Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1 Zielbeschreibung 3
1.2 Aufbau der Arbeit 4
2. Massenmedien und Massenkommunikation 4
3. Die Bedeutung der Massenmedien in soziologischen Gegenwartsdiagnosen 5
3.1 Herstellung von Öffentlichkeit 5
3.1.1 Organisierte Medienöffentlichkeit 6
3.1.2 Kritische Öffentlichkeit 7
3.2 Konstruktion einer „zweiten“ Wirklichkeit 8
3.3 Medienwirkungen 10
4. Internet als Massenmedium 11
4.1 Vom Einbahnstraßen-System zum mehrspurigen Kommunikationssystem 11
4.2 Die Entwicklung zum „Web 2.0“ 12
4.3 Integrative bzw. vergesellschaftende Funktion 13
4.4 Kontingenzsteigerung durch neue Medien 14
5. Diskurs 15
5.1 Herstellung von Öffentlichkeit 17
5.2 Konstruktion einer „zweiten“ Wirklichkeit 19
5.3 Medienwirkungen 20
6. Zusammenfassung 21
7. Fazit 23
Literaturverzeichnis 24
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1. Einleitung
„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“ (Luhmann 1996: 9). Nach Luhmanns dif-ferenzierungstheoretischer Betrachtung sind es die Massenmedien, die anderen Teilsystemen und dem Individuum das Wissen über den Ist-Zustand der Welt bereitstellen. Auch einige andere Gegenwartsdiagnosen messen den Strukturen und Wirkungen des Mediensystems große Bedeutungen bei. Thematische Schwerpunkte bilden dabei meist die Öffentlichkeit, die über Massenmedien hergestellt wird (Medienöffentlichkeit) und die von den Medien eigenmächtig betriebene Produktion eines virtuellen Konstrukts (Konstruktionsarbeit). Neben dem Medienproduzenten sollte man aber auch den Rezipienten in den Fokus nehmen und danach fragen, welche Wirkungen mediale Inhalte auf diesen ausüben können (Medienwirkungen). Auf der Basis dieser Themenschwerpunkte sollen die nachfolgenden Zielsetzungen verfolgt werden.
1.1 Zielbeschreibung
In dieser Hausarbeit soll nachgezeichnet werden, welche Aussagen sich in einigen soziologischen Gegenwartsdiagnosen zu den Massenmedien finden und wie sich diese zu den drei genannten Themenschwerpunkten stellen. Im Anschluss soll geprüft werden, welche Bedeutung dem Internet in diesem Kontext zukommt. Denn auch das Internet stellt ein Medium dar, das mit den vorgenannten Problemzusammenhängen verknüpft zu sein scheint. Es ist ebenfalls in der Lage, wie ein Massenmedium Öffentlichkeit herzustellen, Konstruktionsarbeit zu leisten und Wirkungen zu erzielen. Darüber hinaus sind Individuen hier nicht nur Konsumenten, sondern häufig auch Produzenten. Entwickelt sich neben dem Berufsjournalismus vielleicht Massenjournalismus? Welche Auswirkungen hat dies für die Fortentwicklung der Gesellschaft? Ein zentrales Anliegen dieser Arbeit wird also sein, im Kontext der Aussagen soziologischer Gegenwartsdiagnosen zur Bedeutung der Massenmedien auch solche zu finden und zu kontrastieren, die für das Internet getroffen werden - oder sinnvoll erscheinen.
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Leitende Fragestellungen sind:
Welche Bedeutung haben Massenmedien in soziologischen Gegenwartsdiagnosen?
Welches Potenzial und welche Anschlussfähigkeit entwickelt das Internet als Massenmedium?
