Anpassungsmechanismus des Wechselkurses bei nach der neoklassischen Zinssatz- und Kaufkraftparitätentheorie
Wechselkurse verändern sich fortlaufend. Um auf die
Anpassungsmechanismen eines Wechselkurses nach der neoklassischen Zinssatz- und Kaufkraftparitätentheorie näher einzugehen, ist es wichtig beide Begrifflichkeiten eingehend zu betrachten.
Nach David Ricardo, einem britischen Ökonom und später Gustav Cassel, einem Professor der Volkswirtschaft, umfasst die Kaufkraftparitätentheorie, die auf der Quantitätstheorie des Geldes gründet, als Kerngedanken, dass der nominelle Wechselkurs zwischen zwei Ländern, bei feststehendem realen Wechselkurs, über das Verhältnis des nationalen Preisniveaus definiert ist. Dabei werden sowohl internationale Kapitalströme, als auch das Eingreifen der Zentralbanken auf dem Devisenmarkt außer Betracht genommen. 1
Die Kaufkraftparitätentheorie lässt sich aus zweierlei Sichten interpretieren, absolut und relativ. Absolut betrachtet besagt die Kaufkraftparitätentheorie, dass ein Gut weltweit, durch die Angleichung der Wechselkurse zwischen den Ländern, zum gleichen Preis erhältlich ist. Relativ gesehen wird angenommen, dass durch die Anpassung von Wechselkursen Preisniveauunterschiede zwischen den Volkswirtschaften ausgeglichen werden sollen. Steigt also das Preisniveau in Land A bei einem gleichbleibenden Preisniveau in Land B, so hat das zur Folge, dass durch die gestiegenen Preise in Land A mehr Güter aus Land B nachgefragt werden. Folglich nehmen Importe zu und Exporte ab, was eine gesteigerte Nachfrage nach Zahlungsmitteln von Land B nach sich zieht und das Verhältnis zwischen Devisenangebot und - nachfrage aus dem Gleichgewicht bringt. Es muss eine nominelle Abwertung der Währung von Land A erfolgen bis der Preisniveauunterschied ausgeglichen ist, um die Wettbewerbsfähigkeit auf dem internationalen Markt zu wahren. 2 Dabei ist die
1 Vlg. Prof. Dr. Michael Heine, Prof. Dr. Hansjörg Herr: „Volkswirtschaftslehre“, 3. Auflage, Oldenbourg Verlag München Wien, S.650
2 Vlg. Prof. Dr. Michael Heine, Prof. Dr. Hansjörg Herr: „Volkswirtschaftslehre“, 3. Auflage, Oldenbourg Verlag München Wien,S. 651 1
Balance erst wieder hergestellt, wenn der nominelle Wechselkurs im gleichen Verhältnis wie das Preisniveau von Land A gestiegen ist. Im Mittelpunkt der Kaufkraftparitätentheorie steht der enge Zusammenhang zwischen Preisniveauschwankungen und Schwankungen der im Umlauf befindlichen Geldmenge. Erhöht sich die Geldmenge in Land A bei gleichbleibender Menge in Land B, resultiert daraus eine Abwertung der Währung des betreffenden Landes. Somit wird der nominelle Wechselkurs nach der Kaufkraftparitätentheorie durch die Relation der Geldmenge zwischen Inland und Ausland, in diesem Beispiel Land A und B.
Als „Ergänzung“ der Kaufkraftparitätentheorie geht man bei der Zinssatzparitätentheorie von einer Wirtschaftswelt, die von internationalen Kapitalströmen beeinflusst wird, aus. Ausgehend von der oben genannten Situation, bei der sich sowohl Land A, als auch Land B unmittelbar den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen anpassen, ergänzt Rüdiger Dornbusch, ein deutsch- amerikanischer Ökonom, die ungleiche Anpassungsgeschwindigkeit auf den Vermögens- und Gütermärkten. Dornbusch geht davon aus, dass während der Gütermarkt sich nur allmählich den veränderten Bedingungen anpasst, der Finanzmarkt unmittelbar auf die Veränderung eingeht und die Zinselastizität grenzüberschreitender Kapitalbewegungen rasant ansteigt. 3 Um noch einmal auf das Beispiel zurückzukommen. Wenn sich die Geldmenge in Land A erhöht, hat das eine Erhöhung des nominellen Wechselkurses zur Folge. Da der Gütermarkt die Preise nur langsam angleicht, ist in Land A eine erhöhte nominale Geldmenge im Umlauf. Dies führt dazu, dass bei gleichbleibenden Preisen und einer nominal erhöhten Geldmenge, sich die Geldmenge real ebenso erhöht. Aus dem Angebotsüberschuss auf dem Geldmarkt resultiert ein Rückgang des Zinssatzes. Folglich steigen die Investitionen in eine besser verzinste Währung und die Nachfrage nach der niedrig verzinsten Eigenwährung sinkt. Um nun ein Gleichgewicht zwischen realer Geldmenge und dem Preisniveau wieder
3 Vlg. Prof. Dr. Michael Heine, Prof. Dr. Hansjörg Herr: „Volkswirtschaftslehre“, 3. Auflage, Oldenbourg Verlag München Wien, S. 652 2
herzustellen, wird dieses in Land A ansteigen. Dies reduziert natürlicherweise die reale Geldmenge und lässt den Zinssatz erneut ansteigen. Eine Währungsaufwertung ist eine zwangsläufige Folge dieses Prozesses. Erwartungsgemäß ist dieses wirtschaftliche Ungleichgewicht aufgehoben, wenn der Wechselkurs der Währung von Land A sinkt, das Preisniveau gestiegen und somit angepasst und der Zinssatz seinen Ausgangswert erreicht hat.
Kurz- bis mittelfristiges Versagen der Zinssatz- und
Kaufkraftparitätentheorie
Im vorangehenden Abschnitt wurde der Zusammenhang zwischen Wechselkursschwankungen und den Anpassungsungleichheiten auf den Güter-und Finanzmärkten erläutert. Der Entwurf von Dornbusch zur Erklärung von Wechselkursbewegungen zeigt ein kurz- bis mittelfristiges Versagen, da zinsgesteuerte Kapitalflüsse international dem neoklassischen Kerngedanken von der Neutralität des Geldes gegenüberstehen. 4 Es besteht allerdings die Annahme, dass bei rationalem Wissen aller Wirtschaftsakteure über das Gleichgewichtsniveau der Wechselkurse nicht unbedingt von Anpassungsungleichheiten auf den verschiedenen Märkten ausgegangen werden muss, sondern die Wirtschaft bei gleichen Erwartungen und identischem Wissen aller Wirtschaftssubjekte sich sofort an ein neues Gleichgewichtsniveau anpassen würden.
Zusammenfassung
Wechselkursschwankungen bei Volkswirtschaften mit flexiblen Wechselkursen basieren, im Großen und Ganzen, auf Angebot und Nachfrage, wohingegen die
4 Vgl. Prof. Dr. Michael Heine, Prof. Dr. Hansjörg Herr: „Volkswirtschaftslehre“, 3. Auflage, Oldenbourg Verlag München Wien, S. 653 3
Arbeit zitieren:
Lia Posch, 2010, Anpassungsmechanismus des Wechselkurses, München, GRIN Verlag GmbH
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