Grundlinien der Stadtentwicklung in Ost-Deutschland 1960-1990 WS 2006/07
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
1 Grundlinien der Stadtentwicklung in
Ost -Deutschland 1960-1990 2
1.1 Aufbau der Stadtzentren - Zwischen Peripherie und 3
Zentralit ät
1.2 Altbauten in der DDR - Gleichgültigkeit und Verfall 5
1.3 Wohnungsmangel und Wohnungsbau - Aspekte des
„sozialen Problems“ 7
Literaturverzeichnis 12
Anlagen 13
Übung Humangeographie I: Siedlungsgeographie, N Franzen 1
Grundlinien der Stadtentwicklung in Ost-Deutschland 1960-1990 WS 2006/07
1 Grundlinien der Stadtentwicklung
in Ost-Deutschland 1960-1990
Einleitung
„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ (LEONHARDT 2005: 317).
Bereits dieses Zitat von Walter Ulbricht gewährt uns einen Einblick in die sozialistische Führung der Deutschen Demokratischen Republik. Nach außen hin sollte das Volk in den Glauben haben in einem demokratischen Staat zu leben, die Realität jedoch war eine andere. In dem nachfolgenden Text möchte ich die sozialistisch-planwirtschaftliche Führung im Hinblick auf die Stadtentwicklungsprozesse in der Deutschen Demokratischen Republik von 1960-1990 darlegen. Besonderes Augenmerk lege ich dabei auf folgende drei Schwerpunkte. Ich möchte untersuchen, wie und unter welchen politischen Einflüssen Stadtzentren geplant wurden, wie sich der Wohnungsbau entwickelt hat und welche Relevanz den Altbauten zukam. Im Anschluss an die Erläuterung und Darlegung der drei Punkte werde ich mit einem Fazit abschließen. In diesem Fazit möchte ich, neben einer Zusammenfassung, den Aspekt betrachten, wie die Stadtentwicklung in der DDR von der Bevölkerung aufgenommen wurde. Dabei möchte ich bestimmte Aspekte hervorheben, welche zu zentralen Aspekten einer Stadtentwicklung gehören und inwiefern Institutionen diese verwirklicht haben.
2 Übung Humangeographie I: Siedlungsgeographie, N. Franzen
Grundlinien der Stadtentwicklung in Ost-Deutschland 1960-1990 WS 2006/07
1.1 Aufbau der Stadtzentren - Zwischen Peripherie und Zentralität
Die DDR-Stadt lässt sich durch drei auffällige Merkmale deutlich von kapitalistischen Städten unterscheiden, zu denen die Ganzheitlichkeit, die Zentralität und die Dominanz zählt (TOPFSTEDT 1988: 11). Eine große Relevanz kam dem Aspekt der Repräsentation und Demonstration des Staates und der sozialistischen Gesellschaftsordnung durch das Bauwesen zu. Nach diesen Leitlinien hatte eine sozialistische Stadt Hauptmagistralen, für
Demonstrationen und Paraden, städtebauliche Dominanten, wie z.B. der Fernsehturm in Berlin (vgl. Abb. 2) als Ausdruck der Staatsmacht und des sozialistischen Gesellschaftssystems und mindestens einen großen Zentralen Platz, aufzuweisen.
wurden um den zentralen Platz gelegt, wie
z.B. der Palast der Republik in Berlin, welcher in der Nähe des Alexanderplatzes liegt. Das Bauwesen wurde stark auf die Stadtzentren fokussiert, da es nach den „16 Grundsätzen des Städtebaus“ als Kern und politischer Mittelpunkt einer sozialistischen Stadt alle wichtigen politischen, administrativen, wie auch kulturellen Einrichtungen erhielt (vgl. Anlagen) (HEINEBERG 2000: 224). „Gefordert wurden funktionstüchtige und repräsentative städtebauliche Lösungen, die den materiellen und kulturellen Ansprüchen der Gesellschaft besser als bisher entsprechen sollten (…)“ (TOPFSTEDT 1988: 11). Zahlreiche Kritik des Volkes am sozialistischen Klassizismus, d.h. dem stalinistischen Zuckerbäckerstil, welcher palastartige Bauten und zahlreiche Fassadenverzierungen verkörperte, sowie die Subsidiaritätsberaubung der Gemeinden, i. S. von Entmachtung lokaler Institutionen, entluden sich im Orientierungsumschwung des Städtebaus der DDR. Zukunftsorientiert sollte sich das Bauwesen frei nach dem Willen der SED entfalten (PAULI 2000: 26). In den 60er Jahren lässt sich das Städtebauleitbild als Umgestaltung der Stadtzentren mit Zentralitätsaspekt und der Suche nach sozialistischem Architekturausdruck, welcher die sozialistischen Ideale widerspiegelt, beschreiben. Während Walter Ulbricht an der sozialistischen Stadtgestaltung vom neuen Zentrum zur Peripherie festhielt, orientierte sich Erich Honecker an der Konzentration auf das Zentrum aufgrund der Industrialisierung (PAULI 2005: 44). Ab 1970 setzt sich im Aufbau des Stadtzentrums besonders die verstärkte Errichtung von Fußgängerbereichen durch, welche in den peripheren Einkaufszentren am Stadtrand zum ersten Mal auftraten. Beim Wiederaufbau
3 Übung Humangeographie I: Siedlungsgeographie, N. Franzen
Grundlinien der Stadtentwicklung in Ost-Deutschland 1960-1990 WS 2006/07
der Zentren lag die ideologische Repräsentation deutlich im Vordergrund. Zentrenattraktivität und Kundenfreundlichkeit wurden nicht berücksichtigt. Auch hier wurden Fußgängerbereiche errichtet, die kurze Strecken durch weite Laufwege ersetzten. „Fehlende Konkurrenz, mangelnde Kundenfreundlichkeit und Werbung lassen das Einkaufen (…) zu einem Akt der „Versorgung“ [Hervorhebung durch Verfasser] werden, während es im Westen (…) zu einer Freizeitaktivität wird.“ (SCHÖLLER 1986: 41).
Positiv zu vermerken, ist der Aufbau zahlreicher Kultur- und Bildungseinrichtungen, wie z.B. Theater und Konzertsäle, Schulen, Museen und Sportanlagen.
4 Übung Humangeographie I: Siedlungsgeographie, N. Franzen
Arbeit zitieren:
Benjamin Mustafic, 2006, Grundlinien der Stadtentwicklung in Ost-Deutschland 1960-1990, München, GRIN Verlag GmbH
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