1.2 Aufbau der Arbeit
Nach den notwendigen Begriffsdefinitionen in Kapitel 2 geht das Kapitel 3 auf einige Gegenwartsdiagnosen und deren Aussagen zur Bedeutung der Massenmedien ein. Die thematischen Schwerpunkte, auf die sich die Gegenwartsdiagnosen in diesem Zusammenhang oft ausrichten, finden sich bei der Strukturierung dieser Hausarbeit wieder: Das sind die Themen „Herstellung von Öffentlichkeit“ (Kapitel 3.1), „Konstruktion einer „zweiten“ Wirklichkeit“ (Kapitel 3.2) und „Medienwirkungen“ (Kapitel 3.3). Das Kapitel 4 widmet sich dem Internet als Massenmedium und stellt die Eigentümlichkeiten der neuen (interaktiven) Medien im Anschluss an die Massenmedien dar. Ein kritischer Diskurs entlang der leitenden Fragestellung, welches Potenzial und welche Anschlussfähigkeit das Internet als Massenmedium entwickelt, ist dem Kapitel 5 vorbehalten. Die Erörterung erfolgt in der Systematik der thematischen Schwerpunkte des Kapitels 3.1 - 3.3, um Aussagen auf gleichem Abstraktionsniveau anzustreben. Zur Klarstellung der Referenzpunkte der Diskussion werden die wesentlichen Aussagen der vorausgehenden Literaturauswertung in einer tabellarischen Übersicht vorangestellt. Die Hausarbeit endet mit einer Zusammenfassung wesentlicher Aussagen in Kapitel 6 und einem kurzen Fazit in Kapitel 7.
2. Massenmedien und Massenkommunikation
Unter Massenmedien versteht man Einrichtungen, die Kommunikation verbreiten und sich technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen. Dabei ist entscheidend, „dass keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sender und Empfängern stattfinden kann“ (Luhmann 1996, 10; kursiv i. O.). Eine solche
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wird ausgeschlossen, indem Technik zwischengeschaltet wird. Das besondere Charakteristikum der Massenkommunikation ist also die Einseitigkeit des Kommunikationsflusses. Das Publikum hat keinerlei Chance, selbst in den Prozess der öffentlichen Meinungsbildung eingreifen zu können, der Kommunikationsprozess besitzt keine diskursive, sondern eine konsumtive Struktur (Münch 1997: 704). Auch ohne diese Möglichkeiten, in den Prozess eingreifen zu können - beziehungsweise gerade deshalb - bestehen hohe Freiheitsgrade bei der Meinungsbildung. Massenmedien erzeugen zwar immer neue Anlässe für die Kommunikation, allerdings erzeugen sie keinen Konsensdruck. Auch wenn die Massenkommunikation anonym abläuft, so setzen doch grundsätzlich Diskussionen und Meinungsaustausche über die Themen ein, deren Verlauf völlig offen bleibt. Die strikte Trennung zwischen Sender und Empfänger führt also nicht zu einem normativen Anpassungszwang, sondern ist eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung höherer Freiheitsgrade in der Kommunikation und Behandlung gesellschaftlicher Ereignisse - Anonymität und distanzierte Beobachtung machen gerade deshalb Sinn. „Interaktionsgewinne wären mit Reflexionsverlusten zu bezahlen“ (Wehner 1997: 106).
Die weiteren Ausführungen stehen im Lichte dieses Verständnisses von Massenmedien und Massenkommunikation, spätestens bei der Betrachtung des Internets wird dieses Verständnis aber zu überdenken sein.
3. Die Bedeutung der Massenmedien in soziologischen
Gegenwartsdiagnosen
3.1 Herstellung von Öffentlichkeit
Der Öffentlichkeitsbegriff wird in der Soziologie in verschiedenen Zusammenhängen verhandelt. Es geht dabei zum Beispiel um den Aspekt der organisierten Medienöffentlichkeit, der der Frage nachspürt, welche Mechanismen bei der Herstellung von Öffentlichkeit eine Rolle spielen. Man kann ‚Öffentlichkeit’ aber auch als kritische Öffentlichkeit auf die Bevölkerung allgemein beziehen und deren Potential im Rahmen der Gesellschaftsentwicklung beleuchten.
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Egal worauf man den Fokus richtet, die Wirkungen medial hergestellter Öffentlichkeit sind sehr oft evident. Sie können z. B. in der differenzierungstheoretischen Perspektive betrachtet Teilsysteme irritieren und im Einzelfall determinieren. 1
3.1.1 Organisierte Medienöffentlichkeit
Der Journalismus besitzt als Träger der öffentlichen Kommunikation dominierenden Einfluss auf alle gesellschaftlichen Prozesse. Die „Gesetze der medialen Ereignisproduktion“ bestimmen das soziale Handeln, und sie ergeben sich aus der „globalen Kommunikationskonkurrenz“ (Münch 1997: 697). Jedes Warten oder zu spät kommen wird mit sinkenden Einschaltquoten bestraft. „Der Weg der Kommunikation geht jetzt nicht mehr vom Ereignis zu dessen Darstellung, sondern vom Inszenierungszwang zur Erzeugung der Ereignisse“ (Münch 1997: 697).
