Ludwig-Maximilians-Universität München Institut für Bayrische Geschichte Proseminar: Kaiser Karl IV. und seine Zeit, SS 2003
Die Territorialpolitik der Habsburger im Mittelalter
INHALTSVERZEICHNIS Seite
A EINLEITUNG 3
B DIE TERRITORIALPOLITIK DER HABSBURGER IM MITTELALTER 4
1. Die Anfänge
2. Przemysl Ottokar II. von Böhmen und die Sicherung der österreichischen Länder 4
a) Die Vision von der schwäbischen Herrschaft
b) Der Kampf gegen Przemysl Ottokar II. von Böhmen 5
3. Der Urvater der Habsburger - König Rudolf I. 6
4. Die Dynastie im Aufwind 6
a) Einbindung der östlichen Gebiete
b) Streit um Ungarn und Böhmen 7
c) Die „Umklammerungstaktik“ Albrechts I. 7
5. Ausschluss vom Königtum 8
a) Böhmen und der Wettstreit mit den Luxemburgern
b) Die Niederlage gegen die Eidgenossen 8
6. Albrecht II. - Annäherung an das römisch-deutsche Königtum 9
a) Zusammenrücken der habsburgischen Länder
b) Kärnten und Tirol 9
7. Machtkonsolidierung unter Rudolf IV. dem Stifter 10
a) Die Erzherzogswürde und die Fälschung des Privilegium maius 1358/59
b) Gründung der Universität in Wien 11
c) Änderung der Prioritäten 11
8. Albrecht V. - ein König vor großen Aufgaben 12
a) Teilung der habsburgischen Länder
b) Probleme 12
9. Friedrich III. 13
a) Vormundschaft und Wiedervereinigungskämpfe
b) Zeitweiliger Verlust von Ungarn und Böhmen 13
10. Maximilian I. - der Begründer des habsburgischen Großreichs 14
a) Das Haus Habsburg und Burgund
b) Probleme im Osten 14
c) Schwerpunktverlagerung in den Westen und europäisches Großreich 15
11. Ausblick in die Neuzeit 15
C RESÜMEE 16
D LITERATURVERZEICHNIS 17
2
B DIE TERRITORIALPOLITIK DER HABSBURGER IM MITTELALTER
1. Die Anfänge
Die um 1020 erbaute „Habichtsburg“ (Habsburg), die der Dynastie ihren Namen gab, liegt heute noch im Schweizer Kanton Aargau zwischen Wildegg und Brunegg. 1 Sie ist weder architektonisch beeindruckend noch sonderlich groß, denn die alemannischen Habsburger waren im elften Jahrhundert lediglich kleine Territorialherzöge, deren Stammländer im Elsaß, im Breisgau um Freiburg und in der Schweiz im Thurgau, Aargau und Sundgau lagen. 2
Die Habsburger legten dennoch schon seit frühester Zeit Wert auf ihre erhabene Abstammung, und jeder Erbe wurde in dem Bewusstsein erzogen, einer glanzvollen Dynastie anzugehören. Später wurde die Anspruchshaltung der Habsburger auf das Königtum dadurch legitimiert, dass man sich auf die römische Patrizierfamilie der Colonna zurückführte, die sich auf Julius Cäsar gründete. Die Habsburger des 14. und 15. Jahrhunderts glaubten fest an diese Abstammung. Später kamen noch weitere Theorien auf: Die Habsburger stammten eine Weile offiziell von der römischen Familie der Pierleoni ab, die einige Päpste hervorgebracht hatte, dann wiederum wurde verbreitet, dass die Habsburger über die Franken direkt mit den Helden von Troja verwandt seien. Keine dieser Theorien lässt sich nach dem heutigen Stand der Forschung bestätigen. 3
a) Die Vision von der schwäbischen Herrschaft
Die Grafen von Habsburg träumten seit jeher von einem geschlossenen Herzogtum Schwaben. Auch Rudolf I. hatte dieses Ziel vor Augen, als er 1273 von den sieben Kurfürsten zum ersten habsburgischen König des römisch-deutschen Reiches gewählt wurde. 4
Als Wahlversprechen hatte er den Kurfürsten allerdings zugesagt, dass sie die Ländereien behalten dürften, die sie sich während der Zeit des Interregnums zu eigen gemacht hatten. Durch diese herben Verluste im Westen war an eine Ausdehnung in
1 Hödl, Günther: Habsburg und Österreich 1273-1493. Gestalten und Gestalt des österreichischen Spätmittelalters, Wien, Köln, Graz 1988, S. 19.
2 Wandruszka, Adam: Das Haus Habsburg. Die Geschichte einer europäischen Dynastie, Wien, Freiburg, Basel ²1978, S. 37.
3 Ders.: S. 31.
4 Ders.: S. 58.
4
Süddeutschland nicht mehr zu denken. Rudolf musste sich um Ausgleich bemühen und wandte sich Richtung Osten. 5
Der Traum vom einem Herzogtum Schwaben unter habsburgischer Führung setzte sich in den Köpfen der Nachfolger Rudolfs noch lange Zeit fort, doch trotz mehrfacher Versuche, eine territoriale Einheit zu schaffen, sollte es nie soweit kommen. 6
b) Der Kampf gegen Przemysl Ottokar II. von Böhmen
1246 starben die in Österreich und der Steiermark ansässigen Babenberger aus. Der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. stand zu diesem Zeitpunkt unter Kirchenbann und konnte seine heimgefallenen Lehen nicht selbst verteidigen. Als sich nach langem Hin und Her kein Nachfolger fand, zog schließlich der Sohn König Wenzels I. von Böhmen, Przemysl Ottokar, 1251 ins Land und wurde von den Ständen ohne größere Probleme anerkannt. 7 1253 folgte Ottokar seinem Vater Wenzel auch als König von Böhmen nach. Sein nächstes Ziel war die Krone des römisch-deutschen Reiches, die ihm die Herrschaft über den größten Teil Mitteleuropas gesichert hätte. 1273 wurde jedoch auf Drängen des Papstes, der keinen Slaven - und noch dazu einen so mächtigen - auf dem deutschen Thron haben wollte, Graf Rudolf IV. von Habsburg zur Wahl vorgeschlagen. Die Kurfürsten stimmten zu und Rudolf I. wurde zum ersten habsburgischen Rex Romanorum. Hintergrund für die einstimmige Wahl war auch, dass die Kurfürsten sich von ihm die Heimholung der von den Böhmen annektierten babenbergischen Länder ins Reich erhofften. Ottokar von Böhmen wurde auf einen Hoftag vorgeladen, zu dem er aber nicht erschien. Seine Reichslehen Böhmen und Mähren wurden ihm daraufhin von Rudolf aberkannt. Auch Österreich und die Steiermark fielen heim. Nach weiteren Streitigkeiten wurde 1275 schließlich die Reichsacht über Ottokar verhängt. 8
Ottokar willigte in einen ersten Waffenstillstand ein und wurde wieder mit Böhmen und Mähren belehnt, was ihn allerdings nicht daran hinderte, weiterhin Ränke zu schmieden. 1278 kam es zur Entscheidungsschlacht auf dem Marchfeld, bei der Rudolf nur knapp siegte und Ottokar von Böhmen umkam. Ottokars Sohn Wenzel II. erhielt von Rudolf nur die böhmischen Erblande als Lehen verliehen. 9
Mit der Marchfeldschlacht war der Grundstein für die spätere Donaumonarchie der Habsburger gelegt, auch wenn noch einige Jahrhunderte vergehen sollten, bis unter den
5 Hödl: Habsburg, S. 20.
6 Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III., Stuttgart, Berlin, Köln 1994, S. 57.
7 Lhothsky, Alphons: Geschichte Österreichs seit der Mitte des 13. Jh. (1281-1358), (=Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte Österreichs, Bd. 2), Wien 1967, S. 13.
8 Hödl: Habsburg, S. 23-25.
9 Wandruszka: Haus Habsburg, S. 62.
5
Arbeit zitieren:
M.A. Ellen Stickel, 2003, Territorialpolitik der Habsburger im Mittelalter, München, GRIN Verlag GmbH
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