 Schröfl, Pankratz: S. 10.
23 von Clausewitz: S. 14.
24 Münkler: S. 7.
25 Kaldor: S. 147.
26 Buciak, Sebastian: Ghosts of War - Geister des Krieges, In: Buciak, Sebastian (Hrsg.): Asymmetrische Konflikte im Spiegel der Zeit. Verlag Dr. Köster, Berlin, 2008, S. 17.
20
Die beiden Kriegsparteien stehen sich nicht mehr auf einem Feld, Mann gegen Mann, gegenüber. Zum Schlachtfeld ist der ganze Globus erklärt worden. Ziel der neuen Kampfhandlungen ist nicht mehr der militärische Geländegewinn, sondern vor allem die Erlangung von Kontrolle über „hearts and minds“ der Zivilbevölkerung. 27 Dies geschieht heutzutage vor allem mit Hilfe der Medien. Kaum zeitverzögert kann sich der Nutzer von Internet, Fernsehen und Mobiltelefon live in das Kriegsgeschehen beamen. Attacken von ferngesteuerten Drohnen und Raketen können live, bei Chips und Popcorn, in das Wohnzimmer übertragen werden. Der Krieg wird zum Actionfilm und Terrorattacken à la 9/11 zum Happening einer sensationsgierigen Gesellschaft. Beide Seiten, die starke wie die schwache, wissen über die Macht der Fernsehbilder und nutzen diese für ihre Zwecke. Während des Irakfeldzuges der Amerikaner 2003 durften sogenannte „embedded journalists“ mit den regulären Streitkräften mitfahren und brachten durch ihre Berichterstattung den Krieg in das Wohnzimmer. Mit dieser Art der Berichterstattung konnten die Amerikaner eine bessere Kontrolle über die Medien ausüben und damit verlor die Kriegsberichterstattung einen Großteil ihrer Objektivität. 28 Auch Al-Kaida versteht es, die Medien für sich zu nutzen. So gelangen deren spektakuläre Aktionen fast ohne Zeitverzug auf die heimischen Bildschirme und verbreiteten durch effektheischende Berichterstattung die gewünschte Panik unter der Bevölkerung. Der Ruf nach strengeren Sicherheitsmaßnahmen wird lauter, die Verunsicherung wächst und das Ziel der Terroristen ist erreicht. Diese indirekte Art der Kriegführung ist das Erfolgsrezept der schwachen Kriegsakteure. In direkter Konfrontation würden diese im Angesicht einer stärkeren Macht verlieren. Kennen sie jedoch die Strategie des Gegners, können sich die schwachen Kräfte auf eine passende Gegenstrategie vorbereiten. Abbildung 1.1 zeigt, dass die besten Chancen auf einen Sieg der schwachen Akteure dann bestehen, wenn sie eine vom starken Akteur entgegengesetzte Kriegsstrategie anwenden.
27 Kaldor: S. 154.
28 http://www.sgipt.org/politpsy/krieg/medien/embedd.htm (25.03.2010)
21
Arbeit zitieren:
Sebastian Prignitz, 2010, Ist der Krieg in Afghanistan, der von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten seit dem Herbst 2001 geführt wird, gerecht?, München, GRIN Verlag GmbH
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