Öffentlichkeit wird meist im Zusammenhang mit politischer Öffentlichkeit ver-standen, Politik ist ohne Massenmedien nicht mehr denkbar und insofern medial konstruiert. Und hier sieht Münch auch konkrete Konsequenzen. Weil Journalisten einerseits aus besagten Gründen einem Inszenierungszwang unterliegen, andererseits Politiker sich der Medien bedienen müssen, um politische Ereignisse in Gang zu setzen, verschwimmen die Grenzen zwischen Journalismus und Politik. „Beide Seiten durchdringen sich gegenseitig immer tiefgreifender, so dass kaum noch festzustellen ist, wo die Politik aufhört und die mediale Darstellung beginnt und wo die mediale Darstellung aufhört und die Politik beginnt (…) Wir haben keine Berichterstattung der Medien über die Politik, sondern eine mediale Ereignisproduktion, in der sich Medien und Politik in virtueller Politik auflösen“ (Münch 1997: 699f.).
1 Als der Shell-Konzern 1995 beabsichtigte, die ausgediente Öllager- und Verladeplattform Brent Spar im Meer zu versenken, bewirkte der öffentlich ausgetragene Protest der Umwelt-schutzorganisation Greenpeace, dass der Konzern sein Vorhaben aufgab.
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Grundsätzlich müssen alle gesellschaftlichen Sacherhalte medientauglich sein, um gesellschaftsweit öffentlich gemacht zu werden. Somit entscheiden die Medien darüber, „wer und was sozial und politisch existiert“ (Bourdieu 1996: 28). Der Faktor „öffentliche Sichtbarkeit“ vermag nicht nur gesellschaftliche Entwicklungen zu katalysieren, sondern kann auch Exklusionen erzeugen. Dies zeigt sich am Beispiel „seltener Krankheiten“. In der Regel ist es für die pharmazeutische Industrie wirtschaftlich uninteressant, Arzneimittel gegen diese zu entwickeln. Lassen sich solche Sachverhalte wegen fehlender Medientauglichkeit nicht in die Öffentlichkeit rücken und fehlt in der Folge politischer Handlungswille, kann dies für die Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes zu einer „Überlebensfrage“ werden. Inwiefern aber gleich der Zerfall der demokratischen Kultur droht, bleibt offen. Münch, der dieser Frage nachgeht, sieht den Ausweg in einer „weitere[n] Professionalisierung von Meinungsbildung und politischer Mobilisierung von Unterstützung oder Protest durch politische Akteure in Regierung, Opposition und Interessengruppen…“ (Münch 1997: 708).
3.1.2 Kritische Öffentlichkeit
Man kann die Herstellung von Öffentlichkeit auch als Möglichkeit betrachten, die Gesellschaftsentwicklung vorantreiben und Missstände beseitigen zu können. Denn eine kritische Öffentlichkeit bringt Akteure in Zugzwang. In der politischen Verwaltung liest man nicht den Untersuchungsbericht, sondern die Wochenzeitschrift „Der Spiegel“, weil politisch relevante Sachverhalte erst dort eine soziale Konstruktion erfahren. Die Politik kann diese „publizierte öffentliche Meinung“ nicht einfach ignorieren, weil ansonsten der Verlust von Wählerstimmen droht (Beck 1986: 320f.). Auch Habermas sieht diesen Aspekt der Öffentlichkeit, der über Massenmedien hergestellt wird. Öffentlichkeit versteht er als Netzwerk und definiert dieses als „intermediäre Struktur, die zwischen dem politischen System einerseits, den privaten Sektoren der Lebenswelt und funktional spezifizierten Handlungssystemen andererseits vermittelt“ (Habermas 1992: 451). Er differenziert zwischen „episodischen“ Kneipen-, Kaffeehaus- oder Straßenöffentlichkeit über die veranstaltete Präsenzöffentlichkeit von Theateraufführungen, Elternabenden, Rockkonzerten, Parteiversammlungen oder Kir-
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Egon Wachter, 2010, Was wissen wir über den Ist-Zustand der modernen Welt? , München, GRIN Verlag GmbH
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