Inhaltsverzeichnis
Abstract 3
Einleitung 3
1. Robert Cialdinis Psychologie des Überzeugens 4
1.1 Sympathie 5
1.2 Reziprozität 6
1.3 Commitment und Konsistenz 7
1.4 Soziale Bewährtheit 9
1.5 Autorität 10
1.6 Knappheit 11
2. Giacomo Casanova 13
2.1 Sein Leben 13
2.2 Seine Memoiren 15
3. Analyse von 3 Episoden aus Casanovas Memoiren 16
3.1 Die Flucht aus den Bleikammern 16
3.1.1 Inhalt 16
3.1.2 Sympathie 17
3.1.3 Reziprozität 18
3.1.4 Commitment und Konsistenz 19
3.1.5 Soziale Bewährtheit 20
3.1.6 Autorität 21
3.1.7 Knappheit 21
3.1.8 Durch die Angst gelähmt 21
3.2 Helene und Hedwig 22
3.2.1 Inhalt 22
3.2.2 Analyse 24
3.3 Madame d’Urfé 27
3.3.1 Inhalt 27
3.3.2 Analyse 28
Zusammenfassung der Analyse 32
4. Diskussion 33
4.1 Casanova und Cialdini 33
4.2 Casanovas Anfälligkeit auf die Waffen der Einflussnahme 35
4.3 Was wir von Casanova lernen können 36
Literaturverzeichnis 37
Anhang 38
Das Codier-Schema 38
Weiterführende Literatur von Robert Cialdini 40
2
Abstract
Sämtlichen Entscheidungen, die wir treffen, liegt Beeinflussung zugrunde. Es stellt sich daher die Frage, welche psychologischen Prinzipien für Beeinflussung verantwortlich zu machen sind, und inwiefern wir von diesem Wissen profitieren können. Daher wurden in dieser Arbeit sechs Einflussfaktoren des Psychologen Robert Cialdini dahingehend überprüft ob sie ihrem Anspruch auf Universalität und Vollständigkeit gerecht werden: Sympathie, Reziprozität, Commitment/Konsistenz, Soziale Bewährtheit, Autorität und Knappheit. Für die Analyse wurden die Memoiren des italienischen Abenteurers Giacomo Casanova herangezogen, da er auf besonders vielfältige Art und Weise Einfluss auf seine Mitmenschen nahm und seine Aufzeichnungen historische Gültigkeit besitzen. Das Ergebnis: Tatsächlich finden alle Faktoren bei der Zielverwirklichung von Casanova Anwendung, müssen allerdings teilweise noch ergänzt werden. So wird beispielsweise der Faktor «Sympathie» von Cialdini nicht ausreichend erläutert und in nur sechs verschiedene Komponenten aufgeteilt.
Es wird damit belegt, dass uns ein Bewusstsein über lediglich sechs Einflussfaktoren ermöglicht, einen Großteil der Beeinflussungsstrategien, die auf uns wirken, nachvollziehen zu können und zu enttarnen, sowie sie im Alltag selber anwenden zu können.
Einleitung
„Ich habe die Freiheit stets mehr geliebt als das Leben“ war das Lebensmotto des Abenteurers Giacomo Casanova, der heute nur noch für seine amourösen Abenteuer bekannt ist. Tatsächlich jedoch war sein Leben von etwas ganz anderem geprägt: seiner nie enden wollenden Abenteuerlust und seiner Rastlosigkeit. Nicht einmal in seiner Heimatstadt Venedig hielt es ihn lange, ständig war er auf Reisen durch Europa, stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Bemerkenswert war dabei, wie schnell er Anschluss zum Adel und zu wichtigen Staatsfunktionären fand obwohl er aus bescheidenen Verhältnissen stammte. Zudem gelang es ihm ständig aus Gefahrensituationen zu entkommen, wie seine Flucht aus den Bleikammern Venedigs eindrucksvoll belegt.
Offensichtlich war Casanova besonders geschickt im Umgang mit Menschen, insbesondere darin, sie zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Casanova die Beeinflussungsstrategien anwandte, die der Psychologe Robert Cialdini in seinem Werk «Die Psychologie des Überzeugens» beschreibt, in welchem er die sechs «Waffen der Einflussnahme» erläutert. Diese «Waffen» sind psychologische Prinzipien, die sich Verkaufsstrategen zunutze machen um potenzielle Kunden zum Produktkauf anzuregen. Eines dieser Prinzipien beschreibt beispielsweise, dass der Mensch das Verlangen hat, sich konsistent zu verhalten, sprich zu seinen Entscheidungen zu stehen und sich and seinem vorherigen Verhalten zu orientieren. Dieses Prinzip machen sich Verkaufsprofis zunutze indem sie Produkte, wie beispielsweise ein Auto, kostenlos testen lassen und der Kunde dazugehörige Formulare ausfüllen muss. Durch diese intensive Beschäftigung mit dem Produkt steigt daraufhin die Bereitschaft es auch zu erwerben, begünstigt durch das Konsistenzprinzip. Um herauszufinden, ob Casanova sich die von Cialdini beschriebenen Beeinflussungsprinzipien zunutze machte, werden einzelne Episoden aus dem Leben des Abenteurers analysiert. Grundlage hierfür sind Casanovas Memoiren «Geschichte meines Lebens», in welchen er sein Leben sehr detailreich beschreibt, insbesondere die Begegnungen mit den Menschen, die seinen Alltag geprägt haben.
Am Ende soll die Frage beantworten werden, ob die sechs Waffen der Einflussnahme nicht nur von den Werbestrategen der heutigen Zeit benutzt werden, sondern auch in Casanovas
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Abenteuern Einsatz gefunden haben. So soll auf der einen Seite untersucht werden, inwiefern diese Einflussfaktoren auch außerhalb von Verkaufssituationen ihre Wirkung entfalten können. Auf der anderen Seite soll herausgefunden werden, ob sechs Faktoren tatsächlich ausreichen, um sämtliche Beeinflussungsstrategien, die auf uns wirken, zusammenzufassen.
1. Robert Cialdinis Psychologie des Überzeugens
Robert B. Cialdini (geb. 1945) ist ein amerikanischer Psychologe, der sich besonders auf dem Gebiet der Beeinflussungsstrategien in Verkaufssituationen einen Namen gemacht hat. Derzeitig ist er Professor für Psychologie an der Arizona State University in den USA (Cialdini, 2010, S. 9). Bekannt wurde er mit seinen Werk »Influence«, das auf Deutsch den Titel «Die Psychologie des Überzeugens» trägt. Darin beschreibt Cialdini die grundlegenden Faktoren, mit welchen sich Menschen zu Handlungen jedweder Art überzeugen lassen. Diese Faktoren, die er «Waffen der Einflussnahme» nennt, ermittelte er, indem er sich in die Welt von Marketingfachleuten und Verkaufsstrategen begab, um dort sowohl inkognito als auch mit wissenschaftlichen Methoden herauszufinden, welche Prinzipien der Manipulation am stärksten wirken und am häufigsten zur Geltung kommen.
Auf Basis seiner mehrjährigen Recherche kam Cialdini zu folgendem Ergebnis: „Zwar gibt es tausende unterschiedlicher Taktiken, die Überzeugungsstrategen einsetzen, um unsere Zustimmung zu gewinnen, sie lassen sich aber in ihrer Mehrheit einer von sechs Grundkategorien zuordnen. Jede dieser Kategorien beruht auf einem grundlegenden psychologischen Prinzip, das einen entscheidenden Einfluss auf menschliches Verhalten hat und damit die Wirksamkeit der Taktik ausmacht“ (Cialdini, 2010, S. 17).
Diese Taktiken machen sich zunutze, dass der Mensch Gewohnheiten entwickelt hat, die ihm dabei helfen, den Umgang mit dem Überfluss an Entscheidungen zu meistern, die es im Alltag zu treffen gilt. Cialdini benennt seine Waffen der Einflussnahme nach diesen Gewohnheiten. Die sechs Waffen der Einflussnahme im Überblick:
• Sympathie
Menschen vertrauen denjenigen mehr, die sie sympathisch finden, selbst wenn diese ihnen nicht vertraut sind.
• Reziprozität (Gegenseitigkeit)
Wenn einem Menschen ein Gefallen getan wurde, strebt er danach „die Rechnung zu begleichen“ und einen Gefallen zu erwidern.
• Commitment und Konsistenz
Der Mensch orientiert sich an seinem vorherigen Handeln. Das bedeutet, dass er stets versucht, die Entscheidungen, die er trifft in Einklang mit vorherigen Entscheidungen zu bringen.
• Soziale Bewährtheit
Der Mensch orientiert sich in seinem Verhalten gerne an dem Verhalten anderer nach der Faustregel: „Wenn es die anderen tun, dann wird es schon richtig sein“.
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• Autorität
Menschen vertrauen denjenigen mehr, die sie als autoritär betrachten.
• Knappheit
Menschen betrachten Dinge und Informationen als wertvoller, wenn sie nur beschränkten Zugang zu ihnen haben.
Im Folgenden werden diese Faktoren näher erläutert, so wie sie Cialdini in der 6. Auflage seines Werks «Die Psychologie des Überzeugens» beschreibt.
1.1 Sympathie
vgl. Cialdini, 2010, S. 216-260.
Wie sympathisch wir jemanden finden, hat einen großen Einfluss darauf, inwiefern sich unsere Entscheidungen von ihm beeinflussen lassen. So reicht es beispielsweise oft, uns zu einem Produktkauf zu überzeugen, nur weil das Produkt uns von einem Freund empfohlen wurde. Jedoch müssen wir mit jemand nicht eng vertraut sein, um ihn sympathisch zu finden. So ist ein Faktor, der sehr stark beeinflusst, wie sympathisch wir andere empfinden, die physische Attraktivität. Attraktive Menschen schätzen wir automatisch als intelligenter ein und leisten ihnen in Notsituationen eher Hilfe. Auffällig ist auch, dass attraktive Menschen tendenziell mehr Gehalt bekommen und vor Gericht mit geringeren Strafen zu rechnen haben.
Ein weiterer Faktor, der die Sympathiewahrnehmung beeinflusst, ist Ähnlichkeit. So zeigte es sich, dass Studenten, die um ein 10-Cent-Stück zum Telefonieren baten, die Münze mit größerer Wahrscheinlichkeit bekamen, wenn sie Studenten mit ähnlicher Kleidung darum baten. Noch stärker lassen wir uns beeinflussen, wenn uns Komplimente gemacht werden. Selbst wenn uns bewusst ist, dass derjenige, der uns schmeichelt, unter Umständen kommerzielle Absichten damit verfolgt, reagieren wir dennoch positiv darauf.
Auch Vertrautheit und Kooperationsbereitschaft lassen Menschen sympathischer erscheinen. Wenn wir jemanden häufiger sehen, mögen wir ihn auch automatisch mehr. Zudem ließ sich anhand eines Experiments die Auswirkung von Kooperation unter Individuen demonstrieren. Wissenschaftler brachten in diesem Experiment Zeltgruppenmitglieder gegeneinander auf, indem sie diese in Gruppen aufteilten und rivalisierende Wettkämpfe austragen ließen. Die daraufhin aufkeimenden Feindschaften ließen sich einfach dadurch schlichten, indem die Gruppen dazu angehalten wurden, Problemstellungen im Kollektiv zu lösen. Diese Kooperationsaktivitäten allein lösten die Rivalität der Gruppen und führten sogar zu engen Freundschaften. „Die bloße Assoziation mit schlechten oder guten Dingen hat einen Einfluss darauf, wie beliebt wir bei anderen sind“ (Ebd., S. 242).
Diese Erfahrung müssen TV-Meteorologen des öfteren machen. Sie werden häufig wüst beschimpft, weil sie mit dem Wetter in Verbindung gebracht werden, das sie ja lediglich vorhersagen und nicht verursachen. Dieses Phänomen nennt sich Assoziationsprinzip. Die Werbeindustrie macht es sich zunutze, indem sie beispielsweise Prominente für ihre Produkte werben lässt. Auch wenn kein direkter Zusammenhang zwischen dem Prominenten und dem Produkt besteht, übertragen sich die Eigenschaften, die dem Prominenten zugeschrieben werden, auf das Produkt. Noch stärker wird dieser Effekt bei Sportfans deutlich, die sich klar zu ihrem Team bekennen, wenn es erfolgreich ist, und sich sogar damit identifizieren. Ist das Team allerdings nicht erfolgreich, versuchen sie, eine Assoziation zu dem sportlichen Misserfolg zu vermeiden Aus „«Wir» haben gewonnen“ wird „«Die» haben verloren.“
5
Zusammenfassung:
„Menschen haben eine höhere Bereitschaft, sich von jemandem überzeugen zu lassen, den sie kennen und sympathisch finden.“ (Ebd., S. 258). Mehrere Faktoren haben in diesem Zusammenhang Einfluss auf den Grad der Sympathie:
• Attraktivität
• Ähnlichkeit
• Komplimente
• Vertrautheit
• Kooperationsbereitschaft
1.2 Reziprozität
vgl. Cialdini, 2010, S. 43-89.
Die Reziprozitätsregel besagt, „...dass wir darum bemüht sein sollen, anderen zurückzugeben, was wir von ihnen bekommen haben“ (Ebd., S. 44). Anders gesagt: Wenn uns jemand einen Gefallen tut, fühlen wir uns automatisch verpflichtet, einen Gefallen zurückzugeben. Diese Regel ist kulturübergreifend, was Cialdini anhand von folgendem Beispiel erläutert: Im Jahr 1985 spendete die äthiopische Regierung 5000 US-Dollar, um Mexiko nach einem Erdbeben-Unglück zu unterstützen. Auf den ersten Blick war dies eine schwer erklärbare Handlung, da Äthiopien zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte. Der Grund war aber ganz einfach die Tatsache, dass Mexiko Äthiopien während des 2. Weltkriegs unterstützt hatte. Somit hatte sich die äthiopische Regierung verpflichtet gefühlt, den Gefallen zurückzugeben, obwohl die eigene Lage dies eigentlich gar nicht erlaubte.
Interessant ist zudem, dass dieses Gefühl der Verpflichtung unabhängig davon ist, ob wir jemanden sympathisch finden oder nicht. So konnten die Anhänger der Hare-Krishna-Sekte ihre Spendeneinnahmen sehr stark erhöhen, indem sie Passanten einfach im Vorhinein kleine Geschenke aufzwangen. Vor dem Entdecken dieser Taktik waren die Spendenaufrufe vor allem deshalb erfolglos gewesen, weil das Auftreten der Sektenmitglieder in der Öffentlichkeit als unsympathisch empfunden worden war.
Zudem beschränkt sich die Reziprozitätsregel nicht nur auf die direkt betroffenen Geber und Nehmer. Auch Angehörige von jemandem, dem ein Gefallen getan wurde, sind von dem Gefühl betroffen, sich unbedingt revanchieren zu wollen, und sei es auch nur bei einem Angehörigen desjenigen, bei dem sie sich in der Schuld fühlen.
Inwiefern die Reziprozitätsregel auch über Umwege zum Ziel führen kann, erläutert Cialdini anhand eines Erlebnisses, das ihm selber widerfahren ist. So wurde er von einem jungen Pfadfinder gebeten, eine Eintrittskarte für 5 US-Dollar für eine Pfadfinder-Veranstaltung zu spenden. Nachdem Cialdini dieses Angebot abwies, bot der Junge ihm stattdessen zwei Schokoriegel für 2 US-Dollar an. Cialdini nahm das Angebot an, konnte sich aber hinterher zunächst diese Entscheidung nicht erklären, da er weder Schokoriegel mochte, noch das Bedürfnis hatte, die Pfadfinder zu unterstützen. Dieses Erlebnis ereignete jedoch sich vor seinen Forschungen auf dem Gebiet der Beeinflussungsstrategien. Mithilfe der Reziprozitätsregel lässt sich dieses Phänomen nun erklären. Durch das Abweichen auf ein anderes Angebot machte der Junge ein Zugeständnis, sprich er tat ihm einen Gefallen, was in Cialdini das Bedürfnis auslöste, ebenfalls ein Zugeständnis zu machen, in diesen Fall durch den Kauf eines eigentlich unerwünschten Produkts. Bemerkenswert dabei ist, dass der Junge (und damit der Nutznießer der Situation) durch das Zugeständnis den Manipulationsprozess als Erster in Gang gesetzt hatte
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und Cialdini daraufhin dem Gefühl etwas wieder gut machen zu müssen, nicht ausweichen konnte.
Dieses Prinzip nennt sich die «Tür-ins-Gesicht-Taktik». Sie funktioniert, indem jemand um etwas gebeten wird, das zuviel verlangt ist, und das er ziemlich sicher abschlagen wird. Dann erst wird die eigentliche Bitte vortragen, die dann mit hoher Wahrscheinlichkeit erfüllt wird. Diese Taktik funktioniert auch deswegen so gut, weil hierbei ein starker Kontrast entsteht. Wir vergleichen die beiden Bitten unbewusst miteinander und die zweite Bitte wirkt allein deswegen klein, weil wir sie mit der großen Bitte vergleichen.
Zusätzlich ist es so, dass wir einer Bitte, die uns mit Hilfe der Tür-ins-Gesicht-Taktik abgerungen wurde, eher ein weiteres Mal nachkommen, als wenn wir ohne Umschweife direkt danach gebeten wurden und eingewilligt haben. Dies liegt daran, dass wir uns für das Zustandekommen des Gefallens verantwortlicher fühlen, wenn er auf das Abschlagen einer größeren Bitte gefolgt ist. Dieses Gefühl der Verantwortlichkeit bindet uns so stark an die Einwilligung einer Bitte, dass wir geneigt sind, sie auch ein zweites Mal zu gewähren. Zudem kommt durch die Einwilligung eine kleinere Bitte anstelle einer größeren ein Gefühl der Zufriedenheit zustande, da man meint, auf der anderen Seite ein Zugeständnis bewirkt zu haben. Zusammenfassung:
Die Reziprozitätsregel besagt, dass in jedem Menschen das Bedürfnis aufkommt, sich zu revanchieren, wenn ihm ein Gefallen getan wird. Diese Regel ist eine der am stärksten verbreiteten Normen der menschlichen Kultur, kann aber auch von Verkaufsprofis taktisch verwendet werden, zum Beispiel in Form der Tür-ins-Gesicht-Taktik. Hierbei wird um einen besonders großen Gefallen gebeten, in Erwartung, dass dieser zwar nicht bewilligt wird, ein zweiter, kleinerer Gefallen, dafür aber mit hoher Wahrscheinlichkeit Anklang finden wird.
1.3 Commitment und Konsistenz
vgl. Cialdini, 2010, S. 92-154.
„Sobald wir eine Entscheidung treffen oder eine Position vertreten, entstehen intrapsychische und interpersonelle Kräfte, die uns dazu drängen, uns konsistent mit dieser Festlegung zu verhalten“ (Ebd., S. 92) Anders gesagt: in dem Moment, in dem wir eine Entscheidung treffen, orientieren wir uns in unserem zukünftigen Verhalten an dieser Entscheidung. Dies zeigt sich beispielsweise bei Menschen, die auf Pferde wetten. Sobald sie ihre Wette abgegeben haben, sind sie augenblicklich zuversichtlicher in Bezug auf die Erfolgsausichten des Pferdes als vor der Wettabgabe. Die Regel der Konsistenz besagt also, dass wir uns in unseren Entscheidungen an unserem früheren Verhalten orientieren und auch ein Ändern der Umstände, wie beispielsweise ein strauchelndes Pferd während des Rennens, uns nicht an der Richtigkeit unserer Entscheidung zweifeln lassen. Der Mensch neigt demnach dazu, konsistent zu handeln, was zum einen daran liegt, dass konsistentes Handeln in der Gesellschaft als positiv wahrgenommen wird. Vor allem aber dient konsistentes Handeln als ein roter Faden, der uns den Alltag erleichtert, da wir uns so nicht zu sehr mit der Informationsflut, die das Leben mit sich bringt, auseinander setzen müssen. Allerdings benutzen wir konsistentes Handeln auch, um unangenehme Gedanken verdrängen zu können. So berichtet der Autor über eine Veranstaltung transzendentaler Meditation, bei der sein Kollege in einer Einführungsveranstaltung sämtliche Argumente der Meditationsleiter widerlegte. Überraschenderweise drängten die Teilnehmer der Veranstaltung daraufhin erst recht darauf, einen Meditationskurs zu buchen und zudem noch vor Ort bar dafür zu bezahlen. Die Erklärung: Die Teilnehmer hatten sich im Vorfeld von dem Meditationskurs Großes erhofft und waren mit der Erwartung dorthin gegangen auf jeden Fall den Kurs zu buchen. Nachdem die Effektivität allerdings sehr nachvollziehbar von Cialdinis Kollegen in Frage gestellt worden war, sahen sich
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die Teilnehmer bedroht, zu inkonsistentem Handeln bewegt zu werden, indem sie ohne eine Buchung nach Hause gegangen wären. Um also ihr Bedürfnis nach konsistentem Handeln zu befriedigen, buchten sie auf der Stelle, um nicht im Nachhinein abwägen zu müssen, ob die vorgetragenen Gegenargumente nicht tatsächlich ausdrücklich gegen einen Besuch des durchaus teuren Meditationskurses sprechen.
Verkaufsprofis machen sich das menschliche Bedürfnis nach konsistentem Handeln durch sogenannte »Commitment»-Praktiken zunutze. Sie bringen uns dazu, eine bestimmte Haltung einzunehmen, die uns dann im Nachhinein zu einer Handlung bewegt, die wir ohne diese verbal kommunizierte Haltung nicht getätigt hätten. Ein Beispiel hierfür ist die »Fuß-in-die-Tür-Taktik«. Wer einmal einer kleinen Bitte zugestimmt hat, stimmt daraufhin mit größerer Wahrscheinlichkeit einer größeren Bitte zu, vorausgesetzt es besteht ein Zusammenhang zwischen den Bitten. Dieser Zusammenhang erklärt, warum wir der zweiten Bitte unsere Einwilligung geben: sie abzuschlagen würde inkonsistentes Handeln bedeuten. Ausnutzen können die Verkaufsprofis diese Phänomen, indem sie einem Kunden erst etwas Günstiges verkaufen, nur um ihm danach ein teureres Produkt vorzuschlagen, was im Zusammenhang mit dem Erstkauf steht.
Commitment-Praktiken sind deswegen so effektiv, weil sie in uns ein Selbstbild schaffen, dem wir entsprechen wollen. Sagt man über uns beispielsweise, dass wir besonders großzügig seien, werden wir daraufhin mit größerer Wahrscheinlichkeit spenden. Diese Wahrscheinlichkeit wird noch größer, wenn wir diese Charaktereigenschaft selber äußern und noch einmal größer, wenn wir sie schriftlich fixieren. Am allergrößten ist sie jedoch, wenn wir sie nicht nur niederschreiben, sondern dies auch noch andere wissen lassen. Dadurch, dass die Öffentlichkeit von unserer Haltung bzw. unserem Commitment weiß, sehen wir uns besonders geneigt konsistent zu handeln.
Noch stärker stehen wir zu einer Haltung, wenn wir keine Kosten und Mühen gescheut haben um sie einzunehmen. Damit sind die brutalen Rituale zu erklären, die Anwärter auf die Mitgliedschaften in Studentenverbindungen auf sich nehmen. Sie durchgehen Schmerz und sonstige Qualen um Teil der Verbindungen werden zu dürfen. Durch diesen hohen Aufwand fühlen sich die neuen Mitglieder den Verbindungen nun besonders zugehörig und treten nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit wieder aus. Wichtig hierbei ist jedoch, dass die Anwärter eine innere Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und sich sagen können: „Ich hab dies alles freiwillig auf mich genommen, nur um Mitglied werden zu können.“ Ineffektiver wäre es also, wenn die Rituale dem gemeinen Wohl zugute kämen, wenn sie zum Beispiel darin bestünden, harte körperliche Arbeit beim Errichten von Häuser für wohltätige Zwecke auf sich zu nehmen. Dies würde die Zugehörigkeit zu der Verbindung senken, weil der Anwärter sich denken könnte: „Ich habe das Ritual nicht wirklich nur zum Zwecke der Aufnahme auf mich genommen. Eigentlich steckt mein soziales Engagement dahinter.“
Dieses Prinzip der inneren Verantwortung macht sich auch bei der Kindeserziehung bemerkbar. Wenn ein Kleinkind unter Androhung einer Strafe auf etwas verzichtet, wirkt diese neu angenommene Haltung nur temporär. Sobald das Kind sich nicht mehr von der Strafe bedroht fühlt, nimmt es die Haltung wieder zurück. Wird die Drohung allerdings weggelassen, machen sich zwei Dinge bemerkbar. Wenn das Kind zum Verzicht deutlich aufgefordert wird, hält es sich auch ohne die Drohung daran. Vor allem aber behält es diese Haltung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch langfristig bei, ganz einfach weil es die Haltung nicht aufgrund einer Drohung angenommen hat und sich damit eher verantwortlich für den Sinneswandel fühlt. Die wohl skrupelloseste Weise, den Konsistenz-Drang des Menschen auszunutzen, ist die «Low-Ball-Technik». Hierbei macht ein Verkäufer einem potentiellen Kunden ein Angebot, welches einen besonderen Vorteil hat, wie etwa ein unschlagbarer Preis. Dann bringt er den Kunden
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Arbeit zitieren:
Jesco Puluj, 2010, Casanovas Beeinflussungsstrategien aus der Sicht von Cialdinis "Psychologie des Überzeugens", München, GRIN Verlag GmbH